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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?
"Die Gewitter ziehen immer an mir vorbei!". So oder so ähnlich
beklagen sich Gewitter- und Gartenfans, wenn mal wieder ein Gewitter
nicht seine Blitze oder dringend benötigtes Wasser an Ort und Stelle
abgeladen hat. Richtig ist es aber meistens nicht.
In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal
wieder mit teils kräftigen Gewittern zu tun. Und wie so häufig
verteilen sich die Gewitter nicht gleichmäßig über das Land. Einzelne
Regionen bekommen kräftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar
nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern räumlicher
Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan
bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie ?kracht? oder
der Garten wieder einmal nicht gewässert wird. Aber stimmt das auch?
Gewitterverteilung über Deutschland
In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter
vorkommen. Dazu zählen alle Gebirgsregionen. Dort werden die
Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben
und die in Gewitterwolken immer vorhandene Aufwärtsbewegung auf diese
Weise verstärkt.
Das lässt sich im Sommer gut beobachten, wenn über den Bergen bereits
Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es
im Süden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die
Gewitter dort auch zahlreicher. Zusätzlich kommen im Süden
Deutschlands häufiger feuchte und warme Luftmassen von Süden her an,
die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in
abgeschwächter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im Süden
zusätzlich begünstigt. Gleichwohl kommen aber überall in Deutschland
Gewitter vor.
Der "Kulisseneffekt"
Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar
immer vorbeiziehen, lässt sich in den allermeisten Fällen gut
erklären. Verantwortlich dafür ist der sogenannte ?Kulisseneffekt?.
Der ?Kulisseneffekt? entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort
herum mächtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in
mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu
einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die
Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken
zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen
Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu
erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem
Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der
Eindruck, die Gewitter würden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht
getroffen wurde.
Ausnahme Lee von Gebirgszügen
In einigen Regionen kann der ?Kulisseneffekt? in bestimmten
Wettersituationen aber nicht als Erklärung für vorbeiziehende
Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges
gemeint.
Schon kleinere Gebirgszüge können dabei als sogenannte
?Wetterscheide? fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich
die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem
Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss
vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen
umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, während
abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann
bei anderer Anströmung natürlich trotzdem von einem Gewitter
getroffen werden.
Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives
Empfinden. Beim nächsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.
Dipl. Met Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Kleines Höhentief, große Wirkung ? eine Gewitternachlese
Nach mehreren Tagen hochsommerlicher Hitze brachte ein unscheinbares
Höhentief Bewegung in die Atmosphäre. Dieses sorgte für lokal heftige
Gewitter mit Starkregen, Großhagel und Orkanböen, die Feuerwehren und
Einsatzkräfte im ganzen Land beschäftigten.
Wer in den vergangenen Tagen auf den lange ersehnten Landregen
gehofft hatte, wurde regional zwar nicht enttäuscht, lokal eng
begrenzt war es jedoch "zu viel des Guten". Seit dem vergangenen
Montag, den 13. Juli 2026, entwickelten sich in Teilen Deutschlands
wiederholt kräftige Gewitter, die lokal erhebliche Schäden
verursachten. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte
Bäume, beschädigte Dächer und golfballgroße Hagelkörner prägten das
Bild nach einem Schwergewitter. Gleichzeitig blieb es oft nur wenige
Kilometer entfernt trocken oder es fielen lediglich einige Tropfen.
Gerade diese ausgeprägte Kleinräumigkeit macht sommerliche Gewitter
so faszinierend und zugleich so schwer vorherzusagen.
Aus meteorologischer Sicht wirkte die Wetterlage nicht allzu
spektakulär. Deutschland lag am Rand eines kräftigen
Hochdruckgebietes, das sich vom Atlantik nach Skandinavien
erstreckte. Verantwortlich für die Unwetter war vielmehr ein
vergleichsweise kleines Höhentief, das sich langsam von Dänemark nach
Deutschland verlagerte. In höheren Luftschichten brachte es etwas
kühlere Luft mit, wodurch der größere Temperaturunterschied zur
bodennah stark aufgeheizten, feuchten Luftmasse die Auslöse von
kräftigen Gewittern begünstigte. Gleichzeitig lag eine nur schwache
Höhenströmung vor, sodass sich die Gewitterzellen nur langsam
verlagerten oder durch rückseitige Neuauslöse wiederholt über
denselben Ort zogen und so ideale Voraussetzungen für lokalen
Starkregen boten.
Den Auftakt machte am Montagabend eine Gewitterlage im Norden
Deutschlands. Bei Hannover sorgte eine kräftige Gewitterzelle für
einen sogenannten Downburst (siehe DWD-Lexikon) mit orkanartigen Böen
von 105 km/h. Zudem wurde innerhalb kurzer Zeit Starkregen mit 39,9
Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch in Teilen Schleswig-Holsteins
sorgten Gewitterzellen für Probleme. Besonders betroffen war
Elmshorn, wo Starkregen Straßen, Keller und Unterführungen
überflutete. Innerhalb von wenigen Stunden fielen dort örtlich 40 bis
60 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze
abarbeiten, da die Kanalisation die Wassermengen zeitweise nicht
aufnehmen konnte. Auch Hagel spielte am Montag bereits eine Rolle: In
Heidenau (Niedersachsen) wurden golfballgroße Hagelkörner (circa 5
Zentimeter) beobachtet, die erhebliche Schäden an Fahrzeugen und
Gebäuden verursachten. An anderen Orten fiel deutlich kleinerer
Hagel, allerdings in großen Massen. So entstanden Bilder, die eher an
Winterlandschaften erinnerten.
Am Dienstag, den 14. Juli 2026, verlagerte sich der Schwerpunkt der
Gewitter in die Mitte und den Süden Deutschlands. In der Region
Nürnberg entwickelte sich am Abend eine besonders kräftige
Gewitterzelle. Um 17 UTC wurde dort eine Orkanböe von 130 km/h
registriert, wenig später fielen innerhalb einer Stunde 45 Liter
Regen pro Quadratmeter, lokal laut Radarauswertung noch etwas mehr.
Die Folge waren überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und
zahlreiche umgestürzte Bäume. Rund 1.100 Unwettereinsätze wurden in
der Region gemeldet.
Auch Thüringen war von schweren Gewittern betroffen. Eine sogenannte
Superzelle (siehe DWD-Lexikon) zog über eine Strecke von rund 180
Kilometer vom Eichsfeld und dem Ilm-Kreis bis zum Fichtelgebirge und
sorgte mit Starkregen und Hagel für Behinderungen. Hagelkörner
verstopften teilweise Abflüsse, wodurch Straßen überflutet wurden.
Bei Ilmenau kam es kurzzeitig zu einer weiteren Intensivierung der
Gewitterzelle, sodass dort lokal eng begrenzt auch Orkanböen
auftraten.
Am Mittwoch (15. Juli 2026) erreichten die Gewitter
Baden-Württemberg. In Reutlingen entwickelte sich in den frühen
Morgenstunden bereits eine kräftige Gewitterzelle, die lokal große
Hagelmassen brachte. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu
drei Zentimetern bedeckten Straßen und blockierten teilweise die
Abflüsse. Die Stadt Reutlingen war den gesamten Tag mit
Aufräumarbeiten beschäftigt, Keller mussten ausgepumpt, Straßen
geräumt und Schäden beseitigt werden. Zeitweise waren rund 6.000
Haushalte nach einem Blitzeinschlag kurzzeitig ohne Strom.
Auch am Bodensee kam es am Mittwochnachmittag zu einem heftigen
Unwetter. In Friedrichshafen wurde eine Orkanböe von 126 km/h
gemessen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Dächer
wurden beschädigt. In Kressbronn stürzte ein Baum auf ein Wohnmobil,
die Insassen blieben glücklicherweise unverletzt.
Zudem wurden mehrere Orte im Süden Baden-Württembergs wiederholt von
Gewitterzellen getroffen. So verzeichnete die Station in
Blumberg-Randen gegen 17:30 UTC satte 60,6 Liter pro Quadratmeter in
nur wenigen Stunden.
Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Unterschiede bei
sommerlichen Gewitterlagen auf kleinem Raum sein können. Während
wenige Kilometer entfernt kaum Niederschlag fällt, können einzelne
Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit extreme Regenmengen, Hagel und
Sturmböen bringen.
Auch am heutigen Donnerstag sind im Südwesten und Süden einzelne
kräftige Gewitter vorhergesagt, die lokal eng begrenzt mit Orkanböen
bis 130 km/h, Hagel mit Korngrößen um 4 cm sowie Starkregen bis 40
Liter pro Quadratmeter einhergehen können. Weitere Informationen zur
aktuellen Warnlage finden Sie auf unserer DWD-Internetseite oder in
der WarnWetter-App.
MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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