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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt

Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?



Die Prognose von und die Warnungen vor Gewittern ist im
Sommerhalbjahr sicherlich eine der Hauptdisziplinen im Warndienst des
DWD. Wie eine solche Vorhersage funktioniert, lesen Sie im heutigen
Thema des Tages.



Am gestrigen Mittwoch hat es im Süden und über der östlichen Mitte
Deutschlands zum Teil ordentlich "gerummst". Über Südbayern konnte
sich sogar eine sogenannte Superzelle entwickeln. Dabei handelt es
sich um ein besonders starkes, rotierendes Gewitter. Neben Sturmböen
und Starkregen wurde damit zusammenhängend auch Hagel mit Korngrößen
bis 3 cm Durchmesser beobachtet. Genau dieses Szenario wurde bereits
am Vortag innerhalb des Warndienstes diskutiert und letztlich schon
etliche Stunden vor dem Ereignis in die entsprechenden
Warnlageberichte und Vorhersagetexte aufgenommen. Da stellt sich die
Frage, wie so eine Gewittervorhersage überhaupt funktioniert.

Dass die Vorhersage von Gewittern von einigen Problemen begleitet
wird, wurde auch an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben (siehe
zum Beispiel das Thema des Tages vom 12.08.2023) und wird sicherlich
auch in Zukunft immer wieder Thema sein. Kurz zusammengefasst: Eine
räumlich und zeitlich exakte Vorhersage eines Gewitters ist aus
verschiedenen Gründen so gut wie unmöglich. Was dagegen meistens sehr
gut prognostizierbar ist, sind einerseits die Regionen, in denen das
Potenzial für die Entstehung von Gewittern erhöht ist und
andererseits die zu erwartenden Begleiterscheinungen.

Für die Abschätzung des Gewitterpotenzials steht dem Vorhersageteam
des DWD unter anderem der sogenannte "Konvektionsfavorit" zur
Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung mehrerer
Prognosefelder, die die nötigen Zutaten für die Entwicklung von
Gewittern beschreiben. Was für den Laien vielleicht nur nach vielen
bunten Bildchen oder eventuell auch moderner Kunst aussieht, liefert
den Meteorologen wichtige Informationen hinsichtlich der potentiellen
Entstehung und Stärke der Gewitter. Aus diesem Grund hat der
Konvektionsfavorit auch einen Stammplatz auf einem der zahlreichen
Bildschirme am Arbeitsplatz.

Bevor wir kurz etwas genauer auf die einzelnen "Bildchen" eingehen,
nochmal ganz kurz zu den Zutaten für ein Gewitter: Neben genügend
Feuchtigkeit muss die Luftmasse auch eine labile Schichtung
aufweisen, d.h. die Temperatur muss mit der Höhe stark abnehmen. Nun
muss die energiegeladene Luftmasse noch gezündet werden, sprich man
benötigt einen Mechanismus, der die Luft dazu veranlasst,
aufzusteigen. Das kann zum Beispiel ein zu überströmendes Gebirge
sein, bodennahe Überhitzung (Wärmegewitter), ein bodennah
konvergentes Windfeld oder ein dynamischer Impuls aus höheren
Luftschichten.

In der obigen Abbildung 2 ist auf der linken Seite einerseits ein Maß
für die Feuchtigkeit der Luft in unteren Schichten zu sehen
(Flächendarstellung) und andererseits die sogenannten PPW-Werte, also
der Wassergehalt der gesamten Luftsäule, der als Niederschlag
ausfallen kann (in mm, Zahlenwerte). Letzterer liefert einen Hinweis
auf das Starkregenpotenzial. Rechts daneben geht es um die
sogenannten Lapse Rates, also die Temperaturabnahme mit der Höhe, die
besonders zwischen zwei und vier Kilometer Höhe ausgeprägt sein
sollte. Rote Farben stehen für eine Abnahme von mindestens 0,6 Kelvin
pro 100 m Höhe (instabil) und blaue Farben für eine geringere Abnahme
und daher stabilere Verhältnisse. Die Kombination aus Feuchtigkeit
und (In-)Stabilität mündet schließlich in der potentiell zur
Verfügung stehenden Energie für die Gewitterentwicklung, dem
sogenannten CAPE (rechts). Die Zahlenwerte geben das sogenannte CIN
an, das konvektionshemmende Faktoren innerhalb der Luftschichtung
angibt.

In Abbildung 3 steht die Windscherung im Fokus. Diese stellt - um im
Küchensprech zu bleiben - das Gewürz dar und ist wichtig für die
weitere Entwicklung eines Gewitters. Dabei unterscheidet man zwischen
der Geschwindigkeits- und der Richtungsscherung. Die
Geschwindigkeitsscherung (links) kann man wiederum in hochreichende
Scherung (0 bis 6 km Höhe, Fläche) und in die Scherung im untersten
Kilometer (Low Level Scherung, Zahlen) aufsplitten. Während erstere
für den Organisationsgrad und damit die Langlebigkeit und auch
Schwere der Gewitter verantwortlich ist, liefert die Low Level
Scherung Hinweise für ein mögliches Tornadopotenzial. Für letzteres
sind auch die Felder rechts wichtig, die die Richtungsscherung, also
die Drehung des Windes mit der Höhe (Fläche), und die Höhe der
Wolkenuntergrenze (Linien/Zahlen, in m) zeigt. Ist die
Richtungsscherung hoch genug, können sich rotierende Gewitter,
sogenannte Superzellen entwickeln, an denen sich bei niedriger
Wolkenunterkante (unter 1000 m) ein Tornado entwickeln könnte.

Kommen wir zur unteren Reihe des Konvektionsfavoriten. Die Bildchen
in Abbildung 4 liefern Informationen zu potentiellen
Hebungsmechanismen, die zum Beispiel aus den Strömungsverhältnissen
in verschiedenen Höhenbereichen resultieren (links: ca. 5,5 km,
Mitte: ca. 9 km, rechts: bodennah).

Abbildung 5 zeigt linkerhand die Windstärke und -richtung in
verschiedenen Höhenniveaus, woraus man konvergente Windstrukturen
herausarbeiten kann und einen Überblick über eine mögliche
Winddrehung mit der Höhe bekommt. Rechterhand ist dann noch die
sogenannte Auslösetemperatur zu finden. Wird diese Temperatur
erreicht, beginnt die Luft von selbst, aufzusteigen. Dazu gesellt
sich eine Niederschlagsprognose, die neben der Menge (Fläche) auch
die Art des Niederschlags (Symbole) angibt.

Durch diese Fülle an Informationen bekommt man also schon mal einen
ersten Eindruck darüber, in welchen Regionen das Gewitterpotenzial
erhöht ist, welche Begleiterscheinungen erwartet werden können und wo
wahrscheinlich keine Gewitter auftreten werden. Doch für eine finale
Aussage braucht es noch etwas mehr. Wichtig ist zum Beispiel noch die
Sichtung von sogenannten Prognoseaufstiegen, die die vertikale
Temperatur- und Feuchteverteilung zeigen. Und dann gibt es natürlich
noch weitere Vorhersagemodelle, die manchmal eine völlig andere Idee
hinsichtlich der Gewitterlage haben als das, das dem
Konvektionsfavoriten zugrunde liegt.

Vielleicht haben Sie bemerkt, dass sich die betrachteten Felder auf
den gestrigen Mittwoch beziehen (17 Uhr MESZ). Demnach wurde vom
Süden bis in die zentrale und östliche Mitte eine feuchte und
gleichzeitig auch instabile Luftmasse vorhergesagt, was wenige
hundert Joule pro Kilogramm an CAPE zur Folge hatte. Ausreichend
Energie für Gewitter war also vorhanden. Im Südosten überlappte diese
Energie zudem mit hochreichender Geschwindigkeitsscherung sowie etwas
Richtungsscherung, was Hinweise für organisierte Strukturen bis hin
zu Superzellen und zudem etwas größerem Hagel und Böen bis in den
schweren Sturmbereich lieferte. Angesichts der hohen prognostizierten
Wolkenuntergrenzen (über 1500 m) wurde die Tornadogefahr dagegen als
sehr gering eingeschätzt. Deutlich höher war die Wahrscheinlichkeit
wiederum für Starkregen, was auf PPW-Werte zwischen 20 und 25 mm und
einer eher langsamen Zuggeschwindigkeit der Gewitterzellen
zurückzuführen war.


Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.05.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wetter aktuell

Endlich (zu viel) Regen



Die Wetterwoche setzt ihren turbulenten Kurs auch heute fort.
Vergangene Nacht fielen bereits teils erhebliche Mengen Regen.



Am Ende haben die Modelle einen guten Riecher gehabt. Bereits am
gestrigen Dienstag berichteten wir über die bevorstehende
Starkregenlage, die vor allem zentrale Landesteile treffen sollte,
ausgehend von Ostwestfalen über das nordhessische Bergland sowie
Eichsfeld/Kyffhäuser hinweg ins Harzumfeld. Dort sind letzten Endes
auch die höchsten Mengen gefallen. Spitzenreiter war dabei die
Station in Gräfentonna (Thüringen) mit 67,2 mm in 24 Stunden, gefolgt
von Witzenhausen (Hessen) mit 65,1 mm und am Possen (Thüringen) mit
63,1 mm. Das entspricht ziemlich genau den numerischen Vorhersagen,
die Mengen von bis zu 70 mm im Gepäck hatten, wobei der Großteil der
Niederschläge in einem wesentlich kürzeren Zeitraum gefallen ist.
Dementsprechend hoch war auch der sogenannte "Impact", also die
Folgewirkungen des Niederschlags. Insbesondere in Nordthüringen kam
es zu überfluteten Straßen und Kellern und einigen notwendigen
Feuerwehreinsätzen.

Auch abseits dieser unwetterartigen Mengen fielen verbreitet
wenigstens 20 bis 40 mm Niederschlag, die damit der vorhergehenden
und bereits seit einiger Zeit andauernden Trockenperiode zunächst mal
ein Ende bereiteten. Für die meisten dürften die Niederschläge in
diesem Fall also mehr Segen als Fluch bedeutet haben.

Heute setzt sich der "Spuk" erst noch einmal fort. An der Wetterlage
hat sich im Vergleich zu gestern nur sehr wenig geändert. Beachtlich
ist mittlerweile die Ausprägung der Luftmassengrenze, die sich im
Norden Deutschlands befindet. Dort hat sich seit vielen Stunden ein
Regenband formiert, aus dem sich allmählich ein Wellentief zu formen
beginnt, gleichzeitig befindet sich am Alpenrand ein veritables
Leetief mit deutlich ausgerägtem Druckzentrum und entsprechendem
Windfeld um den Tiefkern herum. Das Ergebnis: Während man in und um
Bremen bei nasskalten und dauerverregneten 8°C bibbern muss, sind am
östlichen Alpenrand mit etwas Föhnunterstützung bereits 24°C zu
verzeichnen. Von dort erstreckt sich eine feuchtwarme Luftmasse bis
zum Regenband im Norden, und genau in diesem Bereich hat bereits das
große "Geblubber" begonnen. Hauptaugenmerk liegt zunächst auf dem
Alpenrand, wo sich bereits zum Zeitpunkt des Verfassens dieses
Beitrags eine unwetterträchtige Gewitterzelle in Form einer
Bogenlinie aus den Bergen herausgelöst hat und Richtung München
zieht. Mit im Gepäck: Größerer Hagel, Starkregen und (schwere)
Sturmböen im Bereich 9-10 Bft, etwa 80 - 90 km/h, im "worst case"
auch bis 100 km/h.

Weitere kräftige Entwicklungen - wenngleich nicht zwingend
unwetterträchtig - sind u.a. im Nordthüringer Raum absehbar, wo sich
entlang des Südharzes vermehrt Labilität unter ebenfalls günstigen
Scherungsbedingungen (Windzunahme mit der Höhe) aufgebaut hat. Auch
hier besteht Potential für die Entstehung einer Superzelle, mit Hagel
und Sturmböen im Gepäck.

Bis in die Nacht hinein bilden sich anschließend immer mehr Schauer
und Gewitter, die schließlich miteinander "verklumpen" - unter
Meteorologen als "Cluster" bezeichnet - und schließlich in
ungewittrigen Starkregen übergehen. Dieser ergießt sich dann über die
nachfolgenden Stunden vor allem über die östlichen Landesteile,
bevorzugt vor allem von Thüringen bis nach Oberfranken. Dabei kommen
weitere 20 bis 30 mm Niederschlag zusammen, die auch die Regionen
betreffen, in denen bereits letzte Nacht schon viel Regen fiel.

Am morgigen Donnerstag ist die eigentlich gar nicht mal so potente
Luftmasse dann allmählich "ausgelutscht". Die Luftmassengrenze im
Norden löst sich zunehmend auf und die Zahl der Schauer und Gewitter
nimmt in der Folge ab. Dort, wo sich nochmals welche bilden, fallen
diese auch eine ganze Nummer im Vergleich zu gestern und heute
schwächer aus. Ab Freitag übernimmt dann Hochdruckeinfluss das Zepter
und hält über das kommende Wochenende hinweg an.



M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.05.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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