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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Verifikation von Wettermodellen


Wettermodelle sollen möglichst genau den zukünftigen Zustand der
Atmosphäre vorhersagen können. Um die Modellrechnungen zu
verifizieren, also um zu bestimmen, wie gut die Modelle tatsächlich
sind, gibt es verschiedene objektive Methoden. Heute wagen wir einen
ersten Blick in das komplexe Thema der Verifikation.


Unsere heutigen Wettermodelle sind hochkomplexe Systeme, die auf der
Grundlage von riesigen Mengen an aktuellen Messwerten und mithilfe
physikalischer Prinzipien, wie beispielsweise der Impuls- oder
Masseerhaltung, versuchen möglichst genau zu simulieren, wie sich die
Atmosphäre verhält. Doch wie wird eigentlich "gemessen", wie gut ein
Modell wirklich ist?

Die Antwort auf diese Frage liefern die Methoden der Verifikation.
Diese vergleichen auf objektive Art die Modellvorhersagedaten mit den
in der Realität gemessenen Beobachtungsdaten. Dazu werden sogenannte
Gütemaße verwendet, wobei hierbei zwischen kontinuierlichen und
kategorischen unterschieden wird. Erstere sind auf Zahlenwerte
anwendbar, zweitere auf Ereignisse, die entweder eintreffen oder
nicht eintreffen.

Beginnen wir heute mit der kontinuierlichen Art: Ein einfaches
Beispiel für ein kontinuierliches Gütemaß ist der mittlere absolute
Fehler (MAE - Mean Absolute Error). Hier wird zuerst die Abweichung
des gemessenen Werts einer meteorologischen Variablen (zB. Druck,
Temperatur, etc.) zu dem vom Modell vorhergesagten Wert berechnet.
Dabei wird vernachlässigt, ob das Modell zu hoch oder zu tief liegt.
Danach wird das Mittel über all diese Fehler gebildet und am Ende hat
man einen Wert, der die "Richtigkeit" der Vorhersage beschreibt. Doch
eine gewisse Vorsicht mit dem Ergebnis ist geboten. Nehmen wir einmal
an, ein Modell läge bei der Temperaturprognose die Hälfte der Zeit
genau 0,5 K zu hoch und die andere Hälfte genau so viel darunter.
Berechnet man einfach nur das Mittel, wäre dieses Modell
dementsprechend perfekt, obwohl das offensichtlich nicht wirklich der
Fall ist. Betrachten wir dagegen den MAE, so gäbe dieser einen Wert
von 0,5, da das Vorzeichen des Fehlers ignoriert wird. Doch
gleichzeitig gehen hier andere wichtige Informationen verloren:
Sollte das Modell zu einem Zeitpunkt völlig danebengelegen haben,
wird sich das im MAE durch die Mittelung nicht deutlich zeigen.
Deshalb gibt es noch zahlreiche andere solcher Gütemaße, die ihre
eigenen Schwerpunkte setzen. Der mittlere quadratische Fehler (MSE -
Mean Squared Error) lässt beispielsweise eben diese besonders
schlechten Vorhersagen stärker ins Gewicht fallen, ist jedoch nicht
so intuitiv verständlich wie der MAE. Andere Maße sind der RMSE (Root
Mean Squared Error, die Wurzel des MSE) oder auch die Korrelation.
Letztere gibt an, wie sich zwei Variablen zueinander verhalten. Eine
Korrelation (oder auch ein Korrelationskoeffizient) von -1 bedeutet,
dass sie sich exakt linear entgegengesetzt verhalten, 1 bedeutet,
dass sie sich linear positiv zueinander verhalten.

Nun schauen wir uns mithilfe der Grafik an, wie sich die Modelle des
Deutschen Wetterdienstes entwickelt haben. Die farbigen Linien zeigen
die berechneten Korrelationen für die Vorhersage des Luftdrucks für
die nächsten 24 Stunden (dunkelgrün), ansteigend bis hin zur
Vorhersage für 168 Stunden (braun). Auf der y-Achse ist dabei die
Korrelation aufgetragen und auf der x-Achse die Jahreszahlen.

Was können wir aus dieser Grafik lesen? Einleuchtend ist, dass die
Ein-Tages-Vorhersage (dunkelgrün) besser ist, als Vorhersagen für
mehrere Tage im Voraus. Auch wenn das Gefühl des ein oder anderen
vielleicht etwas Gegenteiliges sagt, wird ersichtlich, dass die
Vorhersagequalität insgesamt nach oben geht und somit besser wird.
Vergleichen wir die braune (Sieben-Tages-Vorhersage) mit der
dunkelgrünen Linie, so können wir festhalten, dass unsere heutige
Wochenvorhersage etwa so gut ist, wie eine Ein-Tages-Vorhersage im
Jahre 1980. Spannend sind auch die abrupten Sprünge in den Linien.
Beispielsweise wurden um 1975 wichtige geostationäre Satelliten in
Betrieb genommen. Somit waren kontinuierliche großflächige Daten
verfügbar, die in die Modelle einfließen konnten. Die Verbesserungen
um 1990 oder auch 2015 hängen mit einem Modellwechsel zusammen. Das
Globale Modell (GM) berechnete erstmals die atmosphärische
Entwicklung für den gesamten Globus. Somit wurden auch weit entfernte
Einflüsse auf Europa und den Nordatlantik berücksichtigt. Der Schritt
zum ICON 13 Modell (ICOsahedral Non-hydrostatic model) führte erneut
zu einer deutlichen Verbesserung.

Natürlich zeigt diese Grafik lediglich ein Gütemaß für einen einzigen
Parameter, trotzdem ist die positive Entwicklung eindeutig. In der
Meteorologie gibt es jedoch nicht nur Vorhersagen für Zahlenwerte,
sondern auch "Ja-Nein-Vorhersagen". Beispielsweise "regnet es hier
heute?" oder "gibt es heute einen Sommertag?". Hierfür werden
kategorische Methoden verwendet, doch diese würden den Rahmen dieses
Thema des Tages sprengen und werden bei anderer Gelegenheit genauer
betrachtet.

(Das Bild und den Link zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

M.Sc.-Met. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich



Tiefdruckeinfluss sorgt aktuell von Mittelitalien bis nach Österreich
für kräftige Regenfälle. Im heutigen Thema des Tages finden sich u.
a. Informationen darüber, wie sich die Wettersituation dort aktuell
gestaltet und was bis in den morgigen Freitag an Regen insgesamt noch
zu erwarten ist.



Während in Deutschland, wie gestern schon im Thema des Tages gesagt,
sehr verbreitet ruhiges Spätsommerwetter vorherrscht, sieht das
Wetter von Mittelitalien bis nach Österreich überhaupt nicht nach
Sommer aus. Dort fällt aktuell kräftiger Regen, und diese Regenfälle
sollen auch noch bis weit in den morgigen Freitag anhalten.

Eingesetzt haben die Niederschläge dabei schon am gestrigen Mittwoch.
Bis zum heutigen Donnerstagmorgen um 08 MESZ meldeten einzelne
Stationen in den betroffenen Regionen schon 24-stündige Regensummen
von über 50 l/m2, so beispielsweise auch die slowenische Hauptstadt
Ljubljana mit 55 l/m2. Getriggert werden die Starkniederschläge
einerseits von einem mehrkernigen und etwas diffusen Tiefdrucksumpf,
der sich vom westlichen Mittelmeer bis zum Balkan und in den
Ostalpenraum erstreckt. Andererseits zieht ein Höhentief von
Frankreich kommend über Oberitalien und Österreich in Richtung Polen.



Die Abbildung 1 zeigt das Geopotential, also salopp gesagt die
Druckverteilung in 500 hPa (etwa 5,5 km Höhe), am heutigen
Donnerstagabend um 20 MESZ. Das Höhentief soll sich zu diesem
Zeitpunkt etwa im Bereich von Turin befinden, auf seiner Ostflanke
bzw. der Vorderseite stellt sich, wie durch die blauen Pfeile
angedeutet, eine südwestliche Höhenströmung ein. Ebenfalls in
Abbildung 1 erkennbar sind rot markierte Flächen, die die Regionen
mit der stärksten Vertikalbewegen darstellen. Es ist deutlich zu
erkennen, dass diese Gebiete von Mittelitalien, mit Schwerpunkten
u.a. in der Region um Rom sowie östlich an die nördliche Adria
anschließend, bis in den Süden Österreichs hineinreichen.

Dass in dieser Region einiges an Wolken unterwegs ist, verdeutlicht
der Blick auf die linke Seite der Abbildung 2. Über dem Tyrrhenischen
Meer war dabei heute Vormittag um 11 MESZ ebenso eine Superzelle
unterwegs wie in der Region Rom (dort hatten auch die Hebungsfelder
der Abbildung 1 ein deutliches Maximum) und in der Poebene östlich
von Mailand. Dies erkennt man unter anderem am hohen Eisanteil in den
Wolken, die dadurch etwas ausgefranst bzw. faserig wirken. Viele
Wolken zeigen sich auch von der nördlichen Adria bis nach Österreich
hinein, und dort insbesondere nach Kärnten und in die Steiermark.


Auf die letztgenannten Regionen fokussiert sich der rechte Teil der
Abbildung 2 (ebenfalls um 11 MESZ). Die gemessenen
Radarreflektivitäten sind dabei als Fläche dargestellt, dazu kommt
die Blitzaktivität (rote, gelbe und grüne Kreuze). Die Blitzrate ist
dabei an der kroatischen Küste zum dargestellten Zeitpunkt besonders
hoch, schwächer fällt sie im Bereich der Ostalpen bzw. des östlichen
und südöstlichen Alpenrandes aus. Dass der südöstliche Alpenrand
dennoch, zumindest bezüglich des Niederschlages, das Hauptaugenmerk
verdient, lässt sich wiederum aus der Abbildung 1 ableiten. Denn die
dort angedeutete südwestliche Strömung auf der Vorderseite des
Höhentiefs findet sich, in ähnlicher Form, auch in tieferen
Luftschichten. Natürlich hat dies Stauniederschläge zur Folge, und
diese fallen insbesondere in Slowenien und Italien besonders stark
aus.


Die Abbildung 3 zeigt die akkumulierten Niederschläge der Modelle
ICON (in diesem Fall ICON-EU, links) sowie des Modells IFS des
Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (rechts).
Bei beiden Modellläufe handelt es sich um die 00 UTC-Läufe, die
dargestellten Regensummen beziehen sich also auf das Zeitfenster von
02 MESZ in der zurückliegenden Nacht bis um 20 MESZ am morgigen
Freitag. Das Modell IFS bringt es in der Spitze in Slowenien dabei
auf 228 l/m2, ICON-EU im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien
dagegen "nur" auf 183 l/m2. Bedenkt man, dass, wie oben erwähnt, in
der Region ja auch schon einiges an Regen gefallen ist, so sind
zumindest regional 200 bis 250 l/m2 über das gesamte Ereignis
durchaus im Bereich des Möglichen. Ganz vereinzelt kann auch noch
etwas mehr zusammenkommen. Genau wissen wird man das aber erst, wenn
der Regen abgeklungen ist.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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