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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben
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Wetter aktuell
Sommer im Barock
Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die vier Jahreszeiten sind jeher
von großer Bedeutung gewesen. Anfang des 18 Jahrhunderts widmete
Antonio Vivaldi diesen ein Werk, das weltberühmt wurde und uns heute
wohlbekannt ist: "Le quattro stagioni", eine Sammlung an
Violinenkonzerten. Heute soll mit dem Teil über den Sommer begonnen
werden und dabei auch ein Blick auf das vergangene Wetter hier in
Deutschland geworfen werden.
Die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben die
Menschen schon immer beschäftigt. So ist es nicht verwunderlich, dass
sie auch Eingang in die Kunst gefunden haben. Ein gewisser
venezianischer Komponist Antonio Vivaldi beschäftigte sich intensiver
mit diesen und schrieb dafür Violinenkonzerte, die er in seinem
heutzutage weltbekannten Werk "Le quattro stagioni" oder zu Deutsch
"Die vier Jahreszeiten" zusammenfasste. Im heutigen Thema des Tages
soll es um den Sommer gehen und der Bogen zum Wetter in Deutschland
geschlagen werden.
Antonio Lucio Vivaldi wurde 1678 in Venedig geboren. Sein Vater war
Violinist und so fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Nachdem er die
Ausbildung zum Priester absolviert hatte, arbeitete er zudem als
Lehrer für verschiedene Musikinstrumente und führte später ein
Orchester eines Heimes für Waisenmädchen zu Berühmtheit. In dieser
Zeit komponierte er zahlreiche Violinenkonzerte, unter anderem auch
"L?estate" - den Sommer.
Das Stück gehört zur Gattung der Programmmusik, das bedeutet es
bringt Geschichten oder Bilder in eine musikalische Form. In Vivaldis
Fall gibt es ein dazugehöriges Sonett, das er vermutlich selbst
schrieb:
Es ist die Jahreszeit der erbarmungslos glühenden Sonne, / es
ermattet der Mensch, ermattet die Herde, / die Pinie brennt. / Der
Kuckuck ruft und schreiend fallen Tauben / und Finken mit ein.
Noch weht ein leichtes Lüftchen, / doch plötzlich braust der heulende
Nordwind dagegen. / Der Hirte weint. Er fürchtet sich vor dem Sturm.
/ Er fürchtet die Ungewissheit seines Schicksals.
Jetzt kennt des Hirten müder Körper keine Ruhe mehr, / aus Furcht vor
dem Blitz und dem grollenden Donner / und aus der Furcht vor den
Fliegen, / vor den wilden Schwärmen der Fliegen und Hornissen.
Ach-ja! Er hat ja Recht mit seinen Sorgen und Ängsten. / Der Himmel
dröhnt vom Donner und leuchtet von Blitzen, / und der Hagel köpft den
Weizen und alles andere Getreide.
Den ersten Teil kennen wir aus dem diesjährigen Sommer zur Genüge.
Die Hitze wird musikalisch durch träge, schleppende Akkorde zur
Geltung gebracht, die Menschen und Tiere befällt. Doch schon im
zweiten Teil frischt der Wind auf und Gewitter ziehen auf. Mit dem
Nordwind wird kühlere Luft herangetragen und die Hitze spielt keine
Rolle mehr. Das Tempo der Musik erhöht sich immer wieder schlagartig.
Im großen Finale, wenn das Gewitter hereinbricht, zeichnet sich das
Violinenspiel beispielsweise durch schnelle virtuose Tonleitern aus,
die das Bild der Regenmassen und des Hagels, der vom Himmel
herabprasselt, transportieren. Und auch so ähnlich findet sich das im
Wetter in Deutschland wieder. Am gestrigen Mittwoch und in der
vergangenen Nacht kam es von einem Streifen ausgehend von
Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen zu Unwettern. Einzelne schwere
rotierende Gewitter (Superzellen) bildeten sich und sowohl in Hessen
(Oberndorf/Solms) als auch in Brandenburg (Fürstenwalde/Spree) gab es
sogar bestätigte Tornadomeldungen. Besonders vertrackt war die
Tatsache, dass sich der Tornado in Brandenburg nicht an einer
Gewitterzelle bildete, sondern an einem einfachen kleinen Schauer.
Die Erkennung eines solch kleinräumigen Ereignisses ist an sich schon
äußerst herausfordernd. Oft ist erst im Nachgang können dann Analysen
der Radarbilder Aufschluss darüber geben, ob die Strukturen einer
Rotation sichtbar gewesen sind und Tornadomeldungen plausibel sind.
Nun neigt sich der Sommer allmählich dem Ende zu. Am 1. September ist
meteorologischer, am 23. September kalendarischer Herbstanfang. Und
wer weiß, vielleicht findet sich eine Gelegenheit den Herbst von
Vivaldi für das Wetter heranzuziehen.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Wetter aktuell
Übers Ziel hinausgeschossen
Zum Wochenbeginn am vergangenen Montag dem 17.08.2026 hat das
Wettergeschehen in zwei Regionen der Bundesrepublik die
diensthabenden MeteorologInnen im Warndienst des DWD auf Trab
gehalten. Hier eine kleine Retrospektive mit Satellit und Sandwich.
?[?] wird die feucht-warme und zu Gewittern neigende Luft allmählich
in den Süden verdrängt.? So oder so ähnlich hatten bereits einige der
zahlreichen Hitzeperioden in diesem Sommer ihr Ende gefunden, und
ebenso war es auch am vergangenen Wochenende gewesen. Die Kaltfront
eines über Südskandinavien ziehenden Tiefdruckgebiets hatte von
Nordwesten den Wetterwechsel eingeläutet, was am Montag einherging
mit einer Tageshöchsttemperatur von 28,4 °C ? zwei Tage zuvor waren
von Frankfurt am Main bis Frankfurt an der Oder überregional noch
über 37 °C gemessen worden. Nichtsdestotrotz war am Montag vom Süden
bis in den Südosten weiterhin eine ausreichend feucht-labile
Luftmasse vorzufinden, welche mit Hilfe von Hebungs-Unterstützung aus
höheren Atmosphärenschichten bereits ab dem Vormittag die Entwicklung
von recht ausgeprägten Gewittern begünstigte.
Der Blick auf das RGB Satellitenbild eines EUMETSAT Satelliten der
dritten Generation (MTG) zeigt zuerst einmal Eines: Deutschland war
um 06:40 UTC (08:40 Mitteleuropäische Sommerzeit) mehr oder weniger
von Wolken bedeckt. RGB steht für Rot-Grün-Blau, also eine
Überlagerung dieser spektralen Messkanäle, so dass ein Bild entsteht
welches etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Zu dem
Haupteindruck ?Da sind viele Wolken? gesellen sich bei näherer
Betrachtung mehr und mehr Details, weniger dichte Wolken im Südosten
Deutschlands, weniger strukturierte Wolken im Norden, mehr Struktur
an den Wolkenoberkanten hingegen in der Mitte und im Südwesten.
Deutlich mehr Details und Informationen über die Wolkenstrukturen
lassen sich jedoch unter Hinzunahme von Infrarotmessungen
herauslesen. Bei den sogenannten ?Infrarot-Sandwich?
Satellitenprodukten macht man sich dabei die Vorteile beider
Spektralbereiche zunutze: Erstens, die höhere horizontale Auflösung
im sichtbaren Bereich, also die Strukturen die sich in den
Wolkenoberkanten im obigen Satellitenbild zeigen. Zweitens, die
Information über die Temperatur an der Wolkenoberkante welche sich
aus den Messungen im Infrarotbereich annähernd bestimmen lässt,
allerdings bei einer geringeren horizontalen Auflösung.
Die Animation des IR-Sandwich Produkts des MTG Satelliten vom
vergangenen Montag gibt einen guten Eindruck von der Kombination der
verschiedenen Messkanäle. Die Animation beginnt um 06:00 UHR MESZ, zu
dieser Zeit um den Sonnenaufgang sind noch keine Informationen im
sichtbaren Bereich vorhanden, und die farblich hervorgehobenen Wolken
mit sehr kalten und damit sehr hohen Oberkanten erscheinen noch sehr
flach und unstrukturiert - es sind nur die weniger hoch aufgelösten
Informationen aus dem Infraroten vorhanden. Mit steigendem
Sonnenstand erscheinen von Osten aus die überlagerten Strukturen aus
den RGB-Kanälen, was dann ab etwa 09:00 Uhr ein vollständiges
IR-Sandwich Bild im gesamten dargestellten Bereich ergibt. Ein großes
Gebiet zusammenhängender hoher Wolkenstrukturen zieht im Verlauf der
Animation von Westen Richtung Nordosten, was am Montag einherging mit
viel schauerartigem Regen, jedoch ohne elektrische Entladungen und
somit ohne Gewitter. Anders sah es im Süden aus, bereits sehr früh am
Tag bilden sich auf französischer Seite an der Grenze zu
Baden-Württemberg hochreichende Wolkentürme aus ? je rötlicher die
Farbgebung desto kälter und hochreichender die Wolke. Hier wurden
auch im Radar die am stärksten ausgeprägten Zellen beobachtet. Was
nicht bedeutet dass es auf deutscher Seite im Süden ruhig zuging.
Auch hier reichte es für unwetterartige Niederschlagsmengen in
wenigen Stunden, in der Animation zeigt sich das anhand der sehr
schnell sehr hoch schießenden Wolken im Bereich von Bodensee und
Allgäu. Die zweite spannende Region in Sachen Gewitter-Warnwesen war
am Montag der Osten Sachsens. Auch hier bildeten sich in
feucht-labiler Luft mit reichlich verfügbarem Wasser hochreichende
Gewitterwolken aus. In der IR-Sandwich Animation erscheinen diese
Wolken gegen 09:30 UTC südlich der großskaligen ostwärts ziehenden
Wolkenstrukturen. Da hier neben den genannten Gewitter-Zutaten,
Feuchte, Labilität und Hebung zusätzlich auch Windscherung vorhanden
war, bildeten diese Gewitterzellen eine Eigendynamik aus und scherten
für eine Weile nach rechts Richtung Erzgebirge aus - mit viel gutem
Willen zeigt sich auch das ansatzweise in der obigen Animation.
Entweder aus Mangel an Konzept beim Schreiben oder als bewusster
Spannungsbogen gab es bis hierhin noch keinen Kontext für die
Überschrift des heutigen Thema des Tages. Was auch immer der Grund
war, wir Enden heute wieder mit einem Werbeblock für die zahlreichen
frei verfügbaren Produkte im Eumetsat-Portal. Das obige Bild zeigt
noch einmal das MTG RGB-Satellitenbild um 06:40 UTC, dieses Mal mit
hervorgehobenen Umrissen von sich schnell entwickelnden
Gewitterzellen. Diese werden - interessanterweise bisher nur aus den
Messungen der vorherigen Generation von Satelliten (MSG) - anhand von
schnell sinkenden Temperaturen im Infraroten, also schnell
hochschießender Wolkenoberkanten identifiziert. Die roten Zahlen
geben dabei die tiefste gemessene Helligkeitstemperatur in der
jeweiligen Zelle an - für die markierte und anfangs besprochene
Gewitterwolke westlich von Baden-Württemberg -63 °C. Hier war die
Luft so hochreichend labil geschichtet, dass die aufsteigenden
Luftmassen bis an die Tropopause und darüber hinausschossen! Dieses
Überschießen ist in dem "Rapide wachsende Gewitterzellen"-Produkt mit
6,37 °C und somit einigen hundert Metern über der Tropopause
quantifiziert!
Dipl.-Met. Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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