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Thema des Tages
Ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst. Neueste Meldung oben

Wissenschaft kompakt


Verifikation von Wettermodellen - Teil 2


Die Wetterdienste haben den Anspruch immer bessere Wettermodellen zu
entwickeln. Dazu müssen die Vorhersagen kontinuierlich auf ihre
Richtigkeit überprüft werden. Dieser Prozess wird Verifikation
genannt. Im Thema des Tages vom 11.09.2026 wurde ein erster Einblick
gegeben, der heute weitergeführt wird.


Wettervorhersagen sind eine schwierige Kunst, zum Glück gibt es
heutzutage zahlreiche Wettermodelle, die stetig weiterentwickelt
werden. Um überprüfen zu können, wie gut ihre Vorhersagequalität ist,
gibt es die Methoden der Verifikation. Im Thema des Tages vom
11.09.26 wurden erste Aspekte näher betrachtet. Heute soll es um die
kategorischen Gütemaße gehen.
Zur Erinnerung: Um beispielsweise Temperaturvorhersagen zu
überprüfen, werden kontinuierliche Gütemaße verwendet. Geht es jedoch
zum Beispiel um die Vorhersage, ob es regnet oder nicht, so wird nur
zwischen ja oder nein unterschieden. Daraus ergibt sich eine
sogenannte Wahrheitsmatrix mit vier verschiedenen Fällen. Ist das
Ereignis eingetreten und die Vorhersage "ja", so spricht man
beispielsweise von einem Treffer oder im Englischen "Hit".

Basierend auf dieser Einteilung lassen sich verschiedene Kenngrößen
berechnen. Die "Accuracy" (Genauigkeit) ist das Verhältnis der
korrekten Vorhersagen (A+D) zu der Gesamtheit der Betrachtungen
(A+B+C+D). Auf den ersten Blick möchte man meinen, eine Trefferquote
nahe eins bedeute automatisch eine gute Vorhersagequalität. Doch wie
so oft ist es nicht ganz so einfach. Stellen wir uns ein (noch)
extrem seltenes Ereignis vor, beispielsweise ob eine Lufttemperatur
von 41°C erreicht worden ist. Nun ist ein Modell, das einfach immer
"nein" vorhersagt, offensichtlich kein Modell, das irgendeinen
Mehrwert erzeugt. Trotzdem erreicht es eine Trefferquote, die sehr
nahe am perfekten Ergebnis liegt. Aus diesem Grund sollten immer
mehrere verschiedene Gütemaße zu Rate gezogen werden.

In unserem Beispiel bietet sich die "Probability of Detection" (POD)
an. Hier werden nur die "Hits" (A) betrachtet und deren Verhältnis zu
allen positiven Beobachtungen (A+C). Da unser Modell nie "ja"
vorhersagt, ist A=0 und somit besitzt diese Art der Vorhersage
keinerlei Präzision.
Das Gegenstück zur POD ist die "False Alarm Ratio" (FAR). Sie gibt
an, wie oft man falsch gelegen hat (B), wenn "ja" vorhergesagt wurde
(A+B). Diese beiden Größen ergänzen sich so gut, weil die POD
künstlich erhöht werden kann, wenn ein Ereignis zu häufig
vorhergesagt wird, die FAR jedoch genau das bestraft. Eine kleine
Randnotiz: Eine graphische Darstellung, welche sich der POD und FAR
bedient, ist das sogenannte ROC-Diagramm (Relative Operating
Characteristic), in diesem ist die FAR auf der x-Achse und die POD
auf der y-Achse dargestellt. Mit diesem kann untersucht werden, wie
gut ein Modell zwischen "ja" und "nein" unterscheiden kann.

Nun haben wir einen kleinen Einblick bekommen, wie kategorische
Vorhersagen untersucht und bewertet werden können. Spannenderweise
kann dieses Konzept auch auf die ausgegebenen amtlichen
Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes angewandt werden. In
diesem Fall ist das betrachtete Ereignis "Wird eine bestimmt
Warnschwelle in diesem Bereich überschritten?". Im Nachgang kann dann
herausgefunden werden, wie gut oder schlecht die herausgegebene
Warnung zu den schlussendlich gemessenen Werten gepasst hat.
Doch kommen wir zurück zu Vorhersagen, so fehlt eine Art noch
gänzlich. Wie kann eine wahrscheinlichkeitsbasierte Vorhersage der
Art: "Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 70%" objektiv bewertet
werden? Hier können die besprochenen Methoden nicht angewandt werden
und es muss umgedacht werden. Daher widmen wir uns diesem Thema ein
andermal.

M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



Wissenschaft kompakt

Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2


Für die Benennung von tropischen Wirbelstürmen werden von der
Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegte, alphabetische
Namenslisten bereitgestellt. Welche Besonderheiten es bei diesen
Listen gibt und was passiert, wenn das Alphabet mal nicht ausreicht,
lesen Sie im heutigen Thema des Tages.


Im Thema des Tages vom gestrigen Montag haben wir uns damit
beschäftigt, wie es dazu kam, Druckgebilde - beziehungsweise
tropische Wirbelstürme - zu benennen. Zudem ging es um die
Namenslisten, die für die Benennung von - in unserem Beispiel -
Hurrikanen, also tropischen Wirbelstürmen im Nordatlantik sowie im
zentralen und östlichen Nordpazifik, herangezogen werden.

Nochmals zur Erinnerung: Die sechs jeweils alphabetisch sortierten
Listen für den östlichen Nordpazifik enthalten je 24 Namen (kein Q
und U), die für den Nordatlantik 21 Namen (kein Q, U, X, Y und Z).
Für den zentralen Nordpazifik liegen dagegen nur vier Listen vor, die
jeweils gerade einmal 12 Namen umfassen (kein...naja, siehe
Namenstabelle im Thema des Tages vom gestrigen Montag).

Jetzt könnte man sich natürlich fragen, was eigentlich passiert, wenn
mehr Wirbelstürme auftreten, als es Namen auf der Liste gibt, oder
anders ausgedrückt: Was, wenn das Alphabet ausgeht?

Tja, dieser Fall ist extrem selten und kam gerade einmal zwei Mal im
Nordatlantik vor: 2005 und 2020. Während 2005 bereits unfassbare 28
benannte Tropenstürme über den Nordatlantik fegten, waren es 2020
sogar noch zwei mehr. In der Folge wurde ab Sturm 22 (also nach Ende
der eigentlichen Liste) das griechische Alphabet herangezogen. Alpha,
Beta und Gamma hießen damit die nächsten Stürme. 2021 entschied die
WMO, in Zukunft statt auf das griechische Alphabet auf eine
Ersatzliste zurückzugreifen, sollten nochmals die Namen ausgehen.
Hintergrund ist, dass sich zum einen die griechischen Buchstaben zum
Teil sehr ähnlich anhören, wodurch es zu Verwechslungen kommen kann.


Zum anderen - und hier kommt eine Besonderheit der Namenslisten zum
Tragen - ist es üblich, dass die Namen besonders schadensträchtiger
Stürme aus der Liste gestrichen und neu besetzt werden. So wird es
zum Beispiel nie wieder einen Hurrikan "Katrina" (2005) geben. 2020,
als man auf das griechische Alphabet zurückgreifen musste, wurden Eta
und Iota aufgrund ihrer Heftigkeit gestrichen. Jetzt wird es bei
einem Alphabet natürlich schwierig, gestrichene Buchstaben zu
ersetzen. Bei einer Ersatzliste ist das dagegen kein Problem.

Im östlichen Nordpazifik musste noch nie auf die Ersatzliste
zurückgegriffen werden. Allerdings kam es 1985 zu einer
entscheidenden Anpassung der Listen. Bis dahin wurden nämlich
ebenfalls nur 21 Namen verwendet, wobei wie im Nordatlantik neben Q
und U auch X, Y und Z fehlten. Nachdem die 1985 benutzte Liste das
erste Mal an ihre Grenze kam, wurden kurzerhand "Xina", "York" und
"Zelda" hinzugefügt, die jährlich mit "Xavier", "Yolanda" und "Zeke"
gewechselt wurden und werden. Während sich alle anderen Namen alle 6
Jahre wiederholen, ist dies bei X, Y und Z also alle 2 Jahre der
Fall.

Im zentralen Nordpazifik hat man mit Ersatzlisten dagegen überhaupt
nichts am Hut. Dort geht man einfach fließend zur nächsten Liste
über, sobald eine "aufgebraucht" ist.

Eine Übersicht über die ausgebooteten Namen finden Sie übrigens auf
den Seiten des Nationalen Hurrikan Zentrums
(https://www.nhc.noaa.gov/aboutnames_history.shtml).

Ist Ihr Name vielleicht auch schon gestrichen worden? Oder finden Sie
ihn auf einer der Vergabelisten wieder
(https://www.nhc.noaa.gov/aboutnames.shtml)? Der Autor muss noch zwei
Jahren warten, bis er möglicherweise ein Thema des Tages über
Hurrikan Tobias verfassen kann, und hofft, dass der Name nie
gestrichen werden muss...

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.10.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst





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