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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Kleine Synoptikkunde (5) - Baroklinität


Baroklinität ist ein wesentlicher Antrieb für unser Wettergeschehen.
Was sich dahinter verbirgt, erklären wir heute in einem neuen Kapitel
der Kleinen Synoptikkunde.

Temperatur- und Druckunterschiede spielen eine zentrale Rolle für
unser Wetter. Ohne diese Unterschiede wäre es geradezu
sterbenslangweilig in unserer Atmosphäre, denn es herrschte jeden Tag
das gleiche Wetter, und unsere tägliche Arbeit wäre obsolet. Zum
Glück ist dem aber in der Realität nicht so. Die Ursache für Druck-
und Temperaturunterschiede sind äußerst vielfältig und wurden zum
Teil schon in den bereits erschienenen Kapiteln der Kleinen
Synoptikkunde angerissen.

Betrachtet man nun eine Fläche konstanten Drucks in der Atmosphäre
(z.B. 500 hPa), so finden sich auf dieser Druckfläche
Temperaturunterschiede. Andersherum betrachtet finden sich
Druckunterschiede auf einer Fläche mit konstanter Temperatur. Diesen
Zustand nennt man "baroklin", und ist in unserer Atmosphäre der
Normalfall. Das Gegenteil von Baroklinität ist Barotropie. In einer
barotropen Atmosphäre liegen Temperatur- und Druckflächen genau
aufeinander und schneiden sich nicht, das heißt eine Druckfläche hat
überall dieselbe Temperatur. Dieser Zustand ist in der Realität eher
selten, kommt aber durchaus - bevorzugt in tropischen Gebieten - vor.


Eine Druck- oder eine Temperaturfläche bilden nun nicht einfach eine
glatte Ebene, sondern liegen je nach Zustand der Atmosphäre schief
auf verschiedenen Höhenniveaus. Die Neigung dieser Flächen nimmt mit
der Höhe zu. Man kann sich dazu vorstellen, dass sich die Neigung der
verschiedenen Druckflächen mit zunehmender Höhe "aufsummiert". Die
Atmosphäre möchte nun diese "Ungleichheit" beseitigen, und das tut
sie in Form des sogenannten geostrophischen Windes. Der
geostrophische Wind weht umso stärker, je geneigter eine Druckfläche
ist. Das heißt, dass der geostrophische Wind mit der Höhe zunehmen
muss. Seine maximale Geschwindigkeit erreicht er knapp unterhalb der
Tropopause in etwa 10 bis 12 km Höhe. Dieses Windmaximum kennt man
auch unter dem Namen "Jetstream". Daraus folgt auch: Der Jetstream
ist dort besonders kräftig, wo die Atmosphäre stark baroklin ist. Das
wiederum ist im Bereich der Frontalzone in unseren Breiten der Fall.


Je nach Schichtung der Atmosphäre weht der geostrophische Wind
mitunter aus unterschiedlichen Richtungen. Diese Änderung von
Geschwindigkeit und Richtung des geostrophischen Windes mit der Höhe
nennt man "thermischen Wind". Der Name leitet sich aus der Tatsache
ab, dass je nach Windrichtung warme oder kalte Temperaturfelder
herangeführt werden. Diesen Vorgang wiederum nennt man Advektion.
Dabei ist eine Linksdrehung des Windes mit der Höhe gleichbedeutend
mit der Heranführung von Kaltluft (Kaltluftadvektion) und eine
Rechtsdrehung des Windes gleichbedeutend mit der Heranführung von
warmer Luft (Warmluftadvektion). Weiterführend ist damit ein Absinken
oder Heben von Luftmassen verbunden. Mehr dazu aber in einem der
nächsten Kapitel der Kleinen Synoptikkunde.

M.Sc. Met. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.10.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Windig-Warme JADRANKA


Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit dem aktuell
wetterbestimmenden Tief JADRANKA.

Es ist ja schon mehrfach angesprochen worden, dass der
Tiefdruckkomplex, der aktuell über Westeuropa liegt, bei uns für sehr
mildes Herbstwetter sorgt. Wie dem linken Teil der beigefügten Grafik
(unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/10/21.html)
zu entnehmen ist, verfügt die angesprochene Tiefdruckzone gleich über
mehrere Kerne. Zum Teil sind dies, zwischen Schottland und
Nordirland, die Überbleibsel des Vorgängertiefs IMKA. Es zeigt sich
aber auch der Kern des aktuell für uns entscheidenden Tiefs JADRANKA.


Dabei könnte eine wörtliche Übersetzung des Namens JADRANKA -
meteorologisch betrachtet - durchaus in die Irre führen. JADRANKA
bedeutet nämlich so viel wie "adriatisch" oder "von der Adria
stammend", was für "unsere" JADRANKA natürlich nicht gilt. Sie
entstand vielmehr gestern auf dem Atlantik südwestlich von Portugal,
zog dann über den Nordwesten Spaniens und die Biskaya hinweg und ist
aktuell (Stand 21.10.2020, 8 Uhr MESZ) über dem westlichen Ärmelkanal
angekommen. Im Weiteren zeichnet sich ein Weg zur Nordsee ab, wo sie
heute Nachmittag erwartet wird.

Dabei hat die warme Luft schon den weitaus größten Teil Deutschlands
erreicht, was daran zu erkennen ist, dass die von Süd nach Nord
ziehende Warmfront (rot) schon fast an der Nordseeküste angekommen
ist. Dies war im Süden nach der kalten Nacht allerdings noch nicht so
recht spürbar. Im Westen registrierten die Messstationen um 08 Uhr
MESZ dagegen schon gebietsweise um die 13 Grad, der Spitzenreiter
Mühlheim-Kärlich brachte es schon auf knapp 16 Grad. Und da geht noch
mehr: Um die 20 Grad sollen es im Westen und Südwesten, aber auch an
der Nordflanke von Erzgebirge und Thüringer Wald werden. Für den
Tagesrekord wird dies voraussichtlich aber nicht reichen. Da an den
Alpen Föhn einsetzt, wird es dort, zumindest lokal, noch ein bisschen
wärmer werden.

Was auf dem linken Teil der Grafik auch zu erkennen ist, ist die
recht enge Drängung der schwarz eingefärbten Isobaren, also der
Linien gleichen Luftdrucks, über Frankreich, Benelux und dem Westen
Deutschlands. Diese finden sich auch im rechten Teil der Abbildung
wieder, wobei es sich hier - im Gegensatz zum linken Teil der Grafik
- um eine Vorhersage handelt. Auch in der Prognose zeigen sich die
Isobaren dicht gedrängt, sie verlaufen allerdings nicht mehr von
Süd-Südwest nach Nord-Nordost, sondern eher von Südwest nach Nordost.
Diese Änderung der Ausrichtung der Isobaren deutet auf eine
Winddrehung von eher südlichen auf mehr südwestliche Richtungen im
Tagesverlauf hin, aus der Drängung der Isobaren kann man auf
kräftigen Wind schließen.

Entsprechend sind im rechten Teil der Grafik auch die maximalen Böen
am heutigen Nachmittag dargestellt. Im Westen und Norden sollen es
Böen zwischen 50 und 75 km/h, also steife oder stürmische Böen,
werden. Auf den Bergen geht noch etwas mehr. Insbesondere der Föhn
auf den Alpengipfeln bläst durchaus mal als schwerer Sturm, und auf
dem windanfälligen Brocken kann es auch Orkanböen geben.

Im weiteren Verlauf der Woche nistet sich JADRANKA dann über
Skandinavien ein. Damit bleibt es über dem Norden windig, allerdings
wird die warme Luft dann allmählich nach Osten abgedrängt. Schon am
Freitag ist es - stand jetzt - schon wieder vorbei mit Höchstwerten
jenseits der 20-Grad-Marke.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.10.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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