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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft Kompakt
Vollkorn oder Graupel?
Wir nutzen die Ruhe vor dem Sturm der kommenden Tage um ein
Winterphänomen der vergangenen Tage genauer zu betrachten ? den
Graupel.
In den Wetterberichten der ersten Woche des neuen Jahres wurde
wiederholt auf teils gewittrige Graupelschauer hingewiesen.
Etymologisch von Graupen, also geschälten Gersten- und Weizenkörnern
abgeleitet, versteht man unter Graupel festen, eiskornartigen
Niederschlag welcher ? im Gegensatz zum eng verwandten Hagel ? in
unseren Breiten vorwiegend im kühleren Halbjahr auftritt. Er
entsteht, wenn Schnee- oder Eiskristalle im Aufwind von konvektiven
Wolken unterkühlte Wassertröpfchen einsammeln. Die sehr viel
kleineren Wassertröpfchen, die trotz Temperaturen unter dem
Gefrierpunkt noch flüssig sind (ein Thema des Tages für sich),
frieren an den Schneekristallen fest. Dabei bilden sie zunehmend
rundliche undurchsichtige Körner von schneeähnlicher Beschaffenheit,
aber deutlich anderem Erscheinungsbild (Thema des Tages vom
18.12.2025)
Ein wesentlicher Unterschied zum Hagel ist die Größe. Graupel wird
gemeinhin zwischen 2 und 5 mm Durchmesser definiert, während Hagel
bekanntermaßen deutlich größer werden kann (Thema des Tages vom
30.10.2024). Dieser Unterschied resultiert aus der Stärke der
Aufwinde in den Wolken. Die stärkeren Aufwinde in Sommergewittern
hängen in erster Linie mit der stärkeren Erwärmung sowie mit dem
höheren Wassergehalt in der wärmeren Luft zusammen, was in den
kälteren Monaten nicht gegeben ist. Bei einer labilen Schichtung und
der Ausbildung von konvektiven Schauerwolken wie in der vergangenen
Woche ? in höheren Schichten der Troposphäre um 5 km wurde aus dem
Norden Luft mit Temperaturen unter -40°C über Norddeutschland
transportiert ? reichten die Aufwinde somit nur zur Bildung von
besagtem kleinkörnigem Graupel aus.
Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Brisante Wetterlage im Anmarsch?!
So ruhig das Winterwetter am heutigen Dienstag ist, so brisant könnte
es zum Ende der Woche werden. Mehr dazu im heutigen Thema des Tages.
Das Winterwetter hat uns zwar weiter fest im Griff, zeigt sich am
heutigen Dienstag aber zumeist von seiner ruhigen Seite. Grund dafür
ist Azorenhoch ANDREAS, das seine Fühler vorübergehend bis nach
Deutschland ausstreckt. Während es in weiten Teilen des Landes in der
Folge nur noch hier und da für etwas Geflöckel reicht, bringen die
Ausläufer von Tief CONSTANZE mit Sitz bei Schottland dem
Nordseeumfeld neue Schneeschauer. Letztere machen sich am morgigen
Mittwoch auch im Nordwesten und Westen mit Schneefall bemerkbar, der
sich in der Nacht zum Donnerstag in abgeschwächter Form auf weite
Teile des Landes ausbreitet.
Richtig spannend wird es aber ab Donnerstag. Über dem Atlantik
formiert sich Tief ELLI, das rasch ostwärts vorankommt und sich dabei
zu einem Sturmtief verstärkt. Während es sich Donnerstagfrüh noch
westlich von Irland befindet, soll es Freitagfrüh bereits irgendwo im
Raum Niederlande, Ärmelkanal, Südostengland liegen und im Laufe des
Freitags langsam nach Deutschland ziehen.
Damit verbunden sind zunächst einmal teils kräftige Niederschläge,
die im Laufe des Donnerstags auf den Südwesten und Westen übergreifen
und zunächst als Schnee fallen. Da ELLI aber auch deutlich mildere
Atlantikluft aus Südwesten ins Land strömen lässt, gehen die
Niederschläge recht rasch in Regen über. Im Übergangsbereich kann es
dabei vorübergehend zur Bildung von Glatteis kommen! In der Nacht zum
Freitag kommen die Niederschläge weiter ost-/ nordostwärts voran und
erreichen im Laufe des Freitags auch den äußersten Osten und
Südosten. Auch dabei gilt zumeist: Erst Schnee, dann teils
gefrierender Regen. Eine Ausnahme könnte der Norden oder zumindest
Teile davon bilden, wo man sich nämlich (nach aktuellem Stand)
nördlich des Tiefkerns und damit auf der kalten Seite befindet. Dort
könnte es zum Teil auch durchweg schneien.
Kommen wir zum Wind. ELLI weist gleich zwei Sturmfelder auf. Eins ist
auf der Südseite des Tiefs zu finden und reicht etwa von Frankreich
und Benelux bis in den Westen und Südwesten Deutschlands hinein.
Dabei kann es bis in tiefe Lagen zu stürmischen und einzelnen
Sturmböen kommen, auf den Bergen droht schwerer Sturm. Das andere
befindet sich auf der Nordflanke von Elli, wo von der Ostsee bis zur
Nordsee Böen bis Sturmstärke aus Ost auftreten können. Dazwischen
gibt es einen schmalen Korridor, in dem der Wind nur recht schwach
weht.
Entscheidend ist natürlich die genaue Zugbahn von ELLI und die ist
derzeit noch alles andere als in Stein gemeißelt. Davon sowie vom
Kerndruck des Sturmtiefs hängt die Windentwicklung maßgeblich ab. Das
IFS-Modell hat in seinem heutigen 0-UTC-Lauf das Tief zum Beispiel
etwas weiter südlich im Programm. Damit verschieben sich auch beide
Sturmfelder etwas weiter nach Süden.
Was allerdings relativ sicher ist, ist, dass es zumindest regional zu
einer Kombination aus starkem Wind und Schneefall beziehungsweise
einer lockeren Schneedecke kommt. Schneeverwehungen sind die Folge,
die durchaus kräftig sein können.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass es dem Schnee vor allem in der
Südwesthälfte ziemlich an den Kragen gehen dürfte. Der Blick auf die
dortigen Höchstwerte am Freitag zeigt verbreitet 5 bis 9 Grad - plus,
wohlgemerkt! Aber gut, so viel Schnee liegt dort in der Fläche ja
ohnehin nicht. In rund 1500 m Höhe gelangt dagegen schon wieder
kältere Luft aus Westen ins Land, die um das Tief gegen den
Uhrzeigersinn geführt wird. Durch den kräftigen Wind und die gute
Durchmischung der bodennahen Luft, wirkt sich das jedoch nicht auf
die angesprochenen Höchstwerte aus. Allerdings sinkt dadurch die
Schneefallgrenze langsam wieder, sodass zumindest im Bergland im
Laufe des Freitags wieder die Schneephase dominieren dürfte.
Am Wochenende soll uns das Tief unter Abschwächung ost-/südostwärts
überqueren. Wie genau das vonstatten geht, ist noch sehr unsicher. Es
bleibt aber wohl unbeständig bei weiter absinkender Schneefallgrenze.
Zusammenfassend gesagt, gibt es noch einige Unsicherheiten bei der
genauen Entwicklung und Zugbahn des Tiefs und damit natürlich auch
bei der Wind- und Niederschlagsentwicklung. Dass da aber etwas im
Busch steckt, steht außer Frage.
Dipl. Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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