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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Göttliche Zeichen am Himmel? ? Historische Interpretationen von Halos
Seit jeher sorgten Halo-Erscheinungen am Horizont für breites
Erstaunen. Erscheint einem am Himmel ein solcher Lichtkreis mit den
teils farbenfrohen Flecken, könnte man glatt meinen, es handle sich
um ein außergewöhnliches (gar übernatürliches?) Ereignis.
Ein Halo entsteht, wenn Sonnen- oder Mondlicht auf Eiskristalle
trifft, die sich zum Beispiel in hohen Schleierwolken (Cirruswolken)
befinden. Diese Eiskristalle sind meist sechseckig und können das
Licht brechen und reflektieren. Je nach genauer Form oder Lage der
Kristalle entstehen dabei unterschiedlichste Erscheinungen um die
Lichtquelle herum. Dazu gehören unter anderem mehrere Ringe (Halos),
Nebensonnen und Lichtbögen.
Heute ist das Auftreten dieses Spektakels physikalisch also gut
erklärbar. Doch in früheren Zeiten ging die Sichtung eines Halos oft
mit einer Reihe abergläubischer Interpretationen einher.
Eine dieser Geschichten ereignete sich am 7. Mai 1665 im südlichen
Frankreich. Dort wurde in einer feierlichen Zeremonie die Herrschaft
über die Stadt Orange zurück an den jungen Prinz William Henry von
Nassau gegeben. Etwa zur Mittagszeit versammelten sich viele Menschen
vor dem alten römischen Theater, um der Zeremonie beizuwohnen.
Plötzlich ertönen Schreie, Ausrufe der Verwunderung und des
Entsetzens, Aufruhr fährt durch die Menge. Gerade als der Prinz den
Thron antritt und die Bürger ihm die Treue schwören, erscheint eine
?himmlische Krone direkt über dem Thron?. Als ein ?außergewöhnliches
Event? in den ?Farben eines Regenbogens? wird es beschrieben. Es
schien der gläubigen Gemeinde, als hätte Gott ein Zeichen gesendet.
Er drücke durch dieses himmlische Symbol sein Wohlwollen dem jungen
Prinzen gegenüber aus und verheiße ihm eine gute Zukunft. Auch der
Leiter der Zeremonie, Constantijn Huygens, befeuerte diese Euphorie.
Er trieb den Enthusiasmus der Menschen so in die Höhe, dass Dichter
Gedichte über dieses Ereignis schrieben und Künstler Gemälde malten.
Die interessante Wendung dieser Geschichte:
Vielleicht ist aufmerksamen Leserinnen und Lesern, die bereits das
Glück (oder Unglück?) hatten, sich mit der Wellentheorie des Lichts
zu beschäftigen, der Name des Zeremonienleiters (Huygens) schon
aufgefallen. Denn jener Mann, der oben auf dem Podium der Menge
predigt, Gott habe ein Zeichen zur Gunst des jungen Prinzen gesendet,
ist kein Geringerer als der Vater des heute bekannten
Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens. Dieser entwickelte nur drei
Jahre vor jenem ?göttlichen? Geschehnis die erste erfolgreiche
quantitative Beschreibung der Entstehung von Halos. Kaum anzunehmen,
dass sein eigener Vater Constantijn Huygens nicht Bescheid wusste,
was dort gerade vonstatten ging. Ein cleverer Trick von Constantijn
Huygens also, wissend, dass es sich lediglich um ein physikalisches
Schauspiel handelte, die Euphorie der Menschen in eine politische
Richtung zu lenken. Denn wer widersetzt sich schon einem Prinzen, der
vom Allmächtigen persönlich abgesegnet wurde?
Diese Politisierung des Auftretens von Halo-Erscheinungen in
günstigen Momenten ist jedoch kein Einzelfall. Schon bei den alten
Römern (44 v. Chr.) und auch zur Tschernobyl-Katastrophe (1986) gab
es ähnliche Vorfälle, die aber wohl eher Gegenstand eines weiteren
Themas des Tages sind.
Wen nun ebenfalls die Euphorie für optische Erscheinungen am Himmel
gepackt hat, der kann sich mithilfe der HaloSim3-Software
(https://www.atoptics.org.uk/halo/halfeat.htm) auch eigene Phänomene
zusammenbasteln. In dem Programm ist es zum Beispiel möglich, durch
Herumspielen mit physikalischen Parametern wie Eiskristallausrichtung
exakt den Himmel zum Zeitpunkt von Huygens? Zeremonie nachzubauen.
Alternativ lässt sich auch einfach gut die Vielfältigkeit der
Erscheinungen durch Lichtbrechung und Beugung bewundern.
Obwohl das physikalische Verständnis heute wesentlich weiter ist als
zu jener Zeit, sorgt die Sichtung von Halo-Ereignissen dennoch für
Begeisterung. Schließlich befindet es sich an einem Ort, an dem die
Menschen seit jeher nach Antworten suchen: dem Himmelszelt. Ob dies
als Zeichen für etwas gedeutet werden kann, bleibt letztlich jedem
selbst überlassen.
(Die Bilder und der Link zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)
Dipl.-Met. Robert Hausen / Anna-Lena Dötsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update
Unterdurchschnittlich soll sie verlaufen, die diesjährige
Hurrikansaison über dem Atlantik - zumindest dem Großteil der
Prognosen nach. Wie der aktuelle Stand ist und was die neuesten
Prognosen sagen, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.
Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik
vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse
nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen
stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die
Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht,
sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem
Nordatlantik.
Ganz kurz für's Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über
ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62
km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach
Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem
Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major
hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis
fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich
entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 - also innerhalb der
aktuellen sogenannten Vergleichsperiode - pro Jahr 14 tropische
Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere
Hurrikane.
Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im
Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen
soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt,
der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll
beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El Nino für erhöhte
Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die
Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.
Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen
Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose
nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die
ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das
ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige
Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen
Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich
ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit
Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine
ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden
El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Da sich die
Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat,
wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.
Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der
US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric
Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls
geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine
unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von
stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine
überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen
umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7
bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6
(unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis
3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.
Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme
stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha
(19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich
im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im
Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der
US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für
Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige
Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von
über einer Milliarde US-Dollar. "Bertha" machte sich dagegen mehr
durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste
bemerkbar. Dabei werden die Schäden "nur" auf einige zehn Millionen
US-Dollar geschätzt.
In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf "4"
gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das
Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten
über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb
der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu
einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste
Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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