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Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Sonnenscheinreiches Jahr 2026 - Erste Zwischenbilanz


In diesem Jahr machte die Sonne bisher viele Überstunden. Heute
betrachten wir, wie außergewöhnlich das bisherige Jahr in Bezug auf
Sonnenschein war und ob es möglicherweise sogar ein Rekordjahr werden
könnte.


Die Sonne zeigte sich in diesem Jahr über Deutschland mal wieder
ungewöhnlich oft am Himmel. Somit wird das Jahr 2026 nicht nur wegen
der vielen und teils extremen sommerlichen Hitzeperioden mit einem
neuen deutschen Temperaturrekord in die Geschichte eingehen.
Voraussichtlich wird es auch als eines der sonnigsten Jahre in den
Statistiken auftauchen. Gut zwei Drittel des Jahres liegen bereits
hinter uns. Da die Nächte nun wieder länger und die Tage zunehmend
wolkenreicher werden, haben wir statistisch betrachtet schon über 80
% des jährlichen Sonnenscheins abbekommen. Damit ist es an der Zeit,
eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

In den ersten acht Monaten (Januar bis August) schien die Sonne im
bundesweiten Durchschnitt schon 1592 Stunden. Verglichen mit dem
vieljährigen Mittel aus den Jahren 1991-2020 (1303 Stunden) ist das
ein Plus von 22,2 %, bezogen auf die Periode 1961-1990 (1195 Stunden)
sogar ein Plus von 33,2 %. Die Sonne schien also im aktuellen Jahr
bis zu jenem Zeitpunkt deutlich häufiger als in durchschnittlichen
Jahren. Abbildung 1 verdeutlicht eindrucksvoll, dass mit Ausnahme des
Februars in allen weiteren Monaten die Sonne eine fleißige
Mitarbeiterin war, die zahlreiche Überstunden machte. Vor allem in
den Monaten März, April und Juli überragen die gelben Balken des
Jahres 2026 die vieljährigen Mittelwerte (graue Balken) deutlich.

Sollte sich dieser Trend in den noch verbleibenden dreieinhalb
Monaten fortsetzen, könnte 2026 eines der sonnenscheinreichsten Jahre
seit Messbeginn im Jahre 1951 werden. Vergleichen wir dazu das Jahr
2026 mit den bisherigen "Top 3" der 75-jährigen Messreihe. Das
bislang sonnigste Jahr liegt erst vier Jahre zurück. Im Jahr 2022
schien die Sonne im deutschlandweiten Flächenmittel durchschnittlich
2024 Stunden. Auch in den Jahren 2018 und 2003 - letzteres bekannt
durch den Jahrhundertsommer - wurde die 2000-Stunden-Marke
übertroffen (2018: 2015 Stunden, 2003: 2014 Stunden). Hinter diesen
außergewöhnlich sonnigen Jahren rangieren auf den Plätzen vier und
fünf mit etwas Abstand das Jahr 1959 mit 1984 Stunden und das
vergangene Jahr 2025 mit 1914 Stunden.

Nimmt man die knapp 90 Sonnenstunden, die in der ersten
Septemberhälfte bereits gemessen wurden, noch dazu, landen wir
bereits bei 1681 Stunden. Damit wurde das vieljährige Mittel von 1665
Sonnenstunden der aktuellen Referenzperiode 1991-2020, bezogen auf
das gesamte (!) Jahr, bereits vor wenigen Tagen übertroffen
(Abbildung 2)! Vergleicht man diesen Wert mit jenen aus den genannten
"Top 5" im selben Zeitraum, stellt man fest, dass nur im Rekordjahr
2022 die Sonne mit 1704 Stunden etwa 23 Stunden länger schien. Unser
aktuelles Jahr liegt also zum jetzigen Zeitpunkt auf Platz 2. Damit
stehen die Chancen also nicht schlecht, dass 2026 einen Platz auf dem
Treppchen ergattern oder 2022 sogar vom Thron stoßen könnte. Ein
Platz unter den "Top 5" erscheint aus heutiger Sicht durchaus
wahrscheinlich. Auf welchem Platz das aktuelle Jahr am 31. Dezember
stehen wird, hängt vor allem vom Wetterverlauf in der zweiten
Septemberhälfte und im Oktober ab. In diesem Zeitraum können bei
sonnigen Hochdrucklagen noch reichlich Sonnenstunden gesammelt
werden. In den Monaten November und Dezember scheint die Sonne
hingegen durchschnittlich nur noch weniger als 100 Stunden, da die
dunklen Nächte zu dieser Zeit am längsten sind und auch bei Hochdruck
der Himmel oft von Wolken, Nebel und Hochnebel bedeckt ist.

Falls Ihnen beim Lesen aufgefallen sein sollte, dass häufig Jahre aus
dem aktuellen Millennium genannt wurden, trügt der Schein nicht.
Statistische Auswertungen belegen nämlich, dass die Anzahl der
gemessenen Sonnenstunden über Deutschland in den letzten Jahrzehnten
deutlich zugenommen hat. Vor allem im Zeitraum von etwa 1975 bis 1990
schien die Sonne über Deutschland deutlich seltener als heutzutage
(Abbildung 3). Ab den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nahmen
die Sonnenstunden über Deutschland signifikant zu, was die schwarzen
Trendlinien in Abbildung 3 belegen. Bezogen auf den Referenzzeitraum
1961-1990 (linkes Diagramm) lagen seit dem Jahr 2000 gerade einmal
vier Jahre minimal unter dem Mittelwert von 1544 Sonnenstunden (graue
Säulen), während sich alle weiteren Jahre zum Teil erheblich darüber
befanden (gelbe Säulen). Dieser Referenzzeitraum ist also für heutige
Verhältnisse nicht mehr repräsentativ. Selbst bei der neueren
Referenzperiode 1991-2020 (rechtes Diagramm) fällt auf, dass seit
2018 nur das Jahr 2021 eine unterdurchschnittliche und 2024 eine etwa
durchschnittliche Anzahl an Sonnenstunden aufwiesen. Auch ein Blick
auf die "Top 10" der sonnigsten Jahre belegt diesen Trend. Acht der
der zehn sonnigsten Jahre in Deutschland seit 1951 wurden nach 2000
gemessen. Dieses Jahr wird sich ebenfalls in diese Riege einreihen.
Dass der 2022 aufgestellte Sonnenscheinrekord in diesem Jahr schon
wieder wackelt, ist also kein reiner Zufall.

Neben der offiziellen Jahresbilanz, die Ende 2026 vom DWD als
Pressemitteilung veröffentlicht wird, werden wir zu Beginn des Jahres
2027 auch an dieser Stelle nochmals im Detail bezüglich Sonnenstunden
Bilanz ziehen und bekanntgeben, welchen Platz das Jahr 2026 einnehmen
wird.

Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!


Der klimatologische Höhepunkt der diesjährigen Hurrikan-Saison ist
inzwischen erreicht. Dennoch konnte sich auf dem Atlantik bisher noch
kein einziger Hurrikan entwickeln. Warum ist die tropische
Wirbelsturmaktivität dort in diesem Jahr so ungewöhnlich gering?


Während im östlichen Pazifik bereits drei starke Hurrikane der
Kategorie 3 oder höher beobachtet wurden, blieb der Atlantik bislang
von einem Hurrikan verschont. Die jüngste tropische Aktivität
konzentrierte sich von Ende August bis Anfang September auf den Golf
von Mexiko. Dort entwickelte sich Tropensturm EDOUARD, der
anschließend an der Golfküste zwischen Louisiana und Texas an Land
ging und sich über dem Festland rasch abschwächte. Der Sturm
erreichte während seiner relativ kurzen Lebensdauer einen minimalen
Kerndruck von etwa 998 hPa und maximale Windgeschwindigkeiten von 85
bis 100 km/h. Damit blieb EDOUARD deutlich hinter der Intensität
zurück, die starke Hurrikane im Atlantik erreichen können.

Bereits wenige Tage zuvor hatte sich über dem zentralen Atlantik
DOLLY zu einem Tropensturm entwickelt. Auch dieses System konnte sich
jedoch nicht nachhaltig verstärken und löste sich unter zunehmend
ungünstigen atmosphärischen Bedingungen innerhalb von 24 Stunden
wieder auf. Seit dem 3. September ist der Atlantik nun komplett frei
von Tropenstürmen und Hurrikans.

Ein wesentlicher Grund für die derzeit geringe Aktivität ist die
ausgeprägte vertikale Windscherung. Dabei unterscheiden sich
Windgeschwindigkeit und Windrichtung zwischen der unteren und der
oberen Troposphäre deutlich. Während in der oberen Troposphäre über
dem mittleren Atlantik teils kräftige Westwinde vorherrschen, wehen
in der unteren Troposphäre überwiegend eher schwach ausgeprägte
östliche Winde. Für tropische Wirbelstürme ist eine solche Umgebung
äußerst ungünstig.

Insbesondere im Bereich der Karibik und des tropischen Atlantiks
können die mit dem aktuellen El-Niño-Ereignis verbundenen
atmosphärischen Zirkulationsänderungen die Windscherung verstärken.
Wird ein sich entwickelndes tropisches Tief von starken Winden in
höheren Luftschichten überströmt, wird dessen vertikale Struktur
zunehmend gestört. Die für eine weitere Intensivierung notwendige
symmetrisch angeordnete hochreichende Konvektion kann sich dadurch
kaum formieren.

El Niño ist allerdings nicht der einzige Faktor. Die tatsächliche
Aktivität einer Hurrikan-Saison ergibt sich aus dem Zusammenspiel
verschiedener großräumiger und regionaler Prozesse. Dazu gehören
unter anderem die Meeresoberflächentemperaturen, die Windscherung,
die Feuchteverteilung in der Atmosphäre, die Lage subtropischer
Hochdruckgebiete sowie die Madden-Julian-Oszillation (MJO).

Ein weiterer ungünstiger Faktor ist die derzeit häufig vorhandene
trockene Luft über Teilen des tropischen Atlantiks. Trockene Luft in
der mittleren Troposphäre kann in tropische Störungen vor allem bei
starker vertikaler Windscherung eingemischt werden und dadurch die
Entwicklung von hochreichender Konvektion behindern.

Auch die wiederholt auftretenden Saharastaub-Ausbrüche spielen eine
Rolle. Staubhaltige, trockene Luftmassen können die Atmosphäre
stabilisieren und damit die Bildung beziehungsweise Organisation
kräftiger Gewitterzellen erschweren. Für ein tropisches
Tiefdruckgebiet ist das problematisch, da seine weitere Entwicklung
auf einer anhaltenden und ausreichend hochreichenden Konvektion
aufbaut. Die Kombination aus trockener Luft, Saharastaub und starker
vertikaler Windscherung stellt deshalb derzeit eine besonders
ungünstige Umgebung für die Entwicklung tropischer Wirbelstürme dar.

Aktuell befindet sich zwar ein Gewittersystem über dem subtropischen
Atlantik - eine Verstärkung zu einem Hurrikan ist aber zunächst
unwahrscheinlich, da sich das Gewittersystem in einer Umgebung mit
relativ starker Windscherung befindet. Allerdings könnten sich die
Umgebungsbedingungen zur Wochenmitte verbessern. Damit ist im
weiteren Verlauf zumindest die Entwicklung des Gewittersystems zu
einem Tropensturm nicht ausgeschlossen. Abgesehen davon ist der
tropische und subtropische Atlantik, sowie auch der Golf von Mexiko
weitgehend störungsfrei. Und auch die Vorhersage für die nächsten
Tagen zeigt kein Aufleben der tropischen Wirbelsturmaktivität über
dem Atlantik.

Ist die Hurrikan-Saison damit schon vorbei?

Die offizielle atlantische Hurrikan-Saison dauert noch bis zum 30.
November. Auch wenn der klimatologische Höhepunkt normalerweise von
Anfang bis Mitte September liegt, können sich im Oktober und sogar
noch im November tropische Wirbelstürme entwickeln.

Derzeit spricht zwar vieles für eine weiterhin unterdurchschnittliche
Aktivität. Insbesondere die hohe vertikale Windscherung ist ein
wichtiger hemmender Faktor. Dennoch wäre es falsch, bereits jetzt das
endgültige Ende der Saison vorherzusagen. Auch die Erfahrung aus
vergangenen El-Niño-Jahren zeigt, dass eine ruhige erste Saisonhälfte
nicht zwangsläufig eine ruhige zweite Hälfte bedeutet. Das Jahr 1997
ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Damals herrschte ein
außergewöhnlich starker El Niño, dennoch entstanden im weiteren
Verlauf der Saison insgesamt drei Hurrikane.

Eine mögliche kurzfristige Veränderung könnte zudem durch die
Madden-Julian-Oszillation (MJO) ausgelöst werden. Eine Phase
verstärkter tropischer Konvektion kann die großräumige Zirkulation
über dem Atlantik beeinflussen und dadurch vorübergehend günstigere
Bedingungen für tropische Entwicklungen schaffen. Ob daraus
tatsächlich Hurrikane entstehen können, hängt jedoch von den
gleichzeitig herrschenden atmosphärischen Bedingungen, wie den
regionalen Meeresoberflächentemperaturen, der troposphärischen
Feuchte und der Windscherung ab.
Damit bleibt die weitere Entwicklung offen. Sollte die starke
Windscherung über dem tropischen Atlantik jedoch über längere Zeit
bestehen bleiben und sollten keine anderen großräumigen Prozesse für
eine deutliche Verbesserung der Bedingungen sorgen, könnte die Saison
tatsächlich als eine der schwächsten atlantischen Hurrikan-Saisons in
die Statistik eingehen. Historisch schwache Saisons waren
insbesondere 1907 und 1914: In beiden Jahren wurde im Atlantik kein
einziger Hurrikan registriert. Ob die Saison 2026 am Ende tatsächlich
in diese Kategorie fällt, lässt sich aktuell allerdings noch nicht
seriös beurteilen.

(Die Bilder und Links zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

M.Sc.-Met. Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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