Besucher: 199



Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Sturmtief ?Harry? und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum


Über dem zentralen Mittelmeer hat sich ein veritables Sturmtief
gebildet. Das heutige Thema des Tages möchte kurz einen Einblick auf
seine Entwicklung, die voraussichtliche Zugbahn und die Auswirkungen
im Mittelmeerraum geben.


Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem
Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet
ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die
Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist.
Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später
Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute
(Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz
langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch
unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen
Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht
milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des
Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre
auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien
nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am
morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den
Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen
Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit
Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich
über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld
auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der
kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus
Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des
Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost
bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen
langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese
Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs ?
insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge
zwischen Sardinien und Sizilien.

Auswirkungen in Spanien
Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an
der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in
Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend
Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen
Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an
der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen
Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern
pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das
beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat
Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca
und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern
pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem
Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen
Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für
moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab
Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien
an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer
eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der
Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der
Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein ? mit
Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs
auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen.


Auswirkungen in Italien und auf Malta
Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen
Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig
verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des
Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und
Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis
Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der
Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu
erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in
Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es.
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt
in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein
Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt
zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort
moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen
Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon)
hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im
Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis
Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen.
Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne
große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher ?Fetch? aufbauen:
die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9
Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter
oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien
erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen
bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für
Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden.


Auswirkungen in Nordafrika
Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und
tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss
am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet
werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der
algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas
liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag
orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf.



Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland



Hochdruckeinfluss kann im Winter für sehr unterschiedliches Wetter
sorgen. Dies zeigt sich auch am heutigen Sonntag über Deutschland mit
einigen Wetterkontrasten.



Das Wetter in ganz Deutschland wird von Hoch CHRISTIAN über Osteuropa
bestimmt. Wir befinden uns also am Westrand dieses kräftigen Hochs in
einer östlichen bis südöstlichen Strömung. Dieser Hochdruckeinfluss
hat für unterschiedliche Regionen in Deutschland am heutigen Sonntag
(und auch in den kommenden Tagen) ganz verschiedenes Wetter zur
Folge. Begeben wir uns im heutigen Thema des Tages auf eine Reise zu
unterschiedlichen Orten in unserem Land und schauen uns das dortige
Wetter an.

Beginnen wir unsere Reise in der Bundeshauptstadt Berlin. Ein
Hochnebelband sorgte zwar noch für einen grauen Start in den Morgen.
Doch mittlerweile hat sich die dichte Wolkendecke nach Norden
verabschiedet und es scheint - wie auch in den meisten Regionen des
Ostens -die Sonne. Bei Nachmittagstemperaturen um 4 Grad ist eine
Jacke jedoch vonnöten. Lagen vor einer Woche noch zwischen 5 und gut
10 cm Schnee, so sind heute höchstens noch in ein paar schattigen
Ecken letzte Schneereste zu finden.

Fahren wir nun südwärts nach Dresden und in die Region rund ums
Erzgebirge. Auch in der sächsischen Hauptstadt scheint die Sonne bei
ähnlichen Temperaturen wie in Berlin. Diese fühlen sich bei einem
Spaziergang entlang des Elbufers aber deutlich frischer an. Der Grund
ist der sogenannte Böhmische Wind der durch das Elbtal pfeift und
immer mehr an Stärke gewinnt. Nicht nur im Elbtal ist der lästige
Böhmische Wind zu spüren. Im gesamten Erzgebirgsraum und bis hinein
ins Vorland, also auch in Chemnitz, nimmt der Wind heute immer weiter
zu. Auf dem Erzgebirgskamm bläst der Wind mit (schweren) Sturmböen,
aber auch in freien Lagen des Vorlands und in Nordwest-Südost
ausgerichteten Tälern wie das Elbtal oder das Tal der Freiberger
Mulde kann der Wind zeitweise sogar stürmisch auffrischen.

Weiter geht es südwärts nach Niederbayern. Auch dort hat sich
mittlerweile fast überall die Sonne durchgesetzt. Anders als bei den
vorherigen Orten konnte sich dort in den vergangenen Tagen die
Milderung nie so richtig durchsetzen. Bei Höchstwerten um 0 Grad
liegen dort selbst in den Niederungen noch ein paar Zentimeter Schnee
(z.B. 6 cm in Fürstenzell). Sonnenschein und Schnee bieten also beste
Voraussetzungen für einen sonntäglichen Verdauungsspaziergang in
Winterkulisse.

Eine traumhafte Winterkulisse bieten auch die Bayerischen Alpen.
Azurblauer Himmel, traumhafte Fernsicht und weiß verschneite
Berghänge und Pisten lassen die Herzen jedes Wintersportlers
höherschlagen. Bei einem Getränk auf einer der zahlreichen Hütten
kann man das herrliche Wetter bei teils über 5 Grad (plus!) auf rund
1500 m genießen. Blickt man hinunter ins Tal, schaut man auf ein
weißes Hochnebelmeer.

Bringen wir uns mit dem Lift (oder mit den Skiern) hinunter ins Tal,
so tauchen wir in den Nebel ein, bis wir weiter unten aus der
Nebeldecke wieder herauskommen. Nun finden wir ein ganz anders Bild
als oben auf dem Berg wieder. Tristes grau-in-grau erwartet uns am
Alpenrand und in Schwaben bis zur oberen Donau. Vom Bilderbuchwetter
bleibt keine Spur mehr übrig und anders als auf den Bergen ist es
unangenehm kalt bei Temperaturen um oder gar unter dem Gefrierpunkt.

Fahren wir anschließend den Rhein entlang nordwärts. Am tristen
Anblick ändert sich nichts. Der gesamte Oberrheingraben und auch das
Rhein-Main-Gebiet liegen unter einer grauen Hochnebeldecke. Mit rund
4 Grad ist es in Frankfurt allerdings nicht ganz so kalt wie unter
dem Hochnebel im Süden.

Weiter geht es entlang des Rheins nach Köln. Durch das Rheintal wird
der Hochnebel bis in die Karnevalshochburg geblasen, sodass es auch
dort grau ist. Knapp nördlich von Köln reißt die Wolkendecke aber
innerhalb weniger Kilometer auf. In der anderen Karnevalshochburg
Düsseldorf, im gesamten Ruhrgebiet sowie am Niederrhein herrscht
wieder strahlender Sonnenschein. Mit Temperaturen um 6 Grad ist dies
im Tiefland auch die mildeste Region.

Fahren wir weiter in den hohen Norden nach Sylt. Dort und entlang der
gesamten Nordseeküste präsentiert sich das Wetter wieder von seiner
trüben Seite. Kompakte Wolkenfelder versperren dort die Sicht auf
blauen Himmel und Sonnenschein. Unsere Reise endet an der Ostsee auf
Rügen. Diese Insel präsentiert sich heute deutlich freundlicher mit
viel Sonnenschein, jedoch bei eher kühlen 2 Grad.

In der kommenden Woche geht es mit diesen Wetterkontrasten zwar
weiter. Die positive Nachricht ist aber, dass Nebel und Hochnebel
immer mehr der Sonne weichen müssen. Der Oberrheingraben ist die
letzte Bastion, wo das Dauergrau noch die Stellung halten kann. Dort
hat die Sonne mit etwas Pech keine Chance, um gegen den Hochnabel
anzukommen. Den großen Rest des Landes kann die Sonne erobern und
scheint dort spätestens ab Dienstag von Sonnenauf- bis
Sonnenuntergang. Sollte sich in manchen Flusstälern doch mal ein
Nebelfeld bilden, wird dieses von der Sonne im Laufe des Vormittags
vertilgt. Auch dem Böhmischen Wind geht im wahrsten Sinne des Wortes
langsam die Puste aus. Zwar schläft er nie ganz ein, verliert aber ab
Dienstag allmählich an Stärke. Inwieweit in der zweiten Wochenhälfte
zaghafte Versuche altersschwacher Fronten aus Westen von Erfolg
gekrönt sind, um gegen das Dauerhoch anzukämpfen, bleibt abzuwarten.
Vielleicht bringen sie nur ein paar dichtere Wolkenfelder mit,
möglicherweise kann es im Westen aber auch mal ein paar Tropfen Regen
geben. Bis in die Osthälfte werden es die Fronten aber nicht
schaffen, sodass das Hoch dort weiterhin die Oberhand mit
Sonnenschein behält.


Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





Private Wetterstation Altenmarkt a. d Alz - Alle Angaben ohne Gewähr - (c) Matthias Schwanter   -   Seitengeneration erfolgte in 0.0822 Sekunden.