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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update



Unterdurchschnittlich soll sie verlaufen, die diesjährige
Hurrikansaison über dem Atlantik - zumindest dem Großteil der
Prognosen nach. Wie der aktuelle Stand ist und was die neuesten
Prognosen sagen, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.



Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik
vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse
nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen
stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die
Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht,
sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem
Nordatlantik.

Ganz kurz für's Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über
ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62
km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach
Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem
Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major
hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis
fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich
entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 - also innerhalb der
aktuellen sogenannten Vergleichsperiode - pro Jahr 14 tropische
Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere
Hurrikane.

Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im
Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen
soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt,
der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll
beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El Nino für erhöhte
Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die
Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.

Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen
Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose
nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die
ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das
ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige
Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen
Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich
ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit
Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine
ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden
El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Da sich die
Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat,
wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.

Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der
US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric
Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls
geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine
unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von
stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine
überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen
umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7
bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6
(unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis
3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.

Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme
stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha
(19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich
im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im
Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der
US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für
Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige
Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von
über einer Milliarde US-Dollar. "Bertha" machte sich dagegen mehr
durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste
bemerkbar. Dabei werden die Schäden "nur" auf einige zehn Millionen
US-Dollar geschätzt.

In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf "4"
gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das
Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten
über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb
der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu
einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste
Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.


Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Marine Hitzewellen


Die Hitzewellen dieses Sommers haben nicht nur an Land Rekorde
gebrochen, sondern auch in den Meeren ihre Spuren hinterlassen.
Nordsee, Ostsee und vor allem das Mittelmeer weisen aktuell teils
massive positive Temperaturanomalien auf. Kann diese aufgestaute
Energie das Wetter im kommenden Herbst beeinflussen?


Über die wiederholten Hitzewellen wurde an dieser Stelle in den
vergangenen Monaten mehrmals berichtet, weniger intensiv wurden
jedoch die Temperaturen in den uns umgebenden Meeren betrachtet. Da
die Wärmekapazität von Wasser und damit der Meere deutlich größer als
die der Landmasse ist, reagieren diese deutlich träger auf Einflüsse
von außen. So fand die Erwärmung verzögert statt, aber auch wenn an
Land wieder Normalität einkehrt, so ist dies für die Ozeane noch
längst nicht der Fall.



Entsprechend der Verteilung der Hitzewellen im zu Ende gehenden
Sommer 2026 stechen besonders die positiven Anomalien im West- und
Zentralteil des Mittelmeers sowie in den im Westen an den Kontinent
angrenzenden Meeresgebieten heraus. Verbreitet werden im Südwestteil
der Nordsee, dem Ärmelkanal, der Biskaya sowie im Mittelmeer westlich
der Ägäis zwei bis vier Grad mehr gemessen als zu dieser Jahreszeit
üblich. Dies mag angesichts von zurückliegenden Hitzewellen an Land,
die teils mehr als zehn Grad Abweichung brachten, nicht viel
erscheinen, doch für das träge System Ozean sind dies enorme
Abweichungen und sehr viel zusätzliche Energie, die dort nun
gespeichert ist. Die Oberflächentemperatur des Mittelmeers beträgt
derzeit verbreitet 24 bis 30 Grad. Anfang August wurden von Bojen bei
den Balearen sogar Spitzenwerte von 32 bis 33 Grad gemessen. Ganz so
warm ist es an der deutschen Nordseeküste derzeit nicht, aber mit
Werten um 20 Grad ist auch dort das Wasser wärmer als üblich.

Wie extrem die marine Hitzewelle im Mittelmeer ist, verdeutlicht eine
Zeitserie der Meeresoberflächentemperatur. Diese zeigt seit Ende Mai
nicht nur deutlich höhere Werte als im Mittel der Jahre 1982 bis
2015, sondern weist für diesen Zeitraum auch fast durchgehend
Temperaturen auf, die über dem 90-%-Perzentil des Vergleichszeitraums
liegen. Während der ?Wärmespitzen? Ende Juni, Mitte Juli und Mitte
August lag die Temperatur sogar 1 bis 1,5 Kelvin über diesem
90-%-Perzentil. Korallen und Seegraswiesen sterben unter diesem
Hitzestress teilweise ab, Fische wandern ab, neue invasive Arten
wandern ein.

Die hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres 2026 setzen einen seit
über mehrere Dekaden anhaltenden Trend zu immer höheren Temperaturen
fort. Laut Erdbeobachtungsprogramm der EU "Copernicus" lag die
Erwärmungen in den Jahren 1982 bis 2023 bei etwa 0,04 Grad pro Jahr.


Die hohen Wassertemperaturen haben auch potenzielle Auswirkungen auf
das Wetter im kommenden Herbst. Die Meere wirken praktisch als Akku,
der seine Energie im späteren Verlauf des Jahres wieder abgibt. Dies
tut er in Form von Wärme und vor allem auch in Form von Wasserdampf.
Diese Energieabgabe tritt zwar jedes Jahr auf, dieses Jahr ?ist der
Akku aber besonders voll?. Für mögliche Tiefdruckgebiete steht so
besonders viel Treibstoff zur Verfügung. Dieser muss zwar nicht
genutzt werden, die Vergangenheit zeigt aber, dass es irgendwo und
irgendwann zu Wetterlagen kommt, die von dem erhöhten
Wasserdampfdargebot profitieren. Dies kann sich dann in stärkeren
Niederschlägen bei Gewittern und Tiefdruckgebieten zeigen oder die
Bildung von Medicanes begünstigen und im Entstehungsfall auch zu
höheren Windgeschwindigkeiten führen. Dabei müssen die Auswirkungen
nicht auf die Anrainerstaaten des Mittelmeers beschränkt bleiben.
Großräumige Strömungen können die Feuchtigkeit weit verfrachten und
zum Beispiel auch erst über Mitteleuropa den gebundenen Wasserdampf
als Niederschlag freisetzen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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