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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Es grünt so grün
Gelb, Orange, Rot und Braun - alle diese Farben kann man an den
Bäumen sehen, am häufigsten ist aber noch Grün. Die Blätter hängen
größtenteils auch noch am Baum, aber sicher nicht mehr lange.
Streift man dieser Tage durch die Natur, so leuchten die Blätter der
Bäume in allen möglichen Farben von Gelb über Orange zu Rot und Braun
und häufig auch noch in Grün. Dabei fällt außerdem auf, dass die
meisten Bäume ihre Blätter noch nicht oder nur sehr begrenzt haben
fallen lassen. Das dürfte allerdings nicht mehr lange dauern. Warum
aber verfärben sich die Blätter der Bäume jetzt überhaupt und fallen
dann zu Boden?
Blattverfärbungen
Blattverfärbungen werden im Herbst ausgelöst, wenn der Sonne immer
niedriger steht, die Tageslänge immer kürzer wird und vor allem auch
die nächtlichen Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken.
Dabei sollte es mehrere sehr kühle Nächte hintereinander geben. Ist
es soweit, wird der in den grünen Blättern vorherrschende Farbstoff
Chlorophyll schneller abgebaut. Der Baum zerlegt diesen in seine
Bausteine und holt es in die dicken Äste und den Stamm zurück. Dort
werden sie bis zum nächsten Frühjahr eingelagert und dann
wiederverwertet. Blattverfärbungen stellen sich also nicht nur
aufgrund der kürzeren Tage ein, sondern auch im Zusammenhang mit der
aktuellen Witterung.
In diesem Herbst ist eine kleine Verzögerung der Blattverfärbung zu
erwarten. Anhand der aktuellen phänologischen Uhr (weitere
Informationen zur Phänologie unter https://www.dwd.de/phaenologie)
lässt sich ablesen, dass die Leitphase für den Spätherbst mit der
Blattverfärbung der Stieleiche üblicherweise um den 19. Oktober herum
abgeschlossen ist (Mittel der Jahre 2011 bis 2025, 80% Meldestand
notwendig). In diesem Jahr wurde bei einem Meldestand von 68% die
Leitphase bisher noch nicht vollendet. Bereits der Vollherbst hatte 4
Tage Verzögerung (üblicherweise 17. September, dieses Jahr 21.
September). Diese Verzögerung dürfte sich in etwa gehalten haben, da
es noch nicht so viele kalte Nächte gab.
Blattfall
Als nächstes steht dann der Blattfall an, der bisher nur sehr
eingeschränkt eingesetzt hat. In der Phänologie wird als Leitphase
dafür der Blattfall der Stieleiche für den beginnenden Winter
ermittelt. Diese Leitphase ist im Durchschnitt am 7. November eines
Jahres abgeschlossen, also etwa 3 Wochen nach der Blattverfärbung.
Mit der aktuellen Verzögerung und nicht allzu kalten Aussichten bis
in die Mittelfrist (Vorhersagetage 3 bis 10) hinein ist zu erwarten,
dass sich die Verzögerung auch beim Blattfall bemerkbar machen wird.
Die alte Bauernregel dagegen, die besagt: "Hängt das Laub bis
November hinein, wird der Winter lange sein" lässt sich nicht
belegen. Sie steht wissenschaftlich auf sehr wackeligen Beinen. Wie
der Winter wird, können uns die Bäume auch heute leider noch nicht
verraten.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Kaltfront in Lauerstellung
Das Hochdruckgebiet FLORIAN zieht nach Osten ab - und nimmt das
ruhige Herbstwetter mit. Was auf FLORIAN folgt, insbesondere am
kommenden Wochenende, wird im heutigen Thema des Tages beleuchtet.
Das Leben ist kein Wunschkonzert - und als Bestätigung dafür reicht
ein Blick auf die Wetterentwicklung der kommenden Tage über
Mitteleuropa. Viele hätten es sicherlich gerne gesehen, dass das
ruhige Herbstwetter, das uns Hoch FLORIAN beschert, bis zum
Wochenende anhalten würde. Aber leider beginnt das Wetter am morgigen
Freitag, beginnend im Nordwesten, mit einer markanten Umstellung.
Beim Blick auf das Satellitenbild lässt sich dies auch schon erahnen.
So ist in Abbildung 1 ein breites Wolkenband zu erkennen, das sich
von den Azoren kommend über Irland, Großbritannien und Norwegen
hinweg bis ins Nordmeer erstreckt. Es gehört zu dem am oberen
Bildrand erkennbaren Orkantief nordöstlich von Island, das sich mit
einem Kerndruck von unter 960 Hektopascal (hPa) als ordentlicher
Kaventsmann erweist. Bevor der Blick auf das Übergreifen der Front
auf Mitteleuropa am Freitag und in der Nacht zum Samstag gerichtet
werden soll, bleiben wir aber noch einen Moment bei dem sehr
eindrucksvollen Satellitenbild.
Ausgesprochen hübsch anzusehen ist dabei die westlich der Front über
weiten Teilen des Nordatlantiks einfließende labil geschichtete
Kaltluft, erkennbar an den an einen Streuselkuchen erinnernden
Cumuluswolken. Faszinierend ist aber auch die Region zwischen Litauen
im Norden und Rumänien im Süden sowie zwischen Zentralpolen im Westen
und der zentralen Ukraine im Osten. Dort umfassen bläulich wirkende,
aus Eis bestehende hohe Cirruswolken einen ovalen Kern, in dem "nur"
flache, weißlich-grün wirkende Wolken beobachtet werden können.
Geschuldet ist diese auffällige Struktur einem Höhentief, welches
dort in Richtung Süden unterwegs ist. Im Bereich des Höhentiefs hat
sich eine Inversion ausgebildet, die das Wolkenwachstum in einer Höhe
von etwa 750 hPa, also in etwa 2,5 km Höhe, begrenzt. In der
Abbildung 2, die den Verlauf von Temperatur und Feuchte mit der Höhe
über Nordostpolen zeigt (rotes Kreuz in Abbildung 1, Modell ICON-EU)
ist dies der blau markierte Höhenbereich. Dort steigt die Temperatur
mit zunehmender Höhe vorübergehend an, und folglich können die Wolken
nicht über diesen Höhenbereich hinaus anwachsen. Letztendlich lassen
sich so auch die Unterschiede in den Wolkenarten erklären.
Doch jetzt wieder zurück zur erwarteten Wetterentwicklung bei uns.
Die Abbildung 3 zeigt die erwartete Lage der Fronten sowie die
Druckverteilung am morgigen Freitag um 12 UTC (14 MESZ). An der
langgestreckten Front soll sich ein kleinräumiges Tief bilden
(IRIMA). Die Vorhersagemodelle erwarten IRIMA in den morgigen
Mittagsstunden an der Nordspitze Dänemarks, von dort soll IRIMA nach
Nordosten weiterziehen. Damit kann aber auch der sich südlich an
IRIMA anschließende Teil des langgestreckten Frontenzuges als
Kaltfront auf Mitteleuropa übergreifen.
Was die Vorhersagemodelle aktuell recht unisono vermuten ist, dass
die Front bis Samstagmorgen die Mitte erreicht und somit in der
Westhälfte Regen fällt, die Osthälfte aber noch trocken bleiben soll.
Danach beginnen die Modelle in ihren Niederschlagsverteilungen
auseinander zu driften. Denn während manche Modelle wie
beispielsweise das Modell IFS des Europäischen Zentrums für
Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) die neuerliche Entwicklung
eines kleinräumigen Tiefs an der Front andeutet, diesmal allerdings
über Mitteldeutschland, geht unser DWD-Modell ICON einen anderen Weg.
Letzteres schiebt die Front anfangs recht "glatt" nach Südosten
durch, ohne dass über der Mitte oder dem Osten eine Intensivierung
der Niederschläge vorgesehen wäre.
Mit den Modellunterschieden geht es aber am Sonntag munter weiter.
Dann sind es u. a. markante Unterschiede in den Strömungsmustern in
850 hPa (etwa 1,5 km Höhe), die zu verschieden gelagerten
Niederschlagsverteilungen und Schwerpunkten führen. Ein Beispiel
gefällig: Während IFS in den 24 Stunden von Sonntagfrüh bis
Montagfrüh im Westen maximal 5 l/qm an Regen erwartet, sind es bei
ICON lokal über 30 l/qm. Letztendlich zeigt Abbildung 4 die
72-stündigen Niederschlagssummen von IFS und ICON bis zum
Montagmorgen 06 UTC (08 MESZ). Es bleibt abzuwarten, welches Modell
der Realität am Ende am nächsten ist.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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