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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wissenschaft kompakt
Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag
Schwacher Niesel, stundenlange Wassermassen oder doch nur ein kurzer
Schauer. In welchen Einheiten der Regen gemessen wird, soll im
heutigen Thema des Tages geklärt werden.
Wenn der Himmel grau und dunkel ist und der Regen vom Himmel fällt,
vermissen die einen den Sonnenschein, die anderen genießen den
beruhigenden und stimmungsvollen Klang des prasselnden Regens.
Nachdem die Einheiten für die Temperatur und den Wind näher
betrachtet worden sind, wenden wir uns heute dem Niederschlag zu.
Beim Niederschlag kommt es einerseits darauf an, welche Menge fällt
und andererseits über welche Zeitspanne hinweg. Die Regenmenge kann
in Liter pro Quadratmeter (L/m²) gemessen werden. Es wird also der
Regen, der auf eine 1x1 m große Fläche fällt, angegeben. Da ein Liter
Wasser das Volumen von einem Kubikdezimeter hat, ist die Einheit
Millimeter (pro Quadratmeter) genau gleichbedeutend mit L/m². Um eine
Vorstellung für die Mengen zu bekommen: Wenn ein voller,
haushaltsüblichen Eimer Wasser über Sie ausgegossen wird, entspricht
das beispielsweise 10 Litern. Nach solch einem unfreiwilligen Bad
wären Sie klatschnass. Würde diese Menge jedoch nicht in wenigen
Sekunden, sondern über mehrere Stunden oder gar Tage fallen, so würde
es sich nicht mehr so unangenehm anfühlen. Die
Niederschlagsintensität, also die Regenmenge pro Zeit, ist das
Stichwort. Eine grobe Kategorisierung der Niederschlagsintensitäten
ist im DWD-Lexikon nachzulesen. Hier zu finden ist beispielsweise,
dass selbst starker Sprühregen nur wenige Zehntel L/m² innerhalb
einer Stunde bringt. Von starkem Regen hingegen wird ab etwa 10 mm
pro Stunde gesprochen, von einem starken Regenschauer ab 1,7 L/m² in
10 Minuten.
Für höhere und potentiell gefährliche Mengen sind die vom DWD
konzipierten Regenwarnungen gedacht (siehe dazu die offiziellen
Warnkriterien auf unserer DWD-Internetseite). Dabei wird generell
zwischen Starkregen (ein- bis sechsstündig) und Dauerregen (>12
Stunden) unterschieden. Dementsprechend wird die Schwelle für
markanten Starkregen bereits bei 15 L/m² (innerhalb einer Stunde)
erreicht, für Dauerregen dagegen ist eine Menge von 25 L/m²
(innerhalb von 12 Stunden) notwendig. Die höchste Warnstufe (violett)
beginnt bei 40 L/m² in einer Stunde bzw. 70 L/m² in 12 Stunden. Bei
diesen Mengen muss mit erheblichen Gefährdungen wie zum Beispiel
Überflutungen von Straßen, Unterführungen oder Kellern, mit
Aquaplaning oder auch mit Erdrutschen gerechnet werden.
Nun gibt es natürlich nicht nur flüssigen Niederschlag, sondern auch
festen wie Schnee. Als grobe Richtwerte bringt leichter Schneefall
etwa 1 mm, starker Schneefall mehr als 5 mm in einer Stunde.
Offizielle Schneefallwarnungen betrachten die Neuschneemenge
innerhalb von 6 bis 72 Stunden. Die sechsstündigen Schwellenwerte
beginnen bei 5 cm für leichten Schneefall und bei 20 cm für extrem
starken Schneefall.
Was das aktuelle Wetter angeht, so sind wir von solchen Regen- und
Schneemengen weit entfernt. Das ausgeprägte Bodenhochdruckgebiet
WINFRIED über den Britischen Inseln und Skandinavien, wie auch ein
Höhenrücken über dem Atlantik, führen derzeit dazu, dass
Tiefdrucksysteme Mangelware sind und Deutschland kaum Niederschlag
abbekommt. In Abbildung 1 ist in der linken Karte zur
Veranschaulichung der Gesamtniederschlag bis Sonntag 8 Uhr des
deutschen ICON6-Modells dargestellt. Wunderbar zu sehen ist, wie der
Niederschlag einen großen Bogen um die Bundesrepublik macht und kaum
ein Tropfen fällt. Was Landwirte und Gärtner betrübt, freut so
manchen Sonnenliebhaber. Jedoch sind die Unsicherheiten in der
Vorhersage für das kommende Wochenende noch recht groß. So sagt das
europäische Modell (Abb. 1 rechts) am Samstag Schauer im Westen und
Nordwesten vorher. Es gibt also einen kleinen Licht- (oder eher
Regen-?) Blick für alle, die ein wenig mehr Abwechslung im
Wettergeschehen herbeisehnen.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wissenschaft kompakt
Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte
öffnet
Es gibt einige bekannte Wettergötter und -propheten, denen man
bestimmte Eigenschaften nachsagt. In diesem Zuge wird häufig auch
Petrus genannt, obwohl er ja gar keine Gottheit oder ein Prophet im
eigentlichen Sinne ist. Was er aber mit dem Wetter "zu tun hat", soll
im heutigen Thema des Tages näher beleuchtet werden.
"Petrus meint es aktuell sehr gut mit uns" hört und hörte man in den
vergangenen Tagen häufiger, wenn es um das sonnenscheinreiche,
freundliche und milde Wetter geht, das von einer großen Beständigkeit
geprägt ist. Dennoch kam dem Autor dieser Zeilen die Frage auf, was
Petrus denn eigentlich mit dem Wetter zu tun hat, obwohl er ja gar
kein Wettergott im eigentlichen Sinne, wie etwa Zeus, ist. Und daran
schließt sich gleich die Frage an, wofür andere Wettergötter so
verantwortlich sind, was den Auftakt zu einer neuen Serie beim Thema
des Tages machen soll.
Heute soll es also erstmal um Petrus gehen, der vor allem im
Christentum für das Wetter "zuständig" sei.
Simon Petrus lebte bis etwa 65 n. Chr. und war ein Apostel und Jünger
Jesu gewesen, der als einer der ersten in die Nachfolge Jesu berufen
wurde und zugleich als ein "Sprecher" der Jünger fungierte. Schon
hieraus wird seine insgesamt erhobene Stellung deutlich, die darin
gipfelt, dass er als der erste Bischof von Rom und damit als der
erste Papst im römisch-katholischen Christentum gilt. Mit Wetter hat
all dies auf den ersten Blick aber erstmal wenig zu tun.
Daher muss zunächst auf die Tatsache geschaut werden, dass Petrus
quasi als "Chef" der Jünger galt und Chefs gemeinhin eine große
Verantwortung haben. So wird Petrus auch als der Pförtner im Himmel
angesehen, der damit für alles verantwortlich ist, was vom Himmel
kommt und in den Himmel geht. Dies geht etwa aus dem
Matthäus-Evangelium (16,19) hervor, in dem es heißt: "Ich werde dir
die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein." Neben der damit übertragenen Macht
und Autorität hat sich möglicherweise auch deswegen im (christlichen)
Sprachgebrauch die Redewendung etabliert, dass Petrus seine Pforten
öffnet, wenn es etwa in Strömen regnet. Daraus entwickelte sich dann
mit der Zeit die allgemeine Verantwortung von Simon Petrus für das
Wetter, sodass auch im Christentum, wie übrigens in sämtlichen
anderen Kulturen, eine Gottheit oder Instanz für das Wetter zuständig
zeigen soll.
Zwar gibt es auch noch andere Erklärversuche, wieso für Christen
ausgerechnet Petrus für das Wetter verantwortlich sei, doch diese
sind nicht mehr so naheliegend wie das Bild des verantwortungsvollen
Himmelspförtners. Beispielsweise wird in manchen Publikationen auch
Petrus mit Moses gleichgesetzt, der zu seiner Zeit Wasser aus einem
Felsen entspringen ließ oder das Rote Meer teilte, wobei hier der
meteorologische Bezug eher fehlt.
Zum Abschluss seien noch die bekanntesten Bauernregeln vorgestellt,
die auf Petrus" Verantwortung für das Wetter zurückgehen. Viele
gründen dabei auf den 22. Februar, an dem Petri Stuhlfeier zelebriert
wird.
So heißt es beispielsweise "Wenn`s friert auf Petri Stuhlfeier,
frierts noch vierzehnmal heuer" oder "Ist Petri Stuhlfeier kalt, hat
der Winter noch vierzig Tage Gewalt". Aber auch für gutes, warmes
Wetter gibt es diesbezügliche Bauernregeln, wie "Nach der Kälte der
Petersnacht, verliert bald der Winter seine Kraft" oder "Wenn zu St.
Petri die Bäche sind offen, wird später kein Eis mehr auf ihnen
getroffen".
Sie sehen, vieles beim Wetter wurde früher Petrus zugeschrieben und
noch heute ist er im Sprachgebrauch fest verankert, so wie manch
andere Wettergötter auch. Diese sollen in späteren Themen des Tages
ebenfalls näher betrachtet werden.
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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