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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Schweißtreibender QUIRIAKUS
Die Abkühlung durch Tief JUSTINE ist nur von kurzer Dauer. In den
kommenden Tagen wird Hoch QUIRIAKUS wetterbestimmend. Zusammen mit
einem Tief über der Iberischen Halbinsel sorgt er erneut für einen
heißen Witterungsabschnitt. Das dies genau bedeutet, beleuchtet heute
das Thema des Tages.
Es hätte so schön sein können. Nachdem Tief JUSTINE kühlere Luft zu
uns geschaufelt hat, wäre die Freude über eine längere Phase mit
Höchstwerten unter 30 °C sicherlich groß gewesen. Höchstwerte von
knapp unter 30 °C im August werden eigentlich als "sehr warm"
bezeichnet. In diesem Ausnahmesommer ist man aber geneigt, dafür den
Ausdruck "kühl" zu verwenden. Neben den "kühleren" Temperaturen stand
auf der einen oder anderen sommerlichen Wunschliste sicherlich auch
ein schöner Landregen. Der hätte nicht nur die Vegetation mit
dringend benötigtem Wasser versorgen, sondern ebenso - wenn auch mit
einer gewissen Verzögerung - die Flusspegel ansteigen lassen können.
Beim Blick auf die kommenden Tage zeichnet sich in den
Vorhersagemodellen allerdings ein deutlich anderer Ablauf an. Von
Westen schiebt sich das Hoch QUIRIAKUS zu uns nach Mitteleuropa
(Abbildung 1), schon am Wochenende wandert es dann weiter nach Polen.
Da sich dann zudem über der Iberischen Halbinsel ein Tiefdruckgebiet
etabliert, kann zwischen den beiden Druckgebilden von Süden bzw.
Südwesten wieder wärmere Luft advehiert werden.
Damit steigen die Temperaturen wieder an. Dies zeigt die Abbildung 2.
Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf MOSMIX, einem auf dem
DWD-Modell ICON und dem Modell IFS des Europäischen Zentrums für
Mittelfristige Wettervorhersage basierenden Kombiprodukt, bei den die
Ergebnisse nochmal statistisch überarbeitet werden. Während am
Samstag bei den Höchsttemperaturen in Deutschland bei 32 °C meist
Schluss ist (im Raum Mannheim/Ludwigshafen werden Temperaturen
jenseits der 32 °C-Marke ganz vorsichtig angedeutet), stößt die 32
°C-Isotherme am Sonntag schon wieder bis in den Raum Berlin und nach
Hannover vor. Dann kann es im Rhein-Main-Gebiet, am Neckar und an
einigen Rheinabschnitten auch schon wieder an die 35 °C warm werden.
Und während die Nordosthälfte am Samstag wohl noch fast überall
Spitzenwerte unter 28 °C aufweisen wird, gilt dies am Sonntag nur
noch für das Küstenumfeld. Damit dürfte QUIRIAKUS für einige
Schweißtropfen sorgen.
Neben den hohen Temperaturen droht auch wieder ein trockenes
Wochenende. Es gibt nur geringe Chancen auf ein paar Tropfen, am
größten sind diese in und an den Alpen, an den Küsten und im
Südwesten. Als Hochdruckgebiet sorgt QUIRIAKUS für Absinken und
Wolkenauflösung, und auch wenn ihm aus der Höhe die dynamische
Unterstützung durch einen Höhenrücken fehlt, so zeigt sich doch sehr
oft die Sonne.
Das bildet sich auch in weiteren DWD-Produkten ab, beispielsweise im
UV-Index oder im Waldbrandgefahrenindex (WBI), beide in Abbildung 3
zu sehen. Der UV-Index, in der Abbildung 3 auf der linken Seite
dargestellt, ist im Süden höher als im Norden, weil sich am Samstag
auf der Nordflanke des Hochs in den Norden ein paar Wolkenfelder
schieben. Am Sonntag dürfte der UV-Index dann etwas gleichmäßiger
verteilt sein, wenngleich man abwarten muss, wie stark sich die hohen
Wolkenfelder, die von den Modellen simuliert werden, letztendlich
bemerkbar machen. Auf der rechten Seite der Abbildung 3 findet sich
dann der WBI für Samstag. Mit niedrigen Werten heben sich der
Südosten sowie größere Teile des Nordostens hervor, also die
Regionen, die in den vergangenen sieben Tagen recht viel Niederschlag
abbekommen haben. Perspektivisch sollten diese Werte aber wieder
ansteigen, da - wie gesagt - kaum Regen zu erwarten ist. Folglich
könnte im Süden und in der Mitte, wo der WBI schon aktuell mit Stufe
vier auf der zweithöchsten Stufe rangiert, auch wieder die Stufe 5
erreicht werden.
Das dies nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, sieht man in
Abbildung 4. Sie zeigt für Wiesbaden die erwartete
Temperaturentwicklung in rot (oben) sowie die erwarteten
Niederschläge (unten), jeweils mit den dazugehörigen
Unsicherheitsintervallen. Schwache Niederschlagssignale zeigen sich
nur aus dem Sonntag heraus und zu Beginn der Woche. Dazu pendeln die
Höchstwerte wieder um 30 °C, teils kratzen sie sogar an der 35
°C-Marke. Im Vorteil ist diesbezüglich der Norden, dort wird es nicht
ganz so heiß.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und
Klimawandel
In der vergangenen Woche wurde aus gegebenem Anlass im Thema des
Tages auf den Einfluss des menschengemachten Klimawandels auf Hitze,
Dürre und Vegetationsbrände eingegangen. Der heutige Beitrag widmet
sich einer etwas spezielleren Veränderung in der Atmosphäre infolge
der gestörten Energiebilanz des Erdsystems.
"Big whirls have little whirls,
That feed on their velocity;
And little whirls have lesser whirls,
And so on to viscosity."
So lautet das - zumindest in der Meteorologie - berühmte Zitat des
britischen Meteorologen Lewis Fry Richardson. Richardson beschäftigte
sich unter anderem ausgiebig mit dem Phänomen der Turbulenz, worauf
sich auch das obige Zitat bezieht. Frei übersetzt beschreibt das
Gedicht das Konzept turbulenten Zerfalls atmosphärischer Strömungen
aufgrund von Instabilitäten. Dabei übertragen zunächst große Wirbel
ihre Bewegungsenergie auf immer kleinere Wirbel. Dieser Prozess setzt
sich über eine Vielzahl von Größenskalen fort und wird als
Energiekaskade bezeichnet. Erst auf den kleinsten Skalen, auf denen
die viskosen Kräfte dominieren, wird die ursprünglich geordnete
Bewegungsenergie der Strömung durch molekulare Reibung schlussendlich
in innere Energie, sprich Wärme umgewandelt.
Für das Auftreten atmosphärischer Turbulenz gibt es eine Vielzahl
bekannter und mathematisch beschriebener Instabilitäten. Das Konzept
der Instabilität beschreibt dabei eine Zusammensetzung von
Strömungsparametern, in denen eine kleine Störung in der Strömung -
beispielsweise die Auslenkung einer Luftmasse in der Vertikalen oder
in der Horizontalen - immer weiter anwächst, anstatt durch
rückstellende Kräfte wieder in seine Ausgangslage zurückzukehren. Ein
Beispiel für eine solche Instabilität, mit dem wir es dieser Tage
häufig zu tun haben, ist die Grundlage für das Auftreten von
Gewittern: die statische Instabilität. Im Kontext des oben genannten
Konzepts lohnt sich erst eine Betrachtung des Gegenbeispiels, nämlich
einer stabilen Ausgangslage. Eine Luftmasse in Bodennähe wird
vertikal ausgelenkt, etwa durch das Überströmen eines Berges. Dabei
kühlt sich die Luft entsprechend der Abnahme des Luftdrucks und der
resultieren Expansion mit der Höhe mit etwa 1 °C pro 100 Meter
Aufstieg ab. Kühlt sich die Luftmasse dabei mit der Höhe schneller ab
als ihre Umgebungsluft, erfährt sie aufgrund ihrer höheren Dichte
einen negativen Auftrieb. Die Schwerkraft wirkt dann als
rückstellende Kraft, sodass die Luftmasse wieder in Richtung ihrer
ursprünglichen Höhe absinkt - die Luft ist statisch stabil
geschichtet. Bei Konvektion und Gewittern ist das Gegenteil der Fall,
die ausgelenkte Luftmasse bleibt trotz Abkühlung mit 1 °C pro 100
Metern wärmer als ihre Umgebung. Sie erfährt einen Auftrieb aufgrund
der geringeren Dichte und steigt immer weiter auf - die Luft ist
statisch instabil geschichtet. Mit dem Erreichen von
Wasserdampfsättigung infolge der Abkühlung und der anschließenden
Kondensation von Wasserdampf in Wassertröpfchen - also der
Wolkenbildung - wird latente Energie freigesetzt und das
Aufrechterhalten der statischen Instabilität weiter begünstigt.
Quasi als Äquivalent zur statischen Instabilität in der Vertikalen
mit der Dichte als maßgebende Größe kann in der Horizontalen die
sogenannte Trägheitsinstabilität gesehen werden, mit dem absoluten
Drehimpuls als maßgebende Größe. Denn ebenso wie hierbei Luftmassen
mit dem "richtigen" Impuls bei Auslenkung in der Horizontalen aus der
zwischen Druckunterschieden und Corioliskraft balancierten
großskaligen Strömung eine rückstellende Kraft erfahren, so gilt für
Luftmassen mit dem "falschen" Impuls erneut das oben genannte Konzept
der Instabilität. Interessanterweise existiert auch eine
faszinierende Kombination aus statischer und Trägheitsinstabilität.
Dabei weisen Luftmassen für sich genommen sowohl statische Stabilität
in der Vertikalen als auch Trägheitsstabilität in der Horizontalen
auf. Erfolgt eine Auslenkung jedoch entlang einer geneigten Bahn,
kann die Störung dennoch anwachsen. Diese Form der Instabilität wird
als symmetrische Instabilität bezeichnet und spielt insbesondere in
Frontensystemen eine wichtige Rolle. Sie ist der physikalische
Mechanismus hinter der sogenannten geneigten Konvektion (slantwise
convection).
Die genaue Ausprägung der Energiekaskade hin zu kleineren Skalen
dieser Instabilitäten kann sehr unterschiedlich verlaufen, wir wollen
hier nur - um allmählich zum Punkt zu kommen - ein gemeinsames
Konzept erläutern: Die Kelvin-Helmholtz Instabilität (KHI). In
gewisser Weise ist dies eine durch die genannten Instabilitäten
oftmals ausgelöste weitere Instabilität auf kleineren Skalen.
Abbildung 1 zeigt eine Aufnahme einer solchen KHI in der Atmosphäre
des Saturn, aufgenommen vom Cassini Orbiter der NASA. Die Grundidee
ist dabei folgende: Zwei Luftschichten mit 1) unterschiedlicher
Dichte und 2) unterschiedlicher horizontaler Windgeschwindigkeit sind
dabei derart geschichtet, dass statische Stabilität vorherrscht, und
Auslenkungen durch die rückstellende Kraft wellenartig auf und ab
schwingen. Die Windscherung zwischen den beiden Schichten führt
jedoch zur Verstärkung von Wellen an ihrer Grenzfläche. Durch das
Aufsteilen und Überschlagen dieser Wellen wird die Temperatur- und
Dichteschichtung lokal so stark verformt, dass statisch instabile
Bereiche entstehen. Diese führen schließlich zum turbulenten
Zusammenbrechen der ursprünglich geordneten Wellenströmung.
Und jetzt zurück zum Ausgangspunkt: Das Kriterium für das kritische
Verhältnis zwischen statischer Stabilität und Windscherung für das
Auftreten solcher Kelvin-Helmholtz Instabilitäten, welche letzten
Endes in atmosphärischer Turbulenz münden, wird beschrieben durch die
sogenannte Richardson-Zahl, benannt nach Lewis Fry Richardson. Zurück
zu Ausgangspunkt Nummer 2: Was hat das Ganze mit dem Klimawandel zu
tun? Nun, im anfangs erwähnten Thema des Tages vom 28.07.2026 wurde
erläutert, dass ein mit der globalen Erwärmung abnehmender
Temperaturunterschied zwischen hohen und niedrigen Breiten
Auswirkungen auf das Wettergeschehen hat, da dieses in erster Linie
auf Ausgleichsströmungen aufgrund der Temperaturunterschiede basiert.
Ändern sich die Temperaturgradienten, ändert sich die großskalige
Strömung. Die Jetstreams, auf deutsch auch Strahlströme, also jene
Starkwindbänder, welche die großskalige Dynamik in unseren Breiten
maßgeblich gestalten, liegen diesen Temperaturgegensätzen zugrunde.
Nun muss man der Vollständigkeit halber, und um den letzten Bogen in
dieser Ausführung zu ziehen, erwähnen, dass der Temperaturgradient
nicht unmittelbar eine Windgeschwindigkeit vorgibt. Vielmehr ergibt
sich aus den zugrundeliegenden Bewegungsgleichungen der
Atmosphärendynamik ein Zusammenhang zwischen der horizontalen
Temperaturänderung und der Änderung der Windgeschwindigkeit mit der
Höhe: der Windscherung. Und hier schließt sich der Kreis. Wenn sich
aufgrund der globalen Erwärmung der meridionale Temperaturgradient
ändert, und dadurch auch die Windscherung, so ändert dies auch die
Grundvoraussetzung für das Auftreten von Instabilitäten.
Um zur allgemeinen Verwirrung und Komplexität beizutragen, verhält es
sich nun so, dass im Gegensatz zu der unteren Troposphäre der
Temperaturgradient in Höhen um 10 km mit der Anpassung der Atmosphäre
an die globale Erwärmung nach aktuellem Wissensstand nicht abnimmt,
sondern zunimmt. Höherer Temperaturgradient bedeutet höhere
Windscherung, was bessere Voraussetzungen für das Auftreten von
Scherungsinstabilitäten bedeutet. Dementsprechend zeigen
wissenschaftliche Studien eine signifikante Steigerung der
Auftrittswahrscheinlichkeit von Turbulenzen mit Fortschreiten des
Klimawandels, insbesondere in den atlantischen und pazifischen
Flugkorridoren der kommerziellen Luftfahrt. Nach Meinung des Autors
des heutigen Thema des Tages sind ungemütlichere oder auch weniger
sichere Transkontinentalflüge nicht unbedingt ganz oben einzuordnen
in der Prioritätenliste von Auswirkungen des Klimawandels. Deutlich
relevanter könnte die Auswirkung von häufiger auftretender Turbulenz
auf die Tropopausenregion in eben diesen Höhenbereichen sein. Die
Tropopause stellt nämlich konzeptionell eine Transportbarriere
zwischen der Troposphäre als erdnächste Atmosphärenschicht und der
darüber liegenden Stratosphäre dar. Turbulenz ist ein Prozess der
durch das Mischen von Luftmassen und ihrer Eigenschaften diese
Transportbarriere durchdringen kann. Ein klassisches Beispiel für die
Auswirkung des Eintrags von an der Erdoberfläche emittierten
Spurengasen in die Stratosphäre ist die Entstehung des Ozonlochs
durch Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW). Ein weiteres sehr
relevantes Thema und Gegenstand aktueller Forschung ist die nicht zu
vernachlässigende Auswirkung der Mischung von Spurengasen an der
Tropopause auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre - ein
potenzieller Rückkopplungseffekt.
Diplom Meteorologe Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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