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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Ist der Himmel wirklich blau?



In den letzten Tagen war der Himmel oft tiefblau, manchmal ist er
milchig weiß, obwohl keine Wolke am Himmel die Sicht trübt und zum
Sonnenuntergang erstrahlt er in kräftigem Rot. Doch woran liegt es,
dass der Himmel solch unterschiedliche Farben annimmt?



Wenn wir in den Himmel blicken, sehen wir ein strahlendes Blau, dabei
ist unsere Atmosphäre eigentlich farblos. Und auch das Sonnenlicht
erscheint weiß. Woher kommt also die blaue Farbe?
Unser Sonnenlicht besteht eigentlich aus verschiedenen Farben, den
sogenannten Spektralfarben. Bei einem Regenbogen können wir diese
sehen: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Alle diese Farben
haben unterschiedliche Wellenlängen, die von Rot zu Violett abnehmen.
Rotes Licht hat also eine lange, violettes Licht eine kurze
Wellenlänge.
Auf dem Weg durch die Atmosphäre trifft das Sonnenlicht auf die
Luftmoleküle und wird gestreut. Diese sogenannte Rayleigh-Streuung
ist abhängig von der Wellenlänge des Lichts. Die kurzwellige blaue
Strahlung wird rund 16-mal stärker gestreut als das langwellige rote
Licht. Durch die stärkere Streuung verteilt sich der blaue Anteil des
Lichts in alle Richtungen und erreicht unser Auge aus nahezu jeder
Blickrichtung. Deshalb sieht der Himmel für uns blau aus. Ohne
Atmosphäre wäre er selbst am Tag schwarz. Wenn die Sonne dann
untergeht, muss das Licht einen viel längeren Weg durch die
Atmosphäre zurücklegen. Dabei wird der blaue Anteil bereits zu Beginn
des Weges durch die Atmosphäre so stark gestreut, dass nur noch der
rote und orangene Lichtanteil unser Auge erreicht und der Abendhimmel
erscheint für uns rot-orange.
Auf den DWD-Webcam-Bildern aus Schmücke lässt sich das beobachten. Am
Dienstag um 10 Uhr war der Himmel tiefblau, während er sich am
Sonntag zum Sonnenuntergang rot-orange zeigte.
Die Rayleigh-Streuung erklärt also, warum der Himmel mal tiefblau und
mal leuchtend rot aussieht. Doch die Webcam zeigt auch Bilder, auf
denen der Himmel milchig wirkt. Obwohl es sich um den gleichen
Standort und in etwa die gleiche Tageszeit handelt, sah der Himmel
hier am 12. Juli doch ganz anders aus als am vergangenen Dienstag.
Was hat sich verändert, dass der Himmel nicht gleich blau ist?
Verantwortlich ist die Zusammensetzung der Atmosphäre. Auf seinem Weg
durch die Atmosphäre wird Licht nämlich nicht nur an Molekülen,
sondern auch an größeren Partikeln wie Wassertropfen oder Staub
gestreut. Die hier auftretende Streuung nennt sich Mie-Streuung. Im
Gegensatz zur Rayleigh-Streuung ist sie aber weitgehend
wellenlängenunabhängig. Jeder Farbanteil des Lichts wird also zu
ähnlichen Anteilen gestreut. Es kommen alle Wellenlängen an unserem
Auge an und überlagern sich dort, sodass wir den Himmel weiß
wahrnehmen. Deshalb ist die Farbe auf dem Webcam-Bild weiß und
hellblau.
Die Farbe des Himmels zeigt also den Zustand der Atmosphäre an. Bei
einer sehr trockenen Atmosphäre gibt es kaum Wassertropfen oder
andere große Partikel, an denen die Mie-Streuung auftreten kann, die
Rayleigh-Streuung dominiert und der Himmel ist tiefblau. Je höher
aber der Wassergehalt der Luft wird, desto mehr Wassertropfen
befinden sich in der Atmosphäre. Das Licht wird gleichmäßig gestreut
und der Himmel erscheint milchig.
Vor allem wenn jetzt dann im Herbst und Winter kalte, trockene
Luftmassen zu uns kommen, können wir den strahlend blauen Himmel
bewundern. In den nächsten Tagen werden wir davon nichts zu sehen
bekommen, denn dank Tief FELICIA ziehenden Wolken, Schauer und
feuchten Luftmassen auf, die uns den Blick auf einen blauen Himmel
versperren.


M.Sc. Tanja Egerer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel



Seit dem Frühling gibt es in der Mitte und im Süden des Landes ein
enormes Niederschlagsdefizit. Der bevorstehende unbeständige
Wetterabschnitt ist allenfalls der erste Schritt zu einer möglichen
Normalisierung.



Das derzeitige Niederschlagsdefizit im Süden und Südwesten des Landes
ist immens. Bereits seit dem Frühling fehlen dort Monat für Monat
Niederschläge. Gleichzeitig war die Verdunstung in dem heißen und
sonnigen Sommer überdurchschnittlich hoch. Die Karten der
?Klimatischen Wasserbilanz? zeigen das Defizit für den Frühling und
den Sommer. Im Süden und Südwesten betrug das Defizit im Frühling
verbreitet 50 bis 250 mm. Im Sommer fehlten verbreitet 125 bis 250
mm, am Alpenrand und im Schwarzwald war das Defizit sogar noch
größer. Summiert beträgt das Defizit gebietsweise 200 bis 500 mm oder
anders ausgedrückt: Es fehlen mehrere Monate Niederschlag.

Die Folgen zeigen sich an vielen Stellen. Wenig überraschend herrscht
seit Längerem in großen Teilen des Südens, aber auch in anderen
Regionen Deutschlands Trockenstress für die Vegetation. Die Böden
sind teils bis in große Tiefe ausgetrocknet. Vor allem im Saarland,
in Rheinland-Pfalz, Südhessen und Baden-Württemberg sowie in Bayern
ist der Trockenstress teilweise extrem. Anschaulich zeigt dies die
Flächendarstellung der Bodenfeuchte unter Gras in 20 bis 30 cm Tiefe
in Abbildung 2.
Exemplarisch zeigt Abbildung 3 die Entwicklung der Bodenfeuchte unter
Gras für Lahr im Oberrheingraben und Augsburg in Bayern. Die Kurve
seit Jahresbeginn zeigt für beide Stationen einen ähnlichen Verlauf.
Zuletzt wurde im März eine überdurchschnittliche Feuchte gemessen.
Seitdem ist der Boden trockener als im Mittel. Häufig bewegte sich
die Feuchte nahe am Minimum für den Vergleichszeitraum von 1991?2020.
Aktuell wird erneut bzw. immer noch eine sehr niedrige Feuchte
verzeichnet.
Eine weitere Folge der ausbleibenden Niederschläge sind tiefe
Grundwasserstände. Die Grundwasserstände sinken seit dem Frühjahr ?
abgesehen von kurzen Unterbrechungen durch Schauer oder Gewitter ?
meist kontinuierlich und haben in den besonders trockenen Regionen
teils neue Tiefststände erreicht. Ein Beispiel hierfür ist Riedheim
nahe der Donau zwischen Ulm und Donauwörth in Bayern (siehe Abbildung
4).
Auch führen die großen Flüsse in Deutschland weiterhin Niedrigwasser,
teils werden neue Rekordtiefststände für die Jahreszeit gemessen. Auf
dem Bodensee musste wegen des tiefen Pegels gebietsweise die
Schifffahrt eingestellt werden. Etwa einen Meter niedriger als zu
dieser Jahreszeit üblich liegt der Seespiegel. Den niedrigsten Stand
erreicht der Bodensee normalerweise erst im Februar oder März, kurz
vor Beginn der Schneeschmelze in den Alpen.
Der Blick auf die zukünftigen Wetteraussichten zeigt eine Umstellung
zur Wochenmitte. Statt Hochdruckeinfluss setzt sich von Westen
zunehmend Tiefdruckeinfluss durch. Ein kräftiges Tief zieht von
Frankreich nach Schweden und bringt landesweit unbeständiges Wetter.
Beginnend ab Mittwochabend breiten sich im Westen Regen und auch
einzelne Gewitter ostwärts aus. Bis Ende der Woche bleibt es
unbeständig und zudem deutlich kälter als aktuell. Die Niederschläge
werden aber wenig überraschend nicht gleichmäßig verteilt sein.
Besonders nass wird es im Nordseeumfeld, wo das vergleichsweise warme
Wasser die Konvektion verstärkt. Ein weiterer Schwerpunkt wird sehr
wahrscheinlich der Alpenrand sein; dort verhilft der Anstau zu
höheren Niederschlagsmengen. Ansonsten gilt als grobe Regel: Je
weiter westlich, desto mehr Niederschlag.
Bis Ende der Woche simulieren die verschiedenen Modelle an Nordsee
und Alpenrand 40 bis 60 l/qm, lokal um 80 l/qm, ansonsten im Westen
15 bis 40 l/qm und im Osten 3 bis 20 l/qm. Das vorhandene Defizit
wird dadurch bei Weitem nicht ausgeglichen. Zumindest ein erster
Schritt ist damit aber getan.


M.Sc. Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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