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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Hagelereignisse in Deutschland
Gerade im Frühjahr und im Sommer treten in Deutschland immer wieder
schwere Gewitter mit Hagel auf, der innerhalb von wenigen Minuten
große Schäden anrichten kann. Dabei gibt es deutliche räumliche
Unterschiede in der Häufigkeit solcher Ereignisse. Zudem hat auch der
Klimawandel Einfluss auf deren Intensität, Häufigkeit und räumliche
Verteilung.
Auch wenn aktuell über Mitteleuropa weitgehend ruhiges
Hochdruckwetter vorherrscht, steht uns die Gewittersaison 2026
unmittelbar bevor - und damit steigt auch die Hagelgefahr. Eine
kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass im Zeitraum von 2005 bis
2024 die meisten Hagelstürme in Deutschland zwischen Mai und August
auftraten. Grundlage der Untersuchung waren Radardaten des Deutschen
Wetterdienstes, aus denen potenzielle Hagelzüge abgeleitet wurden.
Dabei zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieses lässt sich
sowohl durch die orographischen Gegebenheiten als auch durch den
höheren Energiegehalt der Troposphäre im Süden erklären, der im
klimatologischen Mittel im Frühling und Sommer ausgeprägter ist. Ein
Schwerpunkt zeigt sich südlich von Stuttgart entlang der Schwäbischen
Alb und im Alpenvorland. In diesen Regionen beeinflusst die
Topographie von Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen maßgeblich
die Entstehung von kräftigen Gewittern, die Hagel produzieren können.
Im Lee der Gebirge bilden sich häufig lokale Konvergenzen aus, an
denen Luftmassen zusammenströmen. Diese Konvergenzen sind oftmals die
Brutstätte für schwere Gewitter mit Hagel. Da bei den meisten
schweren Gewitterlagen eine südwestliche Strömung vorherrscht, sind
diese Regionen besonders anfällig. Dort treten Hagelereignisse nicht
nur vergleichsweise häufig auf, sondern auch überdurchschnittlich
viele Fälle mit großem Hagel. In Erinnerung ist bei einigen in diesem
Zusammenhang sicherlich das Hagelunwetter von Reutlingen aus dem Jahr
2013 geblieben. Am 27 Juli sorgte damals eine Superzelle mit großem
Hagel entlang der Schwäbischen Alb für massive Schäden an der
Infrastruktur und in der Landwirtschaft.
Da zur Ausbildung von Hagelstürmen neben einer feuchtwarmen
energiereichen Luftmasse auch ein Hebungsantrieb vorhanden sein muss,
hat die Wetterlage einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten
solcher Ereignisse. Die Studie zeigt, dass etwa 50 Prozent dieser
Stürme in diesem Zeitraum in Verbindung mit blockierenden Wetterlagen
auftraten. Solche Lagen führen durch langsam ziehende Druckgebilde
häufig zu Serien von Hagelstürmen über mehrere Tage. Dabei
kristallisiert sich heraus, dass solche Episoden mit einer Periode
von Hagelstürmen gefolgt von längeren Ruhephasen häufiger geworden
sind. Das am häufigsten dominierende Wetterregime war eine
skandinavische Blockierungslage mit einem kräftigen nahezu
stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien und gleichzeitig tiefen
Luftdruck im Bereich des Mittelmeerraums. Betrachtet man die
räumlichen Unterschiede innerhalb von Deutschland, so zeigt sich
lediglich im Süden eine Zunahme in der Hagelhäufigkeit. In der Mitte
und im Norden ist eine Tendenz zu weniger Ereignissen erkennbar. Dies
steht im Widerspruch zur verbreiteten Annahme, dass aufgrund des
Anstiegs der Temperatur und Feuchtigkeit automatisch mehr schwere
Gewitter auftreten.
Da die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre allerdings weitaus
vielschichtiger sind, können veränderte atmosphärische Strömungen,
der Aerosolgehalt in der Troposphäre oder der Anstieg der
Nullgradgrenze einen negativen Trend in der Häufigkeit erklären. Die
Ausbildung von Gewittern mit Hagel bleibt ein komplexes Thema,
welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wodurch
sich räumlich kein einheitliches Bild ergibt.
In den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter
weitgehend erhalten. Lediglich am Dienstagabend besteht im
Zusammenhang mit einem schwach ausgeprägten Höhentief über dem
süddeutschen Bergland ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko.
Schwere Gewitter mit Hagel werden jedoch nicht erwartet!
Damit bleibt abzuwarten, wo die Gewitter ? und Hagelschwerpunkte in
dieser Saison liegen werden.
(Die Bilder und Links zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)
M.Sc. Met. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Hochdruck ohne Ende
Das Wetter bietet zurzeit wenig Abwechslung. Am heutigen Samstag
sorgt mal ein über die Ostsee näher rückendes Tief für etwas mehr
Wind, insgesamt ist es wettertechnisch aber eher langweilig.
Seit Tagen schon herrscht Hochdruckeinfluss in Deutschland. In den
meisten Regionen drückt sich dieser in einem nur wenig oder gar nicht
bewölktem Himmel aus. Nur im Norden hat feuchte Nordseeluft in den
letzten Tagen für viele tiefe Wolken mit Hochnebelcharakter gesorgt.
Regen fiel daraus aber kaum. Heute wird die eingeströmte feuchte
Meeresluft von einem Tiefausläufer gehoben, was zu Quellwolken und
somit zu einem Rückgang der Hochnebeldecke führt. Niederschlag ist
aber weiter Mangelware.
Der Ausläufer gehört zu Tief YLVI mit Zentrum über
Südostskandinavien. Zwischen ihr und den Hochdruckgebieten ULI,
WINFRIED und VOLKER erhöht sich im Norden und Osten der
Druckgradient, was in einem frischen Wind resultiert.
Die Hochdruckgebiete, die vom Nordwesten Europas über den Westen und
die Mitte bis in den Süden reichen, gewinnen bereits am Sonntag
wieder die Oberhand. Die Tiefdruckgebiete YLVI und XIMENA über
Nordost- und Osteuropa werden zurückgedrängt. Der Druckgradient nimmt
deutlich ab und der Wind lässt nach.
Auch atlantische Störungen erreichen uns in den kommenden Tagen
nicht. Der Hochdruckeinfluss ist gekommen, um zu bleiben. Erst am
Dienstag zieht sich das Hoch mehr in den Westen und Norden Europas
zurück. Dann kann sich über der Iberischen Halbinsel und dem
westlichen Mittelmeer tiefer Luftdruck ausbreiten. Dabei wird etwas
feuchtere Luft in den Süden Deutschlands geführt, was in einzelnen
Schauern oder leichtem Regen im äußersten Süden und Südwesten münden
kann.
Im großen Rest Deutschlands ist es weiterhin trocken. Dabei ist es im
Westen und Süden immer ein paar Grad wärmer als im Norden und Osten.
Denn die Luft strömt im Uhrzeigersinn um die Hochdruckgebiete herum
zu uns und kommt damit überwiegend aus nördlicher Richtung. Auf dem
Weg in den Süden und Westen kann sie sich dabei über Land erwärmen,
während sie über die frische Nord- und Ostsee kaum Erwärmung erfährt.
Der erste Trend nach Wochenmitte zeigt weiterhin Hochdruckeinfluss.
Ob dabei zum Ende der Woche mildere Luft aus Süden gewinnt oder wir
weiter auf der Vorderseite in nördlicher Strömung verbleiben, ist
noch ungewiss..
Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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