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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Trockenheit macht erneut Probleme


Bestimmt erinnern Sie sich noch an das vergangene Jahr, das
verbreitet von einer extremen Trockenheit und im Sommer zudem von
einer wochenlangen warmen bis heißen Witterungsperiode geprägt war.
Landwirte und Förster hatten damals die Hoffnung, dass ein Teil des
beträchtlichen Niederschlagsdefizits im darauf folgenden Winter
wieder ausgeglichen wird und dass auch im anschließenden Frühjahr und
Sommer ausreichend Regen fällt, damit sich die Natur von der teils
drastischen Dürresituation in 2018 wieder erholen kann. Genau danach
sieht es aktuell aber nicht aus!


Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sowie von Oberfranken bis
nach Niederbayern hat es in diesem April kaum geregnet (siehe
Abbildung 1). Niederschlagsmengen unter 1 mm sind dort keine
Seltenheit und vereinzelt kam bisher sogar kein einziger Tropfen vom
Himmel. Auch in der Westhälfte Deutschlands fällt die bisherige
Regenbilanz im April vielerorts unterdurchschnittlich aus, es regnete
aber immerhin etwas mehr als im Osten.


Ein Drittel des Jahres 2019 ist schon fast vorüber, da lohnt sich
schon ein erster Blick auf die bisher gefallenen Regenmengen in
Deutschland. Insgesamt sieht der seit Jahresbeginn gemessene
Niederschlag gebietsweise alarmierend aus. Vor allem im Thüringer
Becken, dem südlichen Niedersachsen und vom östlichen Vorpommern bis
zur Prignitz zeigen die mithilfe von Radardaten abgeleiteten und
durch Messstationen angeeichten Niederschlagsmengen größere Flächen,
in denen lediglich 50 bis 100 mm niedergegangen sind (siehe Abbildung
2). Passend dazu registrierte die derzeit niederschlagsärmste
Wetterstation in Erfurt-Bindersleben gerade einmal 58 mm
(vieljähriges Mittel: 130 mm bis zum 23.4.). Gerade diese Regionen
waren bereits im letzten Jahr besonders von der Dürre betroffen. Aber
auch in Teilen von Mittel- und Unterfranken blieb es in diesem Jahr
ähnlich trocken. In West-, Nordwest- und Süddeutschland sowie in den
Mittelgebirgen regnete bzw. schneite es hingegen etwas mehr, sodass
im Deutschlandmittel mit 194 mm immerhin 86% des normalerweise in
diesem Zeitraum üblichen Niederschlags gemessen wurde.


Dazu kommt in diesem Jahr noch erschwerend hinzu, dass die Natur im
Gegensatz zu 2018 noch mit den Auswirkungen der letztjährigen
Trockenheit zu kämpfen hat. Im deutschlandweiten Durchschnitt gab es
in den Wintermonaten nur etwa 30 mm mehr Niederschlag als im
vieljährigen Mittel, sodass das beträchtliche Niederschlagsdefizit
aus dem letzten Jahr bei Weitem nicht ausgeglichen werden konnte
(siehe auch Link zur aktuellen DWD-Pressemitteilung am Ende des
Textes). Vor allem von Schleswig-Holstein über die Altmark (Norden
von Sachsen-Anhalt) bis in den Norden von Brandenburg (Prignitz bis
Oderbruch) sowie am Oberrhein und in Teilen von Hessen und
Nordthüringen wurde das "Wintersoll" noch nicht einmal erreicht.
Somit konnten die Wasserspeicher in den Böden nicht ausreichend
gefüllt werden, sodass die Wasserreserven in den Böden deutlich
geringer ausfallen als zur selben Zeit in 2018.


Gerade jetzt im Frühling, wenn das Wachstum der Vegetation sehr aktiv
ist, wirkt sich eine Trockenphase besonders stark aus. Landwirte
berichten bereits vermehrt von Stress-Symptomen bei Kulturpflanzen.
Beispielsweise rollt das austreibende Getreide schon seine Blätter
ein. Den Pflanzen fehlt genügend Wasser aus den Böden und
gleichzeitig verliert die Vegetation bei den derzeitigen hohen
Temperaturen, der starken Sonneneinstrahlung und geringen
Luftfeuchtigkeit viel Wasser durch Verdunstung. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass schon jetzt im Frühjahr in immer mehr Regionen
eine negative Wasserbilanz vorliegt (siehe Link am Ende des Textes),
die die Differenz aus der Niederschlagssumme und der Summe der
potentiellen Verdunstung über Gras beschreibt (Details: siehe
DWD-Wetterlexikon-Einträge zu (potentieller) Evaporation und
Wasserbilanz).


In den Wäldern hat schon die Trockenheit des letzten Jahres teilweise
ihre Spuren hinterlassen. Vielleicht sind Ihnen beim Spaziergang
durch die heimischen Wälder vermehrt abgestorbene Nadel- und
Laubbäume aufgefallen? Auch der Borkenkäfer, der sich bei der
trocken-heißen Witterung im letzten Jahr besonders wohl gefühlt hat,
leistete an manchen Bäumen ganze Arbeit, sodass wohl nur noch ein
Fällen der Bäume Abhilfe schaffen kann.


Die aktuelle Trockenheit sorgt zudem vor allem im Osten und Süden für
eine hohe, gebietsweise sogar für eine sehr hohe Waldbrandgefahr
(Stufe 4 bis 5, siehe Abbildung 3). Fast landesweit kam es deshalb in
den letzten Tagen bereits zu kleineren Wald-, Moor- oder
Flächenbränden. Viele Gemeinden sagten sicherheitshalber ihre
traditionellen Osterfeuer ab und am gestrigen Dienstag kam es im
Nordosten sogar zu Staubstürmen mit teils massiven Auswirkungen auf
den Straßenverkehr.


In den kommenden Tagen kann man zum Glück vielerorts auf Regen
hoffen. Vor allem im Westen und Südwesten können durch schauerartig
verstärkte Niederschläge bis zum Montag Regenmengen zwischen 10 und
40 mm zusammenkommen und auch im von der Trockenheit geplagten Osten
fällt etwas Regen (siehe Abbildung 4). Dort ist dieser aber
mancherorts wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein.


Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Neues Unheil für Mosambik


Für uns Meteorologen verliefen die vergangenen Ostertage bei der
Deutschlandwettervorhersage sehr ruhig und man mag glauben, dass wir
unseren Dienst entspannt leisten konnten. Dem ist aber leider nicht
so. In Zusammenarbeit mit dem "Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum" in
Bonn beobachten wir rund um die Uhr weltweit die aktuelle und
zukünftige Wetterlage, um auf potentiell gefährliche
Wetterentwicklungen frühzeitig hinweisen zu können. Diese Information
wird in der Folge an diverse Hilfsorganisationen weitergeleitet. Von
daher gibt es Tage, an denen man bei der Erstellung einer
Wettervorhersage davon ausgehen kann, dass die zu erwartende
Wetterlage der dortigen Bevölkerung Leid und Zerstörung bringen wird.
Dies war bei der Vorhersage für IDAI der Fall und ist es leider auch
heute in Bezug auf den nächsten Wirbelsturm.

Nachdem Mitte März der verheerende tropische Zyklon IDAI im Umfeld
der Küstenstadt "Beira" an Land ging, sind die Folgen bis heute noch
kaum zu überschauen. Neben den horrenden Sachschäden und der sehr
hohen Zahl an Verletzten und Toten sind die längerfristigen Folgen
für die Wirtschaft aber auch mit Blick auf die gesundheitlichen
Folgen wie Seuchen noch überhaupt nicht abzuschätzen. Dabei war IDAI
aber nur der "prominenteste" tropische Zyklon, der es in die
weltweiten Medien geschafft hat. Bevor wir näher auf die aktuelle
Lage eingehen, wollen wir daher kurz auf die bisherige
Tropensturmsaison im südwestlichen Indischen Ozean schauen.

In dieser Region dauert die Tropensturmsaison statistisch von Mitte
November bis Ende April. Verlief sie in den vergangenen Jahren mit
Blick auf die Anzahl von Tropenstürmen normal, so sieht es in dieser
Saison anders aus. Sie war die bisher schadensträchtigste sowie die
zweitaktivste Saison seit 1967. Bisher wurden im südwestlichen
Indischen Ozean 13 tropische Stürme (durchschnittlich 9) und 9
tropische Zyklone (durchschnittlich 5) beobachtet. Auch der Blick auf
die bisher gemeldete Zahl an Todesopfern lässt diese Saison auf den
3. Platz vorrücken, wobei IDAI ganz klar als Hauptverursacher für die
hohe Zahl an Todesopfern in die Annalen eingeht. Dabei verlief die
Saison insofern noch glimpflich (wenn man das in diesem Zusammenhang
überhaupt sagen darf), da sich der Großteil der Zyklone weit abseits
von jeglicher Landmasse über dem Indischen Ozean als sogenannte
"Fischstürme" austobte.
Zusammengefasst haben wir es in diesem Jahr also mit einer sehr
aktiven Saison zu tun, die aktuell noch kein Ende finden will.

So schauen wir Meteorologen seit einigen Tagen mit erneuten
Sorgenfalten auf ein Gebiet nördlich von Madagaskar, wo es bereits
kräftig brodelt. Wiederholt entwickelten sich hochreichende
Gewitterwolken, die sich immer weiter verstärken und ausdehnen
konnten. Das aktuelle Satellitenbild ist dem Thema des Tages
beigefügt [siehe Grafik a)]. Die Gründe für die Entwicklung solcher
tropischer Stürme wurden in vergangenen Themen des Tages bereits des
Öfteren dargestellt und können auch im Wetterlexikon des Deutschen
Wetterdienstes nachgelesen werden (siehe Link unter dem Thema des
Tages). Kurz zusammengefasst organisieren sich die Gewitter im
Verlauf ihrer Entwicklung zu großen Gewitterkomplexen, die dem
Einfluss der Corioliskraft folgend beginnen, sich um ein gemeinsames
Zentrum zu drehen. Dabei müssen ausreichend warmes Wasser vorhanden
und die Luft feucht genug sein, damit diese Gewitterkomplexe nicht in
sich zusammenfallen. Ist auch noch die vertikale Windscherung, also
die Zunahme des Windes mit der Höhe sehr gering, dann steht einer
Intensivierung nichts mehr im Weg.

Das aktuelle Satellitenbild zeigt bereits ein gut organisiertes
Wolkensystem nördlich von Madagaskar, das über einer Meeresregion mit
ausreichend hohen Wassertemperaturen von 28 bis 30 Grad zieht. Zudem
ist die aktuelle Windscherung sehr gering. Diese Bedingungen bleiben
auch in den kommenden Tagen bestehen. Somit ist bei der zu
erwartenden Westverlagerung eine fortwährende Intensivierung zu einem
tropischen Zyklon mit mittleren Windgeschwindigkeiten von mehr als
120 km/h zu erwarten. Die Böen können dabei sogar noch deutlich höher
als der Mittelwind ausfallen, wie in Grafik c) zu erkennen ist (Daten
vom Europäischen Wettermodell). Aus heutiger Sicht dürfte der Sturm
im Verlauf des Freitags im Nordosten von Mosambik auf Land treffen
und dann wie IDAI unter geringer Verlagerungsgeschwindigkeit entweder
ins Landesinnere driften oder im Küstenumfeld verbleiben. Egal welche
Lösung eintrifft, es muss in diesen Regionen erneut mit extremen
Regenfällen [Grafik b)] und vor allem im Küstenumfeld mit Orkanböen
gerechnet werden. Natürlich sind die Zugbahnvorhersagen noch mit
Unsicherheiten behaftet, doch zeigen die unterschiedlichen
Wettermodelle das gesamte Szenario bereits seit Tagen beständig.
Dabei liegt u.a. die Hafenstadt "Pemba" mit mehr als 200 000
Einwohnern im unmittelbaren Gefahrenbereich.

Daher kommen bei der Vorbereitung dieser Vorhersage bei uns
Meteorologen sorgenvolle Gedanken auf, denn die Gefahr einer erneuten
Katastrophe ist leider aus aktueller Sicht real und womöglich
imminent.

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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