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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Herbstgewitter über der Nordsee ? Das Meer als Gewittermotor



Heute und am Wochenende kommt es vor allem im Nordseeumfeld zu
Gewittern, auch nachts. Über dem Festland hingegen sind nur ganz
vereinzelt Gewitter zu erwarten, die zum Abend hin abklingen. Das ist
vor allem im Herbst ein typisches Phänomen. Aber warum ist das so?


Für die Entstehung von Gewittern sind drei Zutaten entscheidend:
Labilität, Feuchtigkeit und Hebung. In einer labil geschichteten
Atmosphäre nimmt die Temperatur in der Höhe stärker ab als
gewöhnlich. Dadurch kann wärmere, bodennahe Luft aufsteigen. Je
größer der Temperaturunterschied zwischen den unteren und oberen
Luftschichten ist, desto ausgeprägter ist die Labilität und desto
kräftiger können die konvektiven Aufwinde werden. Damit steigt auch
das Potenzial für eine energiereiche Gewitterentwicklung. (siehe
beispielsweise Thema des Tages vom 13.08.2026).

Der Herbst zeigt sich in Mitteleuropa von unterschiedlichen Seiten.
Da ist zum einen der goldene Herbst mit Hochdruckwetter, viel
Sonnenschein, kalten Nächten und angenehm warmen Tagen. Im weiteren
Herbstverlauf, wenn die Nächte immer länger werden, dominieren unter
Hochdruckeinfluss dagegen häufig Dauergrau, Nebel und Hochnebel. Doch
der Herbst hat noch eine andere Seite: die Herbststürme.

Aktuell befindet sich Sturmtief GABRIELA bei Island. Das zugehörige
Frontensystem hat den Nordwesten Deutschlands bereits erfasst und
verlagert sich im weiteren Verlauf südostwärts in Richtung Alpen.
Rückseitig der Kaltfront, die heute Abend die Nordseeküste erreicht,
strömt mit kräftigem Wind kühle Polarluft ein. Über der
vergleichsweise warmen Nordsee wird diese Luftmasse von unten
erwärmt. Die bodennahen Luftschichten werden dadurch zunehmend
labilisiert ? die erste wichtige Zutat für kräftige Schauer und
Gewitter ist vorhanden.

Die zweite Zutat, die Feuchtigkeit, scheint über dem Meer zunächst
selbstverständlich. Doch gerade im Herbst kann die Nordsee besonders
viel Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben. Im Laufe des Frühjahrs
und Sommers erwärmt sich das Wasser durch die Sonneneinstrahlung. Da
Wasser eine hohe Wärmekapazität besitzt, speichert es die Wärme lange
und gibt sie nur langsam wieder ab. So bleibt das Meer auch dann noch
warm, wenn die Lufttemperaturen bereits deutlich zurückgehen. Im
September 2026 lag die durchschnittliche Meerestemperatur der Nordsee
besonders hoch: Sie befand sich etwa 1 bis 4 Grad über dem
klimatologischen Mittel.

Zu guter Letzt braucht es noch einen Auslöser, der die feuchtwarme
Luft zum Aufsteigen bringt. Diese Hebung kann auf unterschiedliche
Weise entstehen. Zum einen sorgen dynamische Prozesse in der
Atmosphäre für aufsteigende Luftbewegungen. So kann beispielsweise
vor einem Höhentrog durch Divergenz in der Höhenströmung Hebung
ausgelöst werden. Zum anderen können bodennahe Prozesse eine wichtige
Rolle spielen. Im Zusammenhang mit Gewittern über dem Meer ist hier
insbesondere die Küstenkonvergenz zu nennen (siehe auch Thema des
Tages vom 08.12.2020). Bei einer Konvergenz strömt Luft am Boden
zusammen und wird dadurch zum Aufsteigen gezwungen. Auch bei
Reibungsstau spricht man von Konvergenz. Dabei strömen Luftmassen
nicht gegeneinander aber es trifft schnellere Luft auf langsamere.
Über Land wird der Wind durch die größere Bodenreibung stärker
abgebremst als über der vergleichsweise glatten Meeresoberfläche.
Strömt die Luft vom Meer auf die Küste zu, kann sie sich deshalb im
Küstenbereich stauen. Es entsteht eine Konvergenzlinie, die häufig
parallel zum Küstenverlauf ausgerichtet ist. Besonders ausgeprägt
kann dieser Effekt an Steilküsten sein, die direkt vom Wind
angeströmt werden. Die erzwungene Hebung kann dort die Entwicklung
von Schauern und Gewittern begünstigen.

Doch warum bleiben Gewitter über dem Meer auch nachts aktiv, während
Gewitterzellen über Land nach Sonnenuntergang häufig an Intensität
verlieren? Über Land kühlt die Erdoberfläche bei klarem Himmel rasch
ab. Dadurch wird auch die bodennahe Luft kälter, und die Atmosphäre
kann sich stabilisieren. Häufig bildet sich eine Bodeninversion, bei
der die Temperatur mit der Höhe zunächst zunimmt. Die für kräftige
Aufwinde notwendige bodennahe Labilität nimmt ab ? eine wichtige
Voraussetzung für die Gewitterentwicklung geht verloren.
Über dem Meer sieht das anders aus. Die Wasseroberfläche kühlt nachts
deutlich langsamer ab als das Land. Ist die einströmende Luft kälter
als das Meer, wird sie weiterhin von unten erwärmt. Die bodennahe
Labilität bleibt erhalten, sodass sich auch nach Einbruch der
Dunkelheit neue Schauer und Gewitter entwickeln können. Genau das ist
in der kommenden Nacht zu erwarten. Die prognostizierten
Radiosondenaufstiege für eine Station über dem Meer und für Schleswig
an Land verdeutlichen diesen Unterschied.

In der kommenden Nacht zum Samstag und auch noch weiter am Wochenende
sind alle Voraussetzungen für Herbstgewitter über der Nordsee
gegeben. Die durch das Sturmtief bei Island bedingten kräftigen Winde
werden durch die Gewitteraktivität zusätzlich verstärkt, sodass in
der Umgebung von Gewittern Sturmböen bis 85 Kilometer pro Stunde
auftreten können. Nachts verlagert sich die Gewitteraktivität von
auch küstennahen Gebieten über dem Festland weiter in Richtung Inseln
und offene See. Dann lassen sich am nächtlichen Himmel mit Blick von
Küste zur See Wetterleuchten beobachten.


MSc Sonja Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Endlich Regen!



Wann haben Sie sich denn zuletzt über Regen gefreut? "Felicia" sorgt
derzeit für dringend benötigte Niederschläge und einen markanten
Wetterumschwung. Auf Regen folgen Wind und deutlich kühlere Luft. Auf
den höchsten Alpengipfeln fallen sogar die ersten Schneeflocken.



Das Geräusch von prasselndem Regen ist selten geworden in den letzten
Wochen und Monaten. Lange hat er auf sich warten lassen. Selbst der
Start in den Herbst fiel trocken und deutlich zu warm aus. Nun öffnet
der Himmel vielerorts endlich wieder seine Schleusen. Verantwortlich
dafür ist Tief "Felicia", das von Dänemark kommend über die Ostsee
zieht und Deutschland dabei einen ordentlichen Wetterumschwung
beschert.
Bereits in der vergangenen Nacht zum Donnerstag (08.10.2026) griff
der Ausläufer von "Felicia" auf die Nordwesthälfte Deutschlands mit
länger anhaltendem, teils kräftigem Regen über. Dabei kamen von der
Eifel bis zum Teutoburger Wald gebietsweise 20 bis 30 Liter pro
Quadratmeter in 12 Stunden zusammen. An der Station Essen-Bredeney
wurden durch wiederholt kräftige Schauer sogar 40 Liter pro
Quadratmeter registriert.
Im heutigen Tagesverlauf zieht das Regengebiet dann weiter ost-
südostwärts. Besonders am Alpenrand kann dabei erneut einiges
zusammenkommen: Von Donnerstagmittag bis in die Nacht zum Freitag
sind dort verbreitet 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter möglich,
in Staulagen sogar um 50 Liter. Auch im Schwarzwald werden tagsüber
voraussichtlich die DWD-Warnschwellen für Dauerregen erreicht,
wenngleich die Mengen etwas geringer ausfallen als am Alpenrand.
Allerdings bietet der fallende Regen wohl eher Grund zur Freude,
lindert er doch die weiterhin gebietsweise vorherrschende große
Trockenheit ein wenig.
Doch "Felicia" hat noch mehr im Gepäck. Hinter ihres Ausläufers
strömt deutlich kühlere Luft nach Deutschland. Während es an der
Neiße heute noch einmal bis zu 22 Grad warm werden kann, liegen die
Höchstwerte im Westen und Norden nur noch zwischen 12 und 16 Grad.
Binnen eines Tages geht es also teilweise um fast zehn Kelvin
(wissenschaftlicher Ausdruck für eine Temperaturdifferenz; entspricht
zehn Grad Celsius) bergab. Der Herbst zeigt damit ziemlich
eindrucksvoll, dass er nicht nur auf dem Kalender angekommen ist.
Mit der kühleren Luft frischt außerdem der Wind auf. Zwischen dem
Tief über der Ostsee und höherem Luftdruck vor der Iberischen
Halbinsel entsteht über Deutschland ein signifikantes
Luftdruckgefälle. An den Küsten und im höheren Bergland sind deshalb
stürmische Böen, vereinzelt sogar Sturmböen möglich. Im Binnenland
fällt der Wind meist etwas schwächer aus, aber auch dort können in
Schauernähe einzelne steife Böen auftreten.
Und was passiert mit dem Regen? Von Nordwesten her geht er zunehmend
in Schauer über, örtlich sind auch Gewitter dabei. In der Nacht zum
Freitag beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Die Niederschläge
lassen vielerorts nach, der Wind nimmt ab und örtlich kann sich Nebel
bilden.
An den Alpen bleibt es dagegen nass. Dort sinkt die Schneefallgrenze
mit der einströmenden maritimen Polarluft auf etwa 1800 Meter. Auf
den höchsten Gipfeln kann deshalb bereits der erste Schnee der neuen
Saison fallen. Während es im Tal also noch regnet, könnte sich die
Landschaft auf den Gipfeln schon in ein erstes winterliches Weiß
verwandeln.
Doch mit "Felicia" ist die wechselhafte Witterung nicht vorbei. Das
nächste Tief steht bereits in den Startlöchern: Bei Grönland macht
sich "Gabriela" auf den Weg. Am Samstag zieht es in den Süden
Skandinaviens, am Sonntag weiter zur Ostsee. Sein Frontensystem
erreicht Deutschland bereits ab Freitag und bringt erneut Regen, Wind
und vor allem im Küstenumfeld auch Gewitter.
Erst im Laufe des Sonntags deutet sich von Südwesten her eine
Wetterberuhigung an. Dann lässt der Wind nach, die Niederschläge
werden weniger und der Luftdruck steigt. Doch Hochdruck bedeutet im
Herbst nicht automatisch strahlenden Sonnenschein. Wenn die Nächte
länger werden und die Sonne tiefer steht, kann sich bei schwachem
Wind leicht Nebel bilden. Dieser kann sich dann hartnäckig halten und
mancherorts sogar bis in die Mittagsstunden bestehen bleiben.
Temperaturmäßig bleibt es zunächst herbstlich: Die Höchstwerte liegen
meist zwischen 12 und 18 Grad, nachts werden überwiegend einstellige
Plusgrade erreicht. In der Nacht zum Dienstag könnte es im Süden bei
Aufklaren sogar örtlich für leichten Frost in Bodennähe reichen.
So bringt "Felicia" heute also gleich mehrere Zutaten für einen
echten Wetterumschwung: Regen, Wind, kühlere Luft und auf den Alpen
sogar die ersten Schneeflocken. Nach den ungewöhnlich warmen und
trockenen Wochen dürfte das Prasseln des Regens heute vielerorts
deshalb vor allem eines sein: ein willkommenes Geräusch.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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