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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Sturmtiefs im Doppelpack
Vier Namen, zwei Sturmtiefs und allerhand Warnungen: Turbulente Tage
stehen bevor. Doch nicht nur der Sturm ist ein Thema, auch kräftige
Niederschläge sind mit von der Partie.
Vorab eine kurze Erklärung zur Nomenklatur: Die FU Berlin benennt
Druckgebiete, die für Deutschland Relevanz haben. Im jährlichen
Wechsel tragen dabei Tiefs männliche und Hochs weibliche Namen ? und
umgekehrt. Die FU Berlin hat dem heutigen Sturmtief über Westeuropa
den Namen LUISE gegeben. Besonders schadensträchtige Stürme werden
von einem europaweiten Konsortium mit einem internationalen Namen aus
einer zuvor festgelegten Liste versehen. Am Dienstag hat der
britische Wetterdienst dem Tief den Namen AUSTEN gegeben. Ein
weiteres Sturmtief zieht am Wochenende über Schottland zum Nordteil
der Nordsee. Dieses erhielt von der FU Berlin den Namen MANJA und vom
britischen Wetterdienst gestern den internationalen Namen BOELO.
Im Folgenden wird die internationale Bezeichnung der Tiefs verwendet.
Den Anfang macht heute Tief AUSTEN, das vom Ärmelkanal in Richtung
Niederlande zieht und bis Samstagfrüh das Seegebiet bei Helgoland
erreicht. Der größte Druckgradient besteht an der Südflanke des
Tiefs. Entsprechend treten dort die höchsten Windgeschwindigkeiten
auf. Am stärksten waren die Böen heute früh in der Bretagne. In
diesen Stunden hatte AUSTEN noch einen Kerndruck von unter 980
Hektopascal (hPa) und die Orkanböen an der Küste erreichten dort 102
bis 140 Kilometer pro Stunde (km/h), lokal sogar 160 km/h. Auf seinem
Weg nach Osten schwächt sich AUSTEN ab und wird bei Helgoland einen
Kerndruck von etwas mehr als 990 hPa aufweisen. Die Böen fallen bei
uns entsprechend deutlich schwächer aus. In der Westhälfte reicht es
heute Nachmittag und Abend für stürmische Böen oder Sturmböen (Bft 8
und 9). Vereinzelt kann es schwere Sturmböen um 90 km/h (Bft 10)
geben. In Hoch- und Gipfellagen werden ähnliche oder höhere
Windgeschwindigkeiten erwartet. Weniger windig ist es allgemein in
der Osthälfte Deutschlands. Der Sturmhöhepunkt wird am Abend im
Westen erreicht. Bis Samstagmittag bleibt es in der Nordhälfte
allerdings windig bis stürmisch. Danach lässt der Wind nach, die Ruhe
währt aber nur kurz.
Das oben angesprochene zweite Sturmtief BOELO erreicht am Sonntag den
Nordteil der Nordsee. Ähnlich wie bei AUSTEN werden die stärksten
Böen zwar außerhalb von Deutschland gemessen, dennoch reicht das
Sturmfeld bis zu uns. Bereits in der Nacht zum Sonntag frischt der
südliche Wind von Westen her rasch wieder deutlich auf. Bei
gleichzeitig einsetzendem mäßigem, in Weststaulagen teils auch
kräftigem Regen ergibt sich eine ungemütliche Gemengelage. Am Sonntag
bringt uns ein verbreitet windiger bis stürmischer Wochenabschluss.
Etwas ausgenommen davon ist der äußerste Südosten Deutschlands. Am
anderen Ende des Landes werden dagegen die höchsten
Windgeschwindigkeiten erwartet. Besonders stürmisch wird es an der
Nordsee. Dort erreicht der auf West drehende Wind in Böen Stärke 10
oder 11, sprich schwere Sturmböen oder orkanartige Böen. Neben Sturm
fällt vor allem im Süden und dort besonders im Schwarzwald Regen. Im
Rest des Landes gibt es Schauer und einzelne Gewitter.
Weststurm lässt die Nordseeanrainer aufhorchen, bietet er doch
klassische Bedingungen für Sturmfluten. Wenig überraschend hat das
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine
Vorabinformation zur weiteren Entwicklung der Wasserstände
ausgegeben: ?Von Sonntag bis Montag ist mit deutlich erhöhten
Wasserständen an der deutschen Nordseeküste sowie im Weser- und
Elbegebiet zu rechnen. Bitte informieren Sie sich regelmäßig."
Auf Sturmtief eins und zwei folgt in der kommenden Woche kein
Sturmtief drei. Der Nordwesten bleibt zwar eher tiefdruckbeeinflusst,
windig bis stürmisch wird es jedoch hauptsächlich an der Küste ? und
das auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. In Richtung
Südosten dominiert zunehmend Hochdruckeinfluss. An der milden
Witterung ändert sich dagegen kaum etwas. Ganz im Gegenteil: Am
Dienstag wird es wahrscheinlich sogar besonders mild. Im Breisgau
sind dann noch einmal bis zu 20 Grad möglich.
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Teils immer noch sehr trockene Böden
Die gravierende Bodentrockenheit des Sommers setzte sich im vor allem
nach Südwesten hin extrem niederschlagsarmen September in vielen
Regionen fort. Bis jetzt liegt die Bodenfeuchte vor allem in der
Südhälfte und im Osten immer noch weit unter den für die Jahreszeit
üblichen Werten. Was bewirkt der Regen der kommenden Tage?
Im vergangenen Sommer waren die Trockenheit und ihre Auswirkungen auf
Natur und Landwirtschaft ein großes Thema ? auch hier im Thema des
Tages vom 7. August:
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/8/7.html.
In der zweiten Augusthälfte dämpften etwas häufigere Niederschläge
und gemäßigte Temperaturen die Trockenheit etwas und durchfeuchteten
die oberen 10 bis 30 cm der Böden. Darunter blieben diese allerdings
stark ausgetrocknet. Bei Mittelung über die oberen 60 cm, die im
Bodenfeuchteviewer (www.dwd.de/bodenfeuchteviewer) in der
Bodenfeuchteanalyse standardmäßig betrachtet werden, war die
Bodenfeuchte großenteils weiterhin deutlich unterdurchschnittlich.
Dann kam der insgesamt warme September mit abgesehen vom äußersten
Norden markant unterdurchschnittlichen Niederschlägen, wobei im
Südwesten teils noch nicht einmal 20 Prozent der vieljährig
gemittelten Regenmenge fiel. Entgegen der üblicherweise ab September
steigenden Bodenfeuchte wurden die Böden vor allem im Südwesten
wieder trockener, die Feuchtigkeit der vorangegangenen Niederschläge
verdunstete rasch. Als Folge davon blieben Grasflächen und Wiesen in
weiten Teilen des Südwestens verbräunt, viele Bäume warfen weiteres
trockenes Laub ab. In der Landwirtschaft konnte dort vielerorts die
anstehende Rapsaussaat nicht erfolgen, die im September beginnende
Aussaat von Wintergerste musste teils verschoben werden. Auch im
Großteil der restlichen Südhälfte und vom südlichen Niedersachsen bis
in den Osten blieb das Wasser im Boden trotz gelegentlicher
oberflächlicher Anfeuchtung knapp. Die Pegel vieler Flüsse sanken
weiter auf teils rekordverdächtige Tiefststände, die Schifffahrt auf
Rhein und Donau musste erneut reduziert werden. Auch auf dem Bodensee
führte sehr niedriger Wasserstand zu Einschränkungen. Nur in den
nördlichen Mittelgebirgen vom Bergischen Land bis zum Sächsischen
Bergland und ganz im Norden waren die Böden deutlich feuchter mit
teils überdurchschnittlicher Bodenfeuchte.
In der ersten Oktoberhälfte sorgte gelegentlicher Regen endlich auch
im Südwesten für eine Anfeuchtung der obersten Bodenschichten, so
dass sich dort die Bedingungen für die Aussaat von Wintergetreide
verbesserten. Ganz im Norden erschwerte hingegen bereits durchnässter
Boden die landwirtschaftlichen Arbeiten.
Momentan stellt sich die Bodenfeuchtesituation regional sehr
unterschiedlich dar. Etwa von Nordrhein-Westfalen über den Nordwesten
bis nach Mecklenburg sind die Böden meist 20 bis 50 cm tief
durchfeuchtet, im Umfeld der Nordsee und der westlichen Ostsee auch
tiefer. In der Südhälfte und im Osten sind hingegen meist nur die
oberen 10 bis 20 cm angefeuchtet, darunter befindet sich teils bis in
mehr als 1 Meter Tiefe eine sehr trockene Schicht. Das heißt,
Grasflächen, Grünland und landwirtschaftliche Kulturen wachsen, Bäume
und Wälder stehen hingegen weiterhin unter Trockenstress. Bei
Betrachtung der mittleren Bodenfeuchte der oberen 60 cm sind die
Böden in der Südhälfte und im Osten weitaus trockener als in der
zweiten Oktoberhälfte üblich.
Die teils kräftigen Niederschläge der kommenden Tage werden die Böden
in den bisher trockenen Gebieten etwa 10 bis 30 cm tief
durchfeuchten. Bei Betrachtung der über die oberen 60 cm gemittelten
Bodenfeuchte wird sich das Defizit in der Südhälfte und im Osten zwar
verringern, die Feuchte wird jedoch für die Jahreszeit weiterhin
meist deutlich unterdurchschnittlich bleiben. Abbildung 3 zeigt, dass
die Bodenfeuchte in den derzeit trockenen Regionen mit relativ hoher
Prognosegüte bis mindestens in die zweite Novemberhälfte hinein
deutlich niedriger bleibt als üblich.
Erst über Monate hinweg wiederholte und ergiebige flächendeckende
Niederschläge würden die Böden bis in größere Tiefen allmählich
auffüllen. Somit werden die Niederschlagsmengen über das
Winterhalbjahr hinweg darüber entscheiden, wie gut gefüllt die Böden
zum Start in die Vegetationsperiode 2027 sein werden und wie viel
Wasser durch Versickerung in den Untergrund für die
Grundwasserneubildung zur Verfügung stehen wird. Die zu erwartenden
Niederschlagsmengen lassen sich auf dieser langen Zeitskala
allerdings nicht abschätzen.
Weiterführende Informationen zur Bodenfeuchte
Bodenfeuchteviewer
Hier finden sich neben einer interaktiven Bodenfeuchteanwendung
weitere Produkte zur Bodenfeuchte sowie zu Wasserhaushaltsgrößen. Sie
ermöglichen einen Überblick über die aktuelle Situation, etwa bei
Starkregenphasen oder Trockenheit. Zusätzlich werden Klimavorhersagen
für die kommenden Monate angeboten. Zum Bodenfeuchteviewer:
www.dwd.de/bodenfeuchteviewer.
Klimavorhersagen
Die Klimavorhersagen und die Vorhersagegüte werden für
unterschiedliche Zeit- (Wochen, Jahreszeiten, Jahre) und Raumskalen
(deutsche Regionen, Deutschland, Europa, Welt) konsistent
dargestellt. Die Klimavorhersagen stehen in einer interaktiven Basis-
und in einer Profiversion zur Verfügung. Diese werden ergänzt durch
spezifische Klimavorhersagen. Zu den Klimavorhersagen:
www.dwd.de/klimavorhersagen.
Nutzbare Feldkapazität
Die nutzbare Feldkapazität (nFK) gibt das pflanzenverfügbare
Bodenwasser in Prozent an. Bei über 100 % nFK kann der Boden kein
weiteres Wasser dauerhaft gegen die Schwerkraft halten, vorübergehend
kann die nutzbare Feldkapazität bei Niederschlag jedoch über 100 %
steigen. Das überschüssige Wasser versickert in den Untergrund. Bei
0 % nFK können die Pflanzen dem Boden kein weiteres Wasser mehr
entziehen (Welkepunkt), es befindet sich aber noch Restfeuchte im
Boden. Ab etwa 30 % nFK kommt es bei den Pflanzen zu deutlichem
Trockenstress.
Dipl.-Met. Andreas Brömser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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