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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Tief Manja: Schnell unterwegs, nicht nur beim Wind, sondern auch in
der Entwicklung


Nach Tief LUISE (international AUSTEN) übernimmt jetzt MANJA
(international BOELO) die Wetterregie über dem Nordostatlantik. Schon
die Tatsache, dass beide auch einen internationalen Namen bekommen
haben, deutet auf eine gewisse Prominenz hin. Tief Manja hat dabei
nicht nur ordentlich Wind im Gepäck, sie war auch in ihrer
Entwicklung auch flott unterwegs - Stichwort "Rapide Zyklogenese".
Diese und weitere Aspekte von MANJA beleuchtet heute das Thema des
Tages.


Wie es um LUISE und MANJA aktuell bestellt ist, sieht man direkt in
der Abbildung 1, einer Satellitenaufnahme vom heutigen Samstagmittag
(24.10.) mit der vom DWD-Modell ICON errechneten
Bodendruckverteilung. MANJA, als großräumige Zyklone westlich von
Schottland zu erkennen, hat LUISE schon jetzt den Rang abgelaufen.
Letztere ist im Grunde nur noch ein kleiner Teil der Zirkulation von
Manja, genauer gesagt ein Bodentrog über Dänemark. Immerhin kann man
noch ein paar Wolkenbänder erkennen, die spiralförmig um LUISE
angeordnet sind.

Eindeutig mehr zu bieten hat diesbezüglich aktuell aber MANJA. Ihr
breiter Wolkenwirbel reicht vom Tiefkern über die Britischen Inseln
bis nach Frankreich, er dehnt sich aber auch in einem weiten Bogen
wieder bis auf den Atlantik aus. Auf ihrer Westflanke zapft MANJA
massiv polare Kaltluft an, diese ist wiederum in Form von Cumuli zu
erkennen, die wie Streusel eines Streuselkuchens (oberer linker
Bildausschnitt) wirken.

Der Kerndruck von MANJA hat dabei ein Niveau von 947 hPa erreicht.
Tatsächlich trauen die Modelle dem Tief auch nicht viel mehr - oder
genauer gesagt nicht viel weniger - zu. Um 15 UTC, was 17 MESZ
entspricht, sollen es etwa 945 hPa sein, anschließend soll der Druck
aber wieder zu steigen beginnen. Die entsprechende Entwicklung des
Drucks vom gestrigen Freitag um 00 UTC bis zum morgigen Sonntag um 06
UTC ist in der Abbildung 2 dargestellt.

Es fällt auf, dass nach einem anfänglich nur sehr zögerlichen
Druckfall in der ersten Hälfte des Freitags der Druckfall in der
zweiten Tageshälfte deutlich zunahm und sich in der Nacht zum Samstag
dann nochmals beschleunigte. Der stärkste Rückgang war dabei zwischen
03 UTC und 06 UTC am heutigen Samstagmorgen zu verzeichnen - mit
bemerkenswerten 11 hPa in nur 3 Stunden! Rückblickend auf die letzten
24 Stunden ist der Druck im Kern von MANJA von etwa 1003 auf 947 hPa
und damit um 56 hPa (!) zurückgegangen, womit das Tief die Kriterien
für eine sogenannte "Rapide Zyklogenese" extrem locker erreicht.
Dafür braucht es (MANJA würde "nur" sagen) einen Druckfall von 24 hPa
in 24 Stunden.

Für die Ausbildung eines Tiefs oder dessen Verstärkung kann es viele
Gründe geben, Warmluftadvektion wäre ebenso ein solcher wie eine
divergierende Höhenströmung oder die Advektion, also das Heranführen
von positiver Vorticity (von positiver Wirbelhaftigkeit oder
Wirbelstärke). Und natürlich gerne, wie in der Meteorologie üblich,
auch eine Kombination von mehreren Faktoren. Die Advektion von
Vorticity kann auf jeden Fall ein Starkwindband in der Höhe
übernehmen, der sogenannte Jet. Und so ist es auch bei MANJA der Jet,
der maßgeblichen Einfluss auf die Tiefentwicklung genommen hat.

In Abbildung 3 ist oben jeweils die Ausprägung des Jets in 300 hPa,
also in etwa 9 km Höhe zu erkennen, oben links für den 23.10. um 18
UTC, oben rechts für den 24.10. um 06 UTC. Das Jetmaximum ist im Kern
des Jets in blauen Farben zu erkennen, im Westen befindet sich der
Jeteingang, im Osten der Jetausgang. In der unteren Zeile sind, für
die gleichen Zeitpunkte, jeweils die aktuellen Positionen des Tiefs
im Bodendruckfeld angegeben, die sich auch jeweils in den oberen
Karten wiederfinden (die beiden weißen "T"s). Der Ablauf ist dabei
der folgende: Das Bodentief schiebt sich von Südwesten nach Nordosten
unter dem Jet hindurch, wobei sich in unserem speziellen Fall auch
der Jet nach Süden bewegt. Somit gelangt das Bodentief unter den
linken Jetausgang. Weil dort aber massiv positive Vorticity advehiert
wird, sinkt der Druck sehr schnell, sozusagen rapide. Infolgedessen
ist unter dem linken Jetausgang oftmals eine massive Vertiefung von
Bodentiefs zu beobachten.

Soviel zur Entstehung bzw. der Entwicklung von MANJA. Bezüglich der
erwarteten Windstärken kann hier, sehr grob, mal folgende
Marschrichtung ausgegeben werden. Im Binnenland auch in tiefen Langen
Böen von 50 bis knapp über 70 km/h (Bft 7 bis 8), Im Hochlagen und an
den Küsten Böen von 75 bis 100 km/h (Bft 9 bis 10) und an
ausgewählten Küstenabschnitten (Nordfriesland) sowie auf exponierten
Gipfeln sind es über 100 bis knapp 120 km/h (Bft 11), auf dem Brocken
sogar die Bft 12, was über 120 km/h entspricht (volle Orkanstärke).
Der Südosten kommt bei alldem etwas glimpflicher weg, dort weht der
Wind deutlich schwächer. Und noch als Wiederauffrischung: Da der Wind
von Südwest auf West dreht, wurde gestern schon darauf hingewiesen,
dass in der Deutschen Bucht Sturmflutgefahr herrscht
(www.bsh.de).

Auffällig sind aber auch die mit MANJA verbundenen massiven
Regenfälle. Schon am Abend beginnt es im Westen teils heftig zu
regnen, im Laufe der Nacht und am morgigen Sonntag greifen die
Regenfälle weiter nach Südosten aus. Entsprechende
Dauerregenwarnungen laufen schon, wie sich der Abbildung 4 entnehmen
lässt.

Da bleibt die Hoffnung, dass, wenn der Sonntag schon verbreitet ins
Wasser fällt, das Wasser wenigstens den Flüssen zu Gute kommt. Das
wird auch erwartet, ist von Pegel zu Pegel aber deutlich
unterschiedlich.

Abbildung 5 zeigt für die Rheinpegel in Mainz und in Koblenz nicht
nur den Rückblick auf die vergangenen Tage, sondern auch eine knapp
48-stündige Prognose. Nach dieser soll der Pegel in Koblenz deutlich
kräftiger auf die Regenfälle reagieren, als dies der Pegel in Mainz
tun soll. Ein Grund dürfte sein, dass sich in Koblenz auch die
steigenden Zuflüsse, z. B. von Lahn, Nahe und auch Mosel bemerkbar
machen dürften, die am Pegel in Mainz fehlen bzw. werden sich in
Mainz die weiter Flussauf liegenden Zuflüsse erst mit einiger
Verzögerung bemerkbar machen.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Sturmtiefs im Doppelpack



Vier Namen, zwei Sturmtiefs und allerhand Warnungen: Turbulente Tage
stehen bevor. Doch nicht nur der Sturm ist ein Thema, auch kräftige
Niederschläge sind mit von der Partie.



Vorab eine kurze Erklärung zur Nomenklatur: Die FU Berlin benennt
Druckgebiete, die für Deutschland Relevanz haben. Im jährlichen
Wechsel tragen dabei Tiefs männliche und Hochs weibliche Namen ? und
umgekehrt. Die FU Berlin hat dem heutigen Sturmtief über Westeuropa
den Namen LUISE gegeben. Besonders schadensträchtige Stürme werden
von einem europaweiten Konsortium mit einem internationalen Namen aus
einer zuvor festgelegten Liste versehen. Am Dienstag hat der
britische Wetterdienst dem Tief den Namen AUSTEN gegeben. Ein
weiteres Sturmtief zieht am Wochenende über Schottland zum Nordteil
der Nordsee. Dieses erhielt von der FU Berlin den Namen MANJA und vom
britischen Wetterdienst gestern den internationalen Namen BOELO.
Im Folgenden wird die internationale Bezeichnung der Tiefs verwendet.
Den Anfang macht heute Tief AUSTEN, das vom Ärmelkanal in Richtung
Niederlande zieht und bis Samstagfrüh das Seegebiet bei Helgoland
erreicht. Der größte Druckgradient besteht an der Südflanke des
Tiefs. Entsprechend treten dort die höchsten Windgeschwindigkeiten
auf. Am stärksten waren die Böen heute früh in der Bretagne. In
diesen Stunden hatte AUSTEN noch einen Kerndruck von unter 980
Hektopascal (hPa) und die Orkanböen an der Küste erreichten dort 102
bis 140 Kilometer pro Stunde (km/h), lokal sogar 160 km/h. Auf seinem
Weg nach Osten schwächt sich AUSTEN ab und wird bei Helgoland einen
Kerndruck von etwas mehr als 990 hPa aufweisen. Die Böen fallen bei
uns entsprechend deutlich schwächer aus. In der Westhälfte reicht es
heute Nachmittag und Abend für stürmische Böen oder Sturmböen (Bft 8
und 9). Vereinzelt kann es schwere Sturmböen um 90 km/h (Bft 10)
geben. In Hoch- und Gipfellagen werden ähnliche oder höhere
Windgeschwindigkeiten erwartet. Weniger windig ist es allgemein in
der Osthälfte Deutschlands. Der Sturmhöhepunkt wird am Abend im
Westen erreicht. Bis Samstagmittag bleibt es in der Nordhälfte
allerdings windig bis stürmisch. Danach lässt der Wind nach, die Ruhe
währt aber nur kurz.
Das oben angesprochene zweite Sturmtief BOELO erreicht am Sonntag den
Nordteil der Nordsee. Ähnlich wie bei AUSTEN werden die stärksten
Böen zwar außerhalb von Deutschland gemessen, dennoch reicht das
Sturmfeld bis zu uns. Bereits in der Nacht zum Sonntag frischt der
südliche Wind von Westen her rasch wieder deutlich auf. Bei
gleichzeitig einsetzendem mäßigem, in Weststaulagen teils auch
kräftigem Regen ergibt sich eine ungemütliche Gemengelage. Am Sonntag
bringt uns ein verbreitet windiger bis stürmischer Wochenabschluss.
Etwas ausgenommen davon ist der äußerste Südosten Deutschlands. Am
anderen Ende des Landes werden dagegen die höchsten
Windgeschwindigkeiten erwartet. Besonders stürmisch wird es an der
Nordsee. Dort erreicht der auf West drehende Wind in Böen Stärke 10
oder 11, sprich schwere Sturmböen oder orkanartige Böen. Neben Sturm
fällt vor allem im Süden und dort besonders im Schwarzwald Regen. Im
Rest des Landes gibt es Schauer und einzelne Gewitter.
Weststurm lässt die Nordseeanrainer aufhorchen, bietet er doch
klassische Bedingungen für Sturmfluten. Wenig überraschend hat das
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine
Vorabinformation zur weiteren Entwicklung der Wasserstände
ausgegeben: ?Von Sonntag bis Montag ist mit deutlich erhöhten
Wasserständen an der deutschen Nordseeküste sowie im Weser- und
Elbegebiet zu rechnen. Bitte informieren Sie sich regelmäßig."
Auf Sturmtief eins und zwei folgt in der kommenden Woche kein
Sturmtief drei. Der Nordwesten bleibt zwar eher tiefdruckbeeinflusst,
windig bis stürmisch wird es jedoch hauptsächlich an der Küste ? und
das auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. In Richtung
Südosten dominiert zunehmend Hochdruckeinfluss. An der milden
Witterung ändert sich dagegen kaum etwas. Ganz im Gegenteil: Am
Dienstag wird es wahrscheinlich sogar besonders mild. Im Breisgau
sind dann noch einmal bis zu 20 Grad möglich.


M.Sc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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