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Thema des Tages
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Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie - Teil 7: Meteorologie im beginnenden
Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen
Meteorologie


In diesem Teil der Serie "Geschichte der Meteorologie" werden die
Entwicklungen dieser Wissenschaft im beginnenden Zeitalter der
Aufklärung im 17. Jahrhundert beschrieben. Neue Techniken bei
meteorologischen Messgeräten erlauben eine Weiterentwicklung der
quantitativen Meteorologie.


Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die
Hauptzeit der Renaissance beleuchtet. In dieser wurden erste
meteorologische Instrumente entwickelt, welche die Anfänge der
quantitativen Meteorologie darstellen. Dieser Teil der Serie setzt
sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie in der Spätrenaissance
und dem Beginn des Zeitalters der Aufklärung auseinander.

Blicken wir noch einmal auf die von Galileo und Santorio angestoßene
Entwicklung eines Vorläufers des Thermometers, die im letzten Teil
(Teil 6) der Serie "Geschichte der Meteorologie" behandelt wurde.
Diese wurde auch auf deutschem Boden vorangetrieben. Im Jahr 1643
veröffentlichte der Universalgelehrte Athanasius Kircher (1602-1680)
aus Hessen ein Buch mit dem Titel "Magnes, sive de arte magnetica",
in dem er verschiedene Arten von Instrumenten erwähnt, die die
übliche Form von Luft-Wasser-Thermoskopen aufweisen. Er beschrieb
jedoch ein originelles Modell, bei dem ein vertikales Rohr in einen
halb mit Wasser gefüllten, geschlossenen Kolben eintaucht. Wenn die
im oberen Teil des Kolbens eingeschlossene Luft erwärmt wird, dehnt
sie sich aus, und der Druck treibt die Flüssigkeit im Rohr nach oben.
Damit näherte sich die Entwicklung des Thermometers an die Form an,
die das Wasser- oder Spiritusthermometer annehmen wird.

Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler
René Descartes (1596-1650) beschrieb um das Jahr 1631 ein Experiment
zur Bestimmung des Luftdrucks, baute jedoch keine Vorrichtung, um das
Experiment durchzuführen. In "Les Météores" ("Meteorologie", ein
Aufsatz, der 1637 in seinem Buch "Discours de la Méthode"
veröffentlicht wurde) stellte er die Hypothese auf, dass Wasserdampf
eine eigenständige Substanz in der Luft sei, die aus winzigen
Partikeln bestehe, die durch eine hochverdünnte "feinstoffliche
Materie" voneinander getrennt seien. Descartes war der Erste, der
weißes Licht beim Übergang von einem Medium wie Luft in ein anderes
wie Glas in seine Farbkomponenten zerlegte. In "Les Météores"
erörterte er diese Lichtbrechung anhand der Beschreibung eines
Experiments, bei dem er feststellte, dass die zerlegten Farben so
angeordnet waren, dass Rot stets auf der einen Seite und Blau oder
Violett auf der anderen Seite erschienen. Er bediente sich einer
Strahlverfolgungstechnik, um die Entstehung und Struktur des
Regenbogens zu erklären.

Der Mathematiker Evangelista Torricelli (1608-1647) aus der Romagna
war Galileos bedeutendster Schüler und trat dessen Nachfolge als
Professor für Mathematik in Florenz an. Sein Werk "Lezioni
Accademiche" (Florenz, 1715), das fast 70 Jahre nach seinem Tod
erschien, enthält seine Vorlesungen zu Problemen der Mechanik,
Physik, Meteorologie und Militärarchitektur. Von besonderem Interesse
sind die Vorlesungen über Stoßkräfte und über den Wind. Torricelli
stellte die moderne Theorie auf, dass Winde durch Unterschiede in der
Lufttemperatur entstehen. Galileos offen gebliebene Frage, warum
Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines
Wasserbeckens gepumpt werden konnte, führte Torricelli weiter. Zu
diesem Zweck bauten er und sein Schüler Vincenzo Viviani (1622-1703)
1643 ein recht unpraktisches Wasserbarometer, das ein mit etwa 18
Meter sehr langes und unhandliches Glasrohr erforderte. Durch den
Ersatz durch Quecksilber, das bei Raumtemperatur flüssig und etwa
14-mal dichter als Wasser ist, gelang es Torricelli, die Länge des
Barometerrohrs auf etwa 90 cm zu reduzieren. Sein Gerät bestand aus
einem langhalsigen Glasrohr mit einem geschlossenen, bauchigen Ende.
Die Röhre wurde mit Quecksilber gefüllt und dann in eine ebenfalls
mit Quecksilber gefüllte Schale gestürzt. Anstatt vollständig aus der
Röhre zu fließen, sank die Höhe der Quecksilbersäule auf etwa 76 cm
und blieb dann relativ konstant, wobei sie nur um wenige Prozent
schwankte.

Heute wissen wir, dass diese Schwankungen teils auf
Temperaturänderungen und teils auf Änderungen des Luftdrucks über dem
Instrument zurückzuführen waren. Torricelli war aufgrund dieser
Ergebnisse davon überzeugt, dass die Luft über dem Barometer ein
Gewicht haben und somit Druck ausüben müsse und dass es dieser Druck
sei, der das Quecksilber im Barometerrohr nach oben drücke. Er
glaubte auch, dass der Raum über dem Quecksilber, der durch dessen
Absinken aus dem Kolben am oberen Ende des Rohrs entstand, ein echtes
Vakuum sein müsse. Torricelli wird allgemein die Erfindung des
Quecksilberbarometers im Jahr 1644 zugeschrieben. Sein Barometer
verfügte jedoch über keine Skala und eignete sich daher eher für
qualitative als für quantitative Messungen. René Descartes versah das
Druckrohrbarometer 1647 bereits mit einer Skala.

Der Politiker, Physiker und Erfinder Otto von Guericke (1602-1686)
aus dem Erzbistum Magdeburg war inspiriert von den Arbeiten
Torricellis und Galileos. Er stellte ebenfalls die These auf, dass
Luft ein Gewicht habe und daher einen Druck ausübe, und dass beides
messbar sei. Zu diesem Zweck konstruierte er etwa zur gleichen Zeit
und wahrscheinlich unabhängig von Torricellis Erfindung des
Quecksilberbarometers im Jahr 1644 ein Wasserbarometer. Vor seinem
Haus errichtete von Guericke ein etwa 10 Meter hohes Messingrohr, an
dessen oberem Ende sich ein transparenter, verschlossener und
evakuierter Glasabschnitt befand. Dies war sein Wasserbarometer. An
der Wasseroberfläche im Inneren des Rohrs schwamm eine kleine
Holzpuppe, die bei schönem Wetter aufgrund des steigenden Luftdrucks
mit dem Wasserstand anstieg und durch das Glas sichtbar wurde.
Umgekehrt sank sie bei Tiefdruck und schlechtem Wetter bis zur
Unsichtbarkeit ab. Er versuchte, anhand der Informationen seines
Barometers Wettervorhersagen zu erstellen. Er setzte seine
Forschungen zum Luftdruck und zu den Eigenschaften des Vakuums fort.
Von Guericke experimentierte auch mit der Erzeugung künstlicher
Wolken, indem er Luft aus einem Kolben in einen anderen leitete, aus
dem zuvor die Luft abgesaugt worden war. In dem ersten Kolben bildete
sich daraufhin Nebel, der auf die Kondensation infolge des sinkenden
Drucks in diesem Kolben zurückzuführen war. Er kam zu dem Schluss,
dass Luft nicht in Wasser umgewandelt werden kann, obwohl
Feuchtigkeit in die Luft gelangen und später wieder zu flüssigem
Wasser kondensieren kann.

Der französische Wissenschaftler, Mathematiker und Philosoph Blaise
Pascal (1623-1662) interessierte sich für die Erforschung von
Flüssigkeiten. Dies veranlasste ihn, ein Experiment mit einem
Barometer zu entwerfen, ähnlich dem, das Torricelli 1644 erfunden
hatte. Bei diesem Experiment, das 1648 durchgeführt wurde, wurde der
Quecksilberstand in einem mit einer Skala versehenen Barometer am
Fuße des Puy de Dome im Zentralmassiv gemessen und erneut am Gipfel,
etwa 1000 Meter (3300 Fuß) höher. Der Bericht von Florin Périer
(1605-1672), der das Experiment nach Pascals brieflichen Vorschriften
durchführte, hielt fest, dass das Quecksilber am Fuße des Berges eine
Höhe von 26 Zoll und 3,5 Linien erreichte, während es oben nur 23
Zoll und 2 Linien waren. Dies bedeutete, dass der von der Atmosphäre
ausgeübte Druck mit zunehmender Höhe abnahm, was mit der Vorstellung
übereinstimmte, dass der Druck auf das Gewicht der Atmosphäre in der
Säule über dem Barometer zurückzuführen war.
Der Astronom Giovanni Domenico Cassini (1625-1712) aus dem Herzogtum
Savoyen beschäftigte ich neben astronomischen Themen auch mit
Hydraulik und Flussregulierung und untersuchte mehrere Hochwasser des
Flusses Po.

Der Großherzog der Toskana Ferdinand II. de' Medici (1610-1670)
förderte 1654 das erste Wetterbeobachtungsmessnetz, das aus
Wetterstationen in Florenz, Cutigliano, Vallombrosa, Bologna, Parma,
Mailand, Innsbruck, Osnabrück, Paris und Warschau bestand. Gemessen
wurde die Temperatur mit zwei Thermometern, eines nördlich und eines
südlich ausgerichtet, der Luftdruck, die Luftfeuchte, der
Bewölkungszustand und die Windrichtung. Die gesammelten Daten wurden
in regelmäßigen Abständen zentral an die Accademia del Cimento
(Akademie des Experiments) in Florenz übermittelt. 1667 endete die
Messreihe, da die Accademia del Cimento eingestellt wurde.

Der irische Naturforscher Robert Boyle (1627-1692) war einer der
Ersten, der das Potential eines Quecksilberbarometers nach Art von
Torricelli für die Erforschung der Eigenschaften der Luft erkannte.
Er baute seine eigenen Quecksilberbarometer und scheint der Erste
gewesen zu sein, der den Begriff "Barometer" verwendete. Zusammen mit
Robert Hooke (siehe unten) beschäftigte er sich mit der Physik der
Gase. Nachdem sie von von Guerickes Arbeiten mit Luftpumpen gelesen
hatten, bauten Boyle und Hooke eine verbesserte Version, die Boyle ab
1659 nutzte, um eine Reihe von Experimenten zu den Eigenschaften der
Luft durchzuführen. Er veröffentlichte 1660 einen Bericht über diese
Arbeiten unter dem Titel "New Experiments: Physico-Mechanical
Touching the Spring of Air and its Effects". Boyle leitete den Bau
des ersten in England hergestellten versiegelten Thermometers, und
seine damit durchgeführten Experimente wurden 1665 in seiner
Abhandlung "New experiments and observations touching cold, or an
experimental history of cold" beschrieben. Boyle ist vor allem für
seine Formulierung eines allgemeinen Gasgesetzes aus dem Jahr 1662
bekannt, die allgemein als Boylesches Gesetz bezeichnet wird. Es
besagt, dass bei konstanter Temperatur das Volumen eines idealen
Gases umgekehrt proportional zum Druck ist. Die reale Atmosphäre
folgt diesem Gesetz mit guter Annäherung.

Der niederländische Astronom, Mathematiker und Physiker Christiaan
Huygens (1629-1695) gelangte zu der Erkenntnis, dass
Temperaturmessungen mit Thermometern nur dann sinnvoll sind, wenn sie
anhand einer festgelegten Skala vorgenommen werden. Huygens schlug
1665 eine Thermometerskala vor, die zwei feste Punkte aufweisen
sollte: den Gefrier- und den Siedepunkt von Wasser. Die heute
genutzte Celsius-Skala hat genau diese beiden Bezugspunkte.

Der englische Philosoph und Mediziner John Locke (1632-1704) begann
1666 mit der Führung seines eigenen Wettertagebuchs und führte es,
wenn auch mit einigen Lücken, bis 1703 fort. Er ging diese Aufgabe im
Allgemeinen mit Begeisterung an, da er der Überzeugung war, dass die
regelmäßige Erfassung meteorologischer Daten zum Verständnis von
Wetterphänomenen beitragen würde. So gelang es ihm beispielsweise in
den ersten sechs Monaten seines Aufenthalts in Oxford, fast täglich
mindestens zwei Messwerte seines Thermometers, Barometers und
Windmessers zu notieren.

Der englische Astronom und Architekt Sir Christopher Wren (1632-1723)
schuf erste Entwürfe für einen Regenmesser und eine automatische
Wetterstation. In den 1660er und 1670er Jahren experimentierte er mit
einem Schwingflügel-Anemometer, wie es Alberti 1450 erfunden hatte,
mit einem Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit, mit "Wettergläsern"
(kleinen offenen Wasserbarometern) und mit Quecksilberbarometern nach
Torricelli. 1662 konstruierte er, wahrscheinlich in Zusammenarbeit
mit Robert Hooke, auch einen Kippkasten-Regenmesser zur Erfassung von
Niederschlagsmengen. Dies stellte den frühesten englischen
Regenmesser und den ersten mechanischen Regenmesser, der sich selbst
entleert, dar. Wren arbeitete weiter an der Verfeinerung seiner Idee
eines Geräts, das er "Wetteruhr" nannte und das Wetter automatisch
aufzeichnen sollte. Er stellte sein Konzept im Dezember 1663 der
Royal Society in einer Abhandlung mit dem Titel "Beschreibung einer
Wetteruhr" vor. Zusammen mit Hooke (siehe unten) konnte 1669 ein
erstes funktionierendes Modell fertig gestellt werden, das als
"Weather Wiser" bekannt wurde und von Hooke gebaut wurde. Es ist
interessant festzustellen, dass Wrens Vorstellung von einer
automatischen Wetteraufzeichnung den Gedanken, dass menschliche
Beobachter das Wetter regelmäßig beobachten und aufzeichnen könnten,
völlig außer Acht ließ. Wren erkannte, dass Wetterbeobachtungen
potentiell zur Wettervorhersage genutzt werden könnten, und stellte
der Royal Society 1679 eine mögliche Methode dafür vor.

Der englische Naturwissenschaftlicher, Ingenieur und
Universalgelehrte Robert Hooke (1635-1703) studierte zunächst die
Eigenschaften von Gasen und experimentierte zusammen mit Boyle an
Barometern. In seiner Zeit an der Royal Society of London zwischen
1662 und 1680 arbeitete er an einer Vielzahl von Verbesserungen an
meteorologischen Messinstrumenten, oft in Zusammenarbeit mit Wren.
Hooke entwickelte das "Radbarometer", ein Quecksilberbarometer nach
dem Prinzip von Torricelli, das mit einem von Hooke entworfenen
mechanischen Gestänge ausgestattet war, um selbst kleinste
Schwankungen des Quecksilberstands zu verstärken. Diese Schwankungen
wurden durch die Bewegung einer Skala auf dem "Rad" angezeigt. 1667
konstruierte Hooke eine andere Art von Windmesser, einen sogenannten
Druckplatten-Windmesser: Um die Geschwindigkeit der Luft oder des
Windes zu messen und dessen Stärke zu ermitteln, wurde durch vier an
einer Achse befestigten Flügel erreicht, die sehr leicht und
beweglich waren. Hooke konstruierte das erste praxistaugliche
Hygrometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit, basierend auf seiner
Beobachtung, dass sich die Haare eines Ziegenbartes im trockenen
Zustand krümmen und im feuchten Zustand wieder gerade richten.

1663 stellte Hooke der Royal Society eine umfassende Anleitung zur
Durchführung von Wetterbeobachtungen vor und empfahl, ein nationales
oder internationales Netz von Stationen einzurichten, um
Wetterbeobachtungen nach einem einheitlichen Standard mit
kalibrierten Instrumenten durchzuführen. Um 1669 präsentierte Hooke
der Royal Society eine funktionsfähige Version von Wrens Wetteruhr,
bekannt als "Weather Wiser". Das "Weather Wiser"-Gerät verfügte über
einen Kippkasten-Regenmesser von Wren und verwendete Auslösehämmer,
um auf einer rotierenden Trommel Papierstreifen mit fortlaufenden
Messwerten zu Druck, Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit,
Windgeschwindigkeit und Windrichtung zu markieren. Es handelte sich
dabei tatsächlich um die weltweit erste automatische Wetterstation.

Hooke erkannte, dass es möglich sein könnte, anhand von tabellarisch
erfassten täglichen Wetterdaten Vorhersagen zu erstellen,
insbesondere wenn diese Daten von mehreren Stationen eines Netzwerks
stammten. Wren stellte der Royal Society 1679 hierfür bereits eine
mögliche Methode vor (siehe oben). Aufgrund seiner gesamten
meteorologischen Arbeit, insbesondere seiner Entwicklung
meteorologischer Messgeräte und seiner vorausschauenden Empfehlung,
regelmäßige Wetterbeobachtungen nach einheitlichen Standards in einem
Netz von Beobachtungsstationen durchzuführen, wird Hooke als "Vater
der wissenschaftlichen Meteorologie" bezeichnet.
Lesen Sie im nächsten Teil der Serie "Geschichte zur Meteorologie"
unter anderem von Verbesserungen meteorologischer Messgeräte durch
neue Erkenntnisse sowie die zeitweise Umsetzung des oben erwähnten
Gedankens eines meteorologischen Messnetzes.

(Die Bilder und Links zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und
bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!


Der Frühsommer läuft auf Hochtouren und lässt verbreitet die Sonne
vom teils wolkenlosen Himmel strahlen. Dabei steigt bei Werten um
oder über 30 Grad nicht nur das Hitzeempfinden, sondern auch der
UV-Index.


Derzeit wird der menschliche Körper wieder zunehmend den positiven
und negativen Eigenschaften der UV-Strahlung ausgesetzt. Hoch
Alexander lässt die Sonne verbreitet, vor allem in der Mitte und im
Süden häufig auch vom wolkenlosen Himmel scheinen. Mit täglicher
Annäherung an den Sonnenhöchststand am 21. Juni nimmt auch deren
Kraft zu. Ende Mai hat die Sonne demnach etwa die gleiche Strahlkraft
wie Ende Juli. Dabei kann auch eine beachtliche Menge an UV-Strahlung
in den bodennahen Luftschichten ankommen.

In den folgenden Abschnitten soll der sogenannte aktinische
Wirkungskomplex, also die Komponenten der biologisch wirksamen
Sonnenstrahlung und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper, näher
unter die Lupe genommen werden.

Die biologisch wirksamen Spektren des Lichts reichen vom infraroten
über den sichtbaren bis zum ultravioletten Bereich (UV-Bereich) und
haben teils gesundheitsfördernde als auch gesundheitsschädigende
Einflüsse auf den Menschen. So fördert beispielsweise die
Infrarotstrahlung die Durchblutung der Haut. Das sichtbare Licht
beeinflusst den Hormonhaushalt und die Psyche. Das größte
Wirkungsspektrum besitzt jedoch die UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die an der
Erdoberfläche nur wenige Prozent der gesamten solaren Strahlung
ausmacht. Sie umfasst dabei den Wellenlängenbereich, der kürzer als
der des sichtbaren Lichtes ist. Da die einzelnen Elementarteilchen
der UV-Strahlung (Photonen) über eine sehr hohe Energie verfügen,
können sie teilweise tief in biologische Systeme eindringen,
Molekülverbindungen irreversibel zerstören und somit wesentlichen
Einfluss auf Lebewesen nehmen. Beispielsweise wird die UV-Strahlung
als Auslöser für verschiedene Hautkrebsarten angesehen.

Die Haut unterliegt als Grenz- und Kontaktorgan in besonderem Maße
dem Einfluss von Umweltfaktoren und somit auch der UV-Strahlung.
Zahlreiche Hautkrankheiten finden ihren Ursprung in dieser
Strahlungsart oder werden von ihr verstärkt. Am bekanntesten ist in
diesem Sinne wohl der Sonnenbrand, der einer Verbrennung ähnelt und
nach einer vom Hauttyp abhängigen Bestrahlungszeit mit einer scharf
begrenzten Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz sowie gelegentlicher
Blasenbildung und Ödemen einhergeht.

Schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit haben
Hautreaktionen, die nach einem jahre- oder jahrzehntelangen Zeitraum
der UV-Bestrahlung auftreten. In diese Gruppe sind beispielsweise die
Hautalterung oder bösartige Hauttumore einzuordnen.

Traditionell wird die UV-Strahlung auf Basis der Ozonabsorption in
drei Teilbereiche aufgegliedert. Demnach wird zwischen der UV-A
Strahlung in dem Wellenlängenbereich von 315 bis 400 Nanometer, der
UV-B Strahlung zwischen 280 bis 315 sowie der UV-C Strahlung zwischen
100 und 280 Nanometer unterschieden. Dabei hindert das atmosphärische
Ozon die UV-A Strahlung nur wenig daran die Erdoberfläche zu
erreichen. Die UV-C Strahlung wird dagegen unabhängig von der
Ozonkonzentration auf dem Weg durch die Atmosphäre fast komplett aus
der Luft herausgefiltert, während die Menge an UV-B Strahlung am
Boden stark von der Ozonkonzentration sowie der Mächtigkeit der
Ozonschicht abhängig ist. Als Maß für die UV-Strahlung dient der
sogenannte UV-Index, der üblicherweise als Bestrahlungsstärke (Watt
pro Quadratmeter) auf einem horizontal orientierten Empfänger
angegeben wird. Neben dem Ozon beeinflussen auch weitere Bestandteile
der Atmosphäre, wie beispielsweise Aerosole (Schwebeteilchen in der
Atmosphäre) und Wolken (Wassertröpfchen), astronomische Bedingungen
wie der Sonnenstand, der orographische Standort oder auch die
Bodenbeschaffenheit in Form der Albedo (Rückstrahlvermögen der
solaren Strahlung) die Menge an UV-Strahlung am Boden.

Insgesamt hat die UV-Strahlung, wie zu Beginn des Artikels schon
aufgeführt, bedeutende Wirkung auf den menschlichen Organismus. Wer
seine Haut beim Sonnenbaden nicht ausreichend schützt, schädigt diese
nachhaltig. Die UV-A Strahlung (lange Wellen) führt zu einer
kurzfristigen Bräune, die jedoch kaum Lichtschutz bringt. Dagegen
verliert die Haut an Spannkraft und altert bei langfristiger
Bestrahlung frühzeitig. Auch das Hautkrebsrisiko ist bei häufiger
ungeschützter Einstrahlung deutlich erhöht. Die UV-B Strahlung sorgt
hingegen eher für eine langfristigere Bräune, die auch einen echten
Lichtschutz (Lichtschwiele) mit sich bringt. Gleichzeitig dringen
diese Strahlen nicht so tief in die Haut ein und schädigen sie daher
nicht nachhaltig. Ein allgemein schädigender Effekt der UV-Strahlung
ist zudem die Immunsubpression, eine Verringerung der Körperabwehr,
z.B. gegenüber Infektionskrankheiten.

Positiv ist jedoch anzuführen, dass die UV-Strahlung
hauptverantwortlich für die Bildung von Vitamin D in der Haut ist.
Dieses Vitamin ist im Körper für den Calcium- und
Phosphatstoffwechsel essentiell. Allerdings wird die notwendige
Vitamin D-Dosis in Deutschland im Sommer bei wolkenlosen Bedingungen
gegen Mittag bereits innerhalb von etwa 15 Minuten durch die
Sonnenexposition von Händen, Armen und Gesicht erreicht. Dafür
bräuchte man also nicht stundenlang in der Sonne zu braten.

Am Montag und Dienstag wird entsprechend der teils wolkenlosen
Bedingungen und der Sonnenkraft etwa südlich von Eifel, Westerwald
Rhön und Erzgebirge bei einem UV-Index von häufig 8 schon recht
verbreitet eine sehr hohe gesundheitliche Gefährdung erwartet. Im
Allgäu sowie allgemein auf den Alpenhöhen wird teilweise sogar ein
Index von 9 erreicht. Moderater kommt der UV-Index (4/5, mittlere
Gefährdung) im Norden daher, wo zeitweise Wolken die Sonne
ausbremsen.

In möglichen UV-Warnungen oder auch in den entsprechenden
UV-Gefahrenkarten des DWD wird besonders auf potentielle
Schutzmaßnahmen hingewiesen. Ergänzend zu diesen international
einheitlichen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation finden Sie
weitere UV-Schutztipps auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes.


Neben der UV-Strahlung kann die Sonne das Land tagsüber auch schon
ordentlich einheizen. Vor allem im Südwesten wird zu Beginn der Woche
schon eine gefühlte Temperatur teils über 32 Grad prognostiziert.
Diese wiederum führt dazu, dass wir ein heißes thermisches Empfinden
entwickeln. Für eine Hitzewarnung reicht dies aber noch nicht.
Besonders die Nächte kommen noch kühl daher und sorgen für
ausreichend Entspannung. Zudem sind auch die Gebäude noch nicht
ausreichend aufgeheizt. Dennoch ist vor allem in der Mittagshitze für
Kranke und empfindliche Personen schon Vorsicht geboten.

Dipl. Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2026

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