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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wetter aktuell

Wie wird eigentlich ? gemessen? - Temperatur


Ein Blick auf das Thermometer verrät die aktuelle Temperatur. Doch
diese Messgeräte gibt es in vielen Formen und Ausprägungen. Was
steckt dahinter und auf welchen Prinzipien beruhen diese
Messverfahren eigentlich?


Auch wenn der Sommer nun (zumindest im meteorologischen Sinne) zu
Ende geht, bleiben uns die zahlreichen Meldungen über Hitzerekorde
noch deutlich in Erinnerung. Nun stellt sich die Frage: Auf welche
Weise kann die Temperatur denn überhaupt gemessen werden?

Offensichtlich ist dafür ein Thermometer notwendig. Doch diese
Messgeräte machen sich mitunter viele physikalische Gesetze und
Eigenschaften zunutze, um daraus schließlich die Temperatur
abzuleiten.

Beginnen wir mit einem klassischen Flüssigkeitsthermometer. Das
Prinzip ist einfach. Eine bestimmte Flüssigkeitsmenge - früher
Quecksilber, heutzutage oft Ethanol - dehnt sich aus, sobald sie
erwärmt wird. Diese Volumenänderung zeigt sich, indem der Pegel der
Flüssigkeit entlang eines Röhrchens steigt oder sinkt. Eine
entsprechend angepasste Skala (siehe Link für mehr Informationen)
gibt die Temperatur an. Doch nicht nur bei Flüssigkeiten lässt sich
dieser Effekt verwenden. Eine weitere Thermometerbauweise zeichnet
sich dadurch aus, dass zwei unterschiedliche Metallstreifen fest
miteinander verklebt werden. Man nennt dies auch "Bimetallstreifen".
Die verschiedenen Wärmeausdehnungskoeffizienten sorgen bei Erwärmung
oder Abkühlung dafür, dass sich das Bimetall in eine oder die andere
Richtung krümmt. Das Ausmaß der Krümmung lässt auf die Temperatur
schließen. Oft werden hierfür Legierungen verwendet, die Eisen,
Nickel oder Mangan enthalten. Naheliegenderweise heißen die
Messgeräte, die diese Art der Temperaturmessung benutzen,
Ausdehnungsthermometer.

Sogenannte Thermoelemente bestehen aus zwei unterschiedlichen
Materialien, zwischen denen eine Spannung gemessen werden kann.
Hierbei wird der sogenannte Seebeck-Effekt ausgenutzt. Dieser besagt,
dass die gemessene Spannung abhängig vom Temperaturunterschied der
beiden Materialien ist. Da nur die Differenz, jedoch nicht der
absolute Temperaturwert gemessen werden kann, muss für eine echte
Temperaturmessung eine der beiden schon bekannt sein.

Die Funktionsweise eines Widerstandsthermometers beruht darauf, dass
der elektrische Widerstand temperaturabhängig ist. Liegt also ein
konstanter Strom am Gerät an, ändert sich die gemessene Spannung,
wenn sich die Temperatur ändert. Dadurch kann diese abgeleitet
werden. Zumeist werden hierfür Metalle wie Platin, Nickel oder
Silizium verwendet.

Allgemein haben diese Messgeräte die Gemeinsamkeit, dass sie mit der
zu messenden Oberfläche oder dem zu messenden Material in Kontakt
kommen müssen. Daher gibt es hierfür den Überbegriff
"Berührungsthermometer". Weitere Varianten sind beispielsweise das
Dampfdruckthermometer, das auf den Eigenschaften des Dampfdrucks
einer Flüssigkeit beruht, oder Temperaturmessstreifen. Letztere
verändern in Abhängigkeit der Temperatur ihre Farbe.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Messgeräte, die keinen direkten
Kontakt benötigen. Hier wird die ausgehende Strahlung im
Infrarotbereich genutzt. Diese ist sowohl in ihrer Intensität als
auch in der Wellenlängenverteilung von der Eigentemperatur abhängig.
Das Plancksche Strahlungsgesetz (bzw. das Stefan-Boltzmann-Gesetz und
das Wiensche Verschiebungsgesetz) bildet dabei die physikalische
Grundlage. Für die Messung wird ein Infrarotsensor benötigt.
Verschiedene Variationen der Messung analysieren entweder einen
großen Wellenlängenbereich oder konzentrieren sich auf wenige
spezielle Wellenlängen und ermitteln aus dem Vergleich die
Temperatur. Wohlbekannt ist uns diese Art der Messung beispielsweise
von Fieberthermometern.

M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag


Große Windparks produzieren nicht nur Strom - sie greifen auch in die
atmosphärische Grenzschicht ein und können damit Temperatur, Feuchte
und Wolkenbildung beeinflussen. Welche Auswirkungen hat dies auf die
Niederschlagsverteilung?


Eine Windkraftanlage entzieht der Strömung kinetische Energie.
Gleichzeitig erzeugen die Rotorblätter Turbulenz. Dadurch entsteht
hinter einem Windpark eine Strömungsabschattung. In diesem Bereich
ist die Windgeschwindigkeit geringer, die Turbulenz erhöht und es
kommt zu einem veränderten vertikalen Transport von Impuls, Wärme und
Feuchte. In großen Windparks kann sich diese Abschattung (Wake)
überlagern und unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen über
viele Kilometer erstrecken.

Der Einfluss von Windkraftanlagen ist hauptsächlich in der
atmosphärischen Grenzschicht vorhanden. Eine typische moderne
Windkraftanlage besitzt eine Nabenhöhe von etwa 160 Metern. Die
Gesamthöhe kann dabei bis zu 270 Meter betragen. Damit wird direkt
nur die untere atmosphärische Grenzschicht beeinflusst. Ein Effekt
auf die freie Atmosphäre oberhalb von 1 Kilometer ist kaum vorhanden.


In der atmosphärischen Grenzschicht nehmen große Windkraftparks aber
vor allem bei stabiler atmosphärischer Schichtung einen
entscheidenden Einfluss auf das Strömungsprofil stromabwärts. Die
Windgeschwindigkeit wird dort deutlich reduziert. Diese Veränderungen
der Strömung können über mehrere zehn Kilometer nachweisbar sein.
Eine Studie fand unter stabilen atmosphärischen Bedingungen eine
Strömungsänderung bis etwa 30 Kilometer stromabwärts großer Parks.
Dieser messbare aerodynamische Nachlauf bedeutet aber nicht, dass
auch das Wetter in diesem Umkreis entsprechend stark verändert wird.


Durch die erzeugte Turbulenz kann es kleinräumig zu
Temperaturänderungen kommen. Dieser Effekt auf die Temperatur ist
allerdings stark abhängig von der atmosphärischen Schichtung. Bei
Hochdrucklagen mit stabiler Schichtung und starker
Temperaturinversion wird der Grenzbereich zwischen wärmerer und
kühlerer Luftmasse durchmischt. Dabei kann es in Erdbodennähe zu
einer leichten Temperaturzunahme kommen. Allerdings ist dieser Effekt
regional begrenzt und beschränkt sich auf die Leeseite der
Windkraftanlagen. Modellstudien zeigen dort regional eng begrenzt
Temperaturänderungen von bis zu 0,5 Grad Celsius.

Zudem können größere Windparks durch turbulente Prozesse auch die
Bildung und Auflösung von Wolken beeinflussen. Besonders relevant ist
dies bei einer stabil geschichteten und feuchten atmosphärischen
Grenzschicht. Durch die Strömungsablenkung der Windparks können sich
lokale Konvergenzen ausbilden, die die Bildung tiefer Wolken
begünstigen. Modellstudien zeigten deshalb beispielweise über der
Nordsee eine Zunahme der tiefen Bewölkung über den Windparks und eine
Abnahme stromabwärts davon. Allerdings ist diese Wirkung nicht
allgemeingültig. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die erzeugte
Turbulenz auch Nebel oder tiefe Wolken auflösen. Entscheidend dabei
sind die vorhandene Feuchtigkeit, die vertikale Temperaturschichtung
und die Stabilität der atmosphärischen Grenzschicht.

Dieser Effekt auf die Bildung und Auflösung von Wolken führt zu einer
weitergehenden kontroversen Frage: Können diese atmosphärischen
Veränderungen den Niederschlag beeinflussen?

Zwischen Wolkenbildung und fallendem Niederschlag kommt es zu
weiteren komplexen mikrophysikalischen Prozessen. Gleichzeitig
bestimmen großräumige Feuchtetransporte und synoptische
Hebungsprozesse, wo letztendlich Niederschlag entsteht. Damit nimmt
die wissenschaftliche Unsicherheit deutlich zu. Während die
Auswirkungen von Windparks auf Strömung und erzeugte Turbulenz gut
belegt sind, ist die Frage nach langfristigen und räumlich relevanten
Veränderungen des Niederschlags deutlich schwieriger zu beantworten.


Dadurch ergibt sich bislang kein einheitliches Bild. Einige
Untersuchungen zeigen unter bestimmten Bedingungen eine Zunahme des
Niederschlags über großen Windparks und stromabwärts eine leichte
Abnahme. Allerdings ist dieser mögliche Einfluss wesentlich von der
Größe und Anordnung des Windparks sowie der jeweiligen Wetterlage
abhängig!

Große Windparks beeinflussen somit nachweislich die atmosphärische
Grenzschicht und können Wind, Turbulenz, Temperatur und unter
bestimmten Bedingungen auch die Bildung- und Auflösung von Wolken
modifizieren. Ob daraus langfristige und relevante Veränderungen
regionaler Niederschlagsmuster entstehen, ist wissenschaftlich jedoch
noch nicht abschließend geklärt.

M.Sc.-Met. Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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