Besucher: 468



Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Einheitenchaos - Teil 2: Wind


Kilometer pro Stunde, Meter pro Sekunde, Knoten oder doch lieber
Beaufort. Das heutige Thema des Tages befasst sich mit der bunten
Einheitenvielfalt bezüglich der Windgeschwindigkeit.


Im Thema des Tages vom 07.04.2026 ging es um die Einheiten, die es
für die Temperatur gibt. Nun setzen wir die Reihe mit einem im
wahrsten Sinne des Wortes schwer zu fassenden Phänomen fort: Dem
Wind.
Beim Wind ist es notwendig zu erwähnen, ob man sich auf das
Windmittel oder die Windspitzen (auch Böen genannt) bezieht.
Windspitzen sind kurzzeitige Erhöhungen der Windgeschwindigkeit,
während das Windmittel den zugrunde liegenden anhaltenden Wind
beschreibt. Generell gehören zum Wind immer mehrere Informationen.
Einerseits wird die Richtung und andererseits die Geschwindigkeit
benötigt. Erstere gibt an, woher der Wind weht. Letztere kann auf
verschiedene Arten angegeben werden. Die geläufigste Einheit ist
sicherlich Kilometer pro Stunde, doch wie sieht es mit Meter pro
Sekunde aus? Sind beispielsweise Böen von 25 m/s viel? Die Umrechnung
ist eigentlich recht einfach, denn es muss nur mit 3,6 multipliziert
werden. Im Beispiel sind es dementsprechend 90 km/h.

In der Seefahrt, aber auch in der Luftfahrt, ist die Längeneinheit
nautische Meile üblich. Diese sollte ursprünglich ein 60tel eines
Breitengrades sein und wurde später als 1,852 km festgelegt. Die
Geschwindigkeitseinheit Seemeilen pro Stunde wird auch Knoten (kn)
genannt. Mithilfe der Definition der Seemeile bedeutet das für unsere
Windgeschwindigkeit im vorherigen Absatz, dass sie etwa 48,5 kn
beträgt. Zum Beispiel aus englischsprachigen Filmen ist uns zudem
"miles per hour" für Geschwindigkeitsangaben geläufig. Diese Einheit
bezieht sich nicht auf die Seemeile, sondern auf die (englische)
Meile, die als 1609,344 m definiert ist.

Wer nicht zufällig ein passendes Messgerät (Abbildung 1: Anemometer)
im Gepäck mit sich herumträgt, kann den Wind auch anhand ihrer
Auswirkungen abschätzen. Dabei spricht man von der sogenannten
Windstärke. Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
entwickelte der englische Ingenieur John Smeaton eine Kategorisierung
der Windstärke. In seiner 11-teiligen Tabelle ordnete er jeder
Windstärke charakteristische Beobachtungen an der Umgebung zu. Später
entstand daraus eine 9-teilige Skala. Francis Beaufort, ein
britischer Hydrograf, verwendete Anfang des 19. Jahrhunderts eine
13-teilige Skala, die von "Windstille" bis "Sturm" reichte. Die
heutige Skala, die von 0 bis 12 reicht, finden Sie unter https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=1003
10&lv3=100390. Die niedrigste Stufe "Windstille" bedeutet dabei, dass
Rauch senkrecht aufsteigt. Ab Beaufort 9 ("Sturm") sind erste Schäden
an Häusern zu beobachten und die höchste Stufe "Orkan" (Beaufort 12)
sorgt für schwere Verwüstungen. Weiter unten auf der Seite finden sie
auch die entsprechende Tabelle für die Auswirkungen auf See.

Für die offiziellen Böenwarnungen des Deutschen Wetterdienstes spielt
die Beaufortskala ebenfalls eine erhebliche Rolle. Warnungen vor Böen
der Stärke Beaufort 7 werden als "gelbe" Wetterwarnung verschlüsselt.
Beaufort 8 bis 10 werden ocker- oder orangefarbig (markante Warnung),
die Stufen 11 und 12 rot dargestellt (Unwetterwarnung). Ab 140 km/h
wird von extremen Orkanböen gesprochen (violette Warnung).
Heute sind für Deutschland keine Windwarnungen notwendig, dazu ist
der Druckgradient zu schwach ausgeprägt. Im Tagesverlauf besteht
jedoch die Möglichkeit, dass in der Nähe von Gewittern einzelne Böen
die Stärke 7 erreichen. Das ist vor allem im zentralen und östlichen
Mittelgebirgsraum möglich.

M.Sc.-Met. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.04.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Der April auf Achterbahnfahrt!


?Mal freundlich und warm, mal unbeständig und kühl ? Der April zeigt
sich launisch, bringt aber nur regional ausreichend Regen. In manchen
Regionen sind teils deutlich unterdurchschnittliche Regenmengen zu
verzeichnen. Dafür ist der aktuelle April bis auf einen Fleck im
südlichen Ostdeutschland überall zu warm unterwegs.?



Am gestrigen Donnerstag und heutigem Freitag sorgte vielerorts das
Hoch TILMAN über Deutschland für freundliches und sehr mildes Wetter.
TILMAN gehört dabei zu einer ausgeprägten Hochdruckbrücke, die das
Hoch ULI über dem Atlantik, einem Hoch über der Biskaya und einer
Hochdruckzone über Nordskandinavien und der Barentssee verbindet.
Während sich das Hoch ULI über dem Atlantik als sehr stabil und
kraftvoll erweist und auch das Hoch über Nordskandinavien wie
festgetackert seine Kreise dreht, schwächelt das Hoch TILMAN
hierzulande doch deutlich. Resultierend kommt das Tief WALTRAUD
zunehmend auch in den deutschen Fokus. Während WALTRAUD heute noch
nördlich von Irland wirbelt und dessen Ausläufer sich noch über
Großbritannien hinweg ziehen, verlagert es sich bis Samstagabend in
die nördliche Nordsee und deren Ausläufer können von der Nordsee und
Benelux auf den Nordwesten des Landes übergreifen. Da die Luft
zwischen hoch ULI südwestlich der Britischen Inseln und WALTRAUD über
der nördlichen Nordsee von Grönland und Island nach Deutschland
transportiert wird, markiert die Luftmassengrenze eine Kaltfront mit
dem Übergang von subtropischer Luft hin zu erwärmter Polarluft.

Am Sonntag verschiebt sich Hoch ULI zu den Britischen Inseln, sodass
die Strömung hierzulande auf der Ostflanke des Hochs auf Nord bis
Nordost dreht und somit die kühlere Luft südwärts das ganze Land
fluten kann. Während am Samstag die Höchstwerte noch zwischen 13 Grad
an der Nordsee und bis 24 Grad im Süden liegen, sinken diese bis
Montag auf Maxima zwischen 9 und 15 Grad ab. In die nördliche
Strömung eingelagert wirbelt dabei über Deutschland ein hoch
reichendes Tief und sorgt durch Tiefdruckeinfluss weiter für einen
unbeständigen, zu schauerartigen Niederschlägen neigenden
Wettercharakter, der vereinzelt auch mit kurzen Gewittern einhergeht.


Erst im Verlauf der neuen Woche ändert sich das Wettergeschehen
wieder etwas. Das Hoch ULI kann sich über dem Nordostatlantik richtig
aufplustern und seinen Einflussbereich nach und nach bis nach
Deutschland erweitern. Die Tiefs werden nachfolgend wieder Richtung
Mittelmeerraum geschoben. Hierzulande wird dabei die Sonnenausbeute
von Norden her wieder steigen. Da das Land aber auf der Südflanke des
Hochs liegt, kommt die Luft aus Ost- bzw. Nordosteuropa und ist zu
dieser Jahreszeit eher kühl temperiert. Entsprechend werden es die
Temperaturen tagsüber trotz zunehmenden Sonnenscheins wohl nicht über
die 20-Grad-Marke schaffen und nachts wohl verbreitet auf ein
einstelliges Niveau absinken. Landesweit wäre dann auch wieder der
Bodenfrost ein Thema. Aber warten wir es ab, die Prognosen über den
Wochenstart hinaus sind ja typischerweise noch mit ausreichend
Unsicherheiten versehen.

Aber wie hat sich der April denn bisher so geschlagen und wie kann er
klimatisch eingeordnet werden? Der Blick auf die Mitteltemperatur im
Vergleich zum vieljährigen Mittel (1961-1990) zeigt für Deutschland
große Unterschiede (keine Grafik). Während die Temperaturabweichungen
in den Regionen im südlichen Brandenburg sowie Nordost Sachsen und
dem östlichen Sachsen-Anhalt derzeit sogar etwas
unterdurchschnittlich ausfallen, weisen vor allem Gebiete westlich
des Rheins sowie südlich der Alb und im Allgäu positive Anomalien von
teils 2 bis 3 Grad auf.
Der bisherige Aprilniederschlag folgt dagegen keiner deutlichen
Struktur uns ist sehr inhomogen verteilt. Die größten Mengen von 15
bis lokal 50 l/qm/16d wurden demnach bevorzugt im Südwesten, im
Nordseeumfeld und Teilen Mitteldeutschlands erreicht. Während die
Mengen am Alpenrand und im Vorland bei allenfalls 10 bis 50% des
zeitanteiligen Montagsniederschlags (bis 17. April) stark
unterdurchschnittlich daherkommen, sind am Oberrhein, Nordbayern
sowie in Teilen Mitteldeutschlands 80 bis rund 160% bezüglich des
Vergleichszeitraums gefallen. Im südöstlichen Sachsen-Anhalt ist
gebietsweise sogar schon die vieljährige Monatssumme erreicht oder
gar überschritten. Als besonders trocken fallen sonst auch die
Regionen vom südlichen Niedersachsen über Hessen hinweg bis in die
Pfalz sowie in Teilen Brandenburgs auf, wo ebenfalls nur 1 bis 50%
bisher gefallen sind. Überdurchschnittliche Regenmengen für die erste
Monatshälfte sind dagegen noch im nördlichen Schleswig-Holstein und
allgemein im direkten Nordseeumfeld mit einer relativen Einordnung
von 100 bis 180% zu verzeichnen, sodass jene Regionen bei 70 bis 100%
des Monatsniederschlag derzeit ebenfalls einen deutlich
überdurchschnittlichen Kurs verfolgen.

Der ein oder andere richtet heute vielleicht auch seinen Blick
Richtung Wismarer Bucht. Egal ob man die dortigen Prozesse um den
Buckelwal Timmy nun gut oder schlecht findet, medial scheint da
Ereignis doch von Interesse. Aus Wettersicht könnte die Aktion rund
um Timmy eventuell Sichtprobleme bekommen. Während am Vormittag die
Sonne noch vom nahezu wolkenlosen Himmel strahlt, breitet sich von
der Kieler Bucht über Fehmarn hinweg langsam Seenebel in die
Mecklenburger Bucht aus. Wie weit dieser vorankommt und in welcher
Geschwindigkeit muss man dabei noch abwarten.


Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.04.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





Private Wetterstation Altenmarkt a. d Alz - Alle Angaben ohne Gewähr - (c) Matthias Schwanter   -   Seitengeneration erfolgte in 0.0757 Sekunden.