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Thema des Tages
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 14: Etablierung nationaler
meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)
Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische
Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein.
Schwerpunkt dieses Artikels bilden Länder vorwiegend im östlichen und
südlichen Europa.
Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die
Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die
als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen
europäischen Raum beleuchtet. In diesem Artikel folgt der östliche
und südliche europäische Raum.
In Russland begannen tägliche meteorologische Beobachtungen in Sankt
Petersburg 1743 und an der Universität Moskau 1799. Letztere wurden
1808 als systematische Wetterbeobachtungen vom russischen Physiker
Pjotr Iwanowitsch Strachow (1757-1813) organisiert und gingen bis
Napoleons Russlandfeldzug 1812. Sie wurden 1820 fortgesetzt. 1805
fanden an der Universität Kasan erste meteorologische Experimente
statt. Mit der Eröffnung des dortigen Observatoriums 1812 startete
eine Messreihe und die Meteorologische Schule Kasan wurde unter dem
bayerisch-schweizerischen Physiker Franz Xaver Bronner (1758-1850)
begründet. Der russische Staatsmann, Schriftsteller und Erfinder
Wassili Nasarowitsch Karasin (1773-1842) aus der Sloboda-Ukraine
schlug 1810 vor, ein meteorologisches Messnetz im Zarenreich zu
errichten, das von Kola im Norden bis Tiflis im Süden und von Libau
im Westen bis Nishne-Kamtschatsk (heute Kljutschi) auf Kamtschatka im
Fernen Osten reichen sollte. Der russische Mathematiker und Physiker
Adolph Theodor Kupffer (1799-1865), ein Deutsch-Balte aus Mitau im
Kurland, initiierte 1829 erste erdmagnetische Messungen in St.
Petersburg, Peking und Sitka im damaligen Russisch-Amerika (heute
Alaska). 1833 schlug er ein Messnetz aus erdmagnetischen und
meteorologischen Beobachtungsstationen vor, das an einigen Orten
verwirklicht wurde (Nertschinsk in Sibirien 1832, Jekaterinburg und
Lugansk 1836, Tiflis 1837). 1849 wurde in der damaligen russischen
Hauptstadt Sankt Petersburg das Physikalische Observatorium eröffnet,
welches als eines der ersten zentralen meteorologischen Institute in
Europa und Nordamerika gilt. Erster Direktor war Kupffer. Bis zu
seinem Tod wurden 50 meteorologische Beobachtungsstationen im
Zarenreich errichtet. Sein Nachfolger, der preußische Physiker und
Meteorologe Ludwig Friedrich Kämtz (1801-1867), brachte ein Lehrbuch
der Meteorologie heraus. Unter den beiden nachfolgenden Direktoren,
dem Schweizer Meteorologen und Physiker Heinrich von Wild oder
Heinrich Iwanowitsch Wild (1833-1902) und dem russischen Meteorologen
Michail Alexandrowitsch Rykatschew (1841-1919) wurden neue
meteorologische Stationen eröffnet und die Zahl der
Institutsmitarbeiter erhöht. Wild führte ein einheitliches metrisches
System und die Temperaturmessung in Grad Celsius ein. Rykatschew
verfügte 1884 die Durchführung der Wetterbeobachtungen an den
Messstationen mit standardisierten Messinstrumenten. Er gab mehrere
Werke zur Meteorologie und Ozeanographie sowie zum Erdmagnetismus
heraus. Die Monographie des russischen Geographen Iwan Nikolajewitsch
Smirnow (ca. 1840? -1880) "Über die Vorhersehbarkeit von Wetter- und
Frühlingsstürmen in Russland" von 1870 bildete die wissenschaftliche
Grundlage für Wettervorhersagemethoden und damit für die synoptische
Meteorologie. Darin wurde die erste Wetterkarte aus Russland
publiziert. Die zunehmende Urbanisierung der Hauptstadt machte die
Verlegung des Physikalischen Observatoriums in die Umgebung nach
Pawlowsk 1878 notwendig. In Irkutsk wurde 1886 ein Observatorium für
Sibirien gegründet. 1912 wurden in Pawlowsk erste systematische
Strahlungsmessungen in Europa durchgeführt.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das heutige Staatsgebiet Italien
in mehrere Staaten aufgeteilt, teils unter österreichischer
Verwaltung und überwiegend land- und forstwirtschaftlich dominiert.
Meteorologische Forschung diente hauptsächlich diesen Zwecken,
insbesondere zum Niederschlag. An allen italienischen astronomischen
Observatorien wurden meteorologische Messungen durchgeführt, in
Mailand ab 1760, in Padua ab 1767, in Rom ab 1787 und in Turin ab
1820. Erste Versuche, nach dem 17. Jahrhundert erneut ein Messnetz
einzurichten, verfolgte der Direktor des astronomischen
Observatoriums in Padua, der venezianische Astronom, Meteorologe und
Abt Giuseppe Toaldo (1719-1797), der Daten von 60 Wetterbeobachtern
in einem Messnetz der Republik Venedig sammeln konnte. Das heutige
italienische Messnetz geht auf den neapolitanischen Meteorologen und
Astronom Francesco Denza (1834-1894) zurück. Er gründete das
meteorologische Observatorium Moncalieri bei Turin und von dort aus
das Wetterbeobachtungsnetzwerk Corrispondenza Meteorologica Italiana,
welches zunächst primär aus Stationen aus Piemont und dem Aostatal
bestand. Denza veröffentlichte Daten und Studien in seiner
Fachzeitschrift Bullettino Meteorologico sowie in etlichen
wissenschaftlichen Monographien. Ab 1865 ging aus seinem Netzwerk,
dem sich nach der Einigung Italiens Stationen aus anderen
Landesteilen anschlossen, die Societa Meteorologica Italiana hervor.
1865 wurde im Marineministerium ein meteorologisches Büro
eingerichtet, dem 20 Küstenwetterwarten unterstanden. 1876 wurde der
staatliche italienische Wetterdienst "Ufficio Centrale di
Meteorologia" gegründet. Dieser übernahm die Wetterwarten und
Stationen der Societa Meteorologica Italiana. 1878 wurden erste
Bergstationen in den Alpen eröffnet, 1894 erfolgten systematische
Niederschlagsmessungen. 1880 übernahm das Hydrographische Institut in
Genua die Aufgaben des Wetterdienstes für die Seeschifffahrt. 1913
wurde ein spezieller Wetterdienst für die Luftfahrt gegründet.
Erste meteorologische Messungen in Österreich-Ungarn wurden durch den
österreichischen Astronom und Mathematiker Anton Pilgram (um
1731-1793) von 1762 bis 1786 in Wien durchgeführt. Im
Benediktinerstift Kremsmünster wurden meteorologische Messungen ab
1763 und erdmagnetische Messungen ab 1838 durchgeführt. Nach der
Gründung der Akademie der Wissenschaften 1847 in Wien wurden die
meteorologischen Messungen vereinheitlicht. Der österreichische
Physiker und Staatsmann Andreas von Baumgartner (1793-1865) aus
Böhmen stattete die Wetterstationen mit entsprechenden
Messinstrumenten aus. Aus einer Kommission an der Akademie gründete
sich 1851 die Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Zum
ersten Direktor wurde der österreichische Astronom und Meteorologe
Karl Kreil (1798-1862), damals Leiter der Sternwarte in Prag,
bestellt. Meteorologische Messungen begannen an der Centralanstalt
1852 und 1872 in einem neuen Gebäude im damaligen Wiener Vorort
Döbling (heute ein Gemeindebezirk von Wien). Unter Kreils Nachfolger,
dem Prager Professor Karl Jelinek (1822-1876), einem österreichischen
Meteorologen aus Mähren, wurden an der Centralanstalt die
Wetterberichte gesammelt und eine Abteilung für Wettervorhersagen
eingerichtet. Die Anzahl der Wetterstationen wurde massiv ausgebaut.
1865 wurde die Österreichische Gesellschaft für Meteorologie
gegründet. Zusammen mit ihrem deutschen Pendant wurde ab 1866 die
Meteorologische Zeitschrift herausgegeben. Auf Vorschlag des
österreichischen Naturwissenschaftlers Guido Schenzl (1823-1890) und
des ungarischen Geographen János Hunfalvy (1820-1888) aus der
Slowakei wurde 1870 in Budapest das Ungarische Zentralinstitut für
Meteorologie und Erdmagnetismus gegründet. Dessen erster Direktor
wurde Schenzl. 1877 wurde der österreichische Mathematiker und
Physiker Julius von Hann (1839-1921) zum Leiter der Centralanstalt
berufen. Das Observatorium Sonnblick wurde auf seine Initiative hin
erreichtet und 1886 eingeweiht. Von Hann entwickelte eine Gewichtung
von Messwerten, die als Hann-Fenster bekannt ist. Er gilt als
Begründer der modernen Meteorologie. Ab 1888 wurden in Ungarn durch
das Zentralinstitut für Meteorologie und Erdmagnetismus
Wetterberichte veröffentlicht. Der ungarische Astronom und
Meteorologe Miklos Konkoly-Thege (1842-1916), Institutsdirektor ab
1890, richtete 1890 eine Abteilung für Wetterprognosen ein.
In der Schweiz wurde 1798 durch den Naturwissenschaftler Marc Auguste
Pictet (1752-1825) aus der Alten Eidgenossenschaft in Genf eine erste
Messstation mit regelmäßigen Beobachtungen etabliert. 1817 folgte
eine Bergstation auf dem Großen St. Bernhard. Pictet warb bei der
Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 1823 für die Errichtung
eines ersten Beobachtungsnetzes, das dann bis 1837 betrieben wurde.
Da nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Bevölkerung Interesse
an Wetterdaten hatten, beschlossen die Kantone Bern (1830), Tessin
(1843) und Thurgau (1855), ein eigenes kantonales Beobachtungsnetz
aufzubauen. Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft richtete
88 Beobachtungsstationen mit einheitlichen Regeln und
Messinstrumenten im Jahr 1863 ein. 1878 erschien zum ersten Mal eine
tägliche Wetterprognose in der Neuen Zürcher Zeitung. 1880 beschloss
der Bundesrat die Gründung der Meteorologischen Zentralanstalt, die
ein Jahr später ihre Arbeit vom Hauptsitz in Zürich aufnahm. Erster
Leiter wurde der Schweizer Astronom und Mathematiker Robert
Billwiller (1849-1905). 1887 wurde ein Observatorium auf dem Säntis
eingerichtet. Eine erste umfassende Klimatologie der Schweiz erschien
1909.
In Serbien startete der serbische Statistiker und Meteorologe
Vladimir Jaksic (1824-1899), Hochschullehrer am Lyzeum des
Fürstentums Serbiens in Belgrad, ab 1848 mit täglichen Aufzeichnungen
des Wettergeschehens und hielt zunächst Temperatur,
Bewölkungszustand, Niederschlag und später die Luftfeuchtigkeit in
Belgrad fest. 1856 etablierte er ein erstes, aus 20 Wetterstationen
bestehendes, Messnetz in Serbien. Ab 1862 nahm die Anzahl der
Wetterstationen ab, einige hielten jedoch durchgehend
Wetteraufzeichnungen aufrecht. 1880 wurde an der Philosophischen
Fakultät der Belgrader Hohen Schule der Lehrstuhl für Astronomie und
Meteorologie gegründet. Zum ersten Lehrstuhlinhaber wurde der
serbische Physiker, Mathematiker, Astronom und Meteorologe Milan
Nedeljkovic (1857-1950) gewählt. Er gründete 1887 das Astronomische
und Meteorologische Observatorium in Belgrad und baute das
meteorologische Beobachtungsnetzwerk erheblich aus. 1902 wurden erste
Wettervorhersagen veröffentlicht. 1907 wurde der serbische Geograph
und Meteorologe Pavle Vujevic (1881-1966) zum Professor für
Meteorologie an die 1905 zur Universität umgewandelte Hohe Schule
gewählt. Er analysierte die Daten aus dem Beobachtungsnetzwerk und
veröffentlichte mehrere Berichte zum Mikroklima in der
Meteorologischen Zeitschrift: "Die Temperaturverhältnisse der
untersten Luftschichten" (1911), "Die Temperaturen verschiedenartiger
Bodenoberflächen" (1912) und "Ueber die Beschaffenheit der täglichen
Temperaturkurve" (1914). Nach dem Ersten Weltkrieg ging Serbien im
neu geschaffenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen auf, dem
späteren Jugoslawien. Die meteorologischen Arbeiten am
Geophysikalischen Institut Zagreb (Agram) und am Institut für
Meteorologie und Geodynamik in Ljubljana (Laibach) wurden als
Ergebnis einer Konferenz 1921 in Zagreb unter dem Dach des
Astronomischen und Meteorologischen Observatoriums in Belgrad unter
Leitung von Nedeljkovic koordiniert. Das Geophysikalische Institut
Zagreb wurde zu diesem Zeitpunkt vom kroatischen Geophysiker Andrija
Mohorovicic (1857-1936) aus dem Österreichischen Küstenland geleitet,
der ab 1887 in Bakar bei Fiume (Rijeka) und ab 1891 in Zagreb in
Kroatien meteorologische Beobachtungen durchführte und erstmals
Rotorwolken bei der Bora, einem Fallwind an der kroatischen Küste,
beschrieb. In Montenegro starteten erste systematische Messungen 1882
in Podgorica. 1931 wurde ein zentraler meteorologischer Dienst
gegründet.
In Rumänien wurden erste meteorologische Beobachtungen in Iasi
(Jassy) ab 1770 und in Bukarest ab 1773 durchgeführt. Erste
systematische Messungen wurden an der Academia Mihaileana in Iasi
durch den rumänischen Physiker und Mathematiker Teodor Stamati
(1812-1852) im Zeitraum 1839 bis 1840 durchgeführt. An der Academia
Mihaileana in Iasi wurde Meteorologie als Wissenschaft gelehrt, wobei
ein Manuskript in griechischer Sprache aus der Bibliothek des
Metropolitenklosters verwendet wurde. 1884 wurde das Meteorologische
Insitut Rumäniens gegründet. Der rumänische Physiker und Meteorologe
Stefan Hepites (1851-1922) wurde dessen erster Leiter. Schon zuvor
hatte Hepites ab 1878 eine Wetterstation in Braila eingerichtet, in
der er tagsüber stündlich Wetterbeobachtungen durchführte. Neben dem
nationalen meteorologischen Netzwerk betrieb das Institut weitere
nationale Versorgungsdienste wie Messungen und Gewichte nach dem
rumänischen Beitritt zur Meterkonvention, Bestimmung der genauen
Zeit, Seismologie und Geomagnetismus. 1908 wurde das Meteorologische
Institut Rumäniens in das 1888 erbaute Astronomische und
Meteorologische Observatorium unter der Aufsicht des Ministeriums für
öffentliche Bildung integriert. 1915 begann die systematische
Erforschung der Atmosphäre mittels Ballonsonden.
In Bulgarien gab es im 19. Jahrhundert gelegentlich meteorologische
Beobachtungen in Sofia und Russe (Rustschuk). Der bulgarische
Physiker Astronom Marin Bachevarov (1859-1926) veranlasste 1887 die
Errichtung einer meteorologischen Beobachtungsstation in Sofia. Im
selben Jahr führte er erste systematische Messungen durch. 1890 wurde
die Sofioter meteorologische Bobachtungsstation vom
Bildungsministerium zur Meteorologischen Zentralstation aufgewertet.
Dies markiert den Beginn des Meteorologischen Dienstes Bulgariens.
Erster Leiter wurde der bulgarische Physiker Spas Vatsov (1856-1928).
Auf Erlass von Prinz Ferdinand von Bulgarien (1861-1948) wurde 1894
eine eigenständige staatliche Einrichtung für Meteorologie gegründet
? die Direktion für Meteorologie im Bereich des Bildungsministeriums.
Vatsov wurde dessen erster Leiter, gefolgt von dem bulgarischen
Meteorologen Kiro Kirov oder Kiro Kiroff (1897-1961).
Finnland war zwischen 1809 und 1917 ein autonomer Landesteil des
Russischen Reiches. Wissenschaftliche Forschung und Beobachtungen
waren an der Universität Helsinki organisiert und arbeiteten
unabhängig von russischen wissenschaftlichen Institutionen,
finanziert durch die finnische Regierung. 1838 wurde auf Initiative
von Adolph Kupffer (s.o.) das Magnetische und Meteorologische
Observatorium in Helsinki gegründet. Zum ersten Direktor wurde der
finnische Physiker und Meteorologe Johan Jakob Nervander (1805-1848)
bestellt. Neben Arbeiten im Bereich des Erdmagnetismus interessierte
sich Nervander auch für Klimatologie. Ab 1844 starteten am
Magnetischen und Meteorologischen Observatorium in Helsinki tägliche
Beobachtungen zum Wetter (Temperatur, Luftdruck, Niederschlag,
Windrichtung und Windgeschwindigkeit) und zum Erdmagnetismus.
Nervanders Nachfolger, der finnische Naturforscher Henrik Gustaf
Borhenius (1802-1894) aus der Provinz Wiborg (Südkarelien) führte
Messungen und Beobachtungen weiter. Im Vorfeld des Internationalen
Polarjahres wurde 1881 die Verwaltung des Magnetischen und
Meteorologischen Observatoriums von der Universität Helsinki an die
Finnische Wissenschaftliche Gesellschaft übertragen und das
Observatorium selbst in Zentrales Meteorologisches Institut
umbenannt. Der finnische Meteorologe Nils Karl Nordenskiöld
(1837-1889) modernisierte die Arbeit der Wetterbeobachtung und
verhinderte eine Integration des finnischen Instituts in das
russische Pendant. Neue Messungen wurden gestartet wie beispielsweise
die des Meeresspiegels, die für Hochwasserprognosen für Sankt
Petersburg sehr hilfreich war. Im Internationen Polarjahr, zu welchem
die Regionen der Arktis und der Antarktis durch meteorologische
Beobachtungen erforscht werden sollte, wurde in Sodankylä in Lappland
nördlich des Polarkreises ein geophysikalisches Observatorium
errichtet, in dem unter der Gesamtleitung des finnischen Physikers
Selim Lemström (1838-1904) Polarlichter und unter der Leitung des
finnischen Meteorologen Ernst Biese (1856-1926) meteorologische
Beobachtungen durchgeführt wurden. Größere Überschwemmungen 1898 und
1899 mit erheblichen Schäden in der Landwirtschaft waren der Auslöser
zur Errichtung hydrologischer Messstationen und der Gründung des
Hydrologischen Dienstes 1908. Zwei Jahre später wurde zur Erforschung
der oberen Atmosphäre ein aerologisches Observatorium nahe Helsinki
eröffnet. Nach der Unabhängigkeit 1917 wurde das Finnische
Meteorologische Institut 1919 dem Agrarministerium untergeordnet.
Erster Direktor wurde der finnische Physiker und Meteorologe Gustaf
Melander (1861-1938).
Erste systematische Wetterbeobachtungen in Warschau in der damaligen
Adelsrepublik Polen-Litauen wurden zwischen 1725 und 1728 durch den
kursächsischen Mediziner, Botaniker und Meteorologen Christian
Heinrich Erndel oder Christian Heinrich Erndtel (1676-1734)
durchgeführt. Seine täglich aufgezeichneten Luftdruck-, Temperatur-
und Windmessungen sowie Bewölkungsbeobachtungen waren die ersten
Statistiken dieser Art in Warschau. Nach politischen Krisen war Polen
im 19. Jahrhundert ein Teil des Russischen Reiches und wurde dort als
Weichselland bezeichnet. Aus dieser Zeit gibt es nur wenig
Erkenntnisse zur Meteorologie. Der polnische Mathematiker und
Naturforscher Wladyslaw Kwietniewski (1837-1902), der an der
Hauptschule von Warschau, einer polnischen Hochschule, lehrte, war
mit mathematischen und meteorologischen Arbeiten aktiv am
wissenschaftlichen Leben Warschaus vertreten. Nach der Unabhängigkeit
1918 wurde das Staatliche Meteorologische Institut 1919 gegründet.
Seine Aufgabe war die Durchführung meteorologischer Beobachtungen und
Forschungen sowie Wetterdienste für die Landwirtschaft und Luftfahrt,
letzteres besonders für den militärischen Bereich. Erster Direktor
wurde der polnische Meteorologe und Klimatologe Wladyslaw Gorczynski
(1879-1953). Das Institut richtete ein synoptisches Messnetz mit
zunächst sieben Wetterstationen ein: Warschau, Posen, Lemberg (Lwow),
Vilnius (Wilna), Danzig und Pinsk.
Im modernen Griechenland ist die Entwicklung der Meteorologie eng an
die Astronomie geknüpft. Das Nationale Observatorium Athen wurde 1842
gegründet. Nachdem die ursprünglich dafür in einer Schenkung zur
Verfügung gestellten Mittel erschöpft waren, ging das Observatorium
in den Besitz des Staates über. Dieser organisierte das Observatorium
als staatliches Forschungszentrum. 1890 wurde es um die Abteilungen
zur Meteorologie und Seismologie erweitert. Zwischen 1890 und 1934
hatte der griechische Astronom, Physiker und Mathematiker Demetrios
Eginitis (1862-1934) die Leitung des Nationalen Observatoriums Athen
inne. Er lieferte Arbeiten zum Klima von Griechenland (1908) und zur
Praktischen Meteorologie (1909). Die Abteilungen zur Meteorologie und
Seismologie wurden 1942 zu Instituten aufgewertet.
Seit dem Mittelalter wurden im Osmanischen Reich im Wesentlichen
astronomische Beobachtungen zur Festlegung von Gebetszeiten
durchgeführt. Meteorologische Erkenntnisse drangen nur langsam durch
wenige Übersetzungen europäischer Lehrbücher ins Türkische im 18.
Jahrhundert in das Osmanische Reich. Erste meteorologische
Beobachtungen in Konstantinopel (Istanbul) wurden ab 1830 durch
Privatpersonen durchgeführt. 1868 wurde in Konstantinopel ein
Observatorium errichtet und mit Messinstrumenten aus Europa
ausgestattet. Meteorologische Beobachtungen des Großherrlichen
Observatoriums in Konstantinopel wurden per Telegraph nach Paris
gesendet. Ab 1868 wurden meteorologische Beobachtungsstationen in
anderen Provinzen des Osmanischen Reiches aufgebaut. Bis zum Ende des
19. Jahrhundert wurde im Osmanischen Reich lediglich der Zustand der
Atmosphäre gemessen und notiert, was auch in verschiedenen Zeitungen
veröffentlicht wurde. Schritte hin zu einer Wettervorhersage wurden
bis dahin keine unternommen. Der Direktor des Observatoriums in
Konstantinopel, der französische Meteorologe Aristide Coumbary
(1828-1896), schlug 1886 die Verwendung meteorologischer Daten aus
Europa und dem Osmanischen Reich zur Vorhersage von Stürmen, die aus
Westen auf das Osmanische Reich zuzogen, vor. Coumbary
veröffentlichte auch ein Werk zur Windbeobachtung. Bis zum Ersten
Weltkrieg wurden im Osmanischen Reich Wettervorhersagen etabliert. Im
Nachfolgestaat Türkei wurde 1925 in Ankara das erste meteorologische
Institut, Rasadat-i Cevviye, durch den ungarischen Meteorologen Antal
Rethly (1879-1975) gegründet. In diesem wurden meteorologische
Studien von Wetterdaten der Wetterstation Ankara durchgeführt. Aus
diesem erwuchs der meteorologische Dienst der Türkei.
In den nächsten beiden Teilen dieser Serie wird dieselbe Entwicklung
außerhalb Europas beleuchtet. Der Schwerpunkt liegt im nächsten Teil
bei Asien und Ozeanien. Der übernächste Teil wird dann Amerika und
Afrika behandeln.
(Die Bilder und der Link zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)
Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 13: Etablierung nationaler
meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)
Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische
Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein.
Schwerpunkt dieser Abhandlung bilden Länder vorwiegend im westlichen
und nördlichen Europa.
Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die
Entwicklung bis um das Jahr 1800 beschrieben. In diesem Teil der
Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Gründung und
Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die als Vorläufer
nationaler Wetterdienste gelten, im westlichen europäischen Raum
beleuchtet. Abweichend von den bisherigen Folgen erfolgt die
Gliederung hier nach Nationen. Entwicklungen im östlichen und
südlichen europäischen Raum sowie außerhalb Europas und in Richtung
internationaler Institutionen werden in weiteren separaten Teilen der
Serie behandelt.
Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein
internationales meteorologisches Messnetz an Wetterstationen
eingerichtet werden sollte. Erste Versuche hierzu waren die
Bemühungen der "Academia del Cimento" in Florenz 1654,
durchschlagende Ergebnisse brachte die Societas Meteologica Palatina
ab 1780 zustande. Diese Gesellschaft organisierte als erste die
Durchführung und Veröffentlichung weltweiter Wetterbeobachtungen.
Im Zuge sozialer Umwälzungen in Frankreich durch die und im Nachgang
der Französischen Revolution 1789 gleichzeitig auftretenden
Missernten legte die neue Regierung den Fokus auf die Landwirtschaft
und die diese beeinflussende Meteorologie. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts waren zahlreiche meteorologische Stationen in den Rahmen
wissenschaftlicher Gesellschaften oder universitärer Schulen
eingebunden, die unabhängig voneinander arbeiteten. 1854 wurde ein
Messnetz zur Niederschlagsmessung eingeführt, mit dem Hochwasser an
Flüssen, besonders an der Seine, prognostiziert werden sollte. 1854
zeigte der französische Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier
(1811-1877), dass ein Sturm über dem Schwarzen Meer über Europa
verfolgt werden konnte, dieser hätte bei Nutzung von Telegraphen
vorhergesagt werden können. Dies führte zur Gründung eines
meteorologischer Dienstes am zentralen Observatorium Paris 1855. Le
Verrier wurde zu dessen Direktor bestellt. Nur drei Tage nach der
Gründung des meteorologischen Dienstes präsentierte er die erste
Wetterkarte Frankreichs. Die Koordination der meteorologischen
Messungen war für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. 1857 wurden
erstmals meteorologische Beobachtungen in tabellarischer Form
veröffentlicht. 1863 wurde erstmals in einer Karte eine barometrische
Analyse des Vortags publiziert. Diese Karten wurden nachfolgend an
Häfen verteilt. Von 1864 bis 1877 wurden 58
Wetterbeobachtungsstationen in reguläre Schulen eingebunden. Um
Hagelschäden einzugrenzen, wurde 1865 mit dem Studium von
Gewitterwolken begonnen. Beobachter waren angehalten, aufgetretene
Schäden mit den beobachteten Gewitterwolken in Zusammenhang zu
bringen. Dies führte zur Analyse einer Schadenslinie, jenem Weg,
welchen ein Gewitter zurücklegte. 1870 wurde das gemessene
Regenwasser untersucht, um Rückschlüsse auf die chemische
Zusammensetzung der Atmosphäre zu gewinnen. 1878 wurde das Zentrale
Meteorologische Büro in Frankreich gegründet. Dieses sollte die
Wetterbeobachtungsstationen neu organisieren, Warnhinweise für Häfen
und Landwirte ausgeben und Studien zu Bewegungen in der Atmosphäre
durchführen. Erster Direktor wurde der französische Physiker und
Meteorologe Eleuthere Mascart (1837-1908). Er führte einen Warndienst
sowie eine klimatologische Abteilung ein und vergrößerte das Messnetz
auf 160 Stationen, darunter Regional- und Bergstationen. 1898 wurde
der erste französische Wetterballon gestartet. 1921 wurde das
Zentrale Meteorologische Büro in ein Nationales Meteorologisches Amt
aufgewertet. 1922 wurden täglich meteorologische Berichte ausgegeben.
Im Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland wurden im 19.
Jahrhundert zunächst nur unkoordinierte individuelle
Wetterbeobachtungen durchgeführt. 1840 untersuchte die
Statistik-Abteilung einen Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren,
hier besonders die Anzahl von Todesfällen und meteorologischen
Phänomenen. Dies veranlasste den britischen Meteorologen und
Aeronauten James Glaisher (1809-1903) von der Abteilung für
Erdmagnetismus und Meteorologie des Observatoriums Greenwich, die
Beobachtungen der Wetterstationen zu koordinieren. So entstand 1845
ein Messnetz aus neun Stationen, 1875 war das Messnetz auf 50
Stationen angewachsen. 1848 wurden erstmals in der Londoner Zeitung
"Daily News" Wetterbeobachtungen in verschiedenen britischen Städten
veröffentlicht. 1850 wurde die British Meteorological Society ins
Leben gerufen. Der erste offizielle meteorologische Dienst wurde 1854
als "Meteorologische Abteilung im Handelsministerium" in Westminster
gegründet. Hauptaufgabe war das Sammeln, die Verifikation und die
Analyse meteorologischer Beobachtungsdaten von Schiffen und von
Küstenstationen. 1861 wurden Wettervorhersagen an Zeitungen
veröffentlicht. Im selben Jahr begann der erste Direktor der
meteorologischen Abteilung, der britische Marineoffizier und
Meteorologe Robert FitzRoy (1805-1865), Sturmereignisse zu
untersuchen. Dabei fertigte er Karten an, die er zunächst als
"synoptische Karten" bezeichnete. Der Begriff leitet sich vom
griechischen Wort "synoptikos" ab, was so viel wie "einen Überblick
gebend" bedeutet. Auf diesen Karten waren Sturmzentren und
umströmende Luftbewegungen verzeichnet. Nach seinem Tod endeten die
Wettervorhersagen und ein Ständiger Ausschuss führte den Dienst
weiter. 1867 wurde ein Wetterdienst gegründet, welcher vom
Handelsministerium getrennt war. Dieser Dienst umfasste Abteilungen
für Seewetterkunde, meteorologische Telegraphenberichte und
Agrarmeteorologie. Erster Direktor wurde der irische Meteorologe
Robert Henry Scott (1833-1916). Zwischen 1867 und 1874 wurden Marine-
und Handelsschiffe mit Barometern, Hygrometern und Thermometern
ausgestattet. Damit konnten meteorologische Beobachtungen aus allen
Weltmeeren von Grönland bis Australien gewonnen werden, was zur
Optimierung von Routen in der Seeschifffahrt führte. Beobachtungen an
Land wurden ab 1868 an mehreren Hauptobservatorien durchgeführt,
unter anderem Kew (London), Falmouth (Cornwall), Stonyhurst
(Nordengland), Aberdeen, Glasgow (beide Schottland) und Armagh
(Nordirland). Die meteorologische Gesellschaft (heute Royal
Meteorological Society) koordinierte die Sammlung der
meteorologischen Daten. Diese waren maßgeblich für die spätere
Theorie der Bildung der Kaltfront der Bergener Schule in Norwegen.
Ein Hauptaugenmerk des meteorologischen Dienstes war die
Sturmvorhersage für die Seeschifffahrt. Eine erste Sturmwarnung wurde
1868 veröffentlicht. Diese Prognosen existieren bis heute und sind
unter dem Namen Shipping Forecast (Seewetterdienst) bekannt.
Wetterprognosen wurden wieder ab 1879 erstellt. Erwähnenswert ist,
dass Niederschlagsmessungen unabhängig davon durch die 1859
gegründete "British Rainfall Organization" durchgeführt wurden. Deren
Messnetz wuchs zwischen 1862 und 1903 von 453 auf 4200 Stationen.
1911 wurden erstmals im Seewetterdienst Vorhersagegebiete als
Seegebiete definiert. 1919 wurde die Niederschlagsmessung in den
britischen Wetterdienst integriert.
In Belgien waren die wichtigsten meteorologischen Aktivitäten am
Königlichen Astronomischen Observatorium in Brüssel konzentriert.
Dessen Direktor, der belgische Astronom und Statistiker Adolphe
Quetelet (1796-1874) stellte 1823 fest, dass es unmöglich sei,
astronomische Beobachtungen ohne Kenntnisse der Struktur von Erde und
Atmosphäre zu analysieren. 1833 starteten dort meteorologische
Messungen und 1839 folgten phänologische Beobachtungen. Quetelet
versuchte, statistische Erkenntnisse auf den Gebieten der
Meteorologie und des Erdmagnetismus anzuwenden. Er veröffentlichte
zwischen 1845 und 1857 eine ausführliche Monographie zum Klima von
Belgien. Sein Nachfolger, der belgische Astronom, Geograph und
Biologe Jean-Charles Houzeau (1820-1888) gründete 1878 ein Messnetz
aus meteorologischen und klimatologischen Stationen, welches
regelmäßige Beobachtungsdaten hoher Qualität lieferte. 1898 begann
der meteorologische Dienst des Brüsseler Observatoriums als eigene
Institution zu arbeiten. Erster Direktor war der belgische Astronom
und Meteorologe Albert Lancaster (1849-1908).
Unter Leitung des niederländischen Wissenschaftlers Christoph Buys
Ballot (1817-1890) starteten nach dem Bau eines kleinen
meteorologischen Observatoriums auf der Bastion Sonnenborgh in
Utrecht 1847 meteorologische Messungen im Staatsgebiet der
Niederlande. Dieses Observatorium wurde 1854 zum
Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI), dessen
Direktor Ballot bis zu seinem Lebensende blieb. 1854 startete ein
kleines Messnetz mit vier Stationen in Utrecht, Groningen, Gelder und
Vlissingen mit je drei täglichen Wetterbeobachtungen, das schnell
ausgebaut wurde. Durch diese Beobachtungen erkannte man den
Zusammenhang zwischen Luftdruck und Windrichtung, wodurch Ballot 1857
das Barische Windgesetz (Gesetz von Buys-Ballot) formulieren konnte.
Durch verschiedene Kolonien besonders in Südostasien bestand reges
Interesse, meteorologische Beobachtungen auf Schiffen durchzuführen.
Ab 1856 wurden maritim-meteorologische Karten publiziert. Ballot
ergänzte sein Messnetz um internationale Stationen und unterstützte
die Einrichtung von Forschungsstationen rund um die Polarregionen im
Rahmen eines Polarjahres. Ballot gilt als Begründer der Meteorologie
in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung.
Unter der Leitung des niederländischen Meteorologen Maurits Snellen
(1840-1907) wurde 1897 das KNMI an seinen heutigen Standort in De
Bilt verlegt.
Die Bildung eines meteorologischen Netzwerkes in den deutschen
Staaten wurde durch die politische Zersplitterung im 19. Jahrhundert
stark erschwert und unterblieb daher.
Der preußische Meteorologe, Geograph und Statistiker Wilhelm Mahlmann
(1812-1848) organisierte 1846 ein vorläufiges, 35 Stationen
umfassendes meteorologisches Beobachtungsnetz in Preußen. 1847 wurde
das Königlich Preußische Meteorologische Institut (PMI) als Abteilung
des Preußischen Statistischen Instituts gegründet, welches als
meteorologische Zentralstelle des Beobachtungsmessnetzes diente. Die
wesentlichen wissenschaftlichen Aktivitäten wurden von dem
preußischen Geographen Alexander von Humboldt (1769-1859)
koordiniert. Der Schwerpunkt der Forschung lag auf der
Agrarmeteorologie. 1849 wurde der Physiker und Meteorologe Heinrich
Wilhelm Dove (1803-1879) aus Schlesien Institutsdirektor. Dove
stellte das nach ihm benannte Gesetz der Drehung der Winde auf und
gilt als Begründer der heutigen Wissenschaft der Meteorologie und der
Wettervorhersage. Er veröffentlichte 1828 Wetterkarten, die
Windbewegungen an stürmischen Tagen zwischen 1821 und 1823 zeigen.
1865 wurde in Berlin eine "Zentralstelle für Sturmwarnungen"
eingerichtet. Eine intensivere Mitwirkung des Preußischen
Meteorologischen Instituts an der internationalen Entwicklung kam
erst wieder unter dem Meteorologen und Klimatologen Gustav Hellmann
(1854-1939) aus Schlesien, der von 1882 bis 1885 als Interimsleiter
eingesetzt war, sowie dem bayerischen Physiker und Meteorologen
Wilhelm von Bezold (1837-1907), der von 1885 bis 1907 im Deutschen
Reich ordentlicher Leiter des Instituts war, zustande. 1891 wurde das
Observatorium in Potsdam fertiggestellt. Erdmagnetmessungen starteten
1890, meteorologische Messungen folgten ab 1893. Erster Direktor
wurde der preußische Meteorologe Adolf Sprung (1848-1909).
1867 wurde in Hamburg durch den Mathematiker und Ozeanographen
Wilhelm von Freeden (1822-1894) aus Ostfriesland die Norddeutsche
Seewarte gegründet. Sie und ihr Nachfolger, die 1875 gegründete
Deutsche Seewarte, war eine Zentralanstalt zur Förderung der
maritimen Meteorologie im Deutschen Reich. Erster Direktor wurde der
aus der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher
Georg von Neumayer (1826-1909). Der Deutschen Seewarte oblag der 1875
neu geschaffene Seewetterdienst, den der russisch-deutsche Geograph
und Meteorologe Wladimir Köppen (1846-1940) leitete. Die Deutsche
Seewarte koordinierte die Forschung der maritimen Meteorologie sowie
die Sammlung von Beobachtungen über physikalische Verhältnisse des
Meeres und die meteorologischen Erscheinungen auf hoher See, die in
Schiffsjournalen (Logbücher) durch die Schiffskapitäne erfasst
wurden. Die Prüfung meteorologischer Messinstrumente sowie
Chronometer und ab 1906 die Bearbeitung der Küstenmeteorologie und
des Sturmwarnungswesens waren ebenfalls wesentliche Arbeitsinhalte
der Deutschen Seewarte. Dazu wurden Zweigniederlassungen,
Nebenstellen und Überseestationen aufgebaut. Ab 1876 wurden tägliche
Wetterkarten veröffentlicht. Die Deutsche Seewarte gilt als Vorgänger
des Deutschen Wetterdienstes.
In Bayern hatte der bayerische Naturforscher Gabriel Knogler
(1759-1838) ab 1798 die Leitung des meteorologischen Observatoriums
und die erste Professur für Meteorologie an der Kurfürstlichen
Baier'schen Landesuniversität zu Landshut inne. Er gab 1802 das erste
deutsche meteorologische Lehrbuch "Die Meteorologie" heraus. 1879
wurde die Königlich Bayerische Meteorologische Centralstation in
München gegründet. Im selben Jahr begannen meteorologische Messungen.
1882 gab es in Bayern 45 Wetterstationen. 1883 richtete der
bayerische Meteorologe Fritz Erk (1857-1909) eine meteorologische
Bergstation auf dem Wendelstein ein. 1893 wurde er Direktor der
Centralstation. 1900 richtete er auch die Wetterwarte auf der
Zugspitze ein. 1910 übernahm der deutsche Physiker, Meteorologe und
Klimatologe August Schmauß (1877-1954) die Leitung der Centralstation
von Erk. 1917 wurde die Centralstation in Bayerische
Landeswetterwarte umbenannt.
Auch in anderen damaligen deutschen Ländern wurden Wetterstationen
eingerichtet. 1882 gab es beispielsweise in Württemberg 24 und in
Baden 16 meteorologische Stationen.
Für die Einrichtung eines Wetterdienstes in Norwegen spielte der
große Bedarf an Wetterberichten für die riesigen Fischereiflotten und
Handelsschiffe eine entscheidende Rolle. Der Leiter des
Telegraphendienstes, der norwegische Regierungsbeamte Carsten Tank
Nielsen (1818-1892), stattete 1860 fünf seiner Stationen mit
meteorologischen Instrumenten aus. Von diesen Stationen aus wurden
Berichte per Telegraph nach Christiania (dem heutigen Oslo) und an
das Pariser Observatorium gesendet, das zu dieser Zeit begann,
regelmäßige Wettervorhersagen zu erstellen. Der Wetterbeobachter an
der Sternwarte in Christiania war 1864 der norwegische Meteorologe
und Ozeanograph Henrik Mohn (1835-1916). Er sandte der
Polytechnischen Gesellschaft einen Bericht mit dem Titel "Moderne
Meteorologie und Wettervorhersage". Daraufhin begannen Vorbereitungen
zur Gründung eines Departments für Meteorologie an der Universität
Christiania. Das Meteorologische Institut wurde 1866 gegründet und
Mohn wurde zum ersten Direktor bestellt. Er erhöhte rasch die Anzahl
der Wetterstationen. Die dort gesammelten Daten erlaubten
klimatologische Studien, die Mohn als "Klimaatlas für Norwegen" 1916
publizierte. Mohn gilt als Begründer der Meteorologie und
Ozeanographie in Norwegen. 1870 wurde der "Sturmatlas des
Norwegischen Meteorologischen Institutes" veröffentlicht. Das
meteorologische Observatorium in Christiania wurde 1906 eröffnet.
Neben anderen Messungen wurden dort auch Messungen der
atmosphärischen Elektrizität durchgeführt. Um den Zustand der
Atmosphäre in verschiedenen Höhen zu untersuchen, wurden 1909 in
Christiania Messungen mit Versuchsballons aufgenommen.
Erste meteorologische Messungen in Schweden wurden 1722 am
Observatorium in Uppsala durchgeführt. Diese Daten wurden erst 1855
veröffentlicht. Das erste meteorologische Netzwerk wurde auf
Initiative des schwedischen Physikers und Meteorologen Erik Edlund
(1819-1888) innerhalb der Schwedischen Akademie der Wissenschaften
1856 bis 1858 eingerichtet. Die Akademie gründete 1873 das Zentrale
Meteorologische Institut (Meteorologiska Centralanstalt) in
Stockholm. Erster Direktor wurde Edlund. Das Messnetz bestand 1879
aus 32 Wetterstationen. Die Schwedische Gesellschaft für
Landwirtschaft gründete 1876 ein Niederschlagsmessnetz mit über 200
Stationen. Der Direktor des Observatoriums in Uppsala, der
schwedische Meteorologe Hugo Hildebrand Hildebrandsson (1838-1925),
hat hierzu einen besonderen Beitrag geleistet. Zu den Messungen und
Beobachtungen gehörten: Gewitterwolken, Hagelschäden, nächtliche
Herbst- und Frühlingsfröste sowie das Auftauen und Zufrieren vieler
Flüsse und Seen in Schweden. Insbesondere wurden erstmals
Mikroklimamessungen der Lufttemperatur in verschiedenen Höhen über
dem Boden durchgeführt. Die Bewegungen von Cirrus-Wolken wurden
beobachtet. Hildebrandsson organisierte solche Wolkenbewegungen an 21
Stationen, um die Luftströmungen in der Höhe zu untersuchen.
Hildebrandsson war maßgeblich an der Klassifizierung Wolken beteiligt
und gilt als Entdecker der Southern Oscillation, da ihm erstmals
Zusammenhänge der Luftdruckschwankungen zwischen Sydney und Buenos
Aires aufgefallen waren. 1878 wurde in Stockholm eine kleine
Abteilung für nautische Meteorologie (Nautisk Meteorologiska Buran)
gegründet. Die Messungen wurden auf einer kleinen Anzahl von Schiffen
während der Fahrt über den Atlantik durchgeführt. 1880 wurden die
ersten Wettervorhersagen veröffentlicht. 1908 wurde ein
hydrographischer Dienst gegründet, der insbesondere im Bereich der
Niederschläge und der Schneebedeckung eng mit dem Zentralen
Meteorologischen Institut kooperierte.
Der spanische Mediziner Francisco Fernandez Navarrete (1680-1742)
schlug 1737 vor, ein meteorologisches Beobachtungsnetz in Spanien zu
errichten. Beobachtungsberichte sollten an die Königliche Akademie
für Medizin in Madrid gesendet werden. Es gingen nur wenige Berichte
ein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahmen astronomische und
meteorologische Aspekte beim Militär und in der Marine Spaniens einen
höheren Stellenwert ein. Der Seefahrer Alessandro Malaspina di
Mulazzo (1754-1809) aus der Toskana und der Generalkapitän der
dortigen Marine, der spanische Marineoffizier Pedro Fitz-James Stuart
(1720-1791), legten 1790 einen Vorschlag zur Einrichtung eines
Netzwerks von Wetterbeobachtungsstationen vor. In diesem wurden nur
Wetterbeobachtungen von 1814 bis 1834 zusammengetragen und keine
Messungen, was den wissenschaftlichen Wert schmälerte. 1847 wurde das
Astronomische Observatorium Madrid fertiggestellt, welches als
meteorologisches Zentrum für Spanien galt. 1850 wurde ein Messnetz
mit 23 Wetterstationen eingerichtet, deren Organisationsgrad ab 1858
durch die Junta de Estadistica, die Statistische Kommission,
verbessert wurden. 1874 begannen systematische Wetterbeobachtungen
und Messungen auf Schiffen.
In Portugal wurden zwischen November 1724 und Januar 1725 erstmals
täglich mit Instrumenten gemessene Wetterdaten in Lissabon durch den
portugiesischen Mediziner Diogo Nunes Ribeiro (1668-1744)
aufgezeichnet. Am 19. November 1724 traf ein schwerer Sturm Lissabon,
was in den Aufzeichnungen mit einem Druckfall des Barometers von 37
hPa in 26 Stunden ablesbar war. Aus Funchal auf Madeira liegen
Aufzeichnungen von Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zwischen
1749 und 1753 vor, die der englische Mediziner Thomas Heberden
(1703-1769) durchführte. 1853 wurde das erste Meteorologische und
Geophysikalische Observatorium an der Polytechnischen Schule auf
Vorschlag des portugiesischen Mathematikers Guilherme Pegado
(1803-1885) gegründet, der dann zum ersten Direktor bestellt wurde.
Er schlug die Etablierung eines Messnetzes vor und 1854 starteten
systematische Messungen. 1856 wurde das Observatorium in den heute
noch bekannten Namen Observatorium des Institutes Dom Luis umbenannt.
Neben meteorologischen Beobachtungsreihen war Pegado auch an
Messungen des Erdmagnetismus und atmosphärischer Elektrizität
interessiert. 1865 wurden Wetterstationen auf den Azoren und auf
Madeira eröffnet. Ab 1865 wurden Wettervorhersagen für Portugal
erstellt, ab 1882 wurden Analysekarten veröffentlicht, die die
Wettersituation darstellten. Verbindungen zu meteorologischen
Beobachtungen durch Stationen in Kolonien wie Macau und Angola waren
mit Schwierigkeiten verbunden. Schwerpunkte meteorologischer
Forschung verlagerten sich zum Atlantik. 1901 begann ein unabhängiger
meteorologischer Dienst auf den Azoren. Nach Eingliederung der
Polytechnischen Schule in die Fakultät für Naturwissenschaften der
Universität Lissabon war das nun bezeichnete Zentrale Meteorologische
Observatorium für den nationalen Klimadient verantwortlich. 1937
wurde der portugiesische Physiker Herculano Amorim Ferreira
(1895-1974) von den Azoren zum Direktor des Observatoriums bestellt.
Er erweiterte die meteorologischen Aufgaben des Observatoriums. 1946
wurde der nationale meteorologische Wetterdienst gegründet, dessen
erster Direktor Ferreira wurde.
Über frühe meteorologische Messungen in Dänemark liegen nur wenige
Erkenntnisse vor. 1742 wurde die Königliche Dänische Akademie der
Wissenschaften gegründet, die kurz darauf erste meteorologische
Messungen am Rundetaarn-Observatorium in Kopenhagen veranlasste.
Erste systematische meteorologische Beobachtungen liegen für
Kopenhagen ab 1768 vor. Der dänische Physiker und Chemiker und
Naturphilosoph Hans Christian Oersted (1777-1851) schlug 1820 vor,
dass systematische Beobachtungen meteorologischer Bedingungen in
Dänemark durchgeführt werden sollten. Doch erst nach einem berühmten
Ereignis während des Krimkriegs 1854, als ein Sturm die
englisch-französische Flotte überraschte (siehe auch im Abschnitt zu
Frankreich oben), kam Bewegung in die Sache. Auf Initiative des
dänischen Physikers und Ingenieurs Ludwig August Colding (1815-1888)
wurde 1872 das Dänische Meteorologische Institut gegründet. Colding
forschte besonders zur Wärmelehre, er veröffentlichte auch ein Werk
über tropische Zyklonen. Das Institut hatte unter seinem ersten
Leiter, dem dänischen Meteorologen Niels Hoffmeyer (1836-1884),
anfangs vier Mitarbeiter und sollte Beobachtungsdaten beschaffen,
diese an die Öffentlichkeit verbreiten und die Meteorologie
wissenschaftlich weiterentwickeln. Hoffmeyer erwarb sich wesentliche
Verdienste durch die Zusammenstellung synoptischer Wetterkarten und
durch die Untersuchung der Einwirkung und Verteilung von Land und
Wasser auf Temperatur und Luftdruck an skandinavischen Küsten. 1873
wurden erstmals meteorologische Messungen auf Bornholm und 1874 auf
Jütland durchgeführt. Auf den Färöer-Inseln wurde eine Wetterstation
in Torshavn 1873 in Betrieb genommen. Seit dieser Zeit liegen
Temperaturdaten vor, Niederschlagsdaten folgen ab 1890. Auf Grönland
wurde die erste Wetterstation in Godthaab (Nuuk) 1784 errichtet. 1807
folgten weitere in Jakobshavn (Ilulissat) in West- und Julianehaab
(Qaqortoq) in Südgrönland. Die erste Wetterstation in
Nordwestgrönland startete 1873 in Upernarvik mit Messungen. Aus
Ostgrönland liegen seit 1895 durch die Wetterstation Ammassalik
(Tasiilaq) Messdaten vor. Nordgrönland folgte erst 1948 mit einer
Wetterstation in Pituffik.
Island gehörte lange Zeit zu Dänemark. Im 17. und 18. Jahrhundert war
es nur wenigen Isländern vergönnt, eine naturwissenschaftliche
akademische Ausbildung in Kopenhagen zu erlangen. Die Royal Society
in London schickte 1664 ein Thermometer nach Island. Nur in einem
Brief aus dieser Zeit wurde es erwähnt und somit ist unklar,
inwieweit es eingesetzt wurde. Ungünstige Wetterbedingungen und
Meereisverhältnisse führten wiederholt zu Hungerkatastrophen auf
Island. Die ersten Wetterbeobachtungen führte der dänische Jurist
Niels Horrebow (1712-1760) während eines Islandaufenthaltes von
August 1749 bis zum Juli 1751 in Bessastadhir durch. Horrebow
veröffentlichte das Werk "Tilforladelige efterretninger om Island"
(Die Naturgeschichte von Island). 1779 errichtete die Königlich
Dänische Akademie der Wissenschaften ein erstes meteorologisches und
astronomisches Observatorium in Lambhus nahe Reykjavik. Daneben gab
es meteorologische Messungen durch Privatpersonen, beispielsweise
durch den isländischen Schriftsteller und Distriktverwalter Magnus
Ketilsson (1732-1803) zwischen 1779 und 1802 in Budhardalur sowie den
isländischen Mediziner und Naturforscher Sveinn Palsson (1762-1840)
zwischen 1798 und 1812 im Süden Islands. Palsson veröffentlichte ein
grundlegendes Werk zur isländischen Glaziologie und Vulkanologie.
1807 wurde eine Wetterstation im Norden Islands in Akureyri eröffnet
und eine siebenjährige Messreihe begann. Der isländische Mediziner
Jon Thorsteinsson Thorstensen (1794-1855) führte 1820 bis 1854 in
Zusammenarbeit mit der Königlich Dänischen Akademie der
Wissenschaften meteorologische Messungen in Reykjavik durch. Der
isländische Handels- und Heimatwissenschaftler Arni Olafsson
Thorlacius (1802-1891) führte von 1845 bis 1891 Messungen von
Temperatur, Luftdruck und Niederschlag in Stykkisholmur durch, was
den Beginn systematischer Messungen in Island markierte. 1920, zwei
Jahre nach der Unabhängigkeit Islands, wurde Vedhurstofa Islands, der
Isländische Meteorologische Dienst, gegründet. Erster Direktor wurde
der isländische Physiker und Meteorologe Thorkell Thorkelsson
(1876-1961).
Im nächsten Teil dieser Serie wird dieselbe Entwicklung im östlichen
und südlichen Teil Europas beleuchtet.
Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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