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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte
öffnet
Es gibt einige bekannte Wettergötter und -propheten, denen man
bestimmte Eigenschaften nachsagt. In diesem Zuge wird häufig auch
Petrus genannt, obwohl er ja gar keine Gottheit oder ein Prophet im
eigentlichen Sinne ist. Was er aber mit dem Wetter "zu tun hat", soll
im heutigen Thema des Tages näher beleuchtet werden.
"Petrus meint es aktuell sehr gut mit uns" hört und hörte man in den
vergangenen Tagen häufiger, wenn es um das sonnenscheinreiche,
freundliche und milde Wetter geht, das von einer großen Beständigkeit
geprägt ist. Dennoch kam dem Autor dieser Zeilen die Frage auf, was
Petrus denn eigentlich mit dem Wetter zu tun hat, obwohl er ja gar
kein Wettergott im eigentlichen Sinne, wie etwa Zeus, ist. Und daran
schließt sich gleich die Frage an, wofür andere Wettergötter so
verantwortlich sind, was den Auftakt zu einer neuen Serie beim Thema
des Tages machen soll.
Heute soll es also erstmal um Petrus gehen, der vor allem im
Christentum für das Wetter "zuständig" sei.
Simon Petrus lebte bis etwa 65 n. Chr. und war ein Apostel und Jünger
Jesu gewesen, der als einer der ersten in die Nachfolge Jesu berufen
wurde und zugleich als ein "Sprecher" der Jünger fungierte. Schon
hieraus wird seine insgesamt erhobene Stellung deutlich, die darin
gipfelt, dass er als der erste Bischof von Rom und damit als der
erste Papst im römisch-katholischen Christentum gilt. Mit Wetter hat
all dies auf den ersten Blick aber erstmal wenig zu tun.
Daher muss zunächst auf die Tatsache geschaut werden, dass Petrus
quasi als "Chef" der Jünger galt und Chefs gemeinhin eine große
Verantwortung haben. So wird Petrus auch als der Pförtner im Himmel
angesehen, der damit für alles verantwortlich ist, was vom Himmel
kommt und in den Himmel geht. Dies geht etwa aus dem
Matthäus-Evangelium (16,19) hervor, in dem es heißt: "Ich werde dir
die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein." Neben der damit übertragenen Macht
und Autorität hat sich möglicherweise auch deswegen im (christlichen)
Sprachgebrauch die Redewendung etabliert, dass Petrus seine Pforten
öffnet, wenn es etwa in Strömen regnet. Daraus entwickelte sich dann
mit der Zeit die allgemeine Verantwortung von Simon Petrus für das
Wetter, sodass auch im Christentum, wie übrigens in sämtlichen
anderen Kulturen, eine Gottheit oder Instanz für das Wetter zuständig
zeigen soll.
Zwar gibt es auch noch andere Erklärversuche, wieso für Christen
ausgerechnet Petrus für das Wetter verantwortlich sei, doch diese
sind nicht mehr so naheliegend wie das Bild des verantwortungsvollen
Himmelspförtners. Beispielsweise wird in manchen Publikationen auch
Petrus mit Moses gleichgesetzt, der zu seiner Zeit Wasser aus einem
Felsen entspringen ließ oder das Rote Meer teilte, wobei hier der
meteorologische Bezug eher fehlt.
Zum Abschluss seien noch die bekanntesten Bauernregeln vorgestellt,
die auf Petrus" Verantwortung für das Wetter zurückgehen. Viele
gründen dabei auf den 22. Februar, an dem Petri Stuhlfeier zelebriert
wird.
So heißt es beispielsweise "Wenn`s friert auf Petri Stuhlfeier,
frierts noch vierzehnmal heuer" oder "Ist Petri Stuhlfeier kalt, hat
der Winter noch vierzig Tage Gewalt". Aber auch für gutes, warmes
Wetter gibt es diesbezügliche Bauernregeln, wie "Nach der Kälte der
Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft" oder "Wenn zu St.
Petri die Bäche sind offen, wird später kein Eis mehr auf ihnen
getroffen".
Sie sehen, vieles beim Wetter wurde früher Petrus zugeschrieben und
noch heute ist er im Sprachgebrauch fest verankert, so wie manch
andere Wettergötter auch. Diese sollen in späteren Themen des Tages
ebenfalls näher betrachtet werden.
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Hagelereignisse in Deutschland
Gerade im Frühjahr und im Sommer treten in Deutschland immer wieder
schwere Gewitter mit Hagel auf, der innerhalb von wenigen Minuten
große Schäden anrichten kann. Dabei gibt es deutliche räumliche
Unterschiede in der Häufigkeit solcher Ereignisse. Zudem hat auch der
Klimawandel Einfluss auf deren Intensität, Häufigkeit und räumliche
Verteilung.
Auch wenn aktuell über Mitteleuropa weitgehend ruhiges
Hochdruckwetter vorherrscht, steht uns die Gewittersaison 2026
unmittelbar bevor - und damit steigt auch die Hagelgefahr. Eine
kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass im Zeitraum von 2005 bis
2024 die meisten Hagelstürme in Deutschland zwischen Mai und August
auftraten. Grundlage der Untersuchung waren Radardaten des Deutschen
Wetterdienstes, aus denen potenzielle Hagelzüge abgeleitet wurden.
Dabei zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Dieses lässt sich
sowohl durch die orographischen Gegebenheiten als auch durch den
höheren Energiegehalt der Troposphäre im Süden erklären, der im
klimatologischen Mittel im Frühling und Sommer ausgeprägter ist. Ein
Schwerpunkt zeigt sich südlich von Stuttgart entlang der Schwäbischen
Alb und im Alpenvorland. In diesen Regionen beeinflusst die
Topographie von Schwarzwald, Schwäbische Alb und den Alpen maßgeblich
die Entstehung von kräftigen Gewittern, die Hagel produzieren können.
Im Lee der Gebirge bilden sich häufig lokale Konvergenzen aus, an
denen Luftmassen zusammenströmen. Diese Konvergenzen sind oftmals die
Brutstätte für schwere Gewitter mit Hagel. Da bei den meisten
schweren Gewitterlagen eine südwestliche Strömung vorherrscht, sind
diese Regionen besonders anfällig. Dort treten Hagelereignisse nicht
nur vergleichsweise häufig auf, sondern auch überdurchschnittlich
viele Fälle mit großem Hagel. In Erinnerung ist bei einigen in diesem
Zusammenhang sicherlich das Hagelunwetter von Reutlingen aus dem Jahr
2013 geblieben. Am 27 Juli sorgte damals eine Superzelle mit großem
Hagel entlang der Schwäbischen Alb für massive Schäden an der
Infrastruktur und in der Landwirtschaft.
Da zur Ausbildung von Hagelstürmen neben einer feuchtwarmen
energiereichen Luftmasse auch ein Hebungsantrieb vorhanden sein muss,
hat die Wetterlage einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten
solcher Ereignisse. Die Studie zeigt, dass etwa 50 Prozent dieser
Stürme in diesem Zeitraum in Verbindung mit blockierenden Wetterlagen
auftraten. Solche Lagen führen durch langsam ziehende Druckgebilde
häufig zu Serien von Hagelstürmen über mehrere Tage. Dabei
kristallisiert sich heraus, dass solche Episoden mit einer Periode
von Hagelstürmen gefolgt von längeren Ruhephasen häufiger geworden
sind. Das am häufigsten dominierende Wetterregime war eine
skandinavische Blockierungslage mit einem kräftigen nahezu
stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien und gleichzeitig tiefen
Luftdruck im Bereich des Mittelmeerraums. Betrachtet man die
räumlichen Unterschiede innerhalb von Deutschland, so zeigt sich
lediglich im Süden eine Zunahme in der Hagelhäufigkeit. In der Mitte
und im Norden ist eine Tendenz zu weniger Ereignissen erkennbar. Dies
steht im Widerspruch zur verbreiteten Annahme, dass aufgrund des
Anstiegs der Temperatur und Feuchtigkeit automatisch mehr schwere
Gewitter auftreten.
Da die physikalischen Vorgänge in der Atmosphäre allerdings weitaus
vielschichtiger sind, können veränderte atmosphärische Strömungen,
der Aerosolgehalt in der Troposphäre oder der Anstieg der
Nullgradgrenze einen negativen Trend in der Häufigkeit erklären. Die
Ausbildung von Gewittern mit Hagel bleibt ein komplexes Thema,
welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wodurch
sich räumlich kein einheitliches Bild ergibt.
In den kommenden Tagen bleibt uns das ruhige Hochdruckwetter
weitgehend erhalten. Lediglich am Dienstagabend besteht im
Zusammenhang mit einem schwach ausgeprägten Höhentief über dem
süddeutschen Bergland ein geringes Schauer- und Gewitterrisiko.
Schwere Gewitter mit Hagel werden jedoch nicht erwartet!
Damit bleibt abzuwarten, wo die Gewitter ? und Hagelschwerpunkte in
dieser Saison liegen werden.
(Die Bilder und Links zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)
M.Sc. Met. Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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