|
Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
|
Wetter aktuell
Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss - Deutschland bleibt von
der großen Hitze verschont
Während Südwesteuropa unter einer außergewöhnlichen Hitzewelle mit
über 40 Grad leidet, bleibt Deutschland dank Hoch JOCHEN von der
extremen Hitze verschont. Stattdessen dominieren in den kommenden
Tagen sonniges Sommerwetter, angenehme Nächte und anhaltende
Trockenheit und auf Sizilien bietet der ausbrechende Ätna derzeit ein
spektakuläres Naturschauspiel.
Während in weiten Teilen Südwesteuropas weiterhin eine
außergewöhnliche Hitzewelle das Wetter bestimmt, präsentiert sich
Deutschland in den kommenden Tagen von seiner vergleichsweise
angenehmen Sommerseite. Verantwortlich dafür ist eine großräumige
Wetterlage mit Hoch JOCHEN im Westen und einer Tiefdruckzone über
Nordeuropa. Wer seinen Urlaub derzeit auf Sizilien verbringt, kann
neben hochsommerlichen Temperaturen sogar ein besonderes
Naturschauspiel erleben: Der Ätna zeigt sich erneut aktiv und sorgt
mit seiner Eruption für beeindruckende Bilder.
Die Zweiteilung des Wettergeschehens über Deutschland bleibt zunächst
bestehen. Während sich Hoch JOCHEN von Südwesten her zunehmend
bemerkbar macht, befindet sich der Norden und Nordosten des Landes
noch im Einflussbereich von Tief BERNADETTE, das von Südnorwegen zum
Baltikum zieht und sich dort mit Tief AUSYNJA vereinigt. Zum
Wochenende setzt sich der Hochdruckeinfluss immer mehr durch und
bleibt voraussichtlich auch darüber hinaus wetterbestimmend.
Da sich der Schwerpunkt des Hochs über den Britischen Inseln
befindet, gelangt zwar warme, aber keine extrem heiße Luft nach
Deutschland. Anders sieht die Lage in Frankreich und Spanien aus:
Dort sorgt die eingeflossene Heißluft erneut für Spitzenwerte von
über 40 Grad und eine erhebliche Wärmebelastung.
Am heutigen Dienstag zeigt sich der Himmel vor allem im Norden und
Osten häufig wolkig bis stark bewölkt. Gebietsweise fällt dort auch
etwas Regen. Im übrigen Land wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die
Temperaturen erreichen im Nordosten lediglich 18 bis 25 Grad, während
sonst 28 bis 32 Grad und am Oberrhein örtlich bis zu 35 Grad gemessen
werden. Dazu weht besonders im Norden und Osten ein frischer
Nordwestwind mit starken bis stürmischen Böen. Im Küstenumfeld sowie
im Bergland sind vereinzelt auch Sturmböen möglich.
Am Mittwoch ziehen zunächst noch zahlreiche Wolkenfelder über
Deutschland hinweg. Von Westen lockert die Bewölkung jedoch zunehmend
auf. Regen bleibt die Ausnahme und fällt höchstens noch vereinzelt an
den östlichen Alpen. Die Temperaturen ändern sich im Norden und Osten
kaum, während im Südwesten mit 27 bis 32 Grad die große Hitze des
Vortages bereits etwas gedämpft wird. Im Nordosten macht sich der
Nordwestwind weiterhin mit starken bis stürmischen Böen bemerkbar.
Am Donnerstag gewinnt Hoch JOCHEN weiter an Einfluss. Zwar ziehen
vielerorts noch Wolkenfelder durch, diese bleiben aber meist harmlos.
Vor allem im Südwesten scheint häufig die Sonne und die Temperaturen
steigen dort erneut über 30 Grad. Im übrigen Land werden angenehme 22
bis 28 Grad erreicht. Der Wind weht nur noch schwach bis mäßig aus
nördlichen Richtungen.
Von Freitag bis Sonntag steht dann verbreitet ruhiges Sommerwetter
auf dem Programm. Die Sonne zeigt sich häufiger und auch im Norden
steigen die Temperaturen wieder an. Meist werden 25 bis 30 Grad
erreicht, im Westen und Südwesten örtlich 32 bis 36 Grad. Lediglich
an den Alpen besteht insbesondere am Samstag ein geringes Risiko für
einzelne Gewitter. Der Wind spielt dabei kaum noch eine Rolle.
Trotz der sommerlichen Temperaturen bleiben die Nächte vielerorts
angenehm frisch. Dadurch kann in den Morgenstunden gut gelüftet
werden und auch die Wärmebelastung hält sich zunächst in Grenzen.
Lediglich im Südwesten steigen die nächtlichen Tiefstwerte zum
Wochenende örtlich auf knapp 20 Grad an, sodass die Nächte dort
zunehmend tropisch anmuten.
Worauf viele Regionen Deutschlands dagegen weiterhin vergeblich
warten, ist ergiebiger Regen. Auch in den kommenden Tagen sind
nennenswerte Niederschläge nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt sich
daher in Teilen des Landes fort und die Waldbrandgefahr bleibt
vielerorts erhöht. Während also Südwesteuropa unter extremer Hitze
leidet, profitiert Deutschland vorerst von einer deutlich
gemäßigteren Sommerwitterung allerdings um den Preis anhaltender
Trockenheit.
Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|
Wetter aktuell
Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie
Im Norden kann man daran aktuell zweifeln, aber der Süden merkt es
temperaturtechnisch deutlich: Es ist Hochsommer. Und auch
phänologisch befinden wir uns seit etwa Mitte Juni im Hochsommer.
Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon
begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig
vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal
wieder mit der Phänologie.
In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der
Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur
kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der
einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität
aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den
Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem
Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich
im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser
sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden
Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.
Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden
Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk
meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen
Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen
Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in
unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und
angeschaut werden.
Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der
Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den
entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende
Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der
Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich
daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum
vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das
lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2)
ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer
Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr
abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase
eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren
Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist
der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten
dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des
aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer
phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als
auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen
Ringabschnitt angegeben.
Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in
Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur
Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen.
Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen
in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum
vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage
verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die
Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den
Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische
Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende
Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage
Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
|
|