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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Wie Wetter Geschichte schrieb



In zwei Tagen jährt sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum
40. Mal. Was dies mit dem Wetter zu tun hat und welche historischen
Ereignisse sonst noch durch das Wetter beeinflusst wurden, ist im
heutigen Thema des Tages nachzulesen.



Am Sonntag, den 26. April 2026, jährt sich der Super-GAU (Größter
anzunehmender Unfall), also die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl
zum 40. Mal. Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr Ortszeit kam es in Block
4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zu einer
Explosion des Kernreaktors. Infolgedessen wurden große Mengen
radioaktiver Materie freigesetzt. Einige Bestandteile gingen in Form
von Staubpartikeln in der Umgebung des Reaktors nieder. Andere,
insbesondere leicht flüchtige Isotope gelangten bei der Freisetzung
bis in große Höhen der Atmosphäre und wurden in einer Art
radioaktiven Wolke teilweise Tausende Kilometer weit getragen.

Und welchen Einfluss hatte das Wetter hierbei? Für gewöhnlich wehen
die Winde über Europa häufig von West nach Ost, was die radioaktive
Materie von Europa wegtransportiert hätte. Allerdings war die
großräumige Wetterlage über Europa Ende April 1986 so, dass zunächst
Skandinavien davon betroffen war, nachfolgend dann auch Mitteleuropa.
Im Süden Deutschlands traten zu dieser Zeit teils kräftige Regenfälle
auf. Dabei wurden die radioaktiven Bestandteile aus der Atmosphäre
gewaschen. Damit lässt sich erklären, warum der Süden mehr belastet
ist als der Norden Deutschlands. Selbst heute noch sollte man dies
beim Verzehr von Wildfleisch, Pilzen und Waldbeeren im Hinterkopf
haben.

Auch bei anderen historischen Ereignissen spielte das Wetter eine
entscheidende Rolle. In früheren Themen des Tages wurde bereits über
den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki sowie den D-Day
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/7.html)
berichtet, zudem wurde Bezug genommen auf die Winter 1812/13 (während
Napoleons Russlandfeldzug) und 1941/42 (während Hitlers
Russlandfeldzug) sowie auf den Hungerwinter 1946/47
(https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/8/25.html). An
dieser Stelle soll nun auf historische Ereignisse eingegangen werden,
bei denen schlechte Sichtbedingungen eine entscheidende Rolle
spielten.

Da wäre zum einen der Mechelen-Zwischenfall während der
Vorbereitungen für den Westfeldzug, bei dem schließlich
Nazideutschland im Frühsommer 1940 unter Verletzung der Neutralität
der Beneluxstaaten weite Teile Frankreichs besetzte. Für dessen
Umsetzung war eine nur wenig angepasste Neuauflage des bereits im
Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffenplanes vorgesehen.

Am 10. Januar 1940 wurde der Offizier Major Helmut Reinberger als
Kurier mit der neuesten Version der Angriffspläne zu einer
Stabsbesprechung nach Köln geschickt. Geheime Dokumente durften
damals nicht fliegen, weshalb der Offizier mit dem Zug fuhr. Auf dem
Weg dorthin plante er den Besuch eines Kameraden auf einem
Luftwaffenstützpunkt im Münsterland ein. Da er dort aufgehalten
wurde, verpasste er allerdings seinen Zug nach Köln. Ein
Luftwaffenoffizier bot ihm an, ihn bei seinem Flug nach Köln
mitzunehmen. Trotz Vorschriftswidrigkeit nahm der Offizier das
Angebot an. Es trat genau das ein, weshalb geheime Dokumente damals
eben nicht fliegen durften: Aufgrund von schlechten Sichtbedingungen
verflog sich der Pilot, driftete durch starken Ostwind ab und musste
schließlich in Belgien notlanden. Dies blieb dort natürlich nicht
unbemerkt. Die Offiziere versuchten zwar noch, die Angriffspläne zu
verbrennen, aber der böige Wind vereitelte das vollständige
Verbrennen, bevor eintreffende belgische Beamte das Feuer löschen
konnten. Dadurch gerieten die geheimen Dokumente in die Hände der
belgischen Armee, die diese umgehend an die Franzosen und Briten
weiterleitete. Nur aufgrund dieses Vorfalls kam "Plan B" zum Einsatz:
der Mansteinplan, der eine Ablenkungsoffensive an der rechten Flanke
über die Niederlande und Belgien vorsah und den Hauptvorstoß durch
die Ardennen in den Rücken der Alliierten, die dadurch auch von ihren
Versorgungslinien abgeschnitten wurden. Innerhalb weniger Wochen
wurde der Westfeldzug von Nazideutschland gewonnen.

Nur wenige Wochen vor dem Mechelen-Zwischenfall, am 08. November
1939, hätte sich womöglich die gesamte nachfolgende Geschichte ändern
können, wenn da nicht der Nebel gewesen wäre. Hitler hielt in jedem
Jahr zum Gedenken an den gescheiterten Putsch 1923 eine in der Regel
lange Rede im Münchner Bürgerbräukeller. Der württembergische
Tischler Georg Elser, ein Gegner des Nationalsozialismus, war im Jahr
zuvor unter den Zuhörern, was ihn davon überzeugte, dass der
Bürgerbräukeller der richtige Ort für seinen Attentatsversuch auf
Hitler war. Hitler würde im darauffolgenden Jahr, also 1939, mit
Sicherheit zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle wieder eine Rede
halten. Für seinen Plan trat Elser zunächst eine Arbeit in einem
Steinbruch an, um entsprechende Materialien für seine Zeitbombe
entwenden zu können. In mühevoller nächtlicher Arbeit deponierte er
diese in einer Säule im Bürgerbräukeller gleich hinter dem
Rednerpult, um sich dann noch rechtzeitig in die Schweiz absetzen zu
können. Detonationszeitpunkt war der 08. November 1939 um 21:20 Uhr.
In diesem Jahr verlief die Rede Hitlers allerdings anders als sonst:
Es war Krieg und Hitler wollte seinen Auftritt zunächst sogar
absagen, entschied sich dann aber doch dafür. Am gleichen Abend
wollte er zurück nach Berlin fliegen, weshalb sein Auftritt
vorverlegt wurde. Aufgrund schlechter Sichtbedingungen war ein
Rückflug aber nicht möglich. Hitler hielt sich bei seiner Rede kurz
und verließ bereits um kurz nach 21 Uhr den Bürgerbräukeller, da am
Münchner Hauptbahnhof ein Sonderzug bereitstand, der um 21:30 Uhr
abfahren sollte. Auch viele der Zuhörer hatten das Gebäude bereits
verlassen, als die Zeitbombe planmäßig um 21:20 Uhr detonierte. Durch
die Detonation brach die Säule zusammen und die Deckenkonstruktion
stürzte auf die Rednertribüne. Es gab acht Tote, u.a. eine
Aushilfskellnerin, und viele Verletzte. Wäre Hitlers Auftritt wie im
Jahr zuvor verlaufen, hätte die Sache wahrscheinlich anders
ausgesehen. Elser wurde an der Schweizer Grenze aufgegriffen und
verriet sich durch eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers und Teile
eines Zünders in seiner Tasche.

Anhand dieser und noch vieler weiterer Beispiele wird erkennbar, wie
das Wetter Einfluss auf die Geschichte nehmen kann.

M.Sc. Tanja Egerer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge


In den vergangenen Nächten gab es gebietsweise leichten Frost, wobei
höhere Lagen meist frostfrei blieben. Am Nachmittag wurde es dann
häufig dennoch angenehm warm. Wir schauen uns die Gegensätze genauer
an.


Eine trockene Luftmasse, wolkenlose Bedingungen und möglichst wenig
Wind - dies sind die Bedingungen, die es für niedrige Tiefstwerte
braucht. All diese Voraussetzungen waren in der Nacht zum Mittwoch
verbreitet und in der Nacht zum Donnerstag gebietsweise erfüllt. Ein
klarer Himmel ist notwendig, damit der Boden effektiv Wärme in den
Weltraum abstrahlt. Eine Wolkendecke würde für Gegenstrahlung
Richtung Boden sorgen. Eine trockene Luftmasse ist wichtig, da sonst
bei Abkühlung bald 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht wären, Nebel
entstehen würde und ein weiteres Abkühlen nur langsam voranschreiten
würde. Schwacher Wind ist vonnöten, da sonst die sich bildende
bodennahe Kaltluftschicht (kalte Luft ist schwerer als warme Luft)
mit darüber liegender wärmerer Luft durchmischt werden würde.

In der Nacht zum Mittwoch gab es abgesehen vom Südwesten verbreitet
leichten Frost. Von Gipfellagen und einzelnen notorisch kalten
Tallagen abgesehen war es besonders kalt in Bad Königshofen in
Unterfranken (-3,6 Grad), in Sohland an der Spree (Sachsen) mit -3,5
Grad und im Norden von Schleswig-Holstein mit -3,4 Grad.
Wie flach die Kaltluftschicht tatsächlich war, lässt sich gut anhand
des "Wettermastes" in Osten von Hamburg dokumentieren. An diesem Mast
sind in verschiedenen Höhen vom Boden bis in 280 Meter Höhe
Messinstrumente vom meteorologischen Institut der Universität Hamburg
angebracht. Diese messen unter vielen anderen Messgrößen die
Temperatur. In Abbildung 2 ist die Temperatur der verschiedenen Höhen
als Zeitreihe dargestellt. Am Dienstagabend sieht man die beginnende
Abkühlung in allen Luftschichten, die aber umso ausgeprägter war, je
tiefer sich der Messfühler befand. Ab 22 Uhr waren tiefere
Luftschichten kälter als darüberliegende. Es hatte sich eine
Inversion (inverse Temperaturschichtung) eingestellt. Kurz nach
Sonnenaufgang zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr wurden die Tiefstwerte
erreicht. Zwischen 2 m und 110 m Höhe betrug die Differenz etwa 10
Kelvin (-1 Grad in 2 m und +9 Grad in 110 m Höhe). Die mit Gras
bewachsene Oberfläche des Bodens war sogar -6 Grad kalt. Nach
Sonnenaufgang erwärmten sich die bodennahen Schichten durch die
solare Strahlung rasch und die normale Temperaturschichtung stellte
sich wieder ein. Mit knapp 17 Grad am Nachmittag wurde es trotz der
niedrigen Startwerte noch mild. Der Tagesgang zwischen Tiefst- und
Höchstwert betrug etwa 18 Grad. Gebietsweise wurden sogar Tagesgänge
um 20 Grad erreicht, wie zum Beispiel in Celle mit 20,5 Grad (-1,5/19
Grad).

In der Nacht zum Donnerstag zogen im Norden Wolken auf und bereits
das Fehlen eines der drei Parameter führte zu deutlich höheren
Nachtwerten über dem Gefrierpunkt. In der Mitte und im Süden des
Landes wiederholte sich das Spiel der Nacht zuvor aber wieder.
Örtlich wurden erneut -3 bis -4 Grad gemessen. Deutschlandweit am
wärmsten waren die etwas erhöhten Lagen im Südwesten. In Bad
Bergzabern in der Pfalz sank die Temperatur nicht unter 8,1 Grad, in
der Tallage Kaiserslautern dagegen bis auf 0,3 Grad.

In den kommenden Nächten wird es zwar allmählich etwas milder. Im
Süden ist die Frostgefahr aber noch nicht gebannt. Besonders in
ländlichen Tallagen wird es auch in den Nächten zum Freitag und
Samstag leichten Frost geben. Im Norden sorgen dagegen Wolken und
Wind für mildere Nächte.

M.Sc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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