Besucher: 3



Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Von Hunden und Erfrischungen



Am gestrigen Donnerstag, dem Beginn der Hundstage, gab es einige
Aktionstage, die Erfrischungen adressierten. Ob in den kommenden
Tagen aufgrund des Wetters tatsächlich Erfrischungen gebraucht
werden, wird im heutigen Thema des Tages beschrieben.


Gemäß vielen Kalendern und Büchern befinden wir uns seit dem
gestrigen Donnerstag in der Zeit der sogenannten "Hundstage". Die
Hundstage gehören zu den Singularitäten, also den
Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele
für solche Singularitäten sind die Eisheiligen, die Schafskälte, der
Siebenschläfertag, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter.
Die Hundstage erstrecken sich dabei vom 23. Juli bis zum 23. August.
Namensgebend ist das Sternbild "Großer Hund", dessen Hauptstern
"Sirius" zu Beginn dieses Zeitraums seinen heliakischen Aufgang hat.
Der Begriff der Hundstage dient im allgemeinen Sprachgebrauch der
Benennung der heißesten Tage des Jahres.
Passend dazu wurde am gestrigen Donnerstag in den USA der "Tag der
Erfrischungen" gefeiert. Dieser Aktionstag hat allerdings kein festes
Datum, sondern fällt immer auf den vierten Donnerstag im Juli. Er
wurde 2015 vom Getränkehersteller Traveller Beer Company und vom
Webportal nationaldaycalendar.com ins Leben gerufen und war Teil
einer Marketingkampagne für Bier-Mix-Getränke. In Deutschland wurde
am gestrigen Donnerstag hingegen zum ersten Mal der "Tag der Schorle"
begangen. Dieser geht auf eine Initiative von C. Rasmus und G.
Sigmundczyk aus Mannheim zurück. Sie nannten bei der Wahl des Datums
mehrere Gründe, die für den 23. Juli sprachen. Zum einen wäre da die
Überschneidung mit dem amerikanischen "Tag der Erfrischungen". Zum
anderen laden lange Sommerabende und die laufende Weinfestsaison dazu
ein, diesen Aktionstag mitzufeiern.
Daneben gab es am gestrigen Donnerstag (wie in jedem Jahr am 23.
Juli) in den USA den "Tag des Vanilleeis", der dort bereits seit den
1990er-Jahren bekannt ist. Vanille zählt zu den beliebtesten
Geschmacksrichtungen beim Eis. Zudem kann Vanilleeis auf eine mehr
als 200-jährige Geschichte zurückblicken. Manche Quellen besagen,
dass Vanilleeis sogar in den USA eingeführt wurde. Damit ist ein
entsprechender Aktionstag dort gar nicht mal so unberechtigt. Und wie
wäre es, sich ein großes Eis zu gönnen und dieses noch mit ein paar
Zuckerstreuseln zu verzieren? Passend dazu wurde am gestrigen
Donnerstag in den USA sowie in Kanada der "Zuckerstreusel-Tag"
begangen. Dieser wurde 2017 von der Kanadierin Rosie Alyea ins Leben
gerufen. Der 23. Juli ist dabei auch ihr Geburtstag. Auch dieser
Aktionstag lässt sich als Teil einer Marketingkampagne verstehen,
denn die Initiatorin vertreibt über ihr Unternehmen unter anderem
Zuckerstreusel.
Am heutigen Freitag gibt es hingegen keine "erfrischenden"
Aktionstage. Manche mögen an dieser Stelle womöglich widersprechen,
zumindest diejenigen, die einen Tequila als erfrischend wahrnehmen.
Anders sieht es hingegen am morgigen Samstag und am Sonntag aus.
Vielleicht nicht direkt erfrischend, aber durchaus passend für einen
lauen Sommerabend gibt es am morgigen Samstag in den USA den
"Käse-und-Wein-Tag". Erfrischender wird es da schon am Sonntag, am
"Tag des Kaffee-Milchshakes".
Doch wie präsentiert sich das Wetter über das Wochenende? Werden
tatsächlich Erfrischungen gebraucht?
Hoch NORBERT beschert uns momentan recht freundliches und ruhiges
Wetter. So sorgt er auch am morgigen Samstag in weiten Teilen des
Landes für viel Sonnenschein. Bei Höchsttemperaturen zwischen 25 und
33 Grad wird es zudem sommerlich warm bis heiß. Im Südwesten und am
Alpenrand ist zum Nachmittag und Abend allerdings mit einzelnen
Schauern und Gewittern zu rechnen. Ganz im Norden ziehen hingegen
zeitweise Wolkenfelder durch und einzelne Schauer sind möglich. Die
Höchsttemperaturen liegen dort zwischen 21 und 25 Grad.
Auch am Sonntag treten südlich der Donau einzelne, direkt am
Alpenrand wiederholt Schauer und Gewitter auf. Zudem kommt im Norden
Deutschlands schauerartiger, teils gewittriger Regen auf, der sich im
Tagesverlauf süd-/südostwärts ausweitet und zum Abend in etwa eine
Linie von Main und Mosel erreicht. Nur in einem Streifen von
Baden-Württemberg bis zum Erzgebirge bekommt man die Sonne auch etwas
länger zu Gesicht und Schauer und Gewitter treten weniger häufig auf.
Allerdings kann der Westwind insbesondere im Südwesten zeitweise böig
auffrischen. Im Norden und Nordwesten liegen die Höchsttemperaturen
zwischen 20 und 24, sonst zwischen 24 und 31 Grad.
Die neue Woche beginnt zunächst unbeständig und die
Höchsttemperaturen verbleiben vorübergehend unter der 30-Grad-Marke.
Ab Dienstag nehmen die längeren Sonnenanteile von Südwesten her aber
rasch wieder zu und auch Höchsttemperaturen von 30 Grad und mehr
werden bereits am Mittwoch in weiten Teilen des Landes wieder
erreicht.
Zusammengefasst kann man sich also insbesondere am morgigen Samstag
eine Erfrischung gönnen. Ab Dienstag scheinen Erfrischungen jeglicher
Art dann hingegen tatsächlich gebraucht zu werden.

M.Sc. Tanja Egerer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.07.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Kühle Meeresbrise oder die "Land-Seewind-Zirkulation"


Lokale Windsysteme haben in einigen Regionen einen entscheidenden
Einfluss auf das dortige Klima. Ein Beispiel hierfür ist die
Land-Seewind-Zirkulation.


Die räumliche Verteilung steuernder Hoch- und Tiefdruckgebiete, die
man gewöhnlich auf Wetterkarten findet, sind für die großräumigen
Strömungsverhältnisse verantwortlich - sie entscheiden also, aus
welcher Richtung und mit welcher Stärke der Wind weht. Aber auch
lokale Gegebenheiten wie Berge und Täler oder Küstenlinien können bei
bestimmten Wetterlagen ihre "eigenen" kleinräumigen Windsysteme
entstehen lassen, die einen großen Einfluss auf das dortige Klima
haben. Ein bekanntes Beispiel ist die "Land-Seewind-Zirkulation", die
wir heute erläutern.

Jeder Nord- und Ostseeurlauber kennt es: Während an heißen
Sommertagen die zuhause Gebliebenen schwitzen, ist zur gleichen Zeit
im schattigen Strandkorb von Hitze keine Spur und weniger
Hartgesottene greifen im kühlen Wind sogar zum Pulli. Auch in den
kommenden Tagen ist dies wieder eindrucksvoll in den Vorhersagen zu
sehen. Der Grund für diesen kühlen, vom Meer kommende Wind an der
Küste und auf den Inseln liegt im Seewind, einem Teil der
Land-Seewind-Zirkulation.

Druckunterschiede werden durch Wind auszugleichen. Nehmen wir als
Ausgangsbedingung an, dass am Morgen keine horizontalen
Druckunterschiede vorliegen und daher auch kein Wind weht. In Bild 1
(oben links) ist dies durch horizontale Isobaren (Linien gleichen
Luftdrucks) verdeutlicht. Nach Sonnenaufgang wird am Vormittag die
Landoberfläche und die darüber liegende Luft erwärmt, während sich
die Wassertemperatur (und die Luft darüber) wegen der größeren
Wärmekapazität des Meerwassers kaum ändert. Da wärmere Luft eine
geringere Dichte und damit ein größeres Volumen als kältere Luft
besitzt, dehnt sich die Luft über Land vertikal aus. Weil sich
zwischen zwei Druckflächen weiterhin die gleiche Luftmasse befindet,
werden dadurch die Isobaren gehoben (Bild 2). Folglich entsteht in
der Höhe ein horizontaler Druckunterschied. Auf gleichem Höhenniveau
(gestrichelte Linien) ist der Luftdruck über dem Land höher als über
dem Meer, es entsteht also in der Höhe über dem Land ein
kleinräumiges Hoch (H) und über der See ein Tief (T).

Da die Atmosphäre stets bestrebt ist, derartige Druckunterschiede
abzubauen, entsteht in der Höhe eine Ausgleichsströmung vom Land
Richtung Meer (grüner Pfeil in Bild 2), also vom hohen zum tieferen
Luftdruck. Der gleiche Vorgang passiert im Kleinen bei einem
aufgepumpten Fahrradschlauch, bei dem man das Ventil öffnet. Die Luft
entweicht vom Reifen (hoher Luftdruck) nach draußen. Die
Ausgleichsströmung transportiert LuftMASSE Richtung Meer. Dadurch
sammelt sich über der See die Masse an, die über Land in der Höhe
abfließt. Ein Massegewinn in der Luftsäule über dem Meer bedeutet
nichts Anderes als dass der Druck, der am Boden auf einem lastet,
ansteigt. Im Gegenzug sinkt an Land der Druck am Boden. Im Gegensatz
zur Höhe entsteht so direkt über dem Meer ein lokales Hoch und über
Land ein Tief (Bild 3).

Am Boden passiert nun das gleiche wie zuvor in der Höhe. Es kommt
eine Ausgleichströmung vom Hoch zum Tief in Gang, also von der See
Richtung Land. Diesen Wind bezeichnet man seiner Herkunft nach als
"Seewind", der die kühle Meeresluft Richtung Küste transportiert.
Abschließend entsteht eine geschlossene Zirkulation, indem über Land
aufgrund der in der Höhe abfließenden Luftmasse Luft von unten
nachströmt und über der See Luft nach unten absinkt. In der
Fachsprache wird diese als "thermisch direkte Zirkulation"
bezeichnet.

In der Nacht drehen sich die Strömungsverhältnisse um. Nach
Sonnenuntergang kühlt der Erdboden und die darüber liegende Luft
stärker ab als über dem Meer. Die kühlere Luft schrumpft und es
entsteht in der Höhe über Land ein Tief, sodass als Ausgleichströmung
dort die Luft von der See Richtung Land weht. Durch diese im
Vergleich zu tagsüber gegensätzlichen Masseumverteilungen bildet sich
über dem Boden der sogenannte "Landwind" aus, der Richtung Meer weht
(Bild 4).

Die Land-Seewind-Zirkulation besitzt in unseren Breiten eine
horizontale Ausdehnung von 10 bis 20 Kilometern, sodass schon einige
Kilometer von den Küsten entfernt kaum noch eine Abkühlung zu spüren
ist. Der Seewind weht meist mit 3 bis 4 Beaufort (schwacher bis
mäßiger Wind) und tritt an sämtlichen Küstenverläufen auf. Auch an
größeren Seen wie dem Bodensee kann man die Land-Seewind-Zirkulation
beobachten. Windmessungen belegen, dass der Wind in Friedrichshafen,
auf der Nordseite des Bodensees gelegen, im Sommer morgens am
häufigsten aus Nord bis Nordost (also in Richtung Bodensee) und
nachmittags aus Süd bis Südwest (vom See kommend) weht.

In der Realität ist die Land-Seewind-Zirkulation natürlich der
großräumigen Windströmung überlagert und tritt auf, solange der
großräumige Wind schwach und der Himmel nicht durch Wolkenfelder
bedeckt ist. Der Seewind führt in dieser Situation dazu, dass sich
der Wind bis zum Nachmittag verstärkt und Richtung Land dreht.

Die Land-Seewind-Zirkulation ist der Grund, warum es an heißen
Sommertagen an Nord- und Ostsee am Nachmittag und frühen Abend teils
über 10, manchmal sogar bis zu 15 Grad kühler ist als im großen Rest
Deutschlands. In Folge des Seewinds bleiben die Temperaturen
beispielsweise auf Sylt an den meisten Tagen unter 25 Grad,
Temperaturen über 30 Grad bleiben die absolute Ausnahme.

Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.07.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





Private Wetterstation Altenmarkt a. d Alz - Alle Angaben ohne Gewähr - (c) Matthias Schwanter   -   Seitengeneration erfolgte in 0.1217 Sekunden.