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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Deutschland nächste Woche im grün angestrichen Sommer. Können wir

diesem Wetter ausweichen?

Während man mit Statistiken zu Last Minute Buchungen derzeit Folgen
politischer Probleme auf die Spur zu kommen versucht, haben wir es
hier einfacher.
Wir stellen in unseren Prognosen fest, dass es nächste Woche
deutschlandweit kaum trockene Tage gibt und liefern Ihnen Vorschläge,
an welchen Orten in Europa und Nordafrika Sie mit trockenerem Wetter
rechnen können und sich daher eine Last Minute Buchung lohnt.

Um es vorweg zu sagen, es wird schwierig. Das Wettersystem, das sich
nächste Woche über Mitteleuropa einnistet, streckt seine Fühler bis
in den Norden Afrikas aus, natürlich dort kürzerfristig und mit nicht
so kräftigen Auswirkungen.

Nordskandinavien wäre zu Wochenbeginn ein Tipp, insbesondere für die,
die es nicht so heiß mögen; viel mehr als 20 Grad wird es dort nicht
werden. Spätestens am Freitag kommt auch dort Regen auf.
Der Süden Skandinaviens, Dänemark, die baltischen Staaten, die
Britischen Inseln und auch die anderen an uns angrenzenden
Urlaubsländer befinden sich in guter Gesellschaft mit den deutschen
Balkonienurlaubern. Dabei liegen die Temperaturen bei 20 bis 25
Grad.
Schauen wir nun also zum Mittelmeer. Dort ziehen die Auswirkungen des
umfangreichen mitteleuropäischen Tiefs langsam ostwärts.
Zu Wochenbeginn werden Spanien, Portugal und auch noch Marokko und
Algerien erfasst, das zentrale Mittelmeer wird vor allem am Dienstag
und Mittwoch davon beeinflusst. Das östliche Mittelmeer erreichen
seine Auswirkungen ab Donnerstag. Gleichzeitig nähert sich am
Wochenende dem westlichen Mittelmeer neuer Tiefdruckeinfluss, diesmal
von einem westeuropäischen Tief.
Welche Konsequenzen hat das nun für das Wetter rund ums Mittelmeer?
Der Tiefdruckeinfluss äußert sich durch leicht unbeständiges Wetter
mit vielen Wolken und örtlichen Gewitterschauern. Nachfolgend sinken
die Temperaturen für eins, zwei Tage in für uns eher angenehme
Bereiche. Im nördlichen Mittelmeer auf unter 30 Grad, in Afrika unter
35 Grad.

Von unseren typischen Reisegebieten Europas und rund ums Mittelmeer
bleiben in der nächsten Woche voraussichtlich nur die Kanaren
weitgehend vom Tiefdruckeinfluss verschont. Rund ums Mittelmeer wird
es natürlich deutlich schöner als bei uns, nur eben nicht mit
ganzwöchigem blauem Himmel, sondern mit einigen Schönheitsfehlern.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.07.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Die Hundstage


Am kommenden Sonntag beginnen sie: die Hundstage. Umgangssprachlich
bezeichnet man in vielen Ländern Europas die heißen Tage in der Zeit
vom 23. Juli bis 23. August als "Hundstage". Namensgebend ist dabei
nicht der vierbeinige Freund des Menschen, sondern das Sternbild
"Großer Hund", dessen hellster Stern der Sirius ist. Wie kommt man
aber nun vom Sternbild auf das Wetter? Um das zu klären, müssen wir
etwa 6000 Jahre in der Zeit zurück reisen.


Die alten Ägypter erkannten, dass das Anschwellen des Nils mit der
Bewegung der Sonne über den Äquator nach Norden zusammenhing. Mit dem
Sonnenstand wandert auch die sogenannte innertropische Konvergenzzone
(ITCZ, siehe DWD-Wetterlexikon) nach Norden. Damit beginnt am
Oberlauf des Nils die Regenzeit. In heutigen politischen Grenzen
gehören im Wesentlichen der Südsudan, Äthiopien, Kenia, Uganda und
Tansania zum Einzugsgebiet des längsten Flusses der Erde. Man stellte
damals auch fest, dass der Frühaufgang des Sirius mit der
Sommersonnenwende und somit mit dem Beginn der fruchtbaren
Nilschwemme zusammenfiel. Das war in der damaligen auf Landwirtschaft
ausgerichteten Gesellschaft ein äußerst wichtiges Ereignis.


Sowohl die Erdrotation als auch der Umlauf der Erde um die Sonne
(Revolution) geschehen gegen den Uhrzeigersinn. Die Erde dreht sich
also in West-Ost-Richtung ? die Sonne geht im Osten auf. In gleicher
Weise wandert die Position der Erde auf der Ekliptik
(Sonnenbahn-Ebene) nach Osten. Aus diesem Grund gehen die im
Jahresverlauf immer wieder neu erscheinenden Sterne und Sternbilder
zuerst morgens auf. Man spricht dann auch vom "heliakischen Aufgang".
Sie werden zunächst in der Morgendämmerung sichtbar, dann von Tag zu
Tag etwas früher in die Nacht hinein verschoben. Es dauert einen
ganzen Monat, bis alle Sterne des Großen Hundes sichtbar sind.


Obschon der Frühaufgang von Sirius bei den Ägyptern ein positives
Ansehen genoss, hatte er etwas weiter nördlich in Mesopotamien ein
ganz anderes Image: Denn während das damalige Oberägypten im Sommer
im Einflussbereich der ITCZ lag, wurde das Zweistromland durch den
ebenfalls nach Norden wandernden subtropischen Hochdruckgürtel von
Hitze und Dürre heimgesucht. Entsprechend wurde Sirius, der bei den
Sumerern Kaksisa hieß, als böser Gott angesehen, der es nicht regnen
ließ. Dazu passte es auch, dass die Regenzeit einsetzte, nachdem
Sirius vom Nachthimmel verschwunden war. Entsprechend schufen sie
sich für diese Zeit die Sternbilder Ziegenfisch, Wassermann und
Fische. Diese Regenzeit hängt mit einer Südverlagerung der
Frontalzone im Nordwinter zusammen.


Die Griechen übernahmen den Hund in ihren Götter- und Sternenkult. Ab
dem Jahr 432 v. Chr. begann alle 19 Jahre das Kalenderjahr mit dem
Frühaufgang des Sirius. Allerdings fiel der heliakische Aufgang zu
dieser Zeit schon nicht mehr auf den 21. Juni, sondern hatte sich um
knapp einen Monat nach hinten auf den 19. Juli verschoben.


Die Ursache dafür ist die Kreiselbewegung der Erdachse auf ihrer
Ekliptik. Dieses Phänomen nennt man "Präzession". Es handelt sich
dabei um eine Achsenkreiselbewegung mit dem Neigungswinkel der
Erdachse von 23,44° gegen die Himmelsachse. Diese Bewegung verläuft
im Uhrzeigersinn, also der Revolution entgegengerichtet. Daher kommt
es zu einer Rückverlagerung des Punktes der
Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche auf der Erdbahn und somit zu einer
"Frühlingsverfrühung". Etwa alle 25700 bis 25800 Jahre hat der
sogenannte Frühlingspunkt dann alle Tierkreiszeichen durchwandert.
Die Folge dieser Bewegung ist, dass alle Sterne und Sternbilder etwa
alle 2150 Jahre um ein Tierkreiszeichen gegenüber dem Frühlingspunkt
vorrücken. Die Sonne steht also alle 2150 Jahre einen Monat später im
selben Sternbild.


Nun könnte man nachrechnen und zu dem Schluss kommen, dass zwischen
ägyptischem und griechischem Kalender doch ungefähr 3000 Jahre liegen
und somit der Sirius-Frühaufgang bei den alten Griechen etwa
eineinhalb Monate statt nur einem Monat später liegen müsste. Diese
Differenz lässt sich zum einem damit erklären, dass sich die Neigung
der Erdachse gegenüber der Ekliptik ebenfalls ändert. Zum anderen
sind Fixsterne wie Sirius trotz ihres Namens keine hundertprozentig
festen Sterne und bilden im Laufe der Zeit völlig neue Sternbilder.


Die heißeste Zeit des Jahres in Griechenland lag vor nunmehr fast
2500 Jahren und liegt auch noch heute im Mittel im Zeitraum von Mitte
Juli bis Mitte August. Dann ist zwar der Sonnenhöchststand schon um
einen Monat überschritten, jedoch hängt die Meteorologie der
Astronomie aus energetischen Gründen etwas hinterher.
So konnten die alten Griechen also den Beginn der Hitzeperiode mit
dem Frühaufgang von Sirius im Sternbild des Großen Hundes in
Verbindung bringen. Dass die Griechen diese nicht gerade schätzten,
kommt auch schon im griechischen Ursprung des Namens Sirius (Seirios)
zum Tragen, was man mit "gleißend heiß" übersetzen könnte.


Auch wenn seit dieser Zeit viele Jahre ins Land gegangen sind, hat
sich die Bezeichnung "Hundstage" für die heißesten Tage in vielen
Gegenden Europas bis heute gehalten. Jedoch hat sich der Frühaufgang
von Sirius und der anderen Sterne des Großen Hundes aufgrund der
Präzession inzwischen weiter nach hinten verlagert. So kann man
diesen in Griechenland heutzutage am Morgenhimmel um den 10. August
herum beobachten, in Deutschland je nach geografischer Lage sogar
erst Ende August/Anfang September. Die größte Hitze ist da aber in
der Regel schon vorbei und der Herbst steht so langsam vor der Tür.
Vielmehr steht die Sonne während der Hundstage heutzutage im
Tierkreiszeichen Löwe, weswegen sie eigentlich "Löwentage" heißen
müssten.


Für den Zeitraum vom 28. Juli bis 7. August ? also genau während der
Hundstage - weisen die Klimastatistiken für Mitteleuropa oftmals eine
Südwestwetterlage aus. Die dabei aus dem Mittelmeerraum
herangeführten Luftmassen sind zwar auch als warm bis heiß zu
charakterisieren, jedoch neigen sie weniger zu Dürre, sondern
vielmehr zur Gewitterbildung.

M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.07.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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