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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Wetterweisheiten aus den Bergen



Regionales Wetterwissen schlägt sich im sogenannten Hundertjährigen
Kalender und in Bauernregeln nieder. Auch in den Bergen kann die
Kenntnis des Wetters bzw. dessen Entwicklung sicherheitsrelevant sein
- und auch hier gibt es regionale Weisheiten.


Wer gern in den Bergen unterwegs ist und erst recht, wenn es in
hochalpine Regionen geht, der kommt um einen Blick in die
Wetterentwicklung nicht herum - oder sollte es zumindest nicht. Das
Wetter in den Bergen ändert sich teilweise sehr schnell und kann
gefährlich werden. Von daher sollte schon bei der Planung das Wetter
im Blick behalten werden, Touren umgeplant oder angepasst oder im
Zweifelsfall auch gar nicht gestartet werden. Dies betrifft sowohl
den Winter und Frühling mit Themen wie der Schnee-, Wind- und der
damit verbundenen Lawinensituation als auch den Sommer bis in den
Herbst mit Gewittern und Starkregenereignissen. In den Hochalpen sind
auch Schneefälle im Frühsommer bis in den Juni hinein oder auch
bereits wieder Ende August / Anfang September keine Seltenheit.

Bei einer Wanderung im Schweizer Engadin begegnete der Autorin in
diesem Zusammenhang eine Infotafel mit meteorologischen und nicht
meteorologischen Aspekten zum Thema Bergwetter oder besser gesagt mit
einer Auflistung an Merksätzen, Regeln und Zeichen zur Einschätzung
der Wettersituation in den Bergen. Einige davon beziehen sich auf die
Tierwelt, einige sind meteorologisch erklärbar und bei anderen
wiederum regten sich beim Lesen Zweifel an der Verlässlichkeit.
Bereits in der Einleitung heißt es: "Schon seine [der auf dem Schild
zitierte Bergbewohner Maiöc, Anmerkung der Autorin] Tasse Kaffee am
Morgen gibt ihm den ersten Hinweis. Wenn sich die Blasen in der Mitte
der Tasse sammeln, wird es schön. Sammeln sie sich hingegen am Rand,
wird es Regen geben." - Nun ja, eine wirklich meteorologische
Erklärung fällt diesbezüglich schwer.


Nachfolgenden hier noch einige Tricks von Maiöc zur Einschätzung des
Wetters...

Gut und beständig bleibt das Wetter, wenn:
- Die Wolken aufsteigen.
- Sich früh kräftiger Tau bildet.
- Die Wolken sich im Sommer zusammenballen und anhäufen (Kumulus).*
- Die Schwalben hoch fliegen.
- Die Frösche abends lange quaken.
- Der Himmel mattblau und wolkenarm ist.
- Sich die Kondensstreifen der Flugzeuge schnell auflösen.
- Die Mückenschwärme in der Abendsonne tanzen.
- Sich nachts Reif oder Tau bildet.
- Nachts die Milchstraße deutlich zu sehen ist.

Analog gibt es auch einige Punkte, bei der nun die "Neigung zu
schlechtem Wetter" absehbar ist:

- Die Bienen mitten im Tag aufhören Nektar zu sammeln.
- Wenn sich ein kräftiges Morgenrot auf tiefhängenden Wolken bildet.
- Frühnebel aufsteigt.
- Die Schwalben tief fliegen.
- Die Sterne stark flimmern.
- Der Tau im Sommer ausbleibt.
- Die Ameisen aufgeregt sind und offenbar planlos durch die Gegend
laufen.
- Die Katze gähnt.
- Die Geräusche aller Art besonders deutlich und von weither hörbar
sind.
- Die Insekten morgens schon lästig sind (Gewitter).

Diese Liste ist nicht vollständig und soll auch nicht im Einzelnen
auf meteorologische Wertigkeit geprüft werden. Die komplette Liste
findet sich auf beigefügtem Foto der beschriebenen Infotafel. Einzig
auf die Weisheit mit der Cumulusbewölkung (*) soll hier kurz
eingegangen werden. Danach soll das Wetter gut und beständig bleiben,
wenn sich im Sommer die Wolken "zusammenballen und anhäufen" - das
ist tatsächlich insbesondere in den Bergen ein schmaler Grat. Sicher
gibt es flache Cumulusbewölkung, die auch als Schönwetter- oder
Schäfchenwolken bezeichnet werden. Bei entsprechender, labiler
Luftmasse und mit zusätzlichem Hebungsantrieb in den Bergen können
aus kleinen Cumuluswolken allerdings schnell hochreichende Cumulus-
und damit Gewitterwolken entstehen. Und dann kann es in offenem,
hochalpinem Gelände gefährlich werden.

Egal wie, ob mit den oben genannten Aspekten oder vielleicht doch
lieber mit einem Blick in entsprechende Wetterberichte oder Apps, bei
Aufenthalten im Freien ist es immer ratsam, einen Blick auf die
Wetterentwicklung zu richten und gegebenenfalls auch rechtzeitig
umzukehren, falls sich wider Erwarten die Umstände doch anders
entwickeln. Das betrifft natürlich auch nicht nur Aktivitäten in den
Bergen. Manchmal wird man sonst vielleicht einfach nur nass und das
ist unangenehm, vielleicht gerät man aber auch in gefährliche oder
gar lebensbedrohliche, wetterbedingte Situationen.

Spezielle Berichte für die Alpen, aber auch für die Küsten von Nord-
und Ostsee, die entsprechend angrenzenden Seegebiete oder auch den
Bodensee gibt es auf unserer Homepage und in unserer WarnWetter-App.

Dipl.-Met. Sabine Krüger

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.06.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Die Schafskühle



Während der heutige Montag noch einen sehr sommerlichen Eindruck in
weiten Teilen des Landes macht, kippt das Wetter am Dienstag und
damit pünktlich zur Zeit der eigentlichen Schafskälte. Wie es dann
wettermäßig weitergeht, soll heute das Thema des Tages sein.



Nach mäßig warmen aber teils unbeständigen Vortagen lebt der Sommer
dank dem scheidenden Hoch EMIL heute nochmals auf: Rund 25 bis 29
Grad sind vor allem im Süden und Osten zu erwarten, in der Mitte und
Teilen des Nordens noch um 25 Grad und im Westen "nur" bis 24 Grad.
Hier kündigt sich schon jetzt die herannahende Kaltfront von Tief
ROSI an, das als mehrkerniges Tiefdrucksystem von den Britischen
Inseln bis nach Island reicht und einen deutlich kühleren
Witterungsabschnitt samt Niederschlägen einleitet.

Während der Montag im Süden und Osten trocken über die Bühne geht,
regnet es abends ganz im Westen bereits und auch das ein oder andere
kurze Gewitter kann mit von der Partie sein, wobei aber keine
Unwetter zu erwarten sind.

Am morgigen Dienstag zieht die Kaltfront langsam in Richtung Süden
und Osten des Landes. Vor allem am Alpenrand kommt sie langsam ins
Schleifen was bedeutet, dass sie nahezu ortsfest wird und einiges an
Regen bringen kann, ganz vielleicht sogar warnwürdigen Dauerregen.
Vom Südwesten bis zur Mitte lockert es aber schon wieder auf und es
bleibt meist trocken. Anders jedoch in der Nordhälfte, wo einige
Schauer und auch Gewitter zu erwarten sind. Bei 18 bis 21, vielleicht
lokal 22 Grad ist es deutlich kühler als noch heute, wobei der böige
West-/Südwestwind seinen Anteil an dem kälteren Feeling hat.

Richtig usselig wird es dann am Mittwoch, wenn zahlreiche Schauer und
auch Gewitter von West nach Ost ziehen, die dem Tag einen aprilhaften
Charakter verleihen. Da passen auch die Temperaturen gut ins Bild,
denn bei rund 20 Grad wird Schluss sein. Manche mögen hierbei schon
von der Schafskälte sprechen, die um diesen Zeitraum kreiselt,
angebrachter wäre vermutlich aber eher eine "Schafskühle", denn es
könnte noch kälter sein.

Ab Donnerstag nehmen die Prognoseunschärfen wieder zu. Stand heute
könnte, zumindest wenn man in der Westhälfte lebt, schwacher
Zwischenhocheinfluss für eine vorübergehende Wetterberuhigung sorgen.
Ansonsten sind Schauer, weiter im Osten vielleicht sogar Gewitter am
Werk. An den Tageshöchsttemperaturen ändert sich nichts, bei maximal
20 Grad, häufig sogar etwas weniger, ist das Ende der Fahnenstange
erreicht.

Zu guter Letzt ist in der Nacht zu Freitag und Freitag selbst ein
neues Frontensystem aus Westen zu erwarten. Dieses bringt erneut
leichte bis mäßige Niederschläge, wenngleich es mit 18 bis 22, am
Oberrhein bis 23 Grad wieder etwas milder wird.

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer?" ist dann die passende Frage
für das kommende Wochenende. Nach dem heutigen Willen der
Wettermodelle setzt sich von Südwesten her Hochdruckeinfluss durch,
mit dem die Witterung wieder beständiger wird und auch die
Temperaturen wieder deutlich über die 25-Grad-Marke steigen könnten.
Ob es am Ende aber so kommt, bleibt zumindest für ein paar Tage noch
ungewiss und so muss der Konjunktiv weiter beibehalten werden.


M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.06.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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