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Thema des Tages
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 23: Meteorologie im 19.
Jahrhundert (c)
Der Schwerpunkt des heutigen Thema des Tages liegt bei
Persönlichkeiten aus dem Bereich der Meteorologie, die im 19.
Jahrhundert interessante Forschungsarbeiten erzielten. Die
Meteorologie war zu dieser Zeit eine aufstrebende Wissenschaft, so
dass es viele erwähnenswerte Forscher mit wichtigen Beiträgen aus
dieser Zeit gibt.
Wir beginnen mit einem Wissenschaftler aus Asien, der besonders
prägend für die Meteorologie auf dem indischen Subkontinent war.
Nachfolgend werden Forscher aus Europa und Amerika vorgestellt.
Der indische Mathematiker Radhanath Sikdar (1813-1870) aus Bengalen
war von 1852 bis 1862 Leiter der Wetterwarte in Kalkutta (Kolkata).
Seine erste Aufgabe bestand darin, eine Tabelle zur Umrechnung
barometrischer Beobachtungen auf eine Standardtemperatur von 32 Grad
F zu erstellen. Dazu entwickelte er die erforderliche Formel,
basierend auf der bekannten thermischen Ausdehnung und Kontraktion
der Messingskala des Barometers und des Quecksilbers selbst in
Abhängigkeit von der Temperatur. Dies war notwendig, um den Vergleich
von bei unterschiedlichen Temperaturen gemessenen Druckwerten zu
ermöglichen. Vor 1852 hatte das Observatorium nur unregelmäßige
Beobachtungen durchgeführt. Sikdar richtete umgehend ein Programm
regelmäßiger stündlicher Wetterbeobachtungen ein, welches die
Anwendung der notwendigen Korrekturen hinsichtlich der
Instrumentenleistung umfasste. Er wurde 1853 Mitglied der Asiatic
Society of Bengal und hatte bereits (ab Dezember 1852) die
regelmäßige Veröffentlichung der stündlichen Beobachtungen seines
Observatoriums sowie verschiedener Tages- und Monatsmittelwerte in
den "Proceedings and Journal" der Gesellschaft veranlasst. Dieses
Veröffentlichungsprogramm wurde bis 1877 fortgesetzt. Darüber hinaus
gelang ihm, in Dienste der Großen Trigonometrischen Vermessung
stehend, 1852 per Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von
Peak XV im Himalaya. Er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der
höchste Berg der Welt sei (später nach dem Leiter der Großen
Trigonometrischen Vermessung Mount Everest genannt).
Der französische Meteorologe Emilien Renou (1815-1902) widmete sich
zunächst der Geologie und der Geographie in den nordafrikanischen
Regionen Algerien und Marokko. 1852 gründete mit Charles Joseph
Sainte-Claire Deville (1814?1876) die Societe Meteorologique de
France, deren Sekretär er in insgesamt elf Jahren war. Dabei hatte er
viermal das einjährige Amt des Präsidenten inne. Er führte 1855 die
Kategorien Altocumulus und Altostratus in die Wolkenklassifikation
nach Howard (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der Meteorologie)
ein und etablierte damit das mittlere Wolkenstockwerk. Ab 1872 war er
bis zu seinem Tod Direktor im Parc Saint-Maur, von wo aus
meteorologische Untersuchungen angestellt wurden, die insbesondere
das Klima von Paris betrafen. In seinen Arbeiten über das Klima von
Paris diagnostizierte er unter anderem die urbane Wärme-Insel.
Der US-amerikanische Meteorologe William Ferrel (1817-1891) wuchs in
ärmlichen Verhältnissen auf und eignete sich sein ganzes Wissen als
Autodidakt an. Um das Jahr 1850 stieß er zufällig auf eine Abhandlung
über die Gezeiten und entdeckte, dass Laplace (siehe Teil 11 der
Serie zur Geschichte der Meteorologie) in seiner berühmten Abhandlung
zur Himmelsmechanik ein Fehler unterlaufen sein müsse: die Wirkung
von Sonne und Mond auf die Tiden auf der Erde muss die Erddrehung
langsam abbremsen. Laplace hatte den Effekt der Reibung nicht
berücksichtigt. 1856 erschien sein Artikel "An essay on the winds and
currents of the ocean", in dem er als Erster eine plausible Erklärung
für die Windzirkulation in den mittleren Breiten der Erde vorlegte
(planetarische oder planetare Zirkulation). 1858 veröffentlichte er
den Artikel "The influence of the Earth's rotation upon the relative
motion of bodies near its surface". Er stellte hierin fest, dass ein
Gegenstand, der sich auf der Erde bewegt, infolge der Erddrehung auf
der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhemisphäre nach links
abgelenkt wird. Nahezu gleichzeitig und unabhängig davon gelang dies
auch Buys Ballot (siehe Teil 20 der Serie zur Geschichte der
Meteorologie) mit dem Barischen Windgesetz. Er veröffentlichte noch
weitere Arbeiten zur Meteorologie und zur Hydrodynamik.
Der preußisch-US-amerikanische Meteorologe Heinrich Wilhelm Blasius
oder William Blasius (1818-1899) stellte 1852 als Erster eine Theorie
über die Genese der Stürme ("New theory of storms") auf, die bis
heute vollständig den Grundanschauungen der Vertreter der
Polarfronttheorie entspricht und in wesentlichen Punkten die Lehre
von Dove (siehe Teil 21 der Serie zur Geschichte der Meteorologie)
ergänzte. Er fand jedoch wenig Unterstützer, weil er seine eigene
Terminologie schuf und es versäumte, seine Theorien zu begründen.
Seine Thesen gerieten bald weitgehend in Vergessenheit.
Der britische Ingenieur Thomas Stevenson (1818-1887) aus Schottland
erfand die Wetterhütte oder Thermometerhütte, die im Englischen als
"Stevenson screen" bekannt wurde. Die Erfindung wurde 1864
veröffentlicht. Diese Wetterhütte ist im Wesentlichen ein belüfteter
Kasten, der die Messgeräte umschließt. Diese sind vor direkter
Sonneneinstrahlung geschützt, während gleichzeitig die Luft
ungehindert um sie herum zirkulieren kann. Das charakteristischste
Merkmal dieser Wetterhütte sind seine mit Lamellen versehenen
Seitenwände. Die Lamellen sind so geneigt, dass sie das Innere des
Kastens beschatten, während gleichzeitig die Zwischenräume zwischen
den Lamellen die Luftzirkulation durch den Schutz ermöglichen. Der
Schutz ist weiß lackiert, da eine dunkle Farbe dazu führen würde,
dass der Schutz Sonnenenergie absorbiert und sich dadurch erwärmt und
durch eine solche Erwärmung die Messgeräte Werte anzeigen, die nicht
repräsentativ für die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind. Diese
Wetterhütte enthält in der Regel mindestens ein Trockenthermometer
zur Messung der Lufttemperatur und ein Feuchtthermometer zur Messung
der Luftfeuchtigkeit. Oft sind auch Thermometer für Höchst- und
Tiefsttemperaturen enthalten, und es können zudem Aufzeichnungsgeräte
für Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorhanden sein.
Der französische Physiker, Erfinder und Meteorologe Hippolyte
Marie-Davy (1822-1911) untersuchte rotierende Tiefdruckgebiete. Er
erkannte, dass mitteleuropäische Stürme und Sturmtiefs, von ihm als
"bourrasques" bezeichnet, im Kern dieselbe physikalische, rotierende
Struktur besitzen wie tropische Zyklonen. Um seine Theorie zu
beweisen und Zyklone sichtbar zu machen, führte er als einer der
Ersten tägliche synoptische Wetterkarten ein, die Linien gleichen
Luftdrucks (Isobaren) zeigten. Im September 1863 veröffentlichte er
im offiziellen Bulletin die erste überlieferte Wetterkarte dieser Art
in Frankreich. Marie-Davys Zyklonentheorie und seine herausragende
Arbeit mit Isobaren-Wetterkarten erlaubten es dem Pariser
Observatorium erstmals, heranziehende Stürme telegraphisch an die
französischen Seehäfen zu melden und so den modernen Sturmwarndienst
im Atlantik zu begründen. Seine Erkenntnisse wurden im Werk
"Meteorologie, les mouvements de l'atmosphere et des mers" (übersetzt
"Meteorologie, Bewegungen in der Atmosphäre und in den Meeren") 1866
publiziert. Marie-Davy war darüber hinaus auch auf dem Gebiet der
Elektrochemie tätig, er erfand die nach ihm benannte
Marie-Davy-Batterie.
Der britische Naturforscher und Schriftsteller Sir Francis Galton
(1822-1911) war in vielen verschiedenen Disziplinen wie Geographie,
Afrikaforschung und der Vererbungslehre tätig, er prägte dort den
Begriff Eugenik. Im Bereich der wissenschaftlichen Meteorologie war
Galton der Erste, der die Antizyklone, das Hochdruckgebiet, im
Gegensatz zur Zyklone, dem Tiefdruckgebiet, identifizierte. Er führte
die Verwendung von Karten ein, auf denen Gebiete mit ähnlichem
Luftdruck dargestellt wurden, die moderne Wetterkarte. Sein Buch
"Meteorographica" von 1863 war der erste systematische Versuch,
Wetterdaten auf kontinentaler Ebene zu sammeln, graphisch
darzustellen und zu interpretieren. Es wurde so zu einem
grundlegenden Werk der modernen wissenschaftlichen Meteorologie.
Seine Aktivitäten im Bereich der Datenerfassung und Datendarstellung,
sowohl hier als auch für die Geographische Gesellschaft und deren
Suche nach der Nilquelle, führten ihn schließlich zu den
statistischen Innovationen, die für seine quantitative Erforschung
der Vererbung erforderlich waren. Galton erstellte die erste
Wetterkarte, die in der Zeitung "The Times" veröffentlicht wurde (am
1. April 1875; sie zeigte die synoptische Situation des Vortags, des
31. März 1875). Wetterkarten entwickelten sich in der Folge weltweit
zu einem festen Bestandteil von Zeitungen.
Der französische Medizinier und Chemiker Paul-Jean Coulier
(1824-1890) bewies als Erster experimentell, dass Staubpartikel in
der Luft zwingend notwendig sind, damit Wasserdampf zu Wolken oder
Nebel kondensieren kann. Coulier goss in seinem Flaschenexperiment
1875 eine kleine Menge warmes Wasser in eine Glasflasche, sodass die
Luft darin mit Wasserdampf gesättigt war. Nach Erhöhung des Drucks in
der Flasche und anschließender schlagartiger Entweichung dessen
(adiabatische Expansion), kühlte sich die Luft ab und es bildete sich
augenblicklich ein künstlicher, dichter Nebel (eine Miniaturwolke) im
Gefäß. Als Coulier das Experiment wiederholte, die einströmende Luft
jedoch zuvor gründlich durch Baumwolle filterte, geschah etwas
Überraschendes: Trotz der schnellen Druckentlastung und Abkühlung
blieb die Luft absolut klar, es bildete sich kein Nebel. Er folgerte
korrekt, dass nicht die Luft oder der Wasserdampf allein für die
Wolkenbildung verantwortlich sind, sondern winzige, unsichtbare
Schwebeteilchen (Staub) in der normalen Umgebungsluft. Der
Wasserdampf benötigt diese festen Oberflächen, um sich daran
anzuheften und Tröpfchen zu bilden. Couliers Entdeckung wurde in
einer pharmazeutischen Fachzeitschrift (Journal de Pharmacie et de
Chimie) veröffentlicht und blieb in meteorologischen Kreisen
weitgehend unbeachtet.
Der britisch-australische Geodät George Goyder (1826-1898) wurde 1856
zum stellvertretenden Generalvermesser in der Kolonie Südaustralien
und 1861 dort zum Generalvermesser ernannt. Australien ist ein
weitgehend trockenes Land. Die Niederschlagsmengen schwanken stark,
und es kommt zu Dürren. In der regenreichen Zeit der 1850er und
frühen 1860er Jahre wurden in Südaustralien immer weiter nördlich von
der Küste neue Farmen gegründet. Ein trockenes Jahr im Jahr 1864
brachte eine Katastrophe mit sich: Ernten verdorrten, Vieh verendete
und Farmen wurden aufgegeben. Goyder wurde beauftragt, festzustellen,
wo die Ernten ausfielen und wo nicht. Im Jahr 1865 legte er die
"Goyder-Niederschlagslinie" oder einfach "Goyder-Linie" fest: die
Linie, an der der durchschnittliche jährliche Niederschlag etwa 300
mm (bzw. Liter pro Quadratmeter) betrug (einige Quellen sprechen von
einer Grenze von 250 mm). Er empfahl, nördlich dieser Linie, wo die
Bedingungen im Durchschnitt zu trocken waren, keinen Versuch zu
unternehmen, Getreide anzubauen. Selbst Schafzucht und
Weidewirtschaft wären in diesen Gebieten riskant. Seine Empfehlung
wurde von einigen Australiern verspottet, doch nachfolgende Dürren
bewiesen, dass sie tatsächlich durchaus vernünftig war. Die Linie
wurde als Richtwert dafür akzeptiert, wie weit landeinwärts die
Landwirtschaft über einen Zeitraum hinweg, der sowohl trockene als
auch feuchte Phasen umfassen konnte, eine vernünftige Aussicht auf
Erfolg hatte. Die Goyder-Linie ist auch an der natürlichen Vegetation
der Region erkennbar: Nördlich davon überwiegt der Salzstrauch. In
einigen Gebieten ist sie dort noch heute durch Gedenktafeln
gekennzeichnet. Goyder legte später eine ähnliche Linie im heutigen
Northern Territory in Australien fest.
Der britische Meteorologie Alexander Buchan (1829-1907) aus
Schottland erlangte durch seine konvektive Zyklonentheorie
Bekanntheit. Buchan argumentierte, dass lokale Erwärmung die Luft
expandieren und an Dichte verlieren lässt. Diese leichtere, warme
Luft steigt säulenartig nach oben (Konvektion). An der Oberfläche
entsteht dadurch ein relatives Vakuum, ein Tiefdruckgebiet. Der
entscheidende Durchbruch seiner Theorie war die Verknüpfung der
Mechanik mit der Feuchtigkeitsphysik. Wenn die feuchte Luft aufsteigt
und abkühlt, kondensiert der Wasserdampf zu Wolken und Regen. Bei
dieser Kondensation wird latente Wärme (Kondensationswärme) an die
Umgebung abgegeben. Diese Wärme heizt die Luft im Zentrum der Zyklone
weiter auf, verstärkt den thermischen Auftrieb und hält den "Motor"
des Sturms am Laufen. Durch den anhaltenden Druckabfall im Zentrum
wird kältere, dichtere Luft aus der Umgebung radial und spiralförmig
angesaugt (was die typische zyklonale Windzirkulation füttert).
Buchan war der Erste, dem es 1868 gelang, den exakten Zugweg eines
Sturms von Nordamerika über den Atlantik bis nach Europa lückenlos
anhand von Luftdruck- und Isobarenkarten nachzuzeichnen. Er bewies
damit, dass die wandernden Wirbelstürme der gemäßigten Breiten
physikalisch nach denselben konvektiven Gesetzen funktionieren wie
tropische Hurrikane.
Der peruanische Marineoffizier und Politiker Camilo Carrillo
(1830-1901) verfasste 1892 den ersten offiziellen wissenschaftlichen
Bericht über das Phänomen "El Nino". Vor der Geographischen
Gesellschaft von Lima hielt er einen wegweisenden Vortrag, in dem er
das jahrhundertealte Wissen der peruanischen Fischer wissenschaftlich
dokumentierte. Carrillo hielt schriftlich fest, dass die Fischer nahe
Paita im Norden Perus eine periodisch auftretende, ungewöhnlich warme
Meeresströmung "El Nino" nannten. Da diese Erwärmung meist um die
Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreichte, benannten die Fischer sie
nach dem Christkind. Er beschrieb, dass die warme Strömung die
typischen Kaltwasserfische wie Sardellen vertrieb und die Fischerei
zum Erliegen brachte. Gleichzeitig führte sie in den sonst extrem
trockenen Küstenwüsten zu heftigen Regenfällen, die von den
Landwirten für die Agrarwirtschaft genutzt wurden. Durch Carrillos
Bericht gelangte der Begriff "El Nino" von der mündlichen
Überlieferung lokaler Fischer in die internationale Wissenschaft, wo
er später als weltweites Klimaphänomen erforscht wurde.
Der französische Ingenieur Gustave Eiffel (1832-1923) errichtete
Brücken und andere Großbauwerke. Er entwarf den großen Turm aus
Eisen, der von 1887 bis 1889 in Paris gebaut wurde und seinen Namen
erhielt und seinerzeit das höchste Bauwerk der Welt war. Der Turm
fand sofort praktische Verwendung als riesiger Rundfunkmast, und
Eiffel nutzte ihn zudem für Experimente zur Windwiderstandsfähigkeit
und Aerodynamik. Eiffel ließ an verschiedenen Stellen im Turm
meteorologische Instrumente anbringen, und 1889 ermächtigte er das
Zentrale Meteorologische Büro Paris, auf der Turmspitze in 300 m Höhe
über dem Boden eine Wetterstation einzurichten. Eiffel entwarf
Gehäuse für seine Thermometer und andere Instrumente, die diese
schützten und gleichzeitig einen freien Luftstrom um sie herum
ermöglichten. Außerdem baute er ein privates
Wetterbeobachtungsnetzwerk mit 25 Stationen auf (darunter eine in
Algier). Die von ihm gesammelten Daten wurden in Wetteratlanten
zusammengefasst, die von 1903 bis 1912 veröffentlicht wurden. Der
Eiffelturm wurde zudem genutzt, um atmosphärische elektrische
Messungen auf verschiedenen Höhen bis hinauf zur Spitze
durchzuführen, die wiederum zur Untersuchung der vertikalen Profile
der Rauchpartikelkonzentration in der Grenzschicht dienten. Dies war
eine der frühesten Untersuchungen zur Luftverschmutzung in Paris.
Der dänische Bibliothekar, Kunsthistoriker und Amateur-Meteorologe
Philip Weilbach (1834-1900) schlug 1880 dem Ständigen Ausschuss der
Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO), einem Vorläufer
der heutigen Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die Bezeichnung
eines neuen, frei konvektiven, vertikalen oder mehrstufigen
Wolkentyps vor, nämlich "Cumulonimbus" (aufgetürmte Regenwolke), was
vom Ausschuss angenommen wurde. Dieser würde sich von Cumulus und
Nimbus unterscheiden und wäre an seiner oft sehr komplexen Struktur
sowie an seiner Fähigkeit, Gewitter zu erzeugen, zu erkennen. Mit
dieser Ergänzung wurde ein Kanon von zehn troposphärischen
Wolkengattungen festgelegt, der offiziell und allgemein anerkannt
wurde.
Der norwegische Meteorologe und Ozeanograph Henrik Mohn (1835-1916)
wurde 1866 zum ersten Professor für Meteorologie am neu
eingerichteten Institut für Meteorologie an der Universität
Christiania (Oslo) berufen. 1870 veröffentlichte er einen Sturmatlas,
1872 das Werk "Om Vind og Veir. Meteorologiens Hovedresultater"
(übersetzt "Grundzüge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter
nach den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt"). Bei der
Eruption des isländischen Vulkans Askja Ende März 1875 wurden
gewaltige Mengen feiner Vulkanasche in die Atmosphäre geschleudert.
Die Aschewolke zog über das Europäische Nordmeer direkt nach
Skandinavien, wo es in weiten Teilen Norwegens und Schwedens zu
spürbarem Ascheregen kam. Mohn nutzte das meteorologische
Stationsnetz, um die genauen Zeitpunkte und Orte des Aschefalls
systematisch zu erfassen. 1877 veröffentlichte er eine
meteorologische Karte unter dem Titel "Askeregnen" (norwegisch für
"Der Ascheregen"). Mohn bewies als einer der ersten Wissenschaftler
weltweit, dass vulkanische Partikel durch atmosphärische Strömungen
über große Entfernungen hinweg transportiert werden können. Seine
präzisen meteorologischen Analysen halfen dabei zu verstehen, wie
Höhenwinde, die oberen Luftströmungen, Partikel rund um den Globus
tragen. Diese Erkenntnisse bilden bis heute die Grundlage für moderne
Schadstoffausbreitungsmodelle, wie sie etwa bei Vulkanausbrüchen für
die Luftfahrtsicherheit genutzt werden. Mohn leitete zusammen mit dem
norwegischen Zoologen Georg Ossian Sars (1837-1927) die Norwegische
Nordmeerexpedition mit dem Dampfschiff "Voeringen" zwischen 1876 und
1878, auf der neben ozeanographischen Messungen meteorologische
Beobachtungen durchgeführt und die Wanderungsbewegungen von Fischen
untersucht wurden. Mohn gewann neue Einblicke in die Dynamik der
Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre. Das half ihm bei der
Entwicklung seiner Zyklonentheorie. Als einer der Ersten verstand er
die Beziehung zwischen der Dichteverteilung des Meerwassers, den
Meeresströmungen und der Erdrotation. Bereits 1880 erklärte Mohn die
Bildung von Tiefenwasser im Europäischen Nordmeer. Mohn war 1879
Gründungsmitglied der Internationalen Polarkommission und sorgte
dafür, dass Norwegen eines der ersten Länder war, die die
Finanzierung einer Forschungsstation (Bossekop, heute ein Stadtteil
von Alta in Nordnorwegen) für das Erste Internationale Polarjahr von
1882/83 zusicherten. Mohn leistete in den 1890er Jahren Pionierarbeit
bei der Erforschung von Wolken in der Stratosphäre. Er gilt als der
Erste, der die schillernden polaren Stratosphärenwolken (PSC)
wissenschaftlich untersuchte und gab ihnen im Jahr 1893 den
treffenden Namen Perlmuttwolken (norwegisch: perlemorskyer). Mohn
veröffentlichte 1893 eine umfassende Arbeit über diese "irisierenden
Wolken". Er beschrieb fasziniert ihre einzigartigen optischen Effekte
und leuchtenden Farben, die nach Sonnenuntergang am Polarhimmel
sichtbar werden. Mohn erkannte sofort, dass sich diese Wolken weit
oberhalb der normalen Wetterschicht befinden mussten. Allerdings
überschätzte er ihre Höhe massiv und berechnete sie auf über 100
Kilometer. Rund 40 Jahre später fand man heraus, dass sie real in der
unteren Stratosphäre in 20 bis 30 km Höhe liegen. Mohn sah in den
polaren Stratosphärenwolken vor allem ein faszinierendes optisches
Naturphänomen. Heute weiß die moderne Atmosphärenphysik, dass diese
stratosphärischen Wolken eine Schlüsselrolle beim Ozonabbau spielen:
An der Oberfläche ihrer Eiskristalle, die oft aus Salpeter- und
Schwefelsäure bestehen, werden harmlose Chlorverbindungen in
hochreaktive Gase umgewandelt, die unter Sonneneinstrahlung das
Ozonloch über den Polarregionen aufreißen. Mohn gilt als Begründer
der Meteorologie und Ozeanographie in Norwegen.
Der bayerische Physiker und Meteorologe Wilhelm von Bezold
(1837-1907) wurde 1878 zum Direktor der Bayerischen Meteorologischen
Zentralstation in München ernannt. Ab 1879 gab er ein
meteorologisches Jahrbuch und ab 1881 einen täglichen Wetterbericht
der Zentralstation heraus. 1885 wechselte er als Direktor des
Meteorologischen Instituts an die Universität Berlin, wo er bis 1907
tätig war. Er machte sich um den Aufbau des Netzes meteorologischer
Stationen in Preußen und Bayern verdient. Maßgeblich auf seine
Initiative hin wurden die Höhenwetterstationen auf dem Brocken und
nachfolgend auf dem höchsten preußischen Berg, der Schneekoppe im
Riesengebirge in Schlesien, geschaffen. Letztere nahm ihren
Messbetrieb im Juni 1900 auf. Von Bezold führte viele Untersuchungen
auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre durch sowie über physiologische
Optik. Seine meteorologischen Arbeiten betreffen die Dämmerung, die
Lehre vom Gewitter, den Erdmagnetismus und die Thermodynamik der
Erdatmosphäre. Er führte 1888 in der Arbeit "Zur Thermodynamik der
Atmosphäre" den Begriff der potentiellen Temperatur, einer
thermodynamischen Zustandsgröße, ein. Die potentielle Temperatur ist
die Temperatur, die ein Luftpaket annehmen würde, wenn man es
trockenadiabatisch (also ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung) von
seinem aktuellen Druckniveau auf einen festgelegten Referenzdruck
bringt (in der Meteorologie standardmäßig 1000 hPa, was in etwa dem
Luftdruck auf Meereshöhe entspricht). Da Luft beim Absinken
komprimiert wird und sich erwärmt bzw. beim Aufsteigen expandiert und
abkühlt, macht die potentielle Temperatur Luftmassen auf
unterschiedlichen Höhen thermodynamisch direkt miteinander
vergleichbar. Vor von Bezolds Arbeit war es extrem schwer zu
bestimmen, ob eine Luftschichtung stabil oder instabil ist, da die
Temperatur mit der Höhe naturgemäß abnimmt. Mithilfe der potentiellen
Temperatur lässt sich die atmosphärische Stabilität sofort ablesen.
Bei einer stabilen Atmosphäre nimmt die potentielle Temperatur mit
der Höhe zu (die Luft wehrt sich gegen Vertikalbewegungen). Bei einer
labilen oder instabilen Atmosphäre nimmt die potentielle Temperatur
mit der Höhe ab (es kommt zu starker Konvektion, z. B.
Gewitterbildung). Bei einer neutralen Atmosphäre bleibt die
potentielle Temperatur mit der Höhe gleich (trockenadiabatische
Schichtung).
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird Persönlichkeiten vorstellen, die Beiträge zur Chemie und
auf dem Gebiet der Messtechnik im 19. Jahrhundert leisteten, die für
die Meteorologie bedeutsam waren.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 22: Meteorologische Polarforschung
sowie Erkundung des tropischen Afrikas im 19. Jahrhundert
Im heutigen Thema des Tages werden Persönlichkeiten vorgestellt, die
als Polarforscher zu signifikanten Beiträgen zur Meteorologie kamen
oder sich für einen intensiven Austausch polarmeteorologischer Daten
eingesetzt haben. Abgerundet wird dieses Thema durch ein Forscherteam
aus dem tropischen zentralen Afrika, einem weiteren "weißen Fleck"
auf der meteorologischen "Datenlandkarte" des 19. Jahrhunderts.
Meteorologische Daten aus gängigen Gebieten wurden im 19. Jahrhundert
in immer größerer Anzahl besonders zum Ende recht regelmäßig erhoben.
Bedingt durch einen herausfordernden erschwerten Zugang gab es nur
vereinzelt meteorologische Daten aus Polargebieten und auch aus
Teilen der Tropen. Dieses Thema des Tages widmet sich
Persönlichkeiten, die als Entdecker die meteorologische Welt der
Polargebiete zugänglich gemacht haben oder sich intensiv um Austausch
dieser Daten bemüht haben. Darüber hinaus wird ein Forscherteam mit
wichtigen Beiträgen zur Meteorologie der Tropen des zentralen Afrikas
vorgestellt.
Der britische Polarforscher und Konteradmiral John Franklin
(1786-1847) stellte während seiner ersten Arktisreise von 1819 bis
1822 fest, dass "das Auftreten von Polarlichtern nicht bis zum Pol
hin zunimmt". Später wurde die Existenz eines Rings um den Magnetpol,
in welchem Polarlichter am häufigsten auftreten, bestätigt. Heute
weiß man, dass ein Ring maximaler Häufigkeit auf der Nordhalbkugel je
nach Längengrad ungefähr im Breitengradband von 60?70 Grad N liegt.
Weiter nördlich nimmt die Häufigkeit von Polarlichtern ab, wie
Franklin beobachtet hatte. Während seiner zweiten Arktisexpedition
von 1825 bis 1827 erkundete er auf dem Landweg Teile des heutigen
westlichen Nordwestterritoriums und führte meteorologische
Beobachtungen in Fort Franklin (heute Deline) am Großen Bärensee
(Sahtu) durch. Von seiner dritten und letzten Expedition in die
Arktis, die der Erforschung der Nordwestpassage dienen sollte, kehrte
niemand zurück.
Der britische Seefahrer und Naturforscher William Scoresby
(1789-1857) unternahm im frühen 19. Jahrhundert regelmäßig
Expeditionen in die nördlichen Gewässer. Angeregt durch den Austausch
mit Wissenschaftlern seiner Zeit führte er Beobachtungen zur
Meerestemperatur, zu meteorologischen Phänomenen, zur atmosphärischen
Lichtbrechung, zur Meereisbedeckung und zu Schneekristallen durch.
1815 legte Scoresby die bis dahin umfassendste Beschreibung des
Meereises vor, der Eisformen, seiner Entstehung und der Rolle, die
der Salzgehalts des Meerwassers dabei spielt, der Eisbewegung und
saisonaler Änderungen. Die Vorstellung, dass es ein offenes Polarmeer
gab, war zu seiner Zeit noch weit verbreitet, doch Scoresby wies sie
zurück. Stattdessen vermutete er, dass es alle zehn oder zwanzig
Jahre zu eisfreien Bedingungen kommen könnte, nachdem er 1817 vor der
Ostküste Grönlands zwischen 74 Grad und 80 Grad nördlicher Breite
deutlich weniger Eis als üblich angetroffen hatte. Er kartierte zudem
die Küste Ostgrönlands. 1820 veröffentlichte er mit dem Werk "An
Account of the Arctic Regions" eine der historisch bedeutendsten
wissenschaftlichen Interpretationen und Dokumentationen von
Eiskristallen. Scoresby stellte als einer der Ersten eine direkte
Verbindung zwischen der äußeren Form eines Eiskristalls und den
vorherrschenden Wetterbedingungen (wie Temperatur, Luftdruck und
Wind) her. Er interpretierte die Geometrie der Kristalle als
"Gradmesser" für die atmosphärischen Zustände in den Wolken. Er
unterteilte die von ihm beobachteten Kristalle in fünf
Hauptkategorien (darunter dünne Plättchen, lange Nadeln und komplexe
Pyramidenstrukturen). Diese strukturierte Erfassung war ein direkter
Vorläufer moderner Klassifikationssysteme. Obwohl er die hexagonale
Grundstruktur von Schnee korrekt erkannte, dokumentierte er 1820
erstmals eine seltene dreieckige Kristallform. Diese Interpretation
einer dreizähligen Symmetrie bei Eiskristallen erstaunte die
Fachwelt, da das Molekülgitter von Eis grundsätzlich hexagonal ist.
Moderne Physiker bestätigten später, dass unter bestimmten
Wachstumsdynamiken tatsächlich stabile dreieckige Plättchen
entstehen. Scoresby zeichnete die Kristalle unter dem Mikroskop. Um
die Schmelze zu verhindern, entwickelte er eine hocheffiziente
Methode: Er skizzierte oft nur ein exaktes Segment (ein Sechstel) des
Kristalls und rekonstruierte die perfekt symmetrische Gesamtform in
seinen Reinzeichnungen. Seine 151 detaillierten Illustrationen galten
über Jahrzehnte als die genauesten wissenschaftlichen Abbildungen von
Schneekristallen weltweit.
Der französische Seefahrer, Polarforscher und Marinekommandant Jules
Dumont d'Urville (1790-1842) war ein bedeutender Entdecker der Südsee
und der Antarktis. Seine erste große Reise unternahm er als Leutnant
an Bord des Schiffes "Coquille" bei einer Weltumsegelung von 1822 bis
1825. Kurz nach der Rückkehr von dieser Reise schlugen er und
Kommandant Louis-Isidore Duperrey (1786-1865), ein französischer
Seefahrer und Kartograph, dem Minister für Marineangelegenheiten eine
weitere Expedition vor. Sie verfolgten ehrgeizige wissenschaftliche
Ziele (darunter Untersuchungen zum Erdmagnetismus und zur
Meteorologie, hydrographische Vermessungen, Kartographie,
Ethnographie, Zoologie und Botanik). Der Vorschlag wurde angenommen,
und von 1826 bis 1829 umrundete die "Coquille", nun umbenannt in
"Astrolabe", unter dem Kommando von Dumont d'Urville erneut den
Globus. Diese Expedition lieferte eine Fülle von hydrographischen,
navigatorischen, zoologischen, botanischen und meteorologischen
Informationen. Dumont d'Urville sollte noch eine weitere
Entdeckungsreise an Bord der "Astrolabe" leiten (diesmal jedoch in
Begleitung eines zweiten Schiffes, der "Zelee"). Die Reise dauerte
von 1837 bis 1840 und führte sowohl in die Südsee als auch in die
Antarktis. Im Jahr 1840 erreichten seine Schiffe die Nähe des
südlichen Magnetpols, unweit eines Abschnitts der antarktischen
Küste, den er zu Ehren seiner Frau Adelieland (Terre Adelie), nannte.
Dort befindet sich heute die nach ihm benannte Forschungsstation
(Dumont-d'Urville-Station).
Der russische Mediziner, Anatom, Zoologe und Naturforscher Karl Ernst
von Baer (1792-1876), ein Deutsch-Balte aus dem Gouvernement Estland,
führte meteorologische und klimatologische Untersuchungen durch und
leistete bedeutende Beiträge zum Verständnis des Klimas in den
russischen Polarregionen. Sein Interesse an der Arktis zeigte sich
bereits während seiner Studienzeit an der Kaiserlichen Universität
Dorpat (Tartu) von 1810 bis 1814. Während seines Aufenthalts in
Königsberg in den 1820er Jahren konzentrierte er sich auf seine
primären biologischen Forschungen, beschäftigte sich aber auch mit
Meteorologie und mathematischen Methoden und wurde unter anderem von
Alexander von Humboldt (siehe Teil 12 der Serie zur Geschichte der
Meteorologie) beeinflusst. Von Humboldt war tatsächlich vom Zaren
nach Russland eingeladen worden und unternahm 1829 eine
wissenschaftliche Expedition nach Sibirien. Nach seiner Rückkehr nach
St. Petersburg schlug er die Schaffung eines russischen Netzwerks von
magnetischen und meteorologischen Beobachtungsstationen vor. Von Baer
ließ sich von dieser Idee inspirieren und zog 1834 nach Russland,
gerade rechtzeitig, um 1835 die Gründung des ersten russischen
Beobachtungsnetzes mit neun Stationen mitzuerleben. Anschließend
begann er mit der systematischen Sammlung russischer meteorologischer
Daten aus verschiedenen anderen Quellen. Er gehörte zudem zu den
Ersten, die die Meteorologie als eigenständiges wissenschaftliches
Fachgebiet populär machten, und verfasste den ersten russischen
Zeitungsartikel, der sich auf populärwissenschaftliche Weise mit der
Meteorologie befasste. Von Baer nutzte die von ihm gesammelten
russischen Wetterdaten, um Rückschlüsse auf das Klima zu ziehen. Er
brachte das Vorkommen des Permafrosts in Sibirien mit dem russischen
Kontinentalklima in Verbindung. Er veröffentlichte eine Reihe von
fortlaufenden meteorologischen Beobachtungen, die von 1832 bis 1835
auf Nowaja Semlja durchgeführt worden waren, und berechnete daraus
die mittleren Tages-, Monats- und Jahrestemperaturen. Seine
Vergleiche dieser Daten mit denen anderer arktischer Regionen ließen
ihn zu dem Schluss kommen, dass die durchschnittliche
Jahrestemperatur auf Nowaja Semlja niedriger war als die in Jakutsk,
Spitzbergen und den Küstengebieten Grönlands und Labradors. Von Baer
konnte sogar feststellen, dass die Durchschnittstemperatur auf der
Ostseite von Nowaja Semlja etwa ein Grad kälter war als auf der
Westseite. Er führte diesen Unterschied auf die Gebirgskette zurück,
die das Gebiet in zwei Hälften teilt und dazu neigt, die kalte Luft
im Osten daran zu hindern, weiter nach Westen vorzudringen. Er
stellte außerdem fest, dass der März der kälteste Monat auf Nowaja
Semlja war, während der August der wärmste war, und brachte die
Höchsttemperaturen im August mit dem Vorhandensein der Karasee in
Verbindung, die im August in der Regel eisfrei ist. Von Baer war der
Erste, der russische meteorologische Daten auf die Landwirtschaft
anwandte.
Der britische Seefahrer und Entdecker John Biscoe (1794-1843)
umrundete im April 1832 als dritter Mensch die Antarktis. Nach dieser
Reise teilte er dem Hydrographen der Admiralität in London mit, dass
es sich bei den von ihm gesichteten Landzungen um die eines
Kontinents (Antarktika) handelte. Was das Wetter betraf, mit dem er
konfrontiert war, wies er darauf hin, dass künftige Seefahrer damit
rechnen sollten, dass die vorherrschenden Winde in den sehr hohen
antarktischen Breiten von Osten nach Westen wehen (und nicht in der
Richtung von Westen nach Osten, wie es im weiter nördlich gelegenen
Breitengradgürtel der "Roaring Forties" der Fall ist).
Der aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher
Georg von Neumayer (1826-1909) kam 1852 nach Australien, wo er von
der Bedeutung der Meteorologie überzeugt wurde. Er kehrte 1854 nach
Bayern zurück, um die notwendigen Instrumente für die Einrichtung
einer Beobachtungsstation in Melbourne zu beschaffen, dem "Flagstaff
Observatory for Geophysics, Magnetism and Nautical Science". Außerdem
richtete er eine Reihe von Beobachtungsstationen in ganz Victoria im
Süden Australiens ein, vor allem an Leuchttürmen. Am 1. März 1858
begann am Flagstaff-Observatorium ein regelmäßiges Programm
meteorologischer und nautischer Beobachtungen, und wenige Wochen
später fügte von Neumayer regelmäßige Beobachtungen der
atmosphärischen Elektrizität und der Veränderungen der magnetischen
Elemente hinzu. 1860 veröffentlichte er seine "Ergebnisse der
magnetischen, nautischen und meteorologischen Beobachtungen von März
1858 bis Februar 1859", und 1864 erschienen seine "Ergebnisse der
meteorologischen Beobachtungen 1859-1862 und der nautischen
Beobachtungen 1858-1862". Diese resultierten auch aus
Forschungsexpeditionen und Vermessungen im Inneren des australischen
Kontinents, an denen von Neumayer teilnahm. Dabei bestieg er auch den
höchsten australischen Berg auf dem kontinentalen Festland, Mount
Kosciuszko. Er kehrte 1864 nach Deutschland zurück. Im Jahr 1867
veröffentlichte er seine "Erörterung der am Flagstaff-Observatorium
durchgeführten meteorologischen und magnetischen Beobachtungen".
In den 1870er Jahren lernte von Neumayer den aus dem Großherzogtum
Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht
(1838-1881), der 1873 als Mitleiter einer Expedition die Inselgruppe
Franz-Josef-Land entdeckte, kennen und ließ sich von dessen Idee
inspirieren, dass Polarforschung eher von der Wissenschaft als vom
Nationalismus geleitet werden sollte. 1879 legten die beiden Männer
dem 2. Internationalen Meteorologischen Kongress in Rom einen
Vorschlag für ein internationales Polarforschungsprogramm vor, in
dessen Rahmen an einer Reihe von Spezialstationen in der Arktis und
Antarktis regelmäßig gleichzeitige meteorologische und magnetische
Beobachtungen durchgeführt werden sollten. In der Folge wurde noch im
selben Jahr die Internationale Polarkommission gegründet, deren
Aufgabe es war, einen detaillierten Forschungsplan auszuarbeiten. Von
Neumayer und Weyprecht fungierten als gemeinsame Vorsitzende der
Kommission. Auf ihrer dritten Sitzung in Sankt Petersburg, ebenfalls
im Jahr 1881, legten von Neumayer und Heinrich von Wild (1833-1902),
Schweizer Meteorologe und Physiker sowie Nachfolger von Weyprecht,
das internationale Programm für meteorologische und magnetische
Beobachtungen in den Polarregionen fest, die im Zeitraum vom 1.
August 1882 bis zum 31. August 1883 durchgeführt werden sollten.
Dieses Programm wurde als das Erste Internationales Polarjahr
bekannt. Von Neumayer war von 1875 bis 1903 Direktor der
Norddeutschen Seewarte in Hamburg. Er entwickelte in dieser Zeit eine
neue Methode zur Erkundung der Meeresströmungen. Tausende gut
verschlossener Flaschen wurden ins Meer geworfen und gingen als
Flaschenpost auf Reisen. Die Finder wurden in einer detaillierten
Anleitung gebeten, den Fundort an die Norddeutsche Seewarte zu
melden. Außerdem organisierte von Neumayer das Antarktisjahr 1901.
Nach ihm ist die deutsche Forschungsstation in der Antarktis benannt
(derzeit Neumayer-Station III).
Der aus Böhmen stammende österreichische Offizier, Polarforscher und
Kartograph Julius von Payer (1841-1915) nahm 1869/1870 an der zweiten
deutschen Nordpolarexpedition in die Ostgrönlandsee sowie 1871
gemeinsam mit Weyprecht (siehe oben) an der vorbereitenden
österreichisch-ungarischen Expedition nach Nowaja Semlja teil.
Anschließend war er von 1872 bis 1874 gemeinsam mit Weyprecht als
Leiter der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition tätig, in
deren Verlauf die Inselgruppe Franz-Josef-Land entdeckt wurden.
Während dieser Expeditionen wurden magnetische Messungen und
Beobachtungen von Polarlichtern durchgeführt. Zudem wurden
Lufttemperaturmessungen vorgenommen und im Winter das Wachstum des
Meereises untersucht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der
Expedition von 1869/1870 wurden 1874 in Leipzig veröffentlicht. 1876
publizierte von Payer das Werk "Die österreichisch-ungarische
Nordpol-Expedition in den Jahren 1872?1874". Auch dieses Buch bezog
sich auf die Expedition von 1869/1870.
Der US-amerikanische Polarforscher und Offizier Adolphus Greely
(1844-1935) leitete die Lady-Franklin-Bay-Expedition, die Teil des
US-amerikanischen Beitrags zum Ersten Internationalen Polarjahr war.
Die Expedition erreichte im August 1881 Discovery Harbour an der
Nordostküste von Ellesmere Island. Das dort errichtete Lager wurde
als Fort Conger bekannt. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren
wurde ein wissenschaftliches Programm mit regelmäßigen
meteorologischen und magnetischen Beobachtungen und solchen zu
Polarlichtern durchgeführt. Die meteorologischen Beobachtungen
umfassten stündliche Aufzeichnungen von Luftdruck, Lufttemperatur und
Taupunkt, Windgeschwindigkeit und -richtung, Art, Ausmaß und Bewegung
der Wolken, Wetterlage sowie Polarlichter (sofern vorhanden). Der
Wetterschirm (1,2 m im Quadrat und 2,1 m hoch) stand etwa 40 m
nordöstlich der Hütte; Anemometer und Windfahne waren auf dem Dach
der Hütte angebracht, und das Barometer befand sich im Inneren der
Hütte. Die Meerwassertemperatur wurde am 1., 11. und 21. jedes Monats
gemessen, und gleichzeitig wurde die Eisdicke erfasst. Die Aurora
wurde im Durchschnitt etwa zweimal pro Woche beobachtet, war jedoch
selten so hell oder farbenprächtig wie weiter südlich. Im August 1883
war die Expedition gezwungen, auf eigene Faust nach Süden
aufzubrechen, da keine Versorgungsschiffe eingetroffen waren. Sie
erreichten Pim Island in der Nähe von Cape Sabine an der Ostküste von
Ellesmere Island, wo sie einen verheerenden Winter verbrachten. 19
der 25 Expeditionsteilnehmer starben, die meisten von ihnen an
Hunger. Die überlebenden Männer, darunter auch Greely, wurden
schließlich im Juni 1884 gerettet. Alle wissenschaftlichen
Aufzeichnungen der Expedition konnten gesichert werden.
Der US-amerikanische Ingenieur und Polarforscher Robert Edwin Peary
(1856-1920) erlangte als Entdecker der Nordpolregion Berühmtheit.
1886 führte er eine erste Erkundungsreise nach Grönland durch. In den
1890er Jahren unternahm er zwei weitere Reisen nach Grönland,
kartographierte die Nordküste, deren Region namens "Peary Land"
später nach ihm benannt wurde, und sammelte Daten zu den
meteorologischen Verhältnissen und Meeresströmungen des Arktischen
Ozeans im nördlichen Grönlandgebiet. Er leistete zudem einen Beitrag
zur wissenschaftlichen Erforschung der arktischen Regionen in den
Bereichen Hydrographie, Geologie, Geographie, Kartographie, Botanik
und Zoologie. Außerdem beschäftigte er sich mit der Ethnographie der
Inuit-Völker. Während einer seiner Grönland-Expeditionen stellte
Peary fest: "Wenn wir bergauf mit dem Schlitten fahren, treffen wir
Tag und Nacht auf einen Gegenwind mäßiger Stärke." Diese abwärts
strömenden Winde werden heute als katabatische Winde bezeichnet. Zu
Pearys Zeiten waren sie noch unbekannt, doch spätere Untersuchungen
sollten zeigen, dass sie tatsächlich charakteristisch für Hänge sind,
die von Eiskappen wie denen in Grönland und der Antarktis abfallen.
Später richtete Peary sein Augenmerk auf den Nordpol, den er auf
seiner dritten Nordpol-Expeditionsreise nach eigenen Angaben am 7.
April 1909 endlich erreicht haben wollte. Es gibt jedoch einige
Kontroversen darüber, ob er den Pol tatsächlich erreicht hat oder
nicht. Nichtsdestotrotz stellen seine Leistungen in Grönland,
einschließlich der von seinen Expeditionen durchgeführten
meteorologischen Arbeiten, für sich genommen ein bedeutendes
wissenschaftliches und polarforschungsbezogenes Vermächtnis dar.
Nicht nur von den Polargebieten Arktis und Antarktiks lagen im 19.
Jahrhundert nur wenige meteorologische Daten vor. Auch aus
unzugänglichen Tropen gab es zu dieser Zeit nicht viele
meteorologische Beobachtungen, besonders im Hinblick auf das abseits
der Küsten gelegene Landesinnere des zentralen Afrikas.
Der spanische Afrikaforscher und Entdecker Manuel Iradier oder Manuel
Iradier y Bulfy (1854-1911) aus dem Baskenland interessierte sich
schon in seiner Jugend für die Naturwissenschaften und Geographie.
Bereits im Alter von 14 Jahren gründete er eine Vereinigung zur
Erkundung des zentralen Afrikas, von dem in Europa seinerzeit nur die
Küstenabschnitte bekannt waren. Er unternahm von 1874 bis 1877 eine
Reise nach Spanisch-Äquatorialafrika, auf denen er die Geographie,
Meteorologie, Geologie, Botanik und Ethnographie der spanischen
Kolonie (heute Äquatorialguinea) erforschte. Seine Frau Isabel de
Urquiola (1854-1911) und deren Schwester Juliana de Urquiola
(1856-1880), beide spanische Entdeckerinnen aus dem Baskenland,
begleiteten ihn auf dieser Reise. Dass sich Frauen wissenschaftlichen
Expeditionen anschließen war zu dieser Zeit sehr unüblich. Im Mai
1875 erreichten sie die Insel Elobey Chico im Golf von Guinea (heute
zu Äquatorialguinea), wo sie im Haus des Gouverneurs die
Expeditionsbasis und eine Wetterstation einrichteten. Sie planten,
Beobachtungen zum Wetter und Klima der Region durchzuführen, die für
die spanische Regierung von Nutzen sein könnten. Die Wetterstation
war unter anderem mit Thermometern, einem Verdunstungsglas, einem
Photometer, einem Taukollektor, einem Saussure-Hygrometer, einem
Pluviometer und einem Anemometer ausgestattet (die letzten drei hatte
Iradier selbst gebaut). Das Barometer war leider während der Hinreise
zerstört worden. Iradier und die Schwestern de Urquiola begannen ihr
meteorologisches Beobachtungsprogramm am 1. Juni 1875. Es umfasste
regelmäßige Messungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag,
Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Wolkentyp (achtmal täglich
für die Winde, viermal täglich für die anderen Variablen). Darüber
hinaus wurden die Beginn- und Endzeiten der Tagesniederschläge
aufgezeichnet. Im weiteren Verlauf des Jahres 1875 war Iradier häufig
unterwegs und erkundete das afrikanische Festland jeweils bis zu drei
Monate lang. Während seiner Abwesenheiten führten Isabel und Juliana
de Urquiola alle Wetterbeobachtungen durch. Dies ist das früheste
bekannte Beispiel für ein umfangreiches Programm regelmäßiger
Wetterbeobachtungen, dessen Durchführung zum Großteil von Frauen
absolviert wurde. Ihre Wetterbeobachtungen waren zudem die ersten,
die jemals in dieser Region durchgeführt wurden. Aus ihren
Aufzeichnungen geht hervor, dass der November und der Dezember 1875
heißer und regenreicher waren als die heutigen dortigen
klimatologischen Durchschnittswerte. In den Veröffentlichungen, die
auf seinen Expeditionen basieren, widmete Iradier mehr als 100 Seiten
den Tabellen mit den meteorologischen Beobachtungen von der Insel
Elobey Chico sowie persönlichen Schilderungen des Wetters. 1884 brach
Iradier zu einer neuen Expedition in die Gegend auf, wo er sich in
den Jahren 1874 bis 1877 bereits aufgehalten hatte. Noch im selben
Jahr musste er krankheitsbedingt nach Spanien zurückkehren. Nach 1884
versuchte er, einige Erfindungen wie beispielsweise ein automatischer
Wasserzähler und ein typographisches Druckverfahren in die Praxis
umzusetzen.
Die Serie Geschichte der Meteorologie wird fortgesetzt. Der nächste
Teil wird weitere Persönlichkeiten vorstellen, die die Meteorologie
im 19. Jahrhundert als Wissenschaft vorangetrieben haben.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.10.2026
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