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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren


Am 29. August 2005 traf Hurrikan KATRINA die Südküste der USA im
US-Bundesstaat Louisiana. Überflutungen, Verwüstungen und Chaos waren
die Folge. Heute, zum 21. Jahrestag, soll es einen kleinen Rückblick
geben.



Tropische Wirbelstürme bilden sich über dem Nordatlantik jedes Jahr.
Die sogenannte Hurrikansaison beginnt dabei am 1. Juni und endet Ende
November. 2005 war eine der aktivsten Jahre mit 28 tropischen
Stürmen, davon 15 mit Hurrikanstärke. Insbesondere Hurrikan KATRINA
bleibt im Gedächtnis, da dessen Landgang mit vielen Todesfällen und
enormen Schäden einher gegangen ist.

Schon am 23. August bildete sich eine tropische Depression bei den
Bahamas und verstärkte sich im Laufe des nächsten Tages zu einem
tropischen Sturm - der "Vorstufe" eines Hurrikans. Während sich das
System zuerst nach Norden bewegte und dann in südöstliche Richtung
über Florida schwenkte, erreichte es am 25. August erstmals die
Stärke eines Hurrikans der Stufe 1. Nach kurzer Abschwächung über
Land erreichte KATRINA den Golf von Mexiko. Hier begünstigten
Faktoren, wie eine hohe Wassertemperatur und eine schwache
Windscherung die weitere Entwicklung. Dadurch konnte sich eine erste
rasche Verstärkungsphase (rapid intensification) vollziehen. In nur
24 Stunden stieg die mittlere Windgeschwindigkeit von 65 auf 95 kt
(120 auf 175 km/h) an und die Hurrikanstufe 3 wurde am 27. August
erreicht. Daran schloss sich ein zweiter rasanter Entwicklungsschritt
an. KATRINA änderte ihre Zugrichtung durch eine Veränderung der
Strömung in höheren Schichten auf Nordost. In weniger als 12 Stunden
entwickelte sie sich zu einem Hurrikan der Kategorie 5, der höchsten
Kategorie in der Saffir-Simpson-Skala! Die maximale Intensität von
145 kt (270 km/h) und ein Kerndruck von 902 hPa wurden am Abend des
28. August erreicht.

Leider zog dieses zerstörerische System daraufhin in nördliche
Richtung, schwächte sich zwar noch auf Stufe 4 ab, traf aber am 29.
August nahe New Orleans auf die Küste der USA. Neben den exorbitanten
Windgeschwindigkeiten hatten sich entwickelnde Tornados, große
Regenmengen und eine Flutwelle, die eine Höhe von bis zu 8 Metern
erreichte, verheerende Folgen. Beispielsweise stand der Großteil des
Stadtgebietes von New Orleans durch Brüche von Staudämmen bis zu 7,6
Meter tief unter Wasser. Dort festsitzende Menschen mussten teilweise
einige Tage auf Rettung warten. Insgesamt entstanden Schäden in Höhe
von einem Dollarbetrag im dreistelligen Milliardenbereich. So wurde
KATRINA zum kostenintensivsten Hurrikan der Geschichte.
Glücklicherweise konnten vermutlich etwa 1,3 Millionen Menschen
rechtzeitig die betroffenen Gebiete verlassen, dennoch waren über den
gesamten Entwicklungszeitraum dieses Systems 1392 Tote zu beklagen.
Wer einen detaillierten Bericht (auf Englisch) zu Hurrikan KATRINA
lesen möchte, der findet einen solchen unter
https://www.nhc.noaa.gov/data/tcr/AL122005_Katrina.pdf.


M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.08.2026

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Wetter aktuell

Göttliche Zeichen am Himmel? ? Historische Interpretationen von Halos



Seit jeher sorgten Halo-Erscheinungen am Horizont für breites
Erstaunen. Erscheint einem am Himmel ein solcher Lichtkreis mit den
teils farbenfrohen Flecken, könnte man glatt meinen, es handle sich
um ein außergewöhnliches (gar übernatürliches?) Ereignis.


Ein Halo entsteht, wenn Sonnen- oder Mondlicht auf Eiskristalle
trifft, die sich zum Beispiel in hohen Schleierwolken (Cirruswolken)
befinden. Diese Eiskristalle sind meist sechseckig und können das
Licht brechen und reflektieren. Je nach genauer Form oder Lage der
Kristalle entstehen dabei unterschiedlichste Erscheinungen um die
Lichtquelle herum. Dazu gehören unter anderem mehrere Ringe (Halos),
Nebensonnen und Lichtbögen.

Heute ist das Auftreten dieses Spektakels physikalisch also gut
erklärbar. Doch in früheren Zeiten ging die Sichtung eines Halos oft
mit einer Reihe abergläubischer Interpretationen einher.

Eine dieser Geschichten ereignete sich am 7. Mai 1665 im südlichen
Frankreich. Dort wurde in einer feierlichen Zeremonie die Herrschaft
über die Stadt Orange zurück an den jungen Prinz William Henry von
Nassau gegeben. Etwa zur Mittagszeit versammelten sich viele Menschen
vor dem alten römischen Theater, um der Zeremonie beizuwohnen.

Plötzlich ertönen Schreie, Ausrufe der Verwunderung und des
Entsetzens, Aufruhr fährt durch die Menge. Gerade als der Prinz den
Thron antritt und die Bürger ihm die Treue schwören, erscheint eine
?himmlische Krone direkt über dem Thron?. Als ein ?außergewöhnliches
Event? in den ?Farben eines Regenbogens? wird es beschrieben. Es
schien der gläubigen Gemeinde, als hätte Gott ein Zeichen gesendet.
Er drücke durch dieses himmlische Symbol sein Wohlwollen dem jungen
Prinzen gegenüber aus und verheiße ihm eine gute Zukunft. Auch der
Leiter der Zeremonie, Constantijn Huygens, befeuerte diese Euphorie.
Er trieb den Enthusiasmus der Menschen so in die Höhe, dass Dichter
Gedichte über dieses Ereignis schrieben und Künstler Gemälde malten.

Die interessante Wendung dieser Geschichte:

Vielleicht ist aufmerksamen Leserinnen und Lesern, die bereits das
Glück (oder Unglück?) hatten, sich mit der Wellentheorie des Lichts
zu beschäftigen, der Name des Zeremonienleiters (Huygens) schon
aufgefallen. Denn jener Mann, der oben auf dem Podium der Menge
predigt, Gott habe ein Zeichen zur Gunst des jungen Prinzen gesendet,
ist kein Geringerer als der Vater des heute bekannten
Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens. Dieser entwickelte nur drei
Jahre vor jenem ?göttlichen? Geschehnis die erste erfolgreiche
quantitative Beschreibung der Entstehung von Halos. Kaum anzunehmen,
dass sein eigener Vater Constantijn Huygens nicht Bescheid wusste,
was dort gerade vonstatten ging. Ein cleverer Trick von Constantijn
Huygens also, wissend, dass es sich lediglich um ein physikalisches
Schauspiel handelte, die Euphorie der Menschen in eine politische
Richtung zu lenken. Denn wer widersetzt sich schon einem Prinzen, der
vom Allmächtigen persönlich abgesegnet wurde?

Diese Politisierung des Auftretens von Halo-Erscheinungen in
günstigen Momenten ist jedoch kein Einzelfall. Schon bei den alten
Römern (44 v. Chr.) und auch zur Tschernobyl-Katastrophe (1986) gab
es ähnliche Vorfälle, die aber wohl eher Gegenstand eines weiteren
Themas des Tages sind.

Wen nun ebenfalls die Euphorie für optische Erscheinungen am Himmel
gepackt hat, der kann sich mithilfe der HaloSim3-Software
(https://www.atoptics.org.uk/halo/halfeat.htm) auch eigene Phänomene
zusammenbasteln. In dem Programm ist es zum Beispiel möglich, durch
Herumspielen mit physikalischen Parametern wie Eiskristallausrichtung
exakt den Himmel zum Zeitpunkt von Huygens? Zeremonie nachzubauen.
Alternativ lässt sich auch einfach gut die Vielfältigkeit der
Erscheinungen durch Lichtbrechung und Beugung bewundern.

Obwohl das physikalische Verständnis heute wesentlich weiter ist als
zu jener Zeit, sorgt die Sichtung von Halo-Ereignissen dennoch für
Begeisterung. Schließlich befindet es sich an einem Ort, an dem die
Menschen seit jeher nach Antworten suchen: dem Himmelszelt. Ob dies
als Zeichen für etwas gedeutet werden kann, bleibt letztlich jedem
selbst überlassen.

(Die Bilder und der Link zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie
immer im Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dipl.-Met. Robert Hausen / Anna-Lena Dötsch

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.08.2026

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