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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Marine Hitzewellen


Die Hitzewellen dieses Sommers haben nicht nur an Land Rekorde
gebrochen, sondern auch in den Meeren ihre Spuren hinterlassen.
Nordsee, Ostsee und vor allem das Mittelmeer weisen aktuell teils
massive positive Temperaturanomalien auf. Kann diese aufgestaute
Energie das Wetter im kommenden Herbst beeinflussen?


Über die wiederholten Hitzewellen wurde an dieser Stelle in den
vergangenen Monaten mehrmals berichtet, weniger intensiv wurden
jedoch die Temperaturen in den uns umgebenden Meeren betrachtet. Da
die Wärmekapazität von Wasser und damit der Meere deutlich größer als
die der Landmasse ist, reagieren diese deutlich träger auf Einflüsse
von außen. So fand die Erwärmung verzögert statt, aber auch wenn an
Land wieder Normalität einkehrt, so ist dies für die Ozeane noch
längst nicht der Fall.



Entsprechend der Verteilung der Hitzewellen im zu Ende gehenden
Sommer 2026 stechen besonders die positiven Anomalien im West- und
Zentralteil des Mittelmeers sowie in den im Westen an den Kontinent
angrenzenden Meeresgebieten heraus. Verbreitet werden im Südwestteil
der Nordsee, dem Ärmelkanal, der Biskaya sowie im Mittelmeer westlich
der Ägäis zwei bis vier Grad mehr gemessen als zu dieser Jahreszeit
üblich. Dies mag angesichts von zurückliegenden Hitzewellen an Land,
die teils mehr als zehn Grad Abweichung brachten, nicht viel
erscheinen, doch für das träge System Ozean sind dies enorme
Abweichungen und sehr viel zusätzliche Energie, die dort nun
gespeichert ist. Die Oberflächentemperatur des Mittelmeers beträgt
derzeit verbreitet 24 bis 30 Grad. Anfang August wurden von Bojen bei
den Balearen sogar Spitzenwerte von 32 bis 33 Grad gemessen. Ganz so
warm ist es an der deutschen Nordseeküste derzeit nicht, aber mit
Werten um 20 Grad ist auch dort das Wasser wärmer als üblich.

Wie extrem die marine Hitzewelle im Mittelmeer ist, verdeutlicht eine
Zeitserie der Meeresoberflächentemperatur. Diese zeigt seit Ende Mai
nicht nur deutlich höhere Werte als im Mittel der Jahre 1982 bis
2015, sondern weist für diesen Zeitraum auch fast durchgehend
Temperaturen auf, die über dem 90-%-Perzentil des Vergleichszeitraums
liegen. Während der ?Wärmespitzen? Ende Juni, Mitte Juli und Mitte
August lag die Temperatur sogar 1 bis 1,5 Kelvin über diesem
90-%-Perzentil. Korallen und Seegraswiesen sterben unter diesem
Hitzestress teilweise ab, Fische wandern ab, neue invasive Arten
wandern ein.

Die hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres 2026 setzen einen seit
über mehrere Dekaden anhaltenden Trend zu immer höheren Temperaturen
fort. Laut Erdbeobachtungsprogramm der EU "Copernicus" lag die
Erwärmungen in den Jahren 1982 bis 2023 bei etwa 0,04 Grad pro Jahr.


Die hohen Wassertemperaturen haben auch potenzielle Auswirkungen auf
das Wetter im kommenden Herbst. Die Meere wirken praktisch als Akku,
der seine Energie im späteren Verlauf des Jahres wieder abgibt. Dies
tut er in Form von Wärme und vor allem auch in Form von Wasserdampf.
Diese Energieabgabe tritt zwar jedes Jahr auf, dieses Jahr ?ist der
Akku aber besonders voll?. Für mögliche Tiefdruckgebiete steht so
besonders viel Treibstoff zur Verfügung. Dieser muss zwar nicht
genutzt werden, die Vergangenheit zeigt aber, dass es irgendwo und
irgendwann zu Wetterlagen kommt, die von dem erhöhten
Wasserdampfdargebot profitieren. Dies kann sich dann in stärkeren
Niederschlägen bei Gewittern und Tiefdruckgebieten zeigen oder die
Bildung von Medicanes begünstigen und im Entstehungsfall auch zu
höheren Windgeschwindigkeiten führen. Dabei müssen die Auswirkungen
nicht auf die Anrainerstaaten des Mittelmeers beschränkt bleiben.
Großräumige Strömungen können die Feuchtigkeit weit verfrachten und
zum Beispiel auch erst über Mitteleuropa den gebundenen Wasserdampf
als Niederschlag freisetzen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wette aktuell

Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!


Während es heute eine überwiegend ruhige Zweiteilung beim Wetter
gibt, tut sich spätestens ab Donnerstagabend einiges, denn von Westen
könnten wieder turbulente Tage auf uns zukommen. Was uns genau
erwartet, soll heute Thema des Tages sein.



Ein lockerer Blick auf das kombinierte Radar- und Satellitenbild
offenbart bereits, dass wir es mit dem Einfluss zweier Drucksysteme
über Deutschland zu tun haben. Einerseits befindet sich die
Nordhälfte noch immer im Einfluss des umfangreichen Hochs STEFFEN,
das mit seinem Schwerpunkt über Skandinavien liegt und von einem
Höhenrücken gestützt wird. Andererseits hat sich die von Süden
kommende Warmfront eines Tiefs namens QUIRIA mit Kern über
Westfrankreich langsam bis zur Landesmitte voran gearbeitet. An ihr
sind wiederholt leichte bis mäßige Regenfälle zu erwarten, die recht
großflächig das noch immer ersehnte Nass von oben bringen. Vereinzelt
sind auch schauerartige bzw. gewittrige Verstärkungen mit von der
Partie.

Apropos Gewitter: Diese kann es heute auf der Rückseite der
Warmfront, also über dem äußersten Süden, ebenfalls geben. Meist ist
dann Starkregen um 15 bis 20 l/qm in kurzer Zeit das bestimmende
Warnelement, kleiner Hagel und stürmische Böen sind aber auch nicht
ausgeschlossen. Ansonsten regnet es nachts über der Mitte
gebietsweise weiter, sodass hier regional über 10 l/qm zusammenkommen
können.

Am morgigen Mittwoch schwächt sich die Warmfront von QUIRIA über der
Landesmitte immer weiter ab und kommt durch STEFFENs Bollwerk kaum
noch nach Norden voran, sondern zieht eher ostwärts ab. Es bleibt
längere Zeit stark bewölkt bis bedeckt mit letzten Tropfen, sodass in
der Mitte häufig nur 20 bis 22 Grad zu erwarten sind, im Südwesten
sind dagegen schon wieder 29 Grad drin. Prinzipiell sind im
Tagesverlauf, vor allem abends, über dem Westen und dem Süden auch
Gewitterzutaten wie Feuchte und Labilität ausreichend vorhanden, es
mangelt aber am "Zündfunken", nämlich der Hebung, da ein schwacher
Keil aus der Höhe wetterwirksam ist. Also ist es unklar bis sehr
unwahrscheinlich, ob bzw. dass sich Gewitter entwickeln.
Das sieht am kommenden Donnerstag gänzlich anders aus: Auf QUIRIAs
Vorderseite wird eine zunehmend warme bis heiße und mit ausreichend
Feuchtigkeit angereicherte Luft nach Deutschland transportiert. Diese
ist in der ersten Tageshälfte vom Hochdruckeinfluss weiter
nordöstlich "gedeckelt". Somit steht erstmal recht viel Sonnenschein
bei Höchstwerten von 27 bis 30 Grad über der Mitte und dem Norden und
bis zu 33, ganz vielleicht knapp 34 Grad im Südwesten an.

Die angekündigte Spannung entlädt sich dann abends von Westen her mit
Übergreifen der Kaltfront. Hier stimmen im Verlauf sämtliche
Gewitterzutaten wie Feuchte, Labilität, Hebung und Windscherung,
sodass zunächst einzelne, später immer mehr werdende und teils
heftige Gewitter das Abendwetter im Westen prägen werden.
Diese können sowohl beim Starkregen, als auch bei Sturm und Hagel
unwetterartig ausfallen. Denkbar ist, dass sich abends ein größeres
Gewittersystem bildet, das dann nach Nordosten zieht, bevor nachts
weitere Schauer und heftige Gewitter auf die Landesmitte übergreifen
könnten.

Ab Freitag ist die Großwetterlage zwar weitestgehend ersichtlich, im
Detail aber noch unsicher. Die Kaltfront erreicht zögerlich den
Osten, sodass auch hier heftige Schauer und Gewitter mit
Unwetterpotential drohen. Von Westen kommen im Tagesverlauf aber
weitere Gewitter auf, die möglicherweise erneut ein Unwetterpotential
in einem gut gescherten Umfeld bieten könnten (Achtung: Sturm!). Bei
den Temperaturen kann man auf den Konjunktiv jedoch verzichten: Bei
21 bis 28 Grad, ganz im Osten knapp 30, ist definitiv Schluss.
Zum Wochenende nur ein Satz: Mit einer auflebenden Westdrift wird es
zusehends windiger mit einem Nordwest-Südostgefälle hinsichtlich des
Wettercharakters und mit dem "schlechteren" Ende für die Nordlichter.



M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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